Skizzen aus Wien – Nr. 32

The Sandworm - artwork zoer

Es ist eine Weile her seit den letzten Skizzen und ich musste erst nachsehen, welche Nummer der Eintrag damals hatte, war ich doch in den vergangenen Wochen so damit beschäftigt diverse Reiseberichte zu publizieren, kluge Mobiltelefone zu testen oder mich von den Politikstrapazen der Grünen Vorwahlen zu erholen, dass ich mich an derlei Details schon lange nicht mehr erinnern konnte. Ein Blick auf das Datum der letzten Skizze zeigte mir auch, dass der Eintrag mittlerweile mehr als zwei  Monate zurückliegt!

Nun, trotz ungewöhnlich warmer Tage hier in Wien, lässt es sich nicht leugnen, dass der Herbst so gut wie vor der Tür steht, Reisen und damit verbundene Berichte stehen demnächst nicht am Programm, höchste Zeit also auch hierorts wieder ein bisschen Routine einziehen zu lassen und einen kleinen Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate zu geben. Im Vordergrund werden wie gewohnt die Themen Musik und Literatur stehen, dem Film möchte ich gerne etwas mehr Raum widmen, sollte mir nicht doch noch der Geduldsfaden reißen, dann wird die Berichterstattung zum derzeit noch in der Sommerpause verweilenden Politikexperiment Grüne Vorwahlen fortgesetzt werden und auch sonst sollen jede Menge weitere kulturaffine Themen Platz finden. Auch die Zweisprachigkeit soll beibehalten, der eine oder andere englische Eintrag hier veröffentlicht werden. Wer weiß, vielleicht packt mich doch noch einmal das Fernweh und es gibt im auslaufenden Jahr noch einen kleinen Reisebericht. Eröffnet soll die neue Skizzen-Saison mit einer musikalisch-literarisch-cineastischen Rundschau werden:

Musik

Das bisherige Konzertjahr war eher weniger ereignisreich, ein Jahr ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise. Bis auf den fulminanten Auftritt von Candi Staton im Porgy & Bess diesen März sowie einem gemütlichen Abend mit Lambchop im Wuk Anfang Juli, war eigentlich wenig los in Wien – bedingt natürlich auch durch meinen sehr selektiven Musikgeschmack. Trotz allem hoffe ich auf einen starken Herbst und es gibt auch bereits ein Event, das, sollte sich nichts mehr tun in der Konzertbranche, mein Musikjahr zufriedenstellend ausklingen lassen wird: Am 5. November wird Kris Kristofferson in der Wiener Stadthalle auftreten, im Oktober erscheint sein neues Album „Closer To The Bone“ – die Vorfreude ist groß.  Davor werde ich vielleicht noch einen Abstecher ins Wuk machen – dort spielt am 12. Oktober eine Truppe namens Magnolia Electric Co, die ich bereits vor zwei Jahren in der Wiener Szene erleben konnte und die für eine äußerst gefällige Mischung aus Folk/Country/Indie – oder was man gemeinhin gern als Alt-Country bezeichnet – steht. Mit „Josephine“ hat die Band rund um Jason Molina erst vor kurzem ein sehr schönes neues Studioalbum veröffentlicht. Vielleicht macht auch Conor Oberst mit seiner Mystic Valley Band noch einen Abstecher nach Wien – im Mai war mit „Outer South“ das neue Album erschienen, ein Konzert würde also ausgezeichnet in den Terminkalender passen!

Literatur

Im heurigen Sommer wurde trotz aktiven Reisens und nachheriger Berichterstattung auch einiges gelesen, unter anderem:

Consider the Lobster“ von David Foster Wallace: Wieder eine Sammlung von Essays, die DFWs Stellung als mein aktuell absoluter Lieblinglingsautor zementiert hat und die hierorts zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher rezensiert werden soll. DFWs Debüt-Roman „The Broom of the System“ liegt bereits in meinem Regal und wird ebenfalls demnächst gelesen werden.

Revolutionary Road“ von Richard Yates: Zu Beginn des Jahres kam die Verfilmung des Romans in die Kinos, ich habe sie bisher noch nicht gesehen, Richard Yates’ Roman auf jeden Fall ist, um es mit einem Wort auszudrücken, brillant. Stilistisch erinnert Yates ein wenig an F. Scott Fitzgerald, so schreibt er in einer eindringlichen, sehr plastischen Manier, die einen lakonisch-distanzierten Unterton aufweist und so auf ungemein treffende Weise das Leiden der beiden Protagonisten, des Ehepaars Frank und April Wheeler, am Leben in der verspießerten amerikanischen Vorstadt anschaulich macht. Allerhöchste Leseempfehlung!

The Brief Wondrous Life of Oscar Wao“ von Junot Diaz: Bei diesem zu Beginn des Jahres sehr gehypten Roman zeigt sich was passiert, wenn Literatur-Rezensenten von einander abzuschreiben beginnen. Irgendwann hat offenbar irgendwer einmal geschrieben, dass Junot Diaz der neue Foster Wallace wäre, was sich dann in den Rezensionen fortpflanzte und dazu führte, dass auch ich mir das Buch gekauft habe. Eines ist auf jeden Fall festzuhalten, Junot Diaz hat wirklich nichts gemein mit Foster Wallace, es scheint offenbar zu genügen, dass man Fußnoten verwendet, um mit ihm verglichen zu werden. Nicht, dass Diaz ein schlechter Autor wäre, mir hat die Geschichte, die er erzählt, durchaus gut gefallen, vom Aufbau und Stil her würde ich ihn am ehesten noch mit Jeffrey Eugenides vergleichen, trotz allem wurde mir bei der Lektüre nicht klar, warum man diesen Mann als neues US-amerikanisches Literaturtalent feiert, warum dieses Buch mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Es ist zugegebenermaßen gut, aber nicht sehr gut und vor allem weit entfernt von herausragend. Stilistisch reicht es in keinem Fall an Größen wie z.B. Yates heran, oder eben an David Foster Wallace. Ich würde es eher wie der San Francisco Chronicle im Klappentext zusammenfassen: „a kick-ass work of modern fiction“, sehr unterhaltsam, Junot Diaz ist vielleicht ein Quentin Tarantino der Literaturszene, aber kein herausragender Schriftsteller.

The Voyage of the Beagle“ von Charles Darwin: Wir befinden uns immer noch im Darwin-Jahr, Grund genug für mich, endlich auch einmal die Werke von ihm zu lesen. Die Lektüre des erwähnten Reiseberichts habe ich bereits abgeschlossen, um das Bild abzurunden, lese ich aktuell gerade das Hauptwerk Darwins „On the Origin of Species By Means of Natural Selection“. Beide Werke sollen zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher rezensiert werden, soviel sei bereits erwähnt, es handelt sich bei beiden Büchern um hervorragende Beispiele von Wissenschaftsliteratur in höchster Perfektion und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich um wissenschaftliche Werke, die auch allerhöchsten literarischen Ansprüchen gerecht werden.

Film

Filmtechnisch gestehe ich, dass ich seltener ins Kino gehe, als ich es eigentlich möchte, dass man aber glücklicherweise – der DVD sei Dank – sehr viele herausragende Filme jederzeit auch daheim ansehen kann. Wobei diesbezüglich erwähnenswert ist, dass es so mancher Film hierzulande gar nicht erst in die Kinos schafft und man so gesehen darauf angewiesen ist, einen Verleih zu finden, der einem auch ausgefallene Werke zukommen lässt – mein Dank gilt dabei vorwiegend meinem überaus zuvorkommenden Blog-Kollegen Martin. Einer dieser Filme, der hierbei auch gleich wärmstens empfohlen sei, nennt sich „The Three Burials of Melquiades Estrada“ – ein skurriler und unglaublich fesselnder Film, bei dem Tommy Lee Jones nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern auch Regie führte. Jones verkörpert darin einen Rancharbeiter im Westen von Texas, der bis an seine Grenzen geht, um das seinem, von einem Grenzpolizisten erschossenen, Freund gegebene Versprechen einzulösen, ihn in seiner mexikanischen Heimat zu beerdigen. Sehenswert!

