Demokratie für Anfänger – Teil VIII

Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“ (Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz)

Am 29. April, also vor genau sieben Monaten, habe ich mit diesem Zitat einen Eintrag über ein politisches Experiment eingeleitet, über welches ich heute Bilanz ziehen möchte. Dass ich dasselbe Zitat nun noch einmal voranstelle hat weniger symbolischen Charakter, viel mehr scheint es mir rückblickend optimal geeignet meine diffusen Eindrücke, mit welchen mich der erste Kontakt mit diesem Projekt zurückgelassen hat, auch heute noch am besten in Worte zu fassen. Warum das so ist, möchte ich nachstehend begründen.

Ich hatte damals die Nase voll davon, mich bloß als Beobachterin am politischen Prozess zu beteiligen und mich nach jeder Wahl erneut darüber zu ärgern, dass meine Stimmabgabe für eine bestimmte Partei zumeist aus einem Motiv erfolgt war, welches in einem Abwägen der kleinstmöglichen Nachteile, die meine Wahl nach sich ziehen würde, bestand. Ich hatte in den Jahren davor zumeist das geringste Übel gewählt, nie eine Partei, die mich wirklich überzeugt hatte, dass sie meine Anliegen als Bürgerin in der jeweiligen Regierung oder als Oppositionspartei bestmöglich wahrnehmen würde. Mit den Grünen Vorwahlen eröffnete sich erstmalig die Möglichkeit am politischen Prozess aktiver teilzunehmen, ohne gleich Parteimitglied werden zu müssen. Letztere Option kommt für mich nicht in Frage. Ich habe mich also als Grüne Vorwählerin registriert, um die Chance zu bekommen, von den Wiener Grünen als sog. „Unterstützerin“ anerkannt und zur Listenwahl, bei der die Kandidaten für die nächste Wiener Gemeinderatswahl gewählt würden, zugelassen zu werden. Ich war damals die 100. registrierte Vorwählerin und meinte in meinem Eintrag, dass ich zwar keinen Preis bekommen hätte, dass der aber vielleicht ja noch folgen würde. Einen Preis habe ich tatsächlich bekommen, wie sich der gestaltet hat, darauf werde ich jedoch erst am Ende dieser Bilanz eingehen.

Zunächst ist es nötig, die vergangenen sieben Monate zusammenzufassen, denn es hat sich bereits nach wenigen Wochen des Dabeiseins als Grüne Vorwählerin herausgestellt, dass sämtliche meiner Erwartungen im negativen wie im positiven Sinne übertroffen wurden.

Ich beginne, auch aus psychologischen Gründen (einige werden diese Dinge mit Sicherheit schnell wieder vergessen haben wollen), mit den negativen Seiten. Bereits am ersten Informationsabend, den ich besucht habe – es war der 28. April – wurden von den anwesenden Grünen eine Flut von Aussagen und Vermutungen in den Raum gestellt, die man insgesamt wohl nicht anders als ein gigantisches diffuses Angstszenario beschreiben kann. Manche Kandidaten würden sich Sorgen um ihre Ämter machen, andere wiederum vermuteten eine gesteuerte Aktion, in deren Hintergrund ein großer Unbekannter, der die Wiener Grünen unterwandern wollte, die Fäden ziehe usw. usf. Dieses Grundmisstrauen gegenüber den Grünen Vorwahlen und der Leute, die sich in diesem Auffangbecken wieder fanden, schaukelte sich bis Mitte Juli, als dann endlich die Entscheidung bekannt gegeben wurde, wer jetzt als Unterstützer aufgenommen worden war und wer nicht, in eine regelrechte Paranoia auf, die bis heute nicht gänzlich verschwunden ist. Ich habe in dieser Zeit Dinge erlebt und Personen getroffen, die mich auch rückblickend, gelinde gesagt, bass erstaunt zurückgelassen haben. Als Gruppe wahrgenommen, gelang es dem oder der Einzelnen auch nie, den Vorwurf zu entkräften, die Grünen Vorwähler (das wurde meist mit einem gewissen Unterton rezitiert), wollten irgendjemand entmachten, die Partei an die Wand fahren, oder würden sonstige destruktive Vorhaben planen.

Ich persönlich habe mich an diesem Projekt beteiligt, weil ich der Meinung war (und noch bin), dass mit der Demokratie im Lande einiges im Argen liegt, weil ich mich re- und neupolitisieren und endlich mehr tun wollte, als am Wahltag mein Kreuz zu machen, als Stimmvieh wahrgenommen zu werden und sonst keinerlei Einfluss ausüben zu können, oder zu dürfen. Diesbezüglich war ich schon allein von der Möglichkeit, dies bei den Wiener Grünen, in der Form einer Unterstützerschaft, tun zu können, begeistert. Gleichzeitig jedoch war ich auch bestürzt, was mir in den Monaten, in denen ich dieses Projekt als Neugierige begleitet habe, an Misstrauen und Scheinheiligkeit entgegen geschlagen ist. Die Tatsache, dass ich in einen engeren Kreis an aktiven Leuten rund um die Initiatoren getreten war, hat diesen Eindruck noch weiter bestärkt, da ich in Prozesse hinter den sogenannten Kulissen eingebunden war und auch diverse Email-Korrespondenzen verfolgen konnte, die dort abliefen. Diesbezüglich habe ich schon kurz nach meiner Beteiligung an den Grünen Vorwahlen, meinen an diesem Projekt interessierten Freunden meistens Folgendes zu verstehen gegeben: „Es ist vermutlich das spannendste politische Projekt seit ich denken kann, aber die Wiener Grünen, die Grünen an sich, sind mir seit ich dabei bin, noch unsympathischer als je zuvor“. Diese Aussage ist natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern zu lesen, aber sie ist im Grunde wahr. Und zwar auch noch heute, sieben Monate später und nachdem ich als akzeptierte Unterstützerin an der 63. Landesversammlung der Wiener Grünen teilgenommen habe, vermutlich aktiver als die meisten anderen dort (nachzulesen hier) und bei der Listenwahl als Wahlberechtigte Einfluss nehmen durfte.

Das mag vernichtend klingen, ich möchte es aber nicht so verstanden wissen. Warum? Ich hoffe, das erschließt sich, wenn ich nunmehr zu den positiven Seiten dieses Politikexperiments komme.

Ich habe mich in diesen vergangenen sieben Monaten intensiver als je zuvor mit Politik befasst. Mit den Grundzügen der Demokratie in Österreich, mit Rechten und Pflichten einer Bürgerin, mit Staatsgebilden und Ideen, die anderswo oder in früheren Zeiten existierten. Mit Reflexionen bekannter Autoren und mit der Infragestellung eigener Positionen und Motive. Ich habe selten zuvor öfter über das Thema diskutiert oder geschrieben, habe mich mit Freunden, Bekannten, Verwandten und Politikern darüber unterhalten. Ich habe in den Monaten, in denen ich mich mit den Grünen Vorwahlen auseinandergesetzt habe, in denen ich mich oft bis zur Weißglut geärgert habe oder tief enttäuscht war, unzählige neue Bekanntschaften geschlossen. Habe Grüne Vorwählerinnen und Vorwähler persönlich kennen gelernt – wer noch immer glaubt, diese Initiative hätte einen verschwörerischen Masterplan gehabt, dem sei gesagt, dass ich selbst, bevor ich mich als Grüne Vorwählerin registriert habe, lediglich eine Person aus dem Kreis gekannt habe und selbst in diesem Fall bin ich durch die Grünen Vorwahlen darauf gestoßen, dass sich auch diese Person daran beteiligt. Ich habe Politiker und Politikerinnen aus dem Kreis der Wiener Grünen getroffen, mich mit ihnen unterhalten, mit manchen von ihnen diskutiert, zu einigen gar keinen Zugang gefunden, oder bloßes Unverständnis geerntet, mit anderen wiederum eine gemeinsame Basis gefunden. Ich habe an Informationsveranstaltungen teilgenommen, ein Barcamp mitorganisiert und bin in der Endphase zu Kandidatenhearings und kleineren Diskussionsrunden gegangen. Ich habe sozusagen das „Zoon Politikon“ in mir geweckt. In den jeweiligen Phasen der Grünen Vorwahlen wurde diskutiert, argumentiert, gestritten und geschimpft, manche sind laut geworden, viele haben sich geärgert, noch viel mehr wurden enttäuscht, einige haben sich abgewandt, manche nur kurz, ein Großteil auf Dauer.

Und trotz der Tatsache, dass die Wiener Grünen letztlich nahezu die Hälfte der Leute, die sich um eine Unterstützerschaft beworben hatten – aus fadenscheinigen Gründen – ablehnten, habe ich mich über die anfängliche Enttäuschung darüber doch noch dazu durchgerungen am 15. November zur Landesversammlung zu gehen und mitzustimmen, denn ich selber wurde in diesem fast lotterieartig anmutenden Entscheidungsprozess als Unterstützerin aufgenommen. Auf dieser Veranstaltung schließlich habe ich, gemeinsam mit jenen Unterstützerinnen und Unterstützern, die ich persönlich kannte, erlebt, was den abgelehnten Grünen Vorwählern leider vorenthalten wurde: einen hochspannenden Wahltag, mit allen Höhen und Tiefen, aber am Ende mit einem Gefühl, das durch und durch positiv war, weil ich erkannt habe, dass meine einzelne Stimme durchaus Gewicht haben kann, weil ich den demokratischen Prozess so erfahren habe, wie ihn jede Bürgerin, jeder Bürger, dieses Landes zumindest einmal erlebt haben sollte. Und weil ich am Ende aus der Landesversammlung gegangen bin und mit Erstaunen festgestellt habe, dass ich die Wiener Grünen mit großer Wahrscheinlichkeit wählen werde, bei den Wiener Gemeinderatswahlen. Nicht weil es nicht noch immer Leute gibt, die ich für unfähige Politiker halte, nicht, weil es nicht noch immer Personen gibt, die es als persönlichen Auftrag sehen, zu betonieren und zu blockieren, sondern weil ich ein paar Kandidaten und Kandidatinnen kennen gelernt habe, die jetzt an wählbarer Position auf dieser Liste stehen und von denen ich der Meinung bin, dass ich für sie stimmen kann, weil ich weiß, dass sie sich für ihre Agenden interessieren, sich dafür engagieren und vor allem kompetent sind. Viel mehr noch, weil ich sie persönlich kennen gelernt habe und weil ich ihnen, wenn ich den Eindruck habe, dass sie ihren Politikerjob nicht mehr so ausüben, wie ich mir das als Wählerin vorstelle, die Meinung sagen kann und erstmalig ein Körnchen Hoffnung habe, dass diese Meinung auch ernst genommen wird. Genau darin liegt auch die Belohnung, der oben erwähnte Preis, für die Teilnahme an diesem Projekt.

