Kriminacht 2011 – Simon Urban „Plan D“

Seit 2005 findet die Kriminacht jährlich in Wien statt. In verschiedenen Kaffeehäusern frönt man der Leidenschaft Vieler und lässt Autoren aus ihren diversen Kriminalromanen vorlesen.

Anlässlich der heurigen Veranstaltung hat man mir netterweise ein Rezensionsexemplar von einem der eingeladenen Autoren zukommen lassen und mich gebeten, meine Meinung dazu kund zu tun. Diesmal gibt’s hier auch was zu gewinnen, mehr Infos dazu ganz unten.

Ich gebe zu, ich hatte die Wahl zwischen mehreren Autoren und habe mich rein intuitiv für Simon Urban entschieden. Das Problem einer Rezension eines deutschsprachigen Kriminalromans meinerseits liegt nämlich grundsätzlich darin, dass ich so gut wie nie deutschsprachige Kriminalromane lese. Warum, das kann ich nicht erklären, ich habe ganz einfach ein Faible für amerikanische Noir Krimis und meine bisherigen Ausflüge in die hiesige Krimilandschaft, sprich österreichische Autoren, boten alle miteinander herbe Enttäuschungen. Nachdem ich niemand beleidigen will, erspare ich mir die Nennung von Namen.

Ich gebe aber zu, dass amerikanische Kriminalliteratur nicht allein das Gelbe vom Ei ist. Henning Mankell hat mich fast genauso begeistert, wie Chandler und Co.

Ich holte also mein Leseexemplar von Simon Urbans „Plan D“ ab und fiel fast aus allen Wolken, weil man mir einen Wälzer von 547 Seiten in die Hand drückte. Ich begann sofort zu lesen und hoffte sehr, dass der Roman halbwegs unterhaltsam würde.

Er war es. Zum Glück. Was mich zu einer kurzen Rezension des Oeuvres von Simon Urban bringt. Die Geschichte ist im Hier und Jetzt angesiedelt, das letzte Kapitel spielt am 29. Oktober 2011 (wer es schnell liest, wird noch ein gewisses Gefühl des Dabei-Seins haben) und breitet seinen Plot vor der Fiktion einer noch immer existierenden DDR aus. Das System hat die Umbrüche im 1989-er Jahr überlebt, Egon Krenz steht an der Spitze, der Bundeskanzler der BRD heißt Oskar Lafontaine.

Klassischer Einstieg, ein ehemaliger Berater von Krenz wird ermordet aufgefunden, alles deutet auf Stasi-Handarbeit hin. Martin Wegener, seines Zeichens abgebrühter und desillusionierter Volkspolizist darf ermitteln, weil für die niedergewirtschaftete DDR international viel auf dem Spiel steht, wird ihm ein BRD Ermittler zur Seite gestellt. Der Rest entspinnt sich nach gewisser hard-boiled Manier auf den restlichen 546 Seiten.

Ohne zu viel zu verraten ein kurzes Fazit. Der Roman liest sich gut, man steigt schnell in die Story ein, Spannung baut sich auf und auch die DDR Fiktion ist einigermaßen unterhaltsam. Stärken zeigt der Autor eindeutig in der Dialogführung. Da werden seine Figuren lebendig, da bekommt die Geschichte eine Seele und man beginnt als Leserin mitzuleben.

Auffällige Schwäche ist Urbans Hang zum Detail. Auf vielen Seiten verliert er sich in der haarkleinen Beschreibung seiner Figuren und der exzessiven verbalen Ausgestaltung seiner Szenerien. Fast hat man das Gefühl Urban hätte gerne einen „richtigen“ Roman geschrieben, hohe Literatur, dass die sich aber auch unter Krimis findet, scheint ihm entgangen zu sein, die Adelung der Stilrichtung erfolgt mit Sicherheit nicht durch exzessive Anwendung von ausgefallenen Adjektiven.

In diesem Sinne würde ich dem Autor für das nächste Buch, so er im Kriminalfach bleiben will, die Lektüre von Raymond Chandler oder James M. Cain empfehlen, beide überzeugen auch mit weniger Worten. Generell bleibt ein guter Eindruck vom Buch, das auch über 500+ Seiten nicht langweilig wird.

Wer sich selbst eine Meinung bilden will: Der Sandwurm verlost drei signierte Exemplare von Simon Urbans „Plan D“. Alles was man dafür tun muss, ist mir im Kommentar seinen Lieblingskrimi zu verraten und wenn geht auch eine Begründung warum.

Weitere Informationen:

Die Kriminacht findet am 20. September in verschiedenen Wiener Kaffeehäusern statt. Alle Informationen findet man hier, eine Facebook Seite gibt’s hier. Simon Urban wird um 18:00 im Café Drechsler lesen.