Im Oktober schließlich eröffnet wie gewohnt die Viennale ihre Pforten und ich habe mir vorgenommen, meine letztjährige Frequenz zu verdoppeln. Das sollte nicht schwer sein, denn ich habe vergangenes Jahr sage und schreibe einen (1) Film gesehen, wobei sich jedoch „Chop Shop“ von Regisseur Ramin Bahrani als hervorragende Wahl herausstellte. Mal sehen, ob mir das heuer gleich zweimal gelingt.

In diesem Sinne sei hiermit der Skizzen-Spätsommer eröffnet, über jedwede Kritik, Anregung oder Tipps freut sich wie immer – der Sandwurm.

Susanne, 30. August 2009

On the road in England – Part VII: Winchester, Hampshire

Flying Sandworm

Lyme Regis quickly passed out of sight as I rode on the bus towards Dorchester. The pale blue of the sea began to blend with the sky and after turning to catch a few more glimpses of the English channel it had given way to the rich green pastures of Dorset county. I was headed for Winchester, the last stop on my road trip through parts of southern England. I can’t deny that Jane Austen had played yet another part in the decision to visit this city. After all I am a great admirer of her writings and having seen Lyme Regis and traced some of her steps as well as the missteps of her literary characters it seemed appropriate that my trip should end, where Jane Austen’s life ended. After a long illness and only 41 years old she had died there on July 18 1817. But it wasn’t Jane Austen alone who influenced the decision to visit Winchester. Romantic poet John Keats was inspired by the beautiful countryside surrounding it and lastly a vicinity to Gatwick airport was a key element in the choice of the destination – my trip was almost over and after 10 days of traveling southern England, I was getting ready to go back home.

Winchester, Hampshire (Winchester Cathedral)

In Dorchester I got on the train and after just a little more than an hour and a half  I exited at Winchester station. I had found a beautiful B&B in the central, but quieter south-eastern parts of the city, not far from the cathedral and after the devout observance of the ritual cup of tea, which my friendly host had most generously invited me to partake of, I was off to my first exploratory walk through Winchester.

Winchester, High Street

Winchester is a regal city. Wherever you walk you can almost breathe its noble atmosphere. Well groomed gardens, charming houses, a beautifully restored city center with pleasant streets and lanes, that invite you to spend hours just strolling around aimlessly. Or maybe not that aimlessly after all. Everything in the city is dominated by one grand edifice: Winchester Cathedral. And after wandering around town for a bit, looking here and there, I realized that even though the cathedral may not be the geographic center of Winchester, it certainly seems to be its center of attention. No matter where I went, whether I ambled around to the south of the cathedral and marvelled at the gigantic cedars which tower over the generous courts in the close, whether I rambled on past Cheyney Court, through Kings Gate and onto College Street, where you pass private gardens with gigantic Magnolia trees in full bloom and the house where Jane Austen passed away in 1817. Whether I wandered on and took a peek at the ruins of Wolvesey Castle, which used to be the bishop’s palace in medieval times or whether I walked north again along the river Itchen and onwards to the monument of King Alfred the Great (849 – 899), who ruled over the Anglo-Saxon kingdom of Wessex, of which Winchester was the capital in those almost forgotten days. Whether I strolled along bustling High Street or whether I drifted off to explore another one of those chaming medieval lanes, again and again I found myself, almost magically, drawn back to the Cathedral. I must have walked by it several times on my first day in Winchester and I realized I wasn’t the only one who felt that way – hundreds of people just like me were gravitating around the cathedral, enjoying the great weather, dozing on the lawns of the beautiful park, which bends around the church’s grand front entrance, sitting there on the benches having lunch or inhaling the peaceful atmosphere that seemed to surround the cathedral grounds.

Winchester, The Wykeham Arms

On my first day I chose not to enter Winchester Cathedral, I enjoyed the walks around the city and after several hours I decided to shift my attention slightly towards less intellectual human interests – I was ready for a good pint of ale. I had already decided to frequent an interesting pub called the Wykeham Arms, which I had briefly visited in the afternoon, searching for some lunch, but which had its kitchen closed during those hours – as it is commonly done in English pubs. I had found my food elsewhere, on the go, but the beautiful interiors of the Wykeham Arms had convinced me to come back. Which I did and yet again I found myself pleasantly surprised by the English hospitality. The bartender, who’d had to tell me that his kitchen was closed in the afternoon, was still there, and even though I hadn’t spent more than 5 minutes in the pub that afternoon, to my great astonishment, he caringly inquired whether I had managed to find something edible that day! Paul was the name of this most hospitable barkeeper, and since it was a slow evening at the Wykeham Arms, he and his pleasant colleague Luke were generous enough to not only serve me some delicious ale, but also to share some interesting and entertaining stories about Winchester and its citizens.

Winchester Cathedral

The next day was dedicated to the cathedral and after a hearty breakfast at my B&B, which came together with the Times, personally delivered to the breakfast table by my host as well as some very interesting conversation, I was off and despite the most beautiful weather, I managed to stay inside the cathedral for more than 3 hours without the slightest signs of boredom. The reason for this was once again the marvellous guide system, this time offered by Winchester Cathedral. Together with an Australian couple I had the pleasure of being guided through the church by an extremely well-informed elderly gentlemen, who seemed to know just about everything that was somehow connected with the history of the cathedral – all nicely decorated with a bit of myth and some great anecdotes.

Winchester Cathedral, Jane Austen Commemorativ Brass Plate

We would see Jane Austen’s grave and find out that she lies buried in the cheaper western division of the church, the east being most expensive, in case you’re already planning…and we would learn that the plaque above her grave, which mentions her literary achievements was put there after her death, because at the time it wasn’t suitable for a woman to write. Jane Austen’s novels had all been published without even mentioning her name, just with the indication „by a lady“. Thankfully her brilliant style is nowadays no more a subject of dispute, she proudly holds her place amongst the worlds most renowned authors.

Winchester Cathedral

On we went through the nave, which is the longest of any European cathedral, along beautiful gothic arcitecture as well as some older remainders of the romanesque style, which can still be seen here and there. Around we walked again to the west window, which is probably the world’s greatest (unsolvable) puzzle. It had been blasted to smithereens by Oliver Cromwell’s armed forces, but the citizens of Winchester saved the pieces of broken glass, which can now be seen re-arranged in random, but nevertheless strikingly beautiful, new order – a challenge to any supercomputer to figure out their original pattern.

Winchester Cathedral, The Holy Hole

We went back again towards the east and our walk was most suitably accompanied by a small orchestra practicing medieval music, which was to be performed later. When we reached the apse, we stopped short in front of a black gaping orifice in the feretory platform, which was proudly introduced by our host with the following exclamation: „Welcome to the Holy Hole!“ I must admit, that right then and there I stopped following our guide’s explanations for a minute or two, because in my mind I was watching a succession of imaginary Monty Python skits, which were triggered by the above mentioned exclamation. Only in England is a name like this possible, as well as mentioning it without breaking down in a fit of laughter. I won’t elaborate on any other more Freudian associations. For anybody who is still interested in the facts: The above mentioned hole has been built into the feretory platform, which used to be the location of St. Swithun’s shrine, who is the patron saint of Winchester Cathedral. His shrine was destroyed during the English Reformation in the 16th century, but when it still existed, the hole which is visible now had to be built in order to make the relics of the saint accessible to the many pilgrims, who flocked to Winchester Cathedral. In medieval times pilgrimage was a lucrative business. Only, nobody was lured anywhere, unless there was the possibility to see or at least get very close to the remains of the respective saint and – which was the intended effect – to leave precious gifts. So the hole is actually the entrance to a sort of crawl space that leads around the site of the former shrine.