Wie lautet also mein persönliches Fazit der Grünen Vorwahlen? Es scheint schwierig meine nachfolgenden Ausführungen verständlich zu machen, aber so kontrovers sie auch sein mag, ich bin zu keiner anderen Schlussfolgerung gekommen: Das Projekt Grüne Vorwahlen muss ich als gescheitert werten. Allein weil von 445 Vorwählern 215 nicht als Unterstützer aufgenommen wurden. Weil 215 Leuten die Möglichkeit vorenthalten wurde, das mitzuerleben, was ich und meine anwesenden Unterstützerkollegen am 15. November miterleben konnten. Weil 445 Politikinteressierte von einer ganzen Partei vor den Kopf gestoßen wurden und mit dem Generalverdacht belegt wurden, sie wollen den Wiener Grünen schaden, sie unterwandern, einen Putsch veranstalten. Weil ein Passus in den Statuten der Wiener Grünen, das de facto das Äquivalent einer Verfassung ist, sich als Lippenbekenntnis erwiesen hat und weil es nicht jedem und jeder möglich war sich für die Wiener Grünen in ihrem oder seinem Maße zu engagieren und für sie aktiv zu werden. Deshalb ist die Initiative Grüne Vorwahlen meiner Meinung nach gescheitert, und zwar an den Wiener Grünen.

Scheitern ist aber für mich persönlich nicht unbedingt gleichzeitig eine negative Bilanz. Ich sehe das von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus, denn jede, die sich mit Wissenschaftsgeschichte ein wenig auseinander setzt, wird in den verschiedensten Disziplinen unzählige Beispiele finden, wo gerade ein gescheitertes Experiment maßgeblich für bahnbrechende Entdeckungen verantwortlich war. Weil sich der Gescheiterte erstmals auf fremdes Terrain gewagt hat, weil die Forscherin unorthodoxe Wege gegangen ist, weil man von jenen, die immer noch die alten Methoden anwenden, ausgelacht wurde, aber nur kurz, denn irgendeiner hat sich dadurch wieder herausgefordert gefühlt, hat das Experiment unter neuen Bedingungen wiederholt, hat Elemente ausgetauscht oder verändert und war damit erfolgreich.

Genau dieselbe Hoffung habe ich auch für die Grünen Vorwahlen. Ich wünsche mir, dass die richtigen Leute das Potential einer direkteren Beteiligung ihrer Wähler erkenne, ich hoffe, dass es Vorwahlen auch in anderen Landesorganisationen der Grünen gibt, im besten Fall in allen österreichischen Parteien. Der Grund dafür liegt in einem Konstrukt begründet, das sich Wählerbindung nennt, und das vielen Politikern schlaflose Nächte bereitet. Es ist nämlich aktuell so, dass die Wählerbindung an die Parteien seit längerem im Sinken begriffen ist. Ein Beweis, dass sich die Zeiten geändert haben. Man macht nicht mehr aus Routine bei „seiner“ Partei das Kreuz am Wahlzettel. Entweder man informiert sich, oder man bleibt aus Frust gleich zu Hause. Wählerinnen und Wähler springen von Partei zu Partei und wieder zurück, oder eben ganz weg. Bester Beweis: die ehemals großen Volksparteien (SPÖ und ÖVP) verlieren zunehmend an Wählerschaft. Wählerbindung, d.h. Leute über längere Dauer an die eigene Partei zu binden und sie auch am Wahltag zu mobilisieren, ist also ein nicht zu unterschätzendes Instrument um eine Partei zu stärken, sie wird vermutlich auch in Hinkunft darüber entscheiden, ob eine Partei weiterhin konkurrenzfähig bleibt, ob sie Wahlen gewinnen kann und letztlich, ob sie Regierungsverantwortung übernehmen wird.

Vorwahlen schaffen ein ungeahntes Potential neue und vor allem jüngere Wählerschichten an die Partei und zwar an spezifische Kandidaten zu binden. Ich bin aktuell der beste Beweis dafür und selbst nicht schlecht darüber erstaunt, dass es möglich ist gleichzeitig von einer Partei enttäuscht, aber von einzelnen Personen darin begeistert zu sein. In diesem Sinne also hat sich für mich Saint-Exupérys Zitat als prophetisch erwiesen. Ich habe mir die Politik, insbesondere ein paar Politiker und Politikerinnen, vertraut gemacht und sehe mich jetzt plötzlich für sie verantwortlich, vermutlich nicht lebenslang, aber wer weiß, vielleicht passiert ja doch noch ein politisches Wunder in Österreich. Ausschließen will ich zu diesem Zeitpunkt gar nichts mehr und deshalb soll diese vorläufige Endbilanz meines Politikexperiments auch mit jenem Zitat enden, das den ersten Eintrag zum Thema „Demokratie für Anfänger“ beschlossen hat. Weil ich auch diesbezüglich den Eindruck habe, dass die Grünen Vorwahlen zwar gescheitert, aber gerade deswegen ein Beginn sein könnten:

Es gibt keine Lösungen im Leben. Es gibt Kräfte in Bewegung: die muß man schaffen; die Lösungen folgen nach“ (Antoine de Saint-Exupéry. Nachtflug)

Susanne, 29. November 2009

Advertisements

Skizzen aus Wien – Nr. 39

Die besinnliche Jahreszeit zieht ins Land. Man entkommt ihr kaum und besinnlich ist sie zumeist nur, wenn man danach trachtet so wenig wie möglich nach draußen zu gehen. Zumindest hier in Wien, denn hier kann man de facto bereits vom Weihnachtswahnsinn sprechen. Die Stadt, insbesondere die größeren Plätze und Einkaufsstraßen, verwandeln sich in ein sprichwörtliches Irrenhaus. Vergangenen Donnerstag habe ich einen ersten Vorgeschmack davon erhalten und meinen Vorsatz möglichst alle Geschenke, die ich besorgen möchte, via Versandhandel zu erwerben, hat sich zum festen Entschluss gewandelt.

Was war passiert? Ich hatte eine kleinere Besorgung zu erledigen – ich wollte ein paar Buchgutscheine in der Buchhandlung Morawa einlösen – und war zu diesem Zwecke unterwegs in den ersten Bezirk. Nachdem die Buchhandlung in der Wollzeile von mir zu Hause aus denkbar ungünstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, beschloss ich ab Schottentor einen kleinen Spaziergang durch die innere Stadt zu machen, etwas das ich normalerweise sehr schätze, hätte ich jedoch gewusst, was mich erwartet, wäre ich gar nicht erst außer Haus gegangen.

Bereits am Schottentor war der Teufel los, zwei Polizisten hatten eine osteuropäische Bettlerin aufgehalten und warteten auf Anweisungen aus der Zentrale, während die alte Frau die beiden Beamten weinend anflehte. Mir drehte es das erste Mal kräftig den Magen um. In der Schottengasse herrschte bereits ein relatives Gewühl an Leuten, das sich bis in die Herrengasse verstärkte. Eine einzige Freakshow, das nur ganz nebenbei. Protzige Russen zum Beispiel, die mit Sicherheit auf legalem Weg ihr Vermögen gemacht hatten, das sie jetzt in die österreichische Weihnachtswirtschaft stecken wollten. Denn Weihnachten ist ein gewaltiges Geschäft. Alles dreht sich ums Verkaufen und beim zunehmend mühsamer werdenden Weg, der mich über die Fahnengasse in die Wallnergasse führte, wurde mir bereits ganz schwindlig beim Gedanken an die nun wöchentlich veröffentlichten Verkaufszahlen und die über sie geführten Debatten, ob das Weihnachtsgeschäft die Krise überstehen würde, oder ob es nicht vielleicht sogar noch stärker werden würde, ob man auf ein Wachstum hoffen dürfte, samt Interviews mit allen möglichen Vertretern des Handels, mit Verkäufern und Geschäftsinhabern, ob sie denn eh schon viel verkauft hätten und ob es hoffentlich ein gutes Weihnachtsgeschäft würde. Wir halten fest die Daumen.