Susanne, 9. September 2011

14 Kommentare zu “Kriminacht 2011 – Simon Urban „Plan D“

  1. aal sagt:

    „And Then There Were None“, weil Agatha Christies Kimis bis ins letzte Detail durchdacht sind. Oder „Misery“, weil man bei Stephen Kings Elaboraten nie aufhören kann…

  2. Ich wollte jetzt echt grad meinen Lieblingskrimi aus dem Regal holen und beschreiben warum das mein Lieblingskrimi ist und so.. aber irgendwie bin ich grad eben draufgekommen, dass ich seit der Schulzeit irgendwie keine „richtigen“ Krimis mehr gelesen hab.

    Ich stolper mehr so über Bücher wie ‚Fermats letzter Satz‘ von Simon Singh oder ‚If you meet Buddha on the Road, kill him‘ von Sheldon Koop und noch ein paar Fantasy und SIFI Schmöker, aber eben keinen Krimi. Das bedeutet nicht, dass ich nicht gerne lese, aber irgendwie sind der Krimi und ich wohl nicht so d’accord.

    Aber ich hab nun doch ein Buch, auch wenn es mehr ein Roman ist, im Kopf, dass ich trotzdem an dieser Stelle erwähnen/vorstellen möchte:

    ‚Ich und die anderen‘ von Matt Ruff. Das Buch hab ich damals das erste mal so beiläufig auf ZDF in einer Literaturkritik bemerkt und bei mir sind nur so Wortfetzen wie „ungewöhnlich“ „ein richtiger Ruff“ uä hängen geblieben.

    Meine zweite Begegnung mit dem Buch war dann in der Hand einer blonden Frau mit braunen Augen in einem Zug auf dem Weg von Salzburg nach Wien. Damals hab ich Sie, wie ich das Buch entdeckt hatte, gleich gefragt wie es ihr gefällt und sie meinte nur ich müsse es lesen. Wer würde eine hübschen Frau in einem Zug wiedersprechen?

    Gesagt getan, ich der normalerweise Fantasyromane lese die nicht weniger als 3 oder mehr Bücher umfasst oder lieber in SIFI-Welten eintaucht, in denen Galaxien mit tausenden von Sternen und hunderten von Handlungssträngen erzählt werden, kaufe mir einen Roman.

    Die ersten 4 Seiten, man liest weiter, Seite 10.. hä? Seite 20… Was hat Ruff vor??

    Man verliert sich in dem Buch so schnell wie man wieder auftaucht um Luft zu holen. Ich war überrascht wie mich Ruff, obwohl ich schon anfangs das überhebene Gefühl die Story zu kennen hatte, wieder auf den Boden der Tatsachen holte und mir gezeigt hat, dass es nicht meine Story ist sondern seine, die er da erzählt. Ich hatte schon einmal so ein Gefühlt und zwar mit Kevin J. Anderson in seiner Saga der sieben Sonnen (SIFI) welche der gute Mann einfach nicht mehr weiterschrieb. Hört mitten drinnen (Buch Nr. 7) auf zu schreiben, aber ich schweife ab..

    ‚Ich und die anderen‘ handelt von einer multiplen schizophrenen Person, welche sich in ihrem Kopf ein Haus geschaffen hat, in der all die Persönlichkeiten miteinander leben. Am Tag gibt es bestimmte Tageszeiten zu welchen die jeweilige Persönlichkeit raus darf und den Körper steuert. Und manchmal kann er es auch nicht steuern..

    Ein Roman mit vielen Höhen, wenigen Tiefen, viel Spannung und auch einem Ende.

    Ein Roman, welcher, wenn man sich auf Ihn einlässt, nicht nur einen guten Einblick in das Thema multibler Persönlichkeiten gibt, sondern auch eintaucht in das Umfeld in dem Sie sich bewegen, wie sie mit anderen Menschen umgehen und vor allem wie andere Menschen darauf reagieren. Auf jeden Fall eine literarische Reise, welche einen auch selbst ein Stück näher bringt.

    Also eine absolute Leseempfehlung von meiner Seite.

    So, sorry ich bin nun ein bisschen ausgeschweift in meinem Kommentar, ich hoff das wird hier nicht als Belästigung geahndet (;

    In dem Sinne noch einen schönen Freitag Abend!

  3. Manuela sagt:

    Mein Lieblingskrimi ist „Schändung“ von Jussi Adler Olsen – ich fand den Krimi total spannend und sehr gut durchdacht. Und auch den Ermittler und seinen Assistenten habe ich beim lesen lieb gewonnen ;).

  4. Danke für den Hinweis!

    „Lupereine“ Krimis gibts egentlich kaum in meineim Bücherregal. Der letzte krimiähnliche Roman, den ich wirklich gern gelesen hab war:“ Schnee der auf Zedern fällt“ von David Guterson, bei dem die Aufklärung eines vermeintlichen Mordes nicht so zentral im Mittelpunkt steht.

    Lg

  5. Bettina sagt:

    Sehr fasziniert hat mich Anthony Berkeley mit „Der Fall mit den Pralinen“. Ganz klassisch werden Fakten präsentiert und sechs Hobby-Kriminologen versuchen sich an dem Todesfall, nachdem die Polizei gescheitert ist. Der Clou ist nun, dass nach der Faktenlage und den Recherchen sechs völlig unterschiedliche Lösungen möglich sind. Jeder widerlegt jeden und dennoch könnte eine der Lösungen stimmen – und die eine richtige sollte idealerweise nicht nur gefunden werden, sondern auch beweisbar sein! Wer will schon einen Mörder frei herumlaufen lassen? Bei sechs Lösungen und einer ratlosen Polizei ist das ein ziemlich schwieriges Unterfangen, das Berkeley sehr spannend und humorig erzählt.