On we went and we passed another most curious statue in the westernmost corner of the church, which was dedicated to the diver William Walker (1869–1918). A man, who single-handedly saved the cathedral from collapsing. He did so by spending six years diving underneath the church and shoring up the construction. Mr. Walker’s heroic efforts saved the entire cathedral, which had slowly been sinking into the soft grounds beneath – sunken floors in the western corner of the building as well as some strikingly crooked walls and pillars still bear witness of it today.

Winchester Cathedral, Crypt

After finishing the first tour – our host had guided us back and forth around the church for almost two hours – I took adavantage of yet another excursion, this time to see the eerily beautiful crypt of Winchester Cathedral, where – unless it is flooded – you can admire the Anthony Gormley sculpture „Sound II“. Another well informed guide explained the crypt and its function to a small group of about ten people, who, due to the chilly temperatures, were alltogether glad to surface after 30 minutes of cryptic exposure. I then chose to take a short walk through the library of the cathedral, which holds a beautiful medieval Bible, hand-painted by one monk, who would turn in his grave, if he knew that it was a Victorian bishop’s children who cut out some of the ornamental letters, of which only one could be retrieved. A well-founded argument for celibacy, some might venture, maybe it’s just an anecdote. A good one though.

Finally after more than 3 hours of continuous admiration I decided that I had dedicated enough time to Winchester Cathedral. I chose to cancel the pre-planned excursion to the fake „real round table of king Arthur“ in the Great Hall, because outside the sun was shining and all the gloomy medieval tales of bishops and holy holes had left me longing for a leisurely stroll along the water meadows, following in John Keats‘ footsteps.

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Before I ventured on my poetic promenade – Keats was inspired to his „Ode to Autumn“ when he walked the trails of the river Itchen to St. Cross Hospital – I made another short stop at the Wykeham Arms in order to give their food a try. Well worth it!

Finally I headed out, left the cathedral behind and followed the foot-path to St. Cross. On the way I passed some of Winchester’s schools and colleges, which are renowned in the entire country. Winchester college, for example, is one of the oldest continous running colleges in England, and when walking through the city you constantly seem to bump into the well-groomed boys and girls, prettily dressed in their school uniforms, carrying books or sports equipment. Not surprisingly, I found myself reminded of Harry Potter. I walked on and left the city behind, the day was bright and sunny, and the country presented itself from its most beautiful side.

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Weeping willows along the path, which meanders at the side of the calmly flowing Itchen, here a field with a lone archer perfecting his technique, there a leisurely practice game of Cricket, with the players of both teams shining in their bright white uniforms on top of a perfectly manicured lawn, a melancholic swan drifting on the river, horses grazing on a meadow, a row of little ducklings paddeling swiftly after their mother, smells of fresh cut grass in the sun, cool river water in the shade and damp earthy scents along the tree-lined trail towards St. Cross. Not hard to imagine what John Keats must have been thinking when he walked here almost 200 years ago, easy to understand when you read what he wrote:

Season of mists and mellow fruitfulness, 
Close bosom-friend of the maturing sun,
Conspiring with him how to load and bless 
With fruit the vines that round the thatch-eves run…..(From John Keats‘ „Ode to Autum“)

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Finally my last day in Winchester was nearing its end, and I chose to visit one more of the many pleasant pubs in the city. This one was called Black Boy and was recommended to me by my host. The Black Boy is a quirky pub off Chesil Street, which boasts a seemingly endless collection of bizarre artifacts and decorations, as well as a charming garden and a good selection of locally brewed ales. Behind counters of bars and pubs, so my experience, you can often find not only most charming bartkeepers, but on some occasions great artistic talent too. In case of the Black Boy, the girl, who was tapping my ale, turned out to be the singer of a terrific band called „Polly and the Billets Doux“.

Winchester, The Black Boy Pub

Happy about having made an interesting musical discovery, I finished my final ale and headed back to my B&B, realizing that the next morning I would have to leave England. Leave a country, which I had only started to discover and which had still so many places I would have wanted to see. But I didn’t leave sad, because I knew I would take a lot back home with me. Memories of places I had visited, which had left me with the knowledge that everything I had expected, had been surpassed far beyond my expectations. Most importantly, I had learned and lived a great deal on my trip, I had been incredibly lucky to have met the most delightful people on the road and so I finally left England, convinced that I would have no choice but to return to continue my journey. Some day. Hopefully soon.

Useful Information:

Getting to Winchester from London: The train takes about an hour, the bus takes a little longer, but is considerably cheaper (round-trip from 10 Pounds).

Most important information on Winchester can be found on the city’s official homepage, where you’ll find links to accomodation as well. I stayed at the Wolvesey View B&B, which I can highly recommend. The rooms are pleasant, it is centrally located, but in a quiet neighborhood. From the yellow room, you have a beautiful view of Wolvesey Castle, I stayed in the blue room, which was just as nice. More information on Winchester can be found on Wikipedia.

There are many restaurants in Winchester, I can personally recommend the Wykeham Arms, which has a more upscale cuisine in the evenings, but still serves the pub classics for lunch – try the Wyk Pie! It is also a hotel. Nice pubs to visit are The Eclipse Inn, which is a very traditional pub that is frequented by the locals, or the above mentioned Black Boy Pub. All three places have a nice selection of locally brewed ales.

Winchester Cathedral currently charges 6 Pounds entry fee for adults, which includes tours through the cathedral and the crypt as well as the entrance to the library, the tower tour requires a small extra charge. More information can be found here as well as on Wikipedia.

If you like to check out „Polly and the Billets Doux“ – which I would recommend you do – you can do so here.

Susanne, 28 August 2009

Welcome to the Holy Hole!

Traveling Sandworm - artwork zoer

Lyme lag hinter mir, eine Fahrt noch durchs Märchenland bis nach Dorchester, während das immer mehr mit dem Horizont verschwimmende blassblaue Meer langsam und unweigerlich aus meinem Blickfeld verschwand und sich das satte Grün Südenglands wieder in den Vordergrund drängte. Meine Reise neigte sich langsam dem Ende zu, mein letzter Halt würde Winchester sein. Die Wahl des Ortes hat wieder einmal Jane Austen beeinflusst, die Autorin hat die letzten Tage ihres Lebens in der Stadt verbracht und ist nach langer Krankheit erst 41-jährig 1817 dort verstorben. Aber nicht nur Austen war verantwortlich dafür, dass ich mich für Winchester als letzten Tourstopp entschieden habe, auch Poet John Keats war dort gewesen und hat sich von der Schönheit der Landschaft inspirieren lassen. Nicht zuletzt musste der gewählte Ort eine gewissen Nähe zum Flughafen Gatwick aufweisen, denn es blieben mir nur noch 2 Tage bis zur geplanten Abreise.