Verkaufen und Weihnachten feiern, mit der Betonung auf feiern. Das scheint das einzig noch Interessante am Weihnachtsfest zu sein, wurde mir klar, als ich die glitzernden Augen der Damen, die sich bei Tiffanys die Nasen am Schaufenster platt drückten sah. Geldausgeben, Geschenke kaufen, irgendetwas kaufen, hauptsache kaufen und dabei eine lustige Zeit haben. Auf dem Weg vom Kohlmarkt zum Graben kam mir Kottans Frau entgegen, ihr Name wollte mir nicht einfallen, aber irgendwie sah sie immer noch gleich aus und sie hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen, als sie so dahinspazierte. Ein Lichtblick in dieser düsteren Zeit, denn gerade als ich auf den Graben bog, registrierte ich, dass die Luft mittlerweile punschgetränkt war. Einer nach dem anderen standen sie dort aufgefädelt, die Stände, an denen man sich für wohltätige Zwecke betrinken konnte. Zwischendurch musste ich mich auf meinem Weg zum Stephansplatz auch alle fünf Meter ducken, da ich irgendwo ständig in die Schusslinie der wie wild um sich fotografierenden Wien-Touristen geriet. Am Graben wird man übrigens von einer megalomanischen Weihnachtsbeleuchtung fast erschlagen und ich konnte nicht umhin, immer noch an die Bettlerin denkend, mich darüber zu ärgern, was für Massen an zusätzlichem Strom diese hässliche Weihnachtsdekoration auch dieses Jahr wieder verschlingen würde. Wäre es nicht ein schönes Zeichen, wenn die Stadt einmal darauf verzichten würde und das eingesparte Geld jenen Leuten zu Gute kommen ließe, die sich die Heizung nicht mehr leisten können? Davon gibt es in Wien angeblich gar nicht so wenige. Aber nein! Was würden da die Touristen machen? Und die Wiener, eine einzige Aufregung wäre das.

So ärgerte ich mich weiter bis ich endlich am Stephansplatz, der offenbar derzeit das Zentrum des Wahnsinns bildet, ankam. Ein einziger Zirkus! Da ein als Clown verkleideter Luftballonverbieger, oder wie immer man die Profession dieser Leute, die längliche Luftballons zu allerlei Getier verdrehen bezeichnet, dort eine weißgewandete Gestalt, von der ich keine Ahnung hatte, wen oder was sie darstellen sollte, die aber zu jener Gattung „Touristenattraktion“ gehörte, die sich in den letzten Jahren offenbar pandemieartig in sämtlichen mir bekannten Touristenmetropolen ausgebreitet hat. Lebende Statuen, Leute, die unbeweglich herumstehen und irgendeine Persönlichkeit aus der Geschichte darstellen, oder sonst wen, die Sinnhaftigkeit dieser Art „Attraktion“ hat sich mir bis heute nicht erschlossen, es scheint sich aber damit gut Geld verdienen zu lassen, sonst gäbe es sie vermutlich nicht. Kein Mensch kann mir einreden, dass man so was aus Spaß macht.

Schließlich und endlich der Big Player am Platz. Nicht zu übersehen – ein riesiges weißes Zelt, nur Meter vom Stephansdom entfernt – die Caritas. Und noch viel weniger war sie zu überhören. Der gesamte Platz wurde beschallt und zwar – jetzt bitte festhalten – mit Hip-Hop! Jawohl, die katholische Organisation ist endlich auch cool geworden. Chillen und spenden am Stephansplatz. Die heilige Musik stammte übrigens, ich habe mich natürlich erkundigt, von einem gewissen Herrn Gang Starr, der mit den Profanitäten auch nicht hinter dem Berg hielt. Yo, yo, yo, bitchez and hos! Ich musste mich sehr zurückhalten um nicht vor Lachen vor dem DJ Pult niederzubrechen. MC Jesus Christ comin’ to town. Die Krönung des Weihnachtswahnsinns.

Mit letzter Kraft schaffte ich es schließlich in die Buchhandlung Morawa, wo man sich mit der Musikbeschallung dankenswerterweise zurückgehalten hatte, zumindest erschien es mir so, denn nach dem Spießrutenlauf durch diverseste aufgezwungene Weihnachtsliederbeschallungen auf meinem Weg, kann ich mich jetzt nicht erinnern, ob man dort Musik gespielt hat oder nicht – es schien auf jeden Fall wie eine Oase der Stille.

Nachdem ich aber noch immer schwer traumatisiert war von den schrecklichen Erlebnissen, von diesem Vorweihnachtsterror, der jedes Jahr früher einzusetzen schien, gab es nur eine Möglichkeit wieder halbwegs auf die Beine zu kommen und vor allem den Heimweg zu überleben, ja, ich hatte gar keine andere Wahl, ich musste mir einen Bernhard kaufen.

Susanne, 22. November 2009

63. Landesversammlung der Wiener Grünen

The Sandworm - artwork zoer

21:10 Letztes Ergebnis des Abends

Das Ergebnis des letzten Wahlgangs, des 2. Wahlgangs für die Plätze 25 – 28 ist da, die Kandidatinnen und Kandidaten sind: Markus Rathmayr, Petra Galkova, Ilunga B. Kabedi und Wolfgang Kampnter.

Und somit geht ein wohl langer, aber nie langweiliger Abend für mich zu Ende. Ich habe viel gelernt, es war so spannend, wie ich es nie erwartet hätte, und das bis zum allerletzen Wahlgang. Ich bedanke mich hiermit bei den vielen Leute, die meine Einträge gelesen haben, insbesonders jenen, die mich auf ihren Webseiten verlinkt haben, nämlich Christoph Chorherr und Rosa Winkler-Hermaden auf DerStandard.at! Danke!

21:03 Ergebnis 1. Wahlgang Listenplätze 25 – 28

Das Ergebnis ist da, die Kandidaten und Kandidatinnen für den zweiten Wahlgang auf die Listenplätze 25 – 28 sind: Rainer Fussenegger, Petra Galkova, Ilunga B. Kabedi, Wolfgang Kamptner, Elisabeth Kuchling, Ursula Omoregie, Markus Rathmayr und Karl Schall.

Der letzte Wahlgang des Abends hat begonnen, nicht nur ich bin offenbar froh, dass dieser aufregende, aber anstrengende, Tag langsam zu Ende geht.

20:33 Ergebnis 2. Wahlgang Listenplätze 21 – 24

Das Ergebnis des 2. Wahlgangs um die Listenplätze 21 – 24 ist da, es geht jetzt immer schneller, die Kandidatinnen und Kandidaten die es auf die Plätze 21 – 24 geschafft haben sind: Eva Lachkovics, Momo Kreutz, Alexander Spritzendorfer und Armin Soyka.

Es zeigt sich mittlerweile auch, dass nur noch ein Bruchteil der Leute genügend Sitzfleisch besitzt. Es sind 122 Leute nötig um in der Landesversammlung beschlussfähig zu bleiben und die Reihen lichten sich. Es wurde soeben auch spekuliert, ob nicht Teile der Grünen Vorwähler vielleicht gerade dafür verantwortlich sind, dass dieses Mindestquorum noch vorhanden ist. Das wäre zumindest ein interessanter Nebenaspekt an der ganzen Unterstüzter- und Unterstützerinnenbewegung.

20:05 Ergebnis 1. Wahlgang Listenplätze 21 – 24

Mittlerweile hat sich die gröbste Anspannung etwas gelöst, die Reihen haben sich merklich gelichtet, aber auch die Auszählungen kommen jetzt schneller zu einem Ergebnis. Hier jenes des 1. Wahlgangs für die Listenplätze 21 – 24, die Kandidatinnen und Kandidaten, die in den 2. Wahlgang kommen sind: Petra Galkova, Ilunga Benedicte Kabedi, Momo Kreutz, Eva Lachkovics, Markus Rathmayr, Karl Schall, Armin Soyka und Alexander Spritzendorfer.

Ich habe meinen Stimmzettel bereits abgegeben und bemerke, dass sich erste Anzeichen von Ermüdung auch bei mir zeigen. Ich habe doch tatsächlich die Zeiten der einzelnen Ergebnisse falsch gespostet – als Resultat von Copy&Paste. Soll nicht mehr vorkommen, denn der Endspurt läuft hier bei der 63. Landesversammlung der Wiener Grünen, es wird wohl bald ein Endergebnis feststehen.

19:40 Ergebnis 2. Wahlgang Listenplätze 17 – 20

Das Ergebnis des 2. Wahlgangs um die Listenplätze 17 – 20 ist da, die Listenplätze verteilen sich wie folgt: Claudia Smolik, Zerife Yatkin, Robert Korbei und Waltraud Antonov.

Es startet jetzt auch sofort der 1. Wahlgang um die Listenplätze 21 – 24. Es stehen noch viele interessante Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl und selbst wenn es auf den hinteren Plätze schwieriger werden wird in den Gemeinderat einzuziehen, die Chancen sind wohl auch für die Plätze 16+ intakt. Schließlich ist bis zur Wahl im Oktober 2010 noch ausreichend Zeit, um sich als wählbare Alternative zu den anderen in Wien kandidierenden Parteien zu präsentieren.

18:55 Ergebnis 1. Wahlgang Listenplätze 17 – 20

Das Ergebnis des 1. Wahlgangs für die Listenplätze 17 – 20 ist da, die Kandidatinnen und Kandidaten, die es in den 2. Wahlgang geschafft haben sind: Waltraud Antonov, Robert Korbei, Eva Lachkovics, Fanny Rasul, Claudia Smolik, Armin Soyka, Alexander Spritzendorfer und Zerife Yatkin.

Mein Stimmzettel ist ausgefüllt, es wird wieder spannend.

18:35 Zwischenbericht

Es schien ein merkbares Aufatmen durch den Saal zu gehen, als Marco Schreuder den 14. Listenplatz ergattert hat. Und verdienter Applaus, als er die Wahl annahm. Derartige Hochs und Tiefs waren wohl den ganzen Tag dafür verantwortlich, dass kaum eine hier sich losreißen konnte oder wollte. Es galt immer wieder mitzuwählen, um seinen Wunschkandidaten doch noch auf die Liste zu bringen – ein Heimgehen hätte fatale Folgen haben können.