  6. ingrid sagt:

    mein lieblingskrimi?? das ist schwer! ich liebe krimis allgemein!! vor allem österreichische, die haben einen ganz eigenen „schmäh“. aber auch krimis aus dem hohen norden haben es mir im letzten jahr angetan. einen lieblingskrimi kann ich nicht nennen, sehr wohl aber lieblingskrimiautoren: wolf haas, thomas raab, hermann bauer, alfred komarek, henning makell und auch jo nesbo, um nur einige zu nennen…..

  7. Maria Lacina sagt:

    Alle Krimis von Dick Francis haben mir bisher gefallen. Weil sie spannend geschrieben sind und im Pferde- und Rennbahnmillieu spielen.

  8. Martina Pi sagt:

    Mein Lieblingskrimi ist Mittsommermord von Henning Mankell. Spannend geschrieben – man kann eigentlich kaum aufhören zu lesen bis man auf der letzten Seite angelangt ist.

  9. Mr. Mustard sagt:

    Simon Kernick’s thrillers are quite entertaining. The same goes for Neil Cross, who’s also responsible for the tv-series „Luther“. But the creme de la crime are Ian Rankin’s „Inspector Rebus“ novels.

  10. Ich muss zugeben ich liebe Krimis, aber wohl eher die nordamerikanischen (oder britischen) von der unterhaltsameren aber nicht ganz seichten Sorte (Slaughter, Walters, Reichs), wobei mir da auch noch der Hang zu Autorinnen auffällt. Einstiegsdroge war selbstverständlich Agatha Christie.

    Doch wenn ich nun spontan meinen Lieblingskrimi nennen müsste, würden mir allgemein drei bis vier ganz andere Exemplare einfallen (Burdett, Slupetzky, Wolf Haas).

    Aber um mich wirklich auf einen einzigen festzunageln: Stanley Ellin – Nagelprobe mit einem Toten. Dieser Kurzkrimi fasziniert mich, seit ich ihn vor vielen Jahren zum ersten Mal gelesen habe. Für mich der perfekte, perfide, kreative, unblutige, Gentlemanmord und ein wundervolles – wenn auch kurzes – Lesevergnügen.

  11. Sabine Sailer sagt:

    Mein Lieblingskrimi im Moment ist „EWIG“ von Schilddorfer u Weiss.
    Eigentlich war ich nur auf der Suche nach österr. Autoren deren Krimis in Österr. oder noch besser in Wien spielen, hab mich schon durch einiges durchgelesen. Aber in diesen bin ich wirklich hineingefallen. Ich mag die geschichlichen Hintergründe und die sympatischen Hauptpersonen.
    Freu mich schon auf den nächsten Band (soll ja drei gebe).

  12. jugi26 sagt:

    LIEBLINGS KRIMI(S) ………… Wolf Haas mit Silentium – ich kann mich noch sehr gut erinnern – lag mit meiner schwester auf dem balkon -in der sonne – und vorgelesen hat ihn uns unsere mutter, so gelacht – haben wir schon lange nicht mehr – Wolf Haas seine Brenner_Romane sind am köstlichsten genossen, wenn sie vorgelesen werden!!! KRIMI darf auch lustig sein… und Wolf Haas – oft kopiert – nie erreicht!

    jugi

  13. ingrid haas sagt:

    als krimifan hab ich keinen lieblingskrimi…..es gibt zu viele!! vor allem die österreichischen mit ihrem unverwechselbaren „schmäh“ haben es mir angetan!! wolf haas, hermann bauer, pierre emme, thomas raab oder stefan slupetzky um nur einige zu nennen! auch sehr zu empfehlen: die allgäu-krimis rund um den kommissar kluftinger. unbedingt lesen!! da bleibt kein auge trocken….

  14. thesandworm sagt:

    Rechtzeitig vor der Kriminacht fällt die Entscheidung in Sachen „signierte Simon Urban Bücher“. Gewonnen haben, aufgrund völlig subjektiver Entscheidung, folgende Krimifreundinnen und -freunde:

    Matthias – für seinen umfassenden und überwältigend ausführlichen Kommentar.
    Jasmin – weil sie in Bezug auf Stanley Ellin eine Neugierde geweckt hat, die eventuell dazu führen könnte, dass ich mir tatsächlich ein Buch dieses Autors kaufe.
    Mr. Mustard – weil ich einen Hang zum Englischen habe und von seiner Formulierung „creme de la crime“ sehr angetan war.

    Ich bedanke mich bei allen sehr herzlich für ihre Teilnahme und die Mühe, die sie sich mit ihren Kommentaren und Tipps gemacht haben!

    Herzlichst – TheSandworm

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