Winchester, Hampshire

Von Dorchester aus gelangt man mit dem Zug in etwas mehr als eineinhalb Stunden nach Winchester, welches in der Grafschaft Hampshire liegt. Selbst wenn es banal anmuten mag, aber nein, es handelt sich nicht um die Stadt, in der die gleichnamige Flinte erfunden wurde – ich erwähne das sicherheitshalber, da ich mir selbst darüber Gedanken gemacht habe und auch jedes mal, wenn ich anmerkte, dass ich nach Winchester fahren würde, gefragt wurde, ob denn das berühmte Gewehr von dort stamme (zur Information: es kommt, wie kann es anders sein, aus den USA, die Firma, die es produziert nennt sich Winchester Repeating Arms Company). Ich hatte mir ein wunderschönes B&B im Süden der Stadt gesichert, der überaus nette Gastgeber lud mich sofort auf die obligate Tasse Tee ein und kurze Zeit später machte ich mich auf die erste Erkundungstour. Winchester, das sich bei strahlendem Sonnenschein und warmem Frühsommerwetter von seiner besten Seite präsentierte, beeindruckte wie die anderen Städte, die ich bisher besucht hatte, mit grandioser Schönheit, herrlich restaurierten mittelalterlichen Häusern und vermittelte darüber hinaus eine auffällig gediegene Stimmung, die der Stadt eine eigene Noblesse verlieh. Nicht zu unrecht, zählt Winchester doch zu den ältesten Städten Englands.

Winchester, King Alfred the Great

Spaziergänge lassen sich viele durch Winchester und seine schöne Umgebung unternehmen, besonders die High Street, die wie in den meisten englischen Städten mit historischem Stadtkern, das Zentrum bildet, lädt zum Flanieren und Einkaufen ein, sie ist jedoch fast zu belebt und so driftet man unweigerlich in eine der Seitenstraßen ab und findet sich früher oder später rund um die Kathedrale von Winchester wieder. Diese zählt zu den beeindruckendsten gotischen Bauwerken Englands, mit einem Kirchenschiff, welches als das längste in ganz Europa gilt. Diese mächtige Kathedrale dominiert Winchester und es schien mir fast, als würde sie eine magische Anziehungskraft ausüben, nicht nur durch ihre imponierende Größe, sondern auch durch die, eine besondere Ruhe ausstrahlenden, Anlagen, die sie umgaben. Selbst wenn sie geografisch gesehen nicht das Zentrum der Stadt bildete, immer wieder führten meine Wege zu ihr zurück, sei es über den großzügig angelegten Park, der sich vor ihrer gewaltigen Front ausbreitet und zu dem es sichtlich auch die Bürger Winchesters zog, waren seine Wiesen doch übersät mit Leuten, die dort im Gras ruhten, lasen oder ihren Lunch einnahmen, sei es durch die hübschen Wege, welche um die Kirche und zu ihren Verwaltungsgebäuden führten, wo man über Plätze wandeln konnte, in deren Mitte gigantische Libanonzedern thronten. Weiter zu jenem Haus in dem 1817 Jane Austen verstarb, von dort zu den Ruinen von Wolvesey Castle, das im 12. Jahrundert Bischofssitz war, wieder nordwärts, entlang am River Walk, einem beschaulichen Spazierweg am Fluss Itchen bis zum Denkmal von König Alfred dem Großen, der im 9. Jahrhundert das angelsächsische Königreich Wessex regierte. Irgendwann bemerkt man schließlich, dass man einen großen Kreis beschritten hatte und sich, wie von unsichtbarer Hand geführt, wieder vor der Kathedrale befand.

Winchester, River Walk (Itchen River)

Am ersten Nachmittag verzichtete ich darauf einzutreten, ich widmete mich den Spaziergängen durch Winchester. Dabei verstärkte sich der Eindruck, dass ich mich in einer überaus gepflegten, wohlhabenden Stadt befand. Einer Stadt, die auch für ihre Schulen bekannt ist, die pädagogischen Einrichtungen genießen im ganzen Land einen hervorragenden Ruf. Winchester College zum Beispiel zählt zu den ältesten, ohne Unterbrechung betriebenen, Buben-Internaten des Landes, man läuft den wohlfrisierten, schuluniformierten Knaben auch immer wieder über den Weg, Bücher oder Sportgeräte halten sie in Händen, Harry Potter lässt grüßen.

Winchester, Wykeham Arms

Der Abend in Winchester klang so beschaulich aus wie der Nachmittag begonnen hatte, ich fand mich in einem der bekanntesten Pubs der Stadt ein, dem Wykeham Arms. Da zeigte sich auch wieder die Herzlichkeit der Engländer und vor allem deren Sorge um das Wohlbefinden des Gastes. Ich hatte mich bereits am frühen Nachmittag dort eingefunden und mich erkundigt, ob noch warmes Essen serviert würde, der Bartender musste mich leider enttäuschen – es ist in englischen Pubs gang und gäbe, dass die Küche über die Mittagsstunden zusperrt – ich drehte also sozusagen am Absatz um und musste anderswo nach Essbarem suchen. Das Interieur des Lokals hatte mich aber beeindruckt und ich beschloss mich später, zum, zu diesem Zeitpunkt meiner Reise, bereits gewohnten Abend-Ale, wieder dort einzufinden. Als ich wie geplant zurückkehrte, erkannte mich derselbe Barman zu meinem eigene Erstaunen sofort wieder und erkundigte sich fürsorglich, ob ich denn am Nachmittag noch etwas Anständiges zu Essen gefunden hätte! Paul hieß der gute Mann, ich verbrachte schließlich einen überaus unterhaltsamen Abend im Pub und weil wenig los war, erfuhr ich von ihm und seinem netten Kollegen Luke so einiges Interessantes über Winchester und seine Einwohner.

Winchester Cathedral

Der nächste Vormittag war dem Besuch der Kathedrale gewidmet und ich gestehe, ich habe kaum jemals längere Zeit in einer Kirche zugebracht. Die Tatsache jedoch, dass Winchester Cathedral mit Sicherheit zu den schönsten englischen Kathedralen zählt und dass auch dort das Tourguide-System, welches mich schon in Salisbury und Bath beeindruckt hatte, hervorragend funktionierte, war ausschlaggebend, dass ich mich mehr als drei Stunden dort herumtrieb. Ein älterer Herr, wie gewohnt ausgesprochen nett, überaus gebildet und mit einem beeindruckenden historischen Spezialwissen beschlagen, führte mich und ein australisches Ehepaar geschlagene zwei Stunden durch die Kirche.

Winchester Cathedral, Memorial Brass to Jane Austen

Vorbei am Grab von Jane Austen, die, wie wir erfuhren in der preisgünstigeren nord-westliche Ecke beerdigt wurde – Höchstpreise werden für östliche Lagen gezahlt – und die erst später, zu ihren Ehren, eine Gedenktafel gewidmet bekam, in der auch ihre schriftstellerischen Leistungen erwähnt werden. Unser Tourguide erklärte, dass es damals für Frauen nicht schicklich gewesen wäre zu schreiben, deren Romane wären stets ohne Namen publiziert worden, lediglich mit dem Hinweis „von einer Lady“ versehen. Es freut einen dann nachträglich, dass Jane Austen heute zu den bekanntesten Schriftstellern weltweit zählt und ihr zumindest posthum jene Aufmerksamkeit zukommt, die sie sich auch zu Lebzeiten verdient hätte.

Winchester Cathedral...welcome to the Holy Hole!

Weiter ging es durch die gewaltige Kirche, bis unser Führer vor einem Loch halt machte und uns mit dem im Titel zitierten Ausspruch darauf aufmerksam machte, dass es sich dabei um ein heiliges handle. Ich gebe zu, dass sofort nach seinem Ausspruch eine ganze Bilderflut von Monty Python Sketches vor meinem geistigen Auge abliefen, eine derartige Bezeichnung konnte man sich auch wirklich nur in England einfallen lassen. Weiterführende Assoziationsketten zum besagten „heiligen Loch“ werde ich an dieser Stelle anständigerweise nicht ausführen. Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Art Kriechgang, in den angereiste Pilger klettern konnten und der sie schließlich nahe an die Gebeine des Heiligen Swithun führte, dem Schutzheiligen der Kathedrale von Winchester. Das alles hatte, wie man vermuten wird, rein wirtschaftliche Gründe, ohne Anreiz der Reliquien eines verehrten Heiligen wenn schon nicht angesichtig zu werden, dann zumindest ihnen physisch nahe zukommen, waren keine Pilger in die Stadt zu locken und wurden ohne selbige auch keine kostbaren Gaben zurückgelassen. Ein großes Geschäft im Mittelalter. Bautechnisch war es jedoch nicht möglich, diesen Zugang anders zu bewerkstelligen, als den besagten Kriechgang rund um die eingemauerten Gebeine des Hl. Swithun anzulegen.