Jetzt, nachdem es um die hinteren Plätze geht, beginnen sich die Reihen aber doch langsam zu lichten. Es machen sich auch erste Ermüdungserscheinungen breit, bzw. am Büffet scheint die Bestellung von Entspannungsbieren und -weinen ebenfalls zu steigen. Ich hatte in der letzten Pause ebenfalls eins nötig, denn die Spannung, die hier in der Luft liegt, lässt sich schwer beschreiben. Es hat auf jeden Fall etwas ansteckendes, und ich bin neugierig, wie das Endresultat nach diesem Abend lauten wird. Für mich kann ich jetzt schon sagen, ich habe selten einen interessanteren politischen Tag erlebt.

18:25 1. Wahlgang Listenplätze 17 – 20

Die Wahl für die Listenplätze 17 – 20 läuft. Mein Stimmzettel ist abgegeben, bei den vielen hochkarätigen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich hier der Wahl stellen, fällt es nicht leicht, sich zu entscheiden.

18:23 Ergebnis 2. Wahlgang Listenplätze 13 – 16

Das Ergebnis des 2. Wahlgangs um die Plätze 13 – 16 ist da, die Plätze verteilen sich wie folgt: Jennifer Kickert, Marco Schreuder, Ingrid Puller und Nikolaus Kunrath.

18:07 Kurzer Stimmungsbericht

Wieder einmal ein kurzer Stimmungsbericht. Die allgemeine Pause war wohl bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der 63. Landesversammlung der Wiener Grünen hochwillkommen. Ich kann nur für mich sprechen, aber es handelt sich hier um eine ungemein spannende politische Veranstaltung, die sich jeder der sich für Demokratie und Politik in Österreich interessiert, einmal ansehen sollte. Es herrscht große Transparenz, ich twittere und blogge ungehindert und unabhängig davon, dass nur Unterstützerinnen und Mitglieder stimmberechtigt sind, könnte jeder hier hereinspazieren und Politikluft schnuppern.

Es ist ein Hin- und Her, Quereinsteiger wie Klaus Werner-Lobo können reüssieren, genauso wie verdiente Politiker wie z.B. Marco Schreuder, noch kämpfen müssen. Es offenbaren sich neue Talente wie Armin Soyka, engagierte Reden, wie die von Martina Wurzer, werden auch kurzfristig belohnt. Es gibt strahlende Gewinnerinnen genauso wie enttäuschte Kandidaten.

Vor allem aber möchte ich hier noch zum Ausdruck bringen, wie schade ich es persönlich finde, dass soviele Grüne Vorwähler und Vorwählerinnen grundlos abgelehnt wurden. Ihnen wurde die Beteiligung an diesem Prozess verwehrt und man hat damit sicherlich eine beträchtliche Zahl an Sympathisantinnen vergrämt, Leute, die sich von den Wiener Grünen in einer Phase abwenden, in der es um jede einzelne Stimme geht. Dies gilt es auch für diejenigen Wiener Grünen zu bedenken, die an diesem Ablehnungsprozess maßgeblich beteiligt waren.

17:50 Ergebnis 1. Wahlgang Listenplätze 13 – 16

Die Kandidaten und Kandidatinnen, die es in den zweiten Wahlgang um die Listenplätze 13 – 16 geschafft haben, sind:

Jennifer Kickert, Robert Korbei, Nikolaus Kunrath, Ingrid Puller, Marco Schreuder, Claudia Smolik, Armin Soyka, Zerife Yatkin.

Mein Stimmzettel ist bereits abgegeben, es geht in den 2. Wahlgang.

17:17 1. Wahlgang für die Listenplätze 13 – 16

Der 1. Wahlgang für die Listenplätze 13 – 16 läuft, mein Stimmzettel ist bereits in der Urne!

Nach diesem Wahlgang strömt auch das erste Mal eine wahre Flut von Leuten aus dem Auditorium. Die Reden der Kandidaten und Kandidatinnen, auch für Listenplätze weiter hinten, sind bereits abgeschlossen und es ist jetzt offiziell eine halbe Stunde Pause angekündigt. Die werde ich ebenfalls nutzen, sofern ich überhaupt rauskomme – die Leute hier scheinen jedenfalls erleichtert über die kurze Möglichkeit sich zu entspannen. Die Nerven liegen nämlich blank.

17:07 Ergebnis 2. Wahlgang Listenplätze 9 – 12

Es ist verdammt spannend geworden.

Das Ergebnis des 2. Wahlgangs, die Kandidatinnen und Kandidaten, die letztlich erfolgreich waren sind: Birgit Hebein, Klaus Werner-Lobo, Monika Vana, Senol Akkilic.

16:35 Ergebnis 1. Wahlgang Listenplätze 9 – 12

Die Ergebnisse des 1. Wahlgangs um die Listenplätze 9 – 12 sind da, hier die Kandidaten und Kandidatinnen, die es in den 2. Wahlgang geschafft haben: Senol Akkilic, Birgit Hebein, Jennifer Kickert, Nikolaus Kunrath, Marco Schreuder, Monika Vana, Klaus Werner-Lobo, Zerife Yatkin.

16: 30 Doch eine Fundgrube für politische Talente

Der Auftritt vom erst 19-jährigen Armin Soyka soll nicht unerwähnt bleiben. Er lieferte mit seiner Rede einen beeindruckenden Beweis wie zukunftsfähige Nachwuchspolitik aussehen kann. Keine leeren Floskeln, aber dafür konkrete Vorschläge und Kritikfähigkeit. Hier scheint ein politisches Talent gefunden worden zu sein!

15:40 Wahlgang um Plätze 9 – 12

Der Wahlgang um die Plätze 9 – 12 hat begonnen. Durch die vielen ausgezeichneten Kandidatinnen und Kandidaten, die es im vorangegangenen Wahlgang nicht geschafft haben, einen Listenplatz zu ergattern, wird es zunehmend schwerer sich für den oder die Richtige zu entscheiden. Es stehen wieder nur 4 Plätze zur Verfügung, auf die man seine Favoriten reihen kann und mittlerweile haben sich unter den von Beginn an für diese Listenplätze Kandidierenden auch einige Kaliber aus den vorangegangenen Wahlgängen gesellt. Wer schafft es, wer fliegt raus, das ist im Moment die große Frage.

15:16 Stimmungsbericht

Die Präsentationen um die Listenplätze 9 – 12 laufen weiter und es wird eines klar. Es handelt sich hier um eine hochspannende demokratiepolitische Veranstaltung! Ich hatte einen unglaublich langweiligen Tag erwartet, und wurde voll und ganz vom Gegenteil belehrt. Bereits seit Beginn der Veranstaltung zeigt sich, dass die Listenplätze zum Teil hart erkämpft sind. Kandidaten fliegen raus, von denen man sich erwartet hätte, dass sie den Platz, um den sie kandidiert haben, locker ergattern würden.

Und es gibt auch jene, die sich durch engagierte Reden nach vorn katapultiert haben. Genau so stelle ich mir das vor. Leute, die mit Ideen und konkreten Vorstellungen überzeugen, genauso wie den einen oder anderen „upset“, der in einem demokratischen System unbedingt inkludiert sein muss. Es wird heute noch öfter spannend werden!

15:09 Wahlgang um Listenplätze 5 – 8 entschieden

Der Wahlgang um die Listenplätze 5 – 8 ist nunmehr entschieden, die Kandidatinnen und Kandidaten, die die Listenplätze ergattern konnten lauten wie folgt (von Platz 5 bis 8 ansteigend): Martina Wurzer, Christoph Chorherr, Sigrid Pilz und Martin Margulies.

Der bisher spannendste Wahlgang!

15:02 Jede Stimme zählt!

Nun steht auch fest, dass es einige ausgezeichnete Leute nicht in die Wahl um die Plätze 5 – 8 geschafft haben. Z.B. Marco Schreuder, der sich seit langem für die Erhaltung und Restaurierung der jüdischen Friedhöfe in Wien oder für Gleichstellungsfragen in Sachen Homosexualität engagiert. Einige Leute zeigen sich diesbezüglich, nicht zu Unrecht, schockiert.

Auch Klaus Werner-Lobo, Kandidat aus den Reihen der Grünen Vorwahlen, muss noch weiterzittern.

Deshalb hier auch nochmal der Aufruf an alle Grünen Vorwählerinnen und Vorwähler, die vielleicht noch daheim sitzen und mit dem Gedanken spielen herzukommen. Es geht noch, jetzt kann man noch mitstimmen und selbst eine Stimme kann hier einen Platz auf der Liste bedeuten.

14:40 Zweiter Wahlgang um Listenplätze 5 – 8 läuft

Zur Wahl stehen: Christoph Chorherr, Martina Wurzer, Sigrid Pilz, Martin Margulies, Monika Vana, Klaus Werner-Lobo, Robert Korbei und Zerife Yatkin. Meine Stimmen habe ich vergeben.

Mittlerweile habe ich auch das Büffet getestet, ich muss sagen mein Nudel-Gericht war akzeptabel, vor allem aber lockt das informelle Gespräch an den dort aufgestellten Tischen und auf der Terrasse. Dort kann man Meinungen hören, seine eigene kundtun, gemeinsam spekulieren und kommentieren.

13:45 Abstimmung um Platz 5 – 8

Auf den Plätzen 5 – 8 kandidieren jede Menge großartige Leute. Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, da man bloß 4 Kandidaten bzw. Kandidatinnen reihen kann. Da gibt es natürlich auch Vorschläge, wie dies zu hacken wäre (hier). Auch legitim. Mir jedoch geht es nicht darum, einen Kandidatenprozess zu manipulieren, ich möchte für diejenigen Leute stimmen, die mich persönlich angesprochen haben und zwar durch ihre Ideen, wie sie grüne Politik gestalten wollen. Unabhängig davon, ob sie letztlich die Chance haben, den Listenplatz, für den sie kandidieren, auch zu gewinnen.

Ich werde also in Bälde meine 4 Favoriten wählen, auf den Wahlzettel schreiben und mich dann in die Kantine begeben. Ob sich dort etwas Genießbares findet, darüber werde ich hier auch noch berichten.

13:30 Der ORF interessiert sich

Soeben wurde ich von Klaus Dutzler vom ORF interviewt. Die Fragen haben sich um die Wirksamkeit der Grünen Vorwahlen gerankt, ich bin der Meinung, dass die zahlenmäßig große Anwesenheit von Unterstützern und Unterstützerinnen dafür bereits den Beweis geliefert hat. Die Wiener Grünen mögen fast die Hälfte der Vorwähler abgelehnt haben – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – die Tatsache, dass heute doch ziemlich viele von den Stimmberechtigten sich entschlossen haben ins Austria Center zu kommen, zeigt, dass diese Art von Demokratie gewünscht und gewollt ist! Die Grünen Vorwahlen sollten Modell nicht nur für die Grünen österreichweit sein, sondern auch für alle anderen Parteien in Österreich. Wenn man dann noch aus den Fehlern, die den Wiener Grünen unterlaufen sind, zu lernen bereit ist, dann könnte auch hierzulande eine merkbare Stärkung der Demokratie erfolgen.

13:10 Wahl um Platz 4 entschieden

Soeben wird das Wahlergebnis in Sachen Listenplatz Nummer 4 bekannt gegeben. Gewonnen hat Rüdiger Maresch.

Derweil gehen die Präsentationen im Kampf um die Plätze 5 – 8 weiter. Ich werde diesen Wahlgang bis zur ersten Stimmabgabe weiterverfolgen und mich danach auch mal in die Kantine aufmachen, um herauszufinden, ob sich dort eine Stärkung finden lässt. Die Twitter-User haben zumindesten vor dem Genuss des Tofu-Wok und der Frankfurter gewarnt.

Noch einmal möchte ich erwähnen, dass sich mittlerweile 105 Personen im Austria Center Vienna befinden, die bei diesen Wahlen Unterstüzterstatus haben. Bei 575 anwesenden Wahlberechtigten sind das fast 20%, das ist für die Grünen Vorwahlen auf jeden Fall bereits ein großer Erfolg!

12:52 Auszählung 2. Wahlgang Listenplatz 4

Der zweite Wahlgang im Wettstreit um Platz 4 ist nun ausgezählt. Es geht in die Stichwahl zwischen Sigrid Pilz und Rüdiger Maresch! Mein Stimmzettel ist bereits in der Urne.

Daneben gibt es auch wieder Informationen zur Anwesenheit. Mittlerweile befinden sich 575 Wahlberechtigte im Austria Center, davon  sind 105 Unterstützer und Unterstützerinnen.

12:37 Auszählung Platz 4

Die Stimmen um Platz 4 sind ausgezählt. Es geht in einen zweiten Wahlgang. Zur Wahl stehen nun noch: Rüdiger Maresch, Sigrid Pilz und Monika Vana.

12:30 Zwischenbericht

Es folgt, nachdem derzeit die Reden um Platz 5 laufen, wieder einmal ein kurzer Zwischenbericht. Die Stimmung hier im Saal ist gut, beim Kampf um Platz 3 ist auch erstmals richtige Spannung aufgekommen.

Hochinteressant ist es auch den Meldungen auf Twitter zu folgen. Das kann man auch sehr gut auf der Twitter-Wall der Webseite der Grünen Vorwahlen. Da gibt es Stimmungsberichte, Beobachtungen aus der Kantine – eine Kollegin etwa empfiehlt sich vom Tofu-Wok fernzuhalten – und es gibt auch aktive Stimmungsmache für Kandidatinnen und Kandidaten. Und das ist richtig so, genau so sollte Demokratie sich gestalten. Meiner Meinung nach zumindest.

Wer hier noch Wahlstimmung schnuppern möchte, mitstimmen will – herkommen, besonders bei den Stichwahlen zählt jede einzelne Stimme!

12:20 Platz 4 wird gewählt

Es beginnt der 1. Wahlgang im Wettstreit um Platz 4. Soeben habe ich auch Alexander van der Bellen im Auditorium gesichtet.

Die Kandidaten und Kandidatinnen um Platz 4 heißen: Peter Kern, Elisabeth Kuchling, Rüdiger Maresch, Sigrid Pilz, Erwin Riefler, Michael Schober, Matthäus Urch, Monika Vana, Peter Wurm. Es handelt sich diesmal wieder um einen offenen Listenplatz, d.h. es können Männer und Frauen darum kandidieren.

Hinzugefügt sei auch noch, dass alle Reden sowie sonstige Wortmeldungen auch in die Gebärdesprache übersetzt werden.

12:15 Die Wahl um Platz 3 ist entschieden

Der Kampf um Platz 3 ist entschieden, durchgesetzt hat sich Sabine Gretner.

12:00 Stichwahl um Platz 3

In der Wahl um Platz drei wird es erstmals richtig spannend im Auditorium. Es geht in die Stichwahl zwischen Sabine Gretner und Monika Vana. Meine Stimme hab ich abgegeben.

Laut Christoph Chorherr sind hier im VIC nun 540 Stimmberechtigte, davon 94 Unterstützer. Wieviele davon Grüne Vorwähler oder Vorwählerinnen sind, lässt sich schwer abschätzen. Ich nehme an ein Großteil.

11:45 Um Platz 3 wird es spannend

Im Kampf um Platz 3 geht es in eine zweite Runde. Die Entscheidung fällt zwischen Sabine Gretner, Sigrid Pilz und Monika Vana. Es wird erstmals richtig spannend.

11:30 Platz 4

Derzeit laufen die Wahlreden der Kandidatinnen und Kandidaten um den Listenplatz 4.

11:25 Platz 3 wird gewählt

Die Kandidatinnen heißen: Sabine Gretner, Elisabeth Kuchling, Sigrid Pilz und Monika Vana. Auf diesem Platz dürfen durch die Wahl von David Ellensohn nur Frauen kandidieren.

11:20 Platz 2 ist entschieden

David Ellensohn wurde mit 72,22% der Stimmen auf Platz 2 gewählt

11:15 Kurze Zwischenbilanz

Ich bin nun seit etwas mehr als 2 Stunden im Austria Center, habe bereits zweimal mitgestimmt und derzeit laufen die Wahlreden der Kandidaten und Kandidatinnen um den Listenplatz 3. Die Stimmung scheint gut, im Auditorium herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Kandidaten haben für ihre Wahlreden um die jeweiligen Listenplätze eine beschränkte Redezeit von 5 Minuten, eine Klingel ermahnt diejenigen, die die Zeit zu überschreiten drohen. Das ist deswegen wichtig, weil man sich bei insgesamt 63 Kandidaten und Kandidatinnen annähernd ausmalen kann, wie lange die Vorstellung insgesamt dauern wird.

Wieviele von den Grünen Vorwählern derzeit im Austria Center Vienna anwesend sind, kann ich nicht abschätzen, aber es wird eifrig getwittert, die Tatsache, dass auch Zuspätkommende jederzeit in die Abstimmung einsteigen können, ist in jedem Fall ein Vorteil. Ich kann nur eines sagen: Hinkommen zahlt sich aus, denn die Landesversammlung ist insgesamt ein hochspannender politischer Prozess, die Transparenz, die hier herrscht, ist aber auch ein Aspekt, den sich jede andere Partei in Österreich zum Vorbild nehmen sollte.

11:05 Auszählung Listenplatz 2

Die Reden der Wahlkämpfenden um den Listenplatz 2 sind abgeschlossen. Die Stimmzettel wurden eingesammelt, die Auszählung läuft. Es beginnen die Präsentationen um Platz 3.

10:40 Vassilakou auf Platz 1 gewählt

Maria Vassilakou wurde auf Platz 1 der Liste gewählt. Mit 98,65%.

10:30 Kampf um den Listenplatz 2

Derzeit werden die Stimmzettel um Platz 1 ausgezählt. Meine Stimme habe ich abgegeben. Es folgen die Reden der Kandidaten und der Kandidatin um Platz 2. Es kandidieren: Hans Christian Briebauer, David Ellensohn, Elisabeth Kuchling, Erwin Riefler und Michael Schober.

Aktuell befinden sich bereits 474 Personen im Austria Center.

10:20 Maria Vassilakou spricht

Derzeit hält Maria Vassilakou ihre Kandidatur-Rede. Sie spricht davon, dass sie antritt, um gegen die steigende Armut in der Stadt zu kämpfen. Sie setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein. Sie wünscht sich eine Stadt, in der jeder und jede seine oder ihre Träume realisieren kann.

10:15 Zulassungsabstimmung ausgezählt

Die Stimmen für die Zulassungsabstimmung sind jetzt ausgezählt. Alle Kandidaten und Kandidatinnen haben die erforderliche 2/3 Mehrheit erreicht und dürfen somit wieder kandidieren!

Wie man auf Twitter mitverfolgen kann, befinden sich einige Grüne Vorwähler und Vorwählerinnen im Auditorium. Hier noch einmal der Aufruf, dass man als Stimmberechtigte noch jederzeit hier einsteigen und mitwählen kann. Für den einen oder die andere Kandidatin kann auch eine einzelne Stimme ausschlaggebend sein. Mit der U1, Haltestelle VIC, ist man auch besonders schnell hier im Austria Center Vienna.

Derzeit spricht Maria Vassilakou, die für den 1. Listenplatz kandidiert.

09:55 Der Wahlmodus wird erklärt

Während das Ergebnis der Zulassungsabstimmung läuft, erklärt Daniel Enöckl derzeit den Wahlmodus auf der Landesversammlung. Für alle, die sich darüber zusätzlich noch informieren wollen, Peter Kraus hat zwei sehr informative Videos online gestellt – sie können auf der Webseite der Grünen Vorwahlen angesehen werden.