Winchester Cathedral, Crypt

Es gibt noch jede Menge hochinteressante Geschichten zur Kathedrale von Winchester. Zum Beispiel jene von William Walker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlagene 6 Jahre damit zubrachte unter den Grundfesten der Kirche herumzutauchen (die Grundfeste wurden bereits Jahrhunderte davor vom angrenzenden Fluss unterspült und ausgehöhlt – schiefe Wände und abgesunkene Böden zeugen noch heute davon), auf diese Weise die Fundamente sicherte und das Bauwerk somit ganz alleine vor dem Einsturz rettete. Oder die Anekdote von der über achthundert Jahre alten handgemalten Bibel, aus deren Seiten Bischofskinder im 19. Jahrhundert nicht wenige prachtvoll gemalte Anfangsbuchstaben ausgeschnitten hatten, lediglich einer davon konnte wieder gefunden werden – ein überzeugendes Plädoyer für den Zölibat, wenn man so will…oder man besucht die gespenstisch schöne Krypta, wo man eine Skulptur des bekannten englischen Künstlers Anthony Gormley („Sound II“) bewundern kann. Alles in Allem Grund genug für eine Kunstliebhaberin und Freundin skurriler Geschichten, sich stundenlang in der Kirche aufzuhalten und sich dabei keine einzige Minute zu langweilen.

Winchester, Keats' Walk

Schließlich nahm die letzte der angebotenen Touren ihr Ende und ich beschloss die verbleibenden Stunden in Winchester mit Aktivitäten an der frischen Luft zu verbringen. Dass ich dadurch den Blick auf die gefälschte „historischen Tafel“ Artus’ versäumte, bereitete mir gar kein Kopfzerbrechen, ich zog einen realen Dichter dem mythologischen König vor und machte mich nach einem ausgiebigen Mahl im Wykeham Arms (ich musste mich schließlich irgendwann von dessen Küche überzeugen) auf, um denselben Weg entlang zu schlendern, welcher den Poeten John Keats zu seinem Gedicht „To Autumn“ inspiriert hat. Es handelt sich dabei um einen fast kitschig beschaulichen Pfad, der entlang dem Flüsschen Itchen und den Water Meadows zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, einem historischen Armenspital namens St. Cross, führt.

Winchester, Keats' Walk

Es schien fast, als hätte die örtliche Tourismusbehörde den Auftrag gegeben, mir den Weg von seiner allerbesten Seite zu präsentieren. So passierte ich auf dem einen Feld einen Bogenschützen, der seine Kunst übte, auf dem nächsten zwei in strahlendes Weiß gekleidete Kricketteams, die sich einem gemächlichen Übungsspiel hingaben, auf dem beschaulich vor sich hinfließenden Gewässer thronte irgendwann ein melancholisch vor sich hintreibender Schwan, auf der Wiese zum Spital weideten zwei Pferde, überbordende landschaftliche Schönheit, die leicht nachvollziehen lässt, wie es einem romantischen Poeten fast 200 Jahre zuvor gegangen sein mag:

Season of mists and mellow fruitfulness,
Close bosom-friend of the maturing sun
Conspiring with him how to load and bless
With fruit the vines that round the thatch-eves run…
(aus John Keats „To Autumn“)

Winchester, Keats' Walk

Den letzten Abend schließlich verbrachte ich in einem kuriosen Pub namens Black Boy, welches nicht nur mit allerlei skurriler Möblierung und sonstigem bizarrem Tand voll gestopft ist und eine beeindruckende Selektion lokal gebrauter Ales vorweisen kann, sondern auch einen äußerst gemütlichen Gastgarten besitzt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich es nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dass sich hinter der Theke diverser Lokale nicht selten auch talentierte Künstler verdient machen. Im Black Boy zum Beispiel werkt eine junge Dame, auf dessen Arbeit ich vom Gastgeber meines B&B aufmerksam gemacht wurde. Sie heißt Polly und ist Sängerin in einer Band, die ich sehr gerne auch mal in Wien auftreten sehen würde. „Polly and the Billets Doux“ nennt sich die Formation und produziert einen ausnehmend gefälligen Mix aus Rock, Jazz, Country und Folk, die junge Sängerin erinnert entfernt an Norah Jones. Diese Mischung scheint auch in England zu gefallen, Polly und ihre Band wurden bisher bereits zweimal beim wohl bekanntesten Musikfestival des Landes in Glastonbury engagiert, sie haben vor kurzem ihr erstes Album veröffentlicht.

Winchester, The Black Boy Pub

Irgendwann neigte sich auch der letzte Abend dem Ende zu, ich kehrte zurück in meine Herberge, am nächsten Morgen ging es nach 10 Tagen Aufenthalt in England wieder heimwärts. Ich hatte bei weitem nicht alles gesehen was zu Beginn der Reise am Plan gestanden war, gleichzeitig jedoch habe ich aber viel mehr erlebt, als ich es je erhofft hätte. Während meiner Reise durchs südliche England habe ich fast überirdisch schöne Landstriche zu sehen bekommen, unzählige unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt und nicht zuletzt fast ausschließlich liebenswerte Leute kennen gelernt. Dass ich zurückkehren werde steht so gut wie fest, nur das Wann muss noch geklärt werden, bald, hoffe ich.

Hilfreiche Informationen

Anreise von London: mit dem Zug erreicht man Winchester in einer guten Stunden, mit dem Bus ist man zwar um einiges länger unterwegs, das Ticket ist dafür aber wesentlich günstiger (Hin und Retour bereits ab 10 Pfund).

Die wichtigsten Informationen über Winchester finden sich auf der offiziellen Homepage der Stadt, auf der Seite kann man sich auch über diverse Übernachtungsmöglichkeiten schlau machen. Ich persönlich kann das von mir gewählte B&B Wolvesey View wärmstens empfehlen, es liegt immer noch zentral, aber in der ruhigeren Umgebung südöstlich der Kathedrale, das gelbe Zimmer bietet einen schönen Blick auf die Ruine Wolvesey Castle, der Hausherr persönlich liefert die Times an den reich gedeckten Frühstückstisch. Zusätzliche Informationen über Winchester finden sich auch auf Wikipedia.

Es gibt in Winchester unzählige Restaurants, das Wykeham Arms ist nebenbei auch Hotel und bietet abends gehobene Gastronomie, über Mittag bekommt man herzhaftes, exzellentes, Pub-Food – empfehlenswert der „Wyk Pie“! Das Lokal ist wegen seiner Ausstattung in jedem Fall einen Besuch wert. Daneben sind noch das oben erwähnte Black Boy zu empfehlen sowie das Eclipse Inn, welches ein traditionelleres Pub ist.

Die Kathedrale von Winchester verlangt derzeit pro Erwachsenem 6 Pfund Eintritt. Die geführten Touren in der Kirche sind gratis, Touren auf den Turm kosten 3 Pfund extra. Es lohnt sich in jedem Fall die Kathedrale zu besuchen, weitere Informationen (auf Englisch) finden sich hier, spärliche deutschsprachige Infos auch auf Wikipedia.