09:50 Zulassungsabstimmung

Eva Glawischnig ist bereits abgegangen, das Auditorium füllt sich langsam. Jetzt beginnt die erste Abstimmung. Es geht ab sofort um die Zulassungsabstimmungen. D.h. es geht darum abzustimmen, ob jemand der bereits mehr als zweimal kandidiert hat, ein weiteres Mal kandidieren darf. Die Grünen Vorwähler und Vorwählerinnen sind hierbei nicht stimmberechtigt. Es geht darum zu entscheiden ob folgende Personen nochmal kandidieren dürfen:

Christoph Chorherr, David Ellensohn, Rüdiger Maresch, Martin Margulies, Sigrid Pilz, Claudia Smolik, Monika Vana und Maria Vassilakou.

Die Abstimmung läuft!

09:40 Begrüßung im Austria Center Vienna

Vor Kurzem bin ich im Austria Center Vienna angekommen, habe meinen Presseplatz ganz hinten im Saal bezogen und horche soeben den Worten von Eva Glawischnig. Es herrscht noch ein reges Kommen und Gehen im Saal, kaum die Hälfte der verfügbaren Plätze ist belegt.

An dieser Stelle werde ich über den ganzen Tag hin, immer wieder regelmäßige Einträge veröffentlichen, um jene am Laufenden zu halten, die sich für die Grünen Vorwahlen interessiert haben, vielleicht auch um Kurzentschlossene noch zum Kommen und Mitwählen zu bewegen. Denn eines gilt heute: jede Stimme zählt!

Susanne, 15. November 2009

gruene01

In Concert – Kris Kristofferson

Rocking Sandworm - artwork zoer

Country and folk musik always has a rebellious touch. You might not hear it right away, when you lean back and enjoy just the musical part, but it does, when you start listening to the words, when you know what Bob Dylan or Johnny Cash stood for in their heydays, and when you’re familiar with their always subersive personalities and lyrics. Then you will understand that it felt as if Kris Kristofferson’s concert at Vienna Stadhalle on November 5th had been planned to coincide with the gathering of a crowd of student protesters outside of the venue. For me anyway it was ideal. I’m not a student anymore, but I sympathize with their plight and so I marched with them all the way to Vienna Stadthalle, to then move on over a few steps and enter a whole different universe, or so it seemed, when I saw the people, who were going to see country rebel and legend Kristofferson with me that evening.

Kris Kristofferson, Vienna 09

I had expected an entirely different crowd, more in the direction of Grizzly Adams on the men’s side and an aged but still subversive Janis Joplin type on the women’s side, yet the people who waited to enter the concert hall seemed to belong to an entirely different breed. They appeared to be more like the people you would encounter at a rather provincial Austrian train station. A diverse mix of men and women; on average a little older.

So here I was in the midst of this curious crowd of Austrian Kristofferson lovers and wherever I turned I would see yet another peculiar looking person. There would be older men, with receding hairlines, heavier set women with shiny satin blouses, gentlemen type men with suits and tie, middle aged women in close fitting dresses, that seemed a bit too tight already, older couples, who looked like they had just left the weekly seniors’ club meeting, and finally, three rare examples of the Austrian country western aficionado, who finally got a chance to show off their bootlace ties and exclusively embroidered western shirts.

Even more so was it comforting to know that a crowd so incredibly diverse could share a common interest: the music of Kris Kristofferson, who hit the stage almost on time shortly after 8 pm, equipped only with a guitar and a harmonica. And I’m quite sure that nobody in the audience was disappointed that evening, because it didn’t take much to notice that these vastly different people were, each and everyone of them, die-hard Kristofferson followers. You’d see them when you turned and looked around, you didn’t even have to search long and you’d be able to spot them all over the place, the true believers, the ones who would sit in their seats and whose lips would silently form every single word Kristofferson was singing right in that moment when you looked at them and together with this prayer-like form of adoration you’d see this expression on their faces, a mixture of melancholy and understanding. Always seeming to say something like „I know what you’re saying, I’ve been there too“.

Kris Kristofferson, Vienna 09

Kristofferson started the show with „Closer to the Bone“ which shares the same title as his latest album, and with just a small break during the concert he went through an impressive catalogue of songs such as „Me and Bobby McGee“, „Help Me Make It Through the Night“, „Love Don’t Live Here Anymore“, „Final Attraction“, „Sandinista“, „Silver Tongued Devil and I“ or „Sunday Mornin’ Comin’ Down“.

I am quite sure – no actually I am sure – that Kris Kristofferson was just as pleased as his audience that night, because there was this very special moment at the end of the concert, a moment that, if it wasn’t real, at least would be something that distinguishes a great artist from an average artist. He had just played his last song, or so it appeared, the audience was enthusiastic and he seemed to really be enjoying the love which was thrown at him, when he stopped and considered for just a second and then turned to us and said: „Wait, I’ve got another one for you“. That’s when he bid us farewell with the lovely, endearing „Don’t Tell Me How the Story Ends“, which starts like this:

This could be our last good night together; we may never pass this way again; just let me enjoy it ’til it’s over, or forever; please don’t tell me how the story ends.

Kris Kristofferson, Vienna 09

Or I should say almost bid us farewell, because after Kristofferson had finished playing he spent yet another twenty minutes signing what seemed an endless amount of pictures, CDs and ticket-stubs his admirers had brought along for just that opportunity. As for me, I shook Kris Kristofferson’s hand that night and went home happy.

Susanne, November 8 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 38

Rocking Sandworm - artwork zoer

Eines kann man mit ziemlicher Sicherheit vorausschicken: Kris Kristofferson hat es gut gefallen in Wien. Nicht nur hat er einen wunderschönen Abend in der Halle F der Wiener Stadthalle gestaltet, sondern nach einem fast zweistündigen Konzert, das durch eine kleine Pause unterbrochen war, auch noch an die zwanzig Minuten die mitgebrachten Bilder, CDs und Tickets seiner treuen Anhänger signiert.

Man hätte es kaum besser planen können, lief doch der Protestmarsch der Studenten an jenem grauen, nasskalten 5. November passenderweise bis zum Märzplatz und ich musste von dort nur ein paar Meter zurücklegen, um zur bis dato noch nie besuchten neuen Halle zu gelangen. Ich fand es auch thematisch treffend, sich nach erfolgter Solidarisierung mit einer guten Sache einen Singer/Songwriter anzuhören, der sich selbst in diversen Protestbewegungen verdient gemacht hatte. Deshalb war ich auch einigermaßen erstaunt über das Publikum, dass sich an diesem Abend die Country-Folk Legende Kristofferson ansehen wollte. Ich hatte nicht nur aufgrund des Song-Katalogs, sondern auch wegen des Genres, zumindest optisch, mit einem gänzlich anderen Spektrum an Leuten gerechnet. Eher im Stile von „Der Mann in den Bergen“ bei den Männern und vielleicht einer älter gewordenen, aber immer noch subversiven Janis Joplin bei den Frauen. Vielleicht habe ich doch zu viele Jahre in den USA verbracht, auf jeden Fall hätte sich die erwartete Menschenmenge von der tatsächlich sich eingefunden habenden kaum stärker unterscheiden können. Da gab es ältere Herren mit kaum noch vorhandenem Haar, dickere Damen mit glitzernden Satinblusen, aufgebrezelte Frauen, die nicht mehr so ganz ins hautenge Wollkleid passten, sich aber für den Abend eine strahlende neue Blondierung geleistet hatten, ältere Ehepaare, die man vermutlich auch auf einem Schlagerkonzert antreffen könnte fanden sich genauso ein, wie Gentlemen im Anzug, Frauen im Businesskostüm, oder einige wenige jüngere Zuhörer und schließlich sah ich sogar noch einen Herrn, der stolz sein aufwändig besticktes Westernhemd ausführte sowie zwei Männer, die sich für den Abend mit einer sogenannten „Bootlace Tie“ schön gemacht hatten. Bis auf die letzteren Country-Exemplare, würde ich mit einer derartigen Menschenmischung auch auf einem, vielleicht etwas provinzielleren, Bahnhof rechnen – eher älteres Durchschnittsalter, aber vollkommen bunt durcheinander gewürfelt.

Kris Kristofferson, Vienna 09

Trotzdem, oder gerade deshalb, war es schön zu sehen, dass all diese gänzlich unterschiedlichen Menschen in den kommenden Stunden etwas gemeinsam hatten, dass alle einem Mann an den Lippen hingen: Kris Kristofferson, der fast pünktlich kurz nach 20 Uhr, ganz allein mit Gitarre und Mundharmonika ausgerüstet, die Bühne betrat. Und es sollte keiner von ihnen enttäuscht werden, auch ich nicht, denn obwohl ich keine große Freundin von Sitzkonzerten bin, hat es nicht lange gedauert bis diese ganz besondere Atmosphäre, die Kristofferson durch seine warme, tiefe Stimme und seine nachdenklich-melancholischen Lyrics an diesem Abend bis zum letzten Winkel der Halle verströmen ließ, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft fand. Andächtig, fast religiös, saßen und horchten die Leute im Publikum, denn wenn man zwischendurch in die Reihen blickte, suchte man nicht lange und fand den einen oder die andere, deren Lippen die Wort für Wort verinnerlichten Textzeilen mitformten, samt dazugehörig verklärtem Blick.

Kris Kristofferson, Vienna 09

Kristofferson eröffnete den Abend mit „Closer to the Bone“, einem Song aus dem gleichnamigen, jüngsten veröffentlichten, Album (welches ich übrigens sehr empfehlen kann), und hantelte sich durch ein abwechslungsreiches Programm, in dem sich unter anderem Songs wie „Love Don’t Live Here Anymore“ oder „Final Attraction“, die Klassiker „Me And Bobby McGee“ oder „Help Me Make It Through the Night“, Kompositionen wie „Sandinista“, „Silver Tongued Devil and I“ oder „Sunday Mornin’ Comin’ Down“ befanden. Schließlich neigte sich der Abend dem Ende zu und ich denke, dass es auch Kristofferson gefallen hat, hatte er doch gerade die letzten Akkorde des vermeintlich letzten Liedes gespielt, als er sichtlich bewegt von der Zuwendung durch das Publikum einen Moment lang in sich zu gehen schien und dann meinte „Wait, I’ve got another one for you“ und das rührende „Don’t Tell Me How the Story Ends“ anstimmte. Ein Lied, das mit folgenden Zeilen beginnt:

This could be our last good night together; we may never pass this way again; just let me enjoy it ‚til it’s over, or forever; please don’t tell me how the story ends.

Man mag diese Passage interpretieren wie man will, manche würden vielleicht auch eine Vorahnung Kristoffersons herauslesen wollen, schließlich ist der gute Mann mittlerweile 73 Jahre alt, ich halte mich an das an jenem Abend Erlebte: ein absolut fitter, inspirierender Songwriter, der die gute Stimmung im Saal in sich aufsog und sie, so wie alle Anwesenden, bis zur allerletzten Minute auskosten wollte.

Kris Kristofferson, Vienna 09

Das hat er schließlich auch und in einem dem Konzert folgendenen Autogramm-Marathon nahezu allen Fans ihre mitgebrachten Devotionalien signiert. Mich schließlich hat Kris Kristofferson mit einem herzlichen festen Händedruck auf den Nachhauseweg geschickt – möge er noch lange leben und häufig nach Wien zurückkehren.

Susanne, 7. November 2009

Demokratie für Anfänger – Teil VII

The Sandworm - artwork zoerThe government of democracy brings the notion of political rights to the level of the humblest citizens, just as the dissemination of wealth brings the notion of property within the reach of all members of the community;  and I confess that, to my mind, this is one of its greatest advantages. I do not assert that it is easy to teach men how to exercise political rights, but I maintain that, when it is possible, the effects which result from it are highly important; and I add that, if there ever was a time at which such an attempt ought to be made, that time is our own

„Eine demokratische Regierung vermittelt das Verständnis politischer Rechte bis auf die Ebene des einfachsten Menschen, genauso wie die Verteilung von Reichtum den Mitgliedern der Gemeinschaft ein Verständnis von Besitz vermittelt; und ich gestehe, dass dies, meiner Meinung nach, einer ihrer größten Vorteile ist. Ich behaupte nicht, dass es leicht ist Menschen die Ausübung politischer Rechte zu lehren, aber ich beharre darauf, dass, wenn dies gelingt, die daraus resultierenden Auswirkungen überaus wichtig sind; und ich füge hinzu, dass, wenn es jemals eine Zeit gab, zu welcher ein derartiger Versuch gemacht werden sollte, diese Zeit jetzt ist“. (Alexis de Tocqueville)

Das obenstehende Zitat, welches ich darunter frei ins Deutsche übersetzt habe, stammt aus einem Werk, das vor mittlerweile 174 Jahren erstmalig veröffentlicht wurde. Trotzdem lassen sich dort auch heute noch nahezu allgemeingültige Aussagen, nicht nur über amerikanische Verhältnisse, sondern über generelle Vor- und Nachteile einer demokratischen Regierungsform nachlesen. Einer dieser Vorteile liegt darin, dass, wie im obigen Zitat ausgeführt, die Erteilung gewisser Rechte bis zur kleinsten Bürgerin hinab, dieser ein Verständnis dafür vermittelt, was es heißt politische Verantwortung zu tragen. Darüber möchte ich an dieser Stelle heute auch aufgrund aktueller Anlässe ein paar Gedanken wiedergeben, nicht nur, weil am 15. November die Landesversammlung der Wiener Grünen tagt, wo zumindest ein Teil der Grünen Vorwähler ihre Stimme abgeben wird können, sondern auch weil sich mit den Studenten, die zur Zeit Hörsäle in vielen Teilen Österreichs besetzt halten, ein weiterer Teil der Gesellschaft soeben aktiv dabei betätigt, sich individuelle Rechte (zurück) zu erkämpfen.

Tocqueville führt seine obige Behauptung mit einem anschaulichen Beispiel aus (Achtung es handelt sich um eine Publikation aus dem Jahre 1835): In Frankreich, wo die meisten Bereiche der Öffentlichkeit zugänglich seien, würden die ärmeren Schichten darauf achten, dass Dinge, an denen sie teilhaben können, nicht zerstört werden. In England hingegen würden Besitz- und Rechtlose, wenn sie unerlaubterweise in Bereiche, die im Besitz des Adels stünden, eindringen, dort jedes Mal Akte mutwilliger Zerstörung begehen. Und er meint weiters, dass ihn das nicht überraschen würde, weil man ja dafür gesorgt habe, dass diese Leute nichts mehr zu verlieren hätten. Dasselbe Prinzip würde auch auf der politischen Ebene gelten. Menschen, denen Rechte zuerkannt würden und welche diese auch ausüben könnten, würden auch darauf achten, nicht die Rechte der anderen zu verletzen, weil sie dadurch wiederum ihre eigenen vor Verletzung schützen. Darin kann man nichts anderes sehen als die Feststellung, dass eine Demokratie dann am stärksten ist, wenn sich das Gefühl tatsächliche Rechte zu besitzen bis zum kleinsten Mitglied der Gesellschaft ausstreckt.

Leider, und das ist vermutlich eine der Ursachen, warum die aktuellen Zustände in Österreich (vielleicht auch in vielen anderen westlichen Nationen) so sind wie sie sind, ist dieses Gefühl aktuell wohl nicht mehr sehr verbreitet, ja es scheint, dass viele Menschen bewusst oder unbewusst den Eindruck haben, sie hätten in diesem Land nicht mehr viel mitzureden.

Ich möchte diese Theorie nicht einfach in den Raum stellen, habe ich mich also auf die Suche nach unterstützenden Argumenten gemacht und diese, so denke ich, auch gefunden. Einer der Hauptgründe, warum sich nicht wenige Menschen in Österreich von der Regierung nicht vertreten fühlen, zeigt sich meiner Meinung nach darin, dass immer mehr Leute auf eines der wichtigsten demokratischen Rechte verzichten, nämlich die Ausübung des Wahlrechts. Ich habe auch den Eindruck, dass den regierenden Parteien dies nicht unbedingt unrecht ist, schließlich lassen sich bei weniger Wählenden leichter Mehrheiten finden. Es wird auch kaum darüber geschrieben, denn eine Suche im Internet zeigt, dass sich Statistiken zum Wahlverhalten in Österreich nur punktuell finden lassen, schon gar nicht längerfristige Aufzeichnungen, die vielleicht Aufschluss über gewisse Trends im Wahlverhalten vermitteln würden. Es mag sein, dass sich derlei Studien in wissenschaftlichen Publikationen finden lassen, ich habe aber nicht versucht sie auszugraben, da ich wissen wollte, was ein möglicherweise nicht wissenschaftlich geschulter Mensch allein aus bloßer Neugier finden kann. Im Internet, welches diesbezüglich ja schon sehr viele Informationsquellen zugänglich macht.

Nachdem ich also keine adäquaten Statistiken ausfindig machen konnte, habe ich mir die Daten selber besorgt, was übrigens auch nicht gerade einfach war und daraus eine nicht besonders elaborierte, aber einigermaßen übersichtliche Darstellung errechnet (Quellen siehe am Ende des Eintrags).

Wahlbeteiligung Nationalratswahlen Österreich (1945 - 2008)

Darin zeigt sich auf den ersten Blick, dass die Wahlbeteiligung in Österreich im Sinken begriffen ist. Hält man sich die letzten Nationalratswahlen vor Augen, so haben 2008 bereits 21,2% der Wahlberechtigten, in absoluten Zahlen ganze 1.342.157 Menschen, ihr Wahlrecht nicht genutzt. Die stärkste Partei bei diesen Wahlen war die SPÖ, die damals 29,3% der Stimmen errungen hat, an zweiter Stelle lag mit 26% die ÖVP. Nachdem die dahinter liegende Partei, die FPÖ, bloß 17,5% der Stimmen erreichte, heißt das nichts anderes, als dass die drittstärkste Partei in Österreich mittlerweile von den Nichtwählern gestellt wird. Natürlich muss dazuerwähnt werden, dass erst 1992 die allgemeine Wahlpflicht bei Nationalratswahlen abgeschafft wurde, ob also die danach aufgetretenen Zahlen an Nichtwählern über die Zeit tatsächlich steigen, oder sich lediglich auf einem hohen Niveau einpendeln, lässt sich derzeit noch nicht feststellen. Dass die Zahl der Nichtwähler trotz allem relativ hoch ist, kann man dennoch nicht leugnen.

Die Ursachen dafür mögen vielfältig sein, ich bin aber überzeugt, dass ein nicht unwesentlicher Grund für die Stimmenthaltung so vieler Wahlberechtigter auch in der Unzufriedenheit mit ihren Volksvertretern liegt. Dieser Schluss lässt sich zwar nicht wissenschaftlich untermauern, es gibt wie gesagt, keine auf Anhieb auffindbaren Studien, die sich mit längerfristigen Trends und Motiven hinter der Nichtwählerschaft befassen, persönliche Erfahrungen im eigenen Umfeld jedoch lassen mich aber darauf schließen, dass das Angebot von Seiten der Parteien von einem nicht geringen Prozentsatz der Bevölkerung nicht mehr goutiert wird, und zwar das Angebot aller zur Wahl stehenden Parteien, sodass die einzige Möglichkeit der Wähler, ihr Missfallen zu bekunden offenbar in der Wahlenthaltung liegt. Diese Vermutung wird auch unterstützt durch die Trends in Bezug auf ungültige Stimmabgaben. Dort zeigt sich, dass über die Jahre keine wesentlichen Änderungen festzustellen sind, der sehr kleine Anteil an ungültigen Stimmen ist seit 1945 mehr oder weniger unverändert.