Zur Webseite der Band „Polly and the Billets Doux“ gelangt man hier.

Ich konnte keine deutsche Übersetzung von Keats‘ Gedicht finden, hier eine versuchte Eigenübersetzung der zitierten Verse: Zeit der Nebel und zarter Frucht, Busenfreund der reifen Sonne, mit ihr verbündet, um mit Trauben zu beladen und zu segnen, den Wein, der sich um strohbedeckte Dächer rankt,…

Susanne, 16. August 2009

On the road in England – Part VI: Lyme Regis, Dorset

Flying Sandworm - artwork zoer

So I finally made it back to the seaside. To a lovely town called Lyme Regis, which beat Dorchester in my search for literary locations. Not that I don’t like Thomas Hardy, but Jane Austen is always a good bet and in this respect it was plainly the attribute „seaside“ which was the decisive factor in the choice. And it was a good choice, because Lyme turned out to be the absolute highlight of my journey.

Dorset, England

Before I elaborate on Lyme though let me tell you about the trip it took to get there. That indeed surpassed anything that I had seen as far as beautiful English landscapes were concerned, and I had already thought I’d seen the best of them. Lyme Regis is about 60 miles south of Bath. I took the train to Dorchester, from there the bus and found myself traveling fairytale country! Riding through a scenery that could best be described as a true rendering of Tolkien’s Shire (even if Tolkien seemed to have been inspired by landscapes farther to the north): rolling hills, green pastures blotted with white cotton balls, that turned out to be peacefully grazing sheep, tiny stone churches and secluded cottages with thatched roofs. I wouldn’t have been surprised had I seen unicorns galloping the meadows, or hobbits tending to the beautifully kept gardens. At last the many shades of green were contrasted by the deep blue of the approaching sea and the bus stopped short in Lyme Regis.

Lyme Regis, The Cobb

I had found a pretty B&B with a most welcoming host only steps from the beach and just minutes after I had arrived my first excursion led me to the beach. It was owing to Jane Austen and her book Persuasion, again, that I had become aware of Lyme in the first place. One of the characters in her book, Louisa Musgrove, fell, or I should say stupidly jumped, from a well known structure that’s called the Cobb, an incident which led poet Tennyson to demand „Show me the exact spot where Louisa Musgrove fell!“ when he visited the town. On this point I don’t differ much from Tennyson and with Persuasion being my favorite book by Austen I knew I should very much like to see Lyme. And so I did.

Lyme Regis, Dorset

Lyme Regis is a beautiful little town on the southern coast of England, a tiny village, whose houses smoothly nestle against the bay. When you start out from where the buses stop, on Bridge Street, which forms the center of Lyme, you can either head east and explore the fortifications that protected the town from invasions from the sea (during 1588 Lyme Regis sent its own ships to meet the Spanish Armada, the battle could be watched from the coast) or you can stroll to the west along the Marine Parade, which will take you to the harbor and eventually to the aforementioned Cobb – a stone structure, first documented in the 13th century that impressively bends towards the sometimes quite rough waters of the English channel and thus protects Lyme harbor.

Lyme Regis, Dorset

My first day in Lyme Regis was overcast and after a short walk around the town, the obligatory inspection of the spot where Louisa Musgrove fell and a stroll along the beach, I chose to explore some of the pubs. I first found myself at the Cobb Arms, a pub/restaurant/bedandbreakfast, where I treated myself to a small portion of chips, which, as I had by now learned, usually turns out to be an enormous heap of the calorie intense dish anyway. Additionally the Cobb Arms offers an impressive choice of ales, which by this time I had devoped a great fondness for. Later on I ventured to a place called Nags Head Inn, where they had live music that night. In this regard and as a foreigner traveling England I have to advise fellow travelers to not make the mistake and hide in their chosen accommodation. In an English pub you will always find someone to talk to, throughout my entire trip the English have proven to be most charming hosts…I got home late that night.

Lyme Regis, Dorset

The next day I awoke to blue skies and bright shining sun and after a hearty breakfast, my first path led me to the beach. My agenda for the day included one pre-planned excursion, a venture which I had chosen, not only because it neatly fit with my current reading of Charles Darwin’s „Voyage on the Beagle“ and I was looking for a diversion to the regular touristy undertakings, but also because I had decided not to join the notoriously lobster-colored British sun-worshippers, who are reknowned around the world for stubbornly disregarding their celtic skins’ intolerance to UV radiation and who had already crowded Lyme’s beaches the day before. Instead, I planned to attend one of the fossil walks that were offered in town. Owing to my own academic pursuits, the trials and tribulations that have to be endured in order to secure a PhD, I opted for the one guided by a certain Dr. Colin Dawes. Fossil walks around Lyme are quite popular and one has to know (or will find out when they enter the local tourist information, like I did), that the coast around Lyme is made up of Jurrasic rock, which is rich with fossil remains that can be found on the beaches in the area. In this regard I find it most important to mention that it was a woman, who pioneered the endeavours in the sciences that surround the study of prehistoric life. It was Mary Anning (1799 – 1847), who was just 12 years old when she discovered the first complete skeleton of an ichthyosaur in the area and who subsequently contributed enormously to the then young field of paleontology.

Lyme Regis, Dorset

First off though I ventured to the beach, where to my delight I found myself almost blinded by the sea, which boasted a turquois blue that I would have thought was unique to the Caribbean and which forced me to instantaneously sit down in one of the beach cafès and waste an entire hour and a half on „gazing at the sea“. Time, I find, which is spent much to easily when I’m at the seaside, because it is in itself a pleasure and one need not find any other distractions in order to pass the days. Ramble along the beach, stick your feet in the water, or head back to the Cobb and stroll along like Jane Austen or her Persuasion characters – watch out not to fall like Ms. Musgrove – and move on back to the harbor, where you might want to get yourself a crab sandwich like I did. And all of a sudden, just like me, you might realize, that the taste of that sandwich most perfectly harmonizes with the smell of the sea, which you love so much and which, however hard it is to describe, you’ll instantly recognize anywhere you encounter it. You might then notice, just like I did, that the fresh crab-filling of that sandwich is the perfect synesthesia, that all of a sudden you’re able not only to smell the odor of the sea, but taste it on your palate as well and when after this quasi-psychedelic experience you slowly come to, you’ll realize, just like I did: Goodness, it’s almost 1 pm, my fossil walk starts soon!

Lyme Regis, Fossil hunting with Dr. Colin Dawes (right front)

Only a little while later I found myself joining Dr. Dawes fossil excursion. Actually he calls them fossil hunts, rightly so, because Dr. Dawes, who amiably introduced himself as Colin, is somebody who, with all due respect, would rightfully qualify as a hybrid between a fossil and Indiana Jones. And who, in every respect, is an extensively knowlegeable, most friendly, tour guide and fossil hunter. So we were off, a group of about 10 people, children included, to which Dr. Dawes proved a most attentive teacher, and for the next two hours we rambled along Lyme’s beaches, hunting for our own fossils, having a great time. During these two hours we learned that it is Jurassic beef we should be looking for, rocks, that when they’re split, display an almost beef-like structure – hence the name – and which most often contain fossilized animals. Or we would find out, where on Lyme’s beaches one can find the „Graveyard of Ammonites“ and that the curious shape of fossilized oysters cause them to be called Devil’s Toenails. Finally we headed home, every single hunter happy about having secured their own fossil, even the Dr. himself delighted, because he had found a part of the backbone of an ichthyosaur.