Warum also sehen sich so viele Wähler nicht mehr von ihren Volksvertretern repräsentiert, wie kann es sein, dass es kaum noch Politiker gibt, die den Wahlberechtigten ausreichend Motivation liefern FÜR sie zu stimmen? Ist doch auch einer der häufig gehörten Gründe vieler Wähler, warum sie Schwierigkeiten hätten sich zu entscheiden, jener, dass man heutzutage bloß die Wahl habe das „geringste Übel“ zu wählen oder sich zwischen „Pest und Cholera“ entscheiden müsse. Es fehlen offenbar Politiker und Politikerinnen, die glaubwürdig vermitteln, dass sie tatsächlich als Volksvertreter in die Regierung einziehen wollen und nicht ausschließlich deshalb, um sich selbst (oder einen meist kleinen Personenkreis rund um sie herum) zu vertreten.

Eine der möglichen Ursachen dafür habe ich in einem erst kurz zurückliegenden Eintrag analysiert, sie liegt meines Erachtens nach in der Tatsache begründet, dass sowohl gewählte Mandatare, als auch wahlkämpfende Politikerinnen mittlerweile wenig bis gar nichts inhaltlich Fassbares mehr von sich geben. Die Floskeln der Politiksprache sind allen nur zu gut bekannt, Interviews sind meistens kaum mehr von Wahlwerbungen zu unterscheiden, es dominieren Selbstlob, geheucheltes Mitgefühl und abgehobene Plattitüden von „den Menschen da draußen“.

Hinzu kommt auch eine Häufung von politischen Skandalen, die in Rang und Ausmaß alles sprengen was bis dato für möglich gehalten wurde. Angefangen von dubiosen Provisionen, undurchsichtigen Lobbyingsystemen, Absprachen in der Justiz, vergessenen Akten, Politikern, die aufgrund von Dummheit nicht für strafbar gehalten werden, bestechlichen Richtern, abgehobenen Ministerinnen, die keinerlei Scham dabei zu empfinden scheinen, wenn sie ungeniert Sonderrechte für sich reklamieren, Freunderlwirtschaft bis hin zu einem allgemein inzestuösen Geflecht aus Wirtschaft und Politik, in dem man immer wieder auf dieselben Gesichter, bloß in unterschiedlichen Funktionen trifft. Dass diese skandalösen Zustände jedoch seit Jahren mit Regelmäßigkeit im politischen Nirvana versickern, dass also auf Taten weder Konsequenzen folgen, noch von den beteiligten Personen auch nur ein Hauch von Einsicht oder gar Reue zu verspüren ist – Rücktritte gibt es in Österreich auch aufgrund haarsträubendster Sachverhalte so gut wie nie, das Wort Verantwortung wird bestenfalls dann in den Mund genommen, wenn wieder einmal Wahlen verloren wurden und die betreffende Verantwortung dann darin gesucht wird, warum man dem Wähler, der Wählerin, nicht plausibel erklären konnte, dass man doch der allerbeste Kandidat gewesen ist – diese sich immer wiederholende Spirale von Missbrauch, Skandal und nicht erfolgten Konsequenzen stellt meines Erachtens nach eine der Hauptursachen für die steigende Nichtwählerzahl dar. Warum sollte man also wählen, wenn sich immer wieder dieselben Personen der Wahl stellen?

Die Tatsache schließlich, dass die sinkende Wahlbeteiligung kaum thematisiert wird – ironischerweise liefert die Suche nach betreffenden Artikeln im Internet ausgerechnet einen Blogeintrag von Hans Dichand zum Thema – lässt sich schwer begründen. Zumindest in Deutschland scheint nach den diesjährigen Bundestagswahlen eine Debatte darüber in Gang gekommen zu sein, schließlich sind die Zahlen und Trends bei unserem Nachbarn ähnlich. Und es lassen sich auch ein paar interessante Thesen dazu finden, die sich mit der Thematik befassen. Diese laufen alle zumeist unter dem Stichwort  „Demokratie-Diktatur“ und beschreiben ein System, in dem sich eine gewissen Gruppe aus sogenannten Eliten und Politikern in einem aufgeblähten Staatsapparat so eingerichtet hat, dass die primäre Intention der darin befindlichen Personen, jene zu sein scheint, den bequemen Status-quo aufrecht zu erhalten. Sich also dauerhaft gut dotierte Jobs in Regierungsämtern oder Wirtschaft zu sichern. Sinkende Wählerzahlen stören da kaum, im Gegenteil, es fällt ungleich leichter unter immer weniger Wählern, diejenigen zu binden, die zum eigenen Klientel gehören. Dass dann ausgerechnet in Zeiten der Wirtschaftskrise diejenige Parteien Wahlgewinner sind, die neoliberale Wirtschaftspolitik betreiben, verwundert deshalb nicht, weil offenbar die große Masse an Verlierern von den politischen Parteien kaum noch vertreten wird, selbst sozialdemokratische Parteien machen mittlerweile konservative Politik. Was sich letztlich darin manifestiert, dass gerade sie den größten Anteil an Wählern verlieren.

Das ist auch in Österreich so, wiewohl man dazufügen muss, dass nicht nur die Sozialdemokraten Wähler verlieren, sondern auch die Volkspartei. Und bemerkenswert dabei ist, dass die größeren Verluste beider Parteien bei den Nationalratswahlen 2008 nicht an die jeweiligen Mitkonkurrenten, sondern an die Gruppe der Nichtwähler gingen (SORA).

Die, wenn auch sehr persönliche, Vermutung, dass sich ein Klüngel aus miteinander verwobenen und verflochtenen Personen die aktuelle Politik untereinander ausmacht, ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen. Dass diese Politik hauptsächlich in Besitzstandwahrung und einem Aufrechterhalten des (schlechten) Status-Quo besteht ebenso wenig, das zeigt sich auch in den aktuellen Fällen, womit ich schließlich zum Fazit dieses heutigen Eintrags kommen möchte.

Egal ob man sich die Aktion der Studenten und Studentinnen vor Augen hält, oder ob man die Reaktion der Wiener Grünen auf das Interesse einer nicht geringen Zahl von Sympathisanten und Sympathisantinnen analysiert, oder ob man generelle politische Trends betrachtet – man kommt zum selben Schluss. Es gibt auf kleiner Parteienebene die Tendenz sich abzuschotten, ebenso wie in der nationalen Politik: da werden die Studenten zu partywütigen Dilettanten erklärt, dort Grüne Vorwählerinnen zu konspirativen Parteiputschisten, die einen versucht man mit finanziellen Brosamen zum Schweigen zu bringen, die anderen teilt man durch die Mitte und erklärt der einen Hälfte man wolle sie nicht dabei haben, der anderen wirft man kindische Beleidigtheit vor, weil sie sich darüber mokiert.

Was also tun? Ich habe natürlich kein Patentrezept, sondern kann hier bloß meine persönliche Antwort auf diese Frage geben. So solidarisiere ich mich zum Einen mit den Studenten und Studentinnen und hoffe auf eine Ausweitung der Proteste, ja ich wünsche mir eine breite Solidarisierung in der Bevölkerung, denn die Forderungen der Studenten nach besseren Studienbedingungen und ausreichender Finanzierung lässt sich auf den gesamten Bildungsbereich übertragen, bis hin zu den Kindergärten. In Bezug auf die Grünen Vorwahlen mache ich keinen Hehl aus meiner Enttäuschung über die grundlose Ablehnung so vieler Interessenten. Ich bin aber der Meinung, dass es den Abgelehnten wenig Nutzen bringt, wenn ich aus Solidarität mein Stimmrecht bei der Landesversammlung am 15. November nicht ausübe. Ich weiß zwar nicht, ob meine Stimme dazu beitragen wird, die Betonierer in den Reihen der Wiener Grünen zu reduzieren, ich weiß aber, dass dies mit Sicherheit nicht der Fall sein wird, wenn ich mein Stimmrecht von vorneherein nicht nutze.

In diesem Sinne lautet meine Devise also ganz grundsätzlich „nicht Aufgeben“ und vor allem „nicht Nichtwählen“!

Links, Quellen und weitere Informationen:

Für alle akzeptierten Unterstützer und Unterstützerinnen der Wiener Grünen, die noch darüber nachdenken, ob sie am 15. November ihr Stimmrecht nutzen wollen, eine Entscheidungshilfe dazu gibt es auf der Webseite der Grünen Vorwahlen.

Diejenigen, die sich über Inhalte, Organisationsstruktur, Forderungskatalog, Solidarisierungen und vieles mehr in Bezug auf die aktuell laufenden Studentenproteste informieren möchten, finden diese Informationen auf dem Wiki der dafür eingerichteten Webseite.

Alexis de Tocqueville (2004): Democracy in America. Bantam Classics, New York. S. 285. (Erstveröffentlichung 1835).

Datenquelle: Statistik Austria, Statistisches Jahrbuch Punkt 36: „Wahlen“.

SORA:  Wählerstromanalyse Nationalratswahlen 2008

Artikel zum Thema:

Die deutsche Status-quo-Diktatur von Reginald Grünenberg

Die Demokratie-Diktatur und der Wandel von David Rotter

Hans Dichand bloggt über Nichtwähler

Susanne, 1. November 2009