Lyme Regis, Sherborne Lane

This way time flies by, already it was the afternoon of my last day in Lyme Regis. And so much yet to be seen! You might for example want to stroll along Sherborne Road, one of the oldest roads in Lyme, where each little cottage carries its own whimsical name, displayed on a neat nametag next to the entrance. Or you might like to explore the Long Entry, a lane where the author Henry Fielding (1707 – 1754) botched an attempt to abduct a young lady, an experience which he later incorporated in his famous novel „Tom Jones“. The renowned painter James Abbot McNeill Whistler (1834 – 1903) lived in Lyme Regis for a while and, among others, painted the portrait „Little Rose of Lyme Regis“. The author John Fowles (1926 – 2005) wrote the novel „The French Lieutenant’s Woman “ here, which was filmed on location with Meryl Streep in 1981. You may want to wander from Monmouth Street to St. Michael’s Church, walk across the serene churchyard, where Mary Anning lies buried, and head out to a hill high above the English channel. There you’ll find a few lonely benches, where you can seat yourself and enjoy a great view of sea.

Lyme Regis, Dorset

Plenty more places to see in Lyme Regis, but time was limited. A bite to eat at the Harbor Inn; one last pint of ale; one more glimpse of the sea and I admit, I felt my heart slightly aching, knowing I had to leave Lyme the next morning.

Last stop: Winchester

Useful Information:

Travel to Lyme from London: By train to Dorchester (the ride takes about 2.5 hours) and then by bus to Lyme. You can also take the bus from London to Dorchester, that is considerably cheaper, but it takes longer.

All useful information on Lmye Regis can be found on Lyme’s official homepage. I found my accommodation by referral from another B&B, my most generous host prefers to find guests this way, which is why I won’t mention her address. Plenty of other accommodation though, can be found in all categories throughout town. Be advised that Lyme Regis can be very busy during the summer season, which is why I would recommend a visit during the off-season, at best during the week, if you prefer solitude, as the natives tell me, Lyme is deserted in winter. More information on the town and its sights can be found on Wikipedia.

There are plenty of Restaurants, Cafés and other places where you can grab a bite to eat in Lyme, especially on Broad Street and at the harbor. For seafood I can recommend the Harbor Inn and the Royal Standard. Outstanding crab sandwiches can be found at The Lyme Bay Sandwich Company (at the harbor)

Information on Dr. Colin Dawes’ fossil hunts can be found here. From June until September tours take place on Sundays at 1 pm, during the holidays extra tours are added on Wednesdays, no reservation necessary. I advise you to wear reasonable shoes (no flip-flops), bring a hat (the sun can be relentless on the beach) and adequate clothes (the wind can get quite chilly even during the warm months).

Susanne, 13 August 2009

ps: By the way, just in case you care to know, this is the exact spot where Louisa Musgrove fell…supposedly.

Lyme Regis, The Cobb (Grannie's Teeth)

The Sandworm als Mobile Blogger – Das Fazit

The Sandworm - artwork zoerSeit vergangenem Freitag gehen das iPhone 3GS und ich sozusagen wieder getrennte Wege. Ich muss gestehen, der Abschied ist mir leichter gefallen, als ich gedacht hatte, bis heute haben sich keine nennenswerten Entzugserscheinungen eingestellt, ich denke also, dass es Zeit ist, eine Gesamtbilanz über den Testlauf zu ziehen.

Ich hatte bis dato noch nie ein sogenanntes Smartphone ausprobiert, das iPhone hat sich diesbezüglich von Tag 1 an wirklich als smart, als unkompliziert, ja, ich würde sagen „deppensicher“ erwiesen. Kaum an den Laptop angeschlossen – vermutlich auch erleichtert durch die Tatsache, dass der ebenfalls aus der Schmiede „Apple“ stammt – schon wurde das Handy synchronisiert, ich konnte selbst bestimmen, welche Inhalte von meinem MacBook aufs iPhone gehen sollten, Email wurde konfiguriert, nach ca. 20 Minuten (abhängig davon, was man alles aufs Handy lädt), war alles abgeschlossen, das iPhone startklar.

Im Laufe der Testphase, welche etwas mehr als 3 Wochen dauerte, kamen schließlich so einige Stärken und Schwächen ans Licht, welchen ich mich im Folgenden widmen möchte. Da ich nicht unbedingt eine Technikexpertin bin, wird es diesbezüglich bloß Informationen zum Handling, der Funktionsfähigkeit und Usability geben, Übertragungsgeschwindigkeiten, technisches Spezial-Know-How oder gar Vergleiche mit anderen Modellen kann ich keine liefern.

Fangen wir bei den Schwachpunkten an. Auffälligstes Merkmal, welches nicht nur mir, sondern vermutlich auch allen anderen Benutzern, am schnellsten auffiel, ist die relativ kurze Akkulaufzeit. Gerade wenn man das iPhone intensiv nutzt, sagen wir um sich die Zeit zu vertreiben, man also fotografiert, telefoniert, Musik hört, spielt und sonstige Zusatzfunktionen ausprobiert, stellt man erstaunt fest, dass der Akku gerade mal einen halben Tag durchhält. Angeblich ein Problem, das allen Smartphones gemein ist, ich kann diesbezüglich nur zum iPhone meine Erfahrungen berichten. Schwachpunkt Nummer 2: Die Touch-Tastatur. Egal für welche Art von Texteingabe man das iPhone verwendet (Email, SMS, Chat, Tweets, Facebook-Einträge uvm.), ich bin mit der Tastatur nie warm geworden. Selbst die Möglichkeit das Handy in die Horizontale zu kippen, was die Tastatur vergrößert, war für mich unpraktikabel, in manchen Fällen kann man die Horizontalversion auch gar nicht nutzen. Das Wörterbuch ist nutzlos, ja störend, wenn man in mehreren Sprachen zu schreiben gewohnt ist (man Twittert ja auch gern auf Englisch), dann mischen sich die Wörterbuchfunktionen, was diese Anwendung gänzlich untauglich macht – ich habe sie nach ein paar Tagen deaktiviert. Die Tipperei auf den virtuellen Tasten schlägt immer wieder fehl, wodurch man gezwungen ist zu löschen, wieder neu zu tippen,  etc. Ich habe deshalb die Texteingabe am iPhone, auch um meine Nerven zu schonen, auf sehr kurze Messages beschränkt, Emailantworten meist verschoben, bis ich wieder Zugang zu einem stationären Computer und funktionsfähiger Tastatur hatte. Dieses Problem ist natürlich ein subjektives, das ist mir klar, und ich bin auch der Meinung, dass die Touch-Tastatur des i-Phones nicht durch eine echte Tastatur erstetzt werden kann, weil dies dem Design, welches ich übrigens für grandios halte, schaden würde.

Was mich auch schon zu den Stärken bringt. Äußerlich betrachtet handelt es sich beim iPhone wirklich um ein wunderschönes Gerät. Den optischen Eindruck kann wohl kaum ein anderes Handy übertreffen. Funktionell überzeugt es, wie alle Apple Produkte, die ich kenne, durch eine simple, höchst intuitive Programmierung, welche die Anwendung zum Kinderspiel macht. Bereits nach wenigen Minuten findet man sich im Menü zurecht, man müsste schon ein Spezialtalent sein, um bei diesem Gerät etwas unabsichtlich zu verstellen oder gar zu löschen. Nach dem Setup funktionieren bereits alle Programme, man kann ohne groß einzustellen seine Emails empfangen, die Kontakte wurden vom Laptop übernommen und sofern man dort noch keine Telefonnummern eingetragen hatte, war das schnell erledigt und man konnte lostelefonieren. Die integrierte Kamera schafft erstaunlich gute Schnappschüsse, auch Videos lassen sich unkompliziert aufnehmen, trotz allem taugt sie aber nicht als Ersatz für eine ernsthafte Digitalkamera, dazu fehlen ihr zu viele Funktionen (ein Zoom, höhere Auflösung, Blitz etc.) außerdem neigt sie dazu Bilder zu verwackeln, man muss das Handy sehr ruhig halten, um keine verwischten Bilder zu erhalten. Musikhören kann man ebenfalls ganz gut, es steht genügend Speicher zur Verfügung, um eine relativ große Musiksammlung unterzubringen, einziger Wermutstropfen dabei wieder – der Akku. Was die Applikationen betrifft, so gibt es im AppStore eine schier endlose Auswahl, ich habe mich auf kostenlose Apps beschränkt, meine Erfahrungen dazu kann man in den vorangegangenen Einträgen nachlesen, insgesamt gesehen, bin ich aber nicht der Typ iPhone User, den derlei Spiele besonders lang unterhalten, da greife ich allemal zum  Taschenbuch, das benötigt auch keinen Akku. Als besonders tolle Anwendung hat sich der Kompass und die damit verbundene Landkartenfunktion herausgestellt. Lässt man es zu, dann peilt das iPhone fast metergenau seinen aktuellen Standort, ein Verirren ist damit kaum noch möglich, vermutlich die praktischste Funktion am ganzen Handy. Internetsurfen ist aufgrund des (wie auf jedem anderen Gerät auch) kleinen Displays nur in Ausnahmefällen anzuraten. Will man schnell was nachschauen oder einem Link folgen gut, aber surfen und lesen kam für mich nicht in Frage, ich möchte mein Augenlicht noch gerne länger nutzen. Am ehesten kommen da noch YouTube Videos in Fragen, die sich aufs ganze Display vergrößern, ich ziehe diesbezüglich aber trotzdem den Laptop vor.

Mein Fazit also? Überaus positiv! Selbst wenn ich nicht der Meinung bin, dass man ein iPhone zum Überleben braucht. Ich persönlich würde es als technisch hervorragendes, sehr beeindruckendes, stylisches, aber nicht besonders günstiges, Spielzeug sehen. Etwas das in bestimmter Hinsicht den Alltag erleichtert, was aber, nachdem ich es jetzt wieder zurückgegeben habe, diesen auch nicht so unerträglich kompliziert gestaltet, dass ich mir unbedingt eines kaufen muss. Mein altes Handy hat zwar lediglich eine Telefonfunktion, das reicht aber meines Erachtens nach vollkommen aus. Ich habe kein Problem meine Emails einen Tag lang nicht zu lesen, genauso wenig, wie ich nicht in absolute Verzweiflung verfalle, wenn ich mal ein paar Stunden Zeit totschlagen muss, im Gegenteil, in mancher Hinsicht hat diesbezüglich einfaches Sitzen und vor sich Hinstarren auch seinen Reiz…was nicht heißt, dass ich mir nicht doch noch einmal so ein Smartphone zulegen werde. Zu Weihnachten vielleicht. Wer weiß.

Susanne, 11. August 2009

Show me the exact spot where Louisa Musgrove fell!

Traveling sandworm - artwork zoerEndlich war ich wieder am Meer angekommen. In Lyme Regis, wo ich die nächsten zwei Tage verbringen würde. Zuvor jedoch ist ein Exkurs zur Anreise dorthin vonnöten. Eine Reise, welche die Strecke zwischen Bath und Lyme betrifft und welche gut und gerne als eine Fahrt durchs Märchenland beschrieben werden kann. Mit der Bahn ging es zunächst nach Dorchester, das nicht ganz 100 km südlich von Bath liegt und sich, wie auch Lyme Regis, in der Grafschaft Dorset befindet. Dorset selbst wird übrigens gern als „Hardy Country“ bezeichnet – der Schriftsteller Thomas Hardy hat dort gelebt und gearbeitet und sich sowohl von Land, als auch Leuten, zu seinen diversen literarischen Werken inspirieren lassen. Von Dorchester, welches kurz auf meiner Liste der Haltepunkte stand, dann aber aufgrund des Fehlens der wesentlichen Eigenschaft „seaside“ von Lyme ausgestochen wurde – glücklicherweise, muss ich zugeben, denn Lyme hat sich sofort bei meiner Ankunft als das Highlight meiner Reise herausgestellt – ging es per Bus weiter und wenn ich bis dato gemeint hatte, dass die südenglische Landschaft nahezu unübertrefflich schön sei, so wurde dieser Eindruck während der Fahrt nach Lyme noch weit in den Schatten gestellt.

Dorset, England

Sattgrüne Weiden mit wollknäuelartig darauf verteilten Schafen, gemächliche Hügel, dahinter versteckt beschauliche Dörfer samt schilfbedeckten Landhäusern, klitzekleine Steinkirchen, all das zog wie aus dem kitschigsten Bilderbuch an meinem Busfenster vorbei – Fairytale Country – und ich wäre nicht erstaunt gewesen, wenn auf diesen Weiden Einhörner gegrast hätten, aus den urigen Häuschen Zwerge spaziert wären. Ich befand mich mitten in Tolkiens Shire (selbst wenn Tolkien seine Inspiration aus etwas nördlicher gelegenen Gegenden gezogen hat). Schließlich gab das viele Grün den Blick auf das Meer frei, nach etwa eineinhalb Stunden spuckte mich der Bus am südlichsten Punkt der Bridge Street nur wenige Meter vom Strand entfernt, im Zentrum von Lyme Regis aus.

Dorset, England

Ich hatte nicht weit entfernt eine überaus hübsche Unterkunft in einem privaten B&B gefunden, samt einer ausnehmend netten Gastgeberin; nachdem ich mich häuslich eingerichtet hatte, führte der erste Weg ans Meer.

Der Grund warum ich nach Lyme Regis gekommen war, war wieder einmal Jane Austen bzw. Persuasion gewesen, das im Titel angeführte Zitat stammt von Tennyson, der – so wie ich – die Stelle sehen wollte, an der eine der Figuren im Roman stürzt (eigentlich springt, aber hier wieder der Hinweis das Buch einfach zu lesen). Diese Stelle liegt an einer Strandbefestigung, die den Hafen vor Überschwemmungen schützt und die bereits seit dem 13. Jahrhundert historisch dokumentiert ist. Diese Befestigung nennt sich Cobb und ist eine Art Mauer, auf der man, so wie die Protagonisten aus Persuasion oder Jane Austen selbst, entlang schlendern und die Aussicht aufs Meer wie auch auf Lyme genießen kann.

Lyme Regis, The Cobb

Lyme ist ein herrliches kleines Städtchen (4.406 Einwohner), dessen hübsche Häuser sich gemütlich an die Bucht schmiegen. Von der in Bezug auf die Seehöhe am tiefsten gelegenen Stelle an der Bridge Street, welche das Zentrum des Ortes bildet, gelangt man zum Strand und kann dort entweder die östlichen Befestigungen, die zu Verteidigungszwecken angelegt wurden besichtigen (Lyme hat im Jahre 1588 Schiffe entsandt, um die spanische Armada zurückzuwerfen, die Schlachten konnten vom Festland aus beobachtet werden), oder man wendet sich westwärts und schlendert an der Marine Parade entlang zum Hafen. Von dort aus biegt sich auch der Cobb beeindruckend den zeitweise ungestümen Gewässern des Ärmelkanals entgegen.

Lyme Regis, Dorset

Der erste Tag in Lyme, der sich durch ungünstige klimatische Bedingungen dunstverhangen präsentierte, ging langsam zu Ende und es wurde Zeit, den mittlerweile einsetzenden Hunger zu stillen. Diesbezüglich finden sich in der Stadt (vorwiegend entlang der Broad Street) sowie am Hafen jede Menge tauglicher Lokale, meine Wahl fiel auf das Cobb Arms, einem Restaurant/Pub/Hotel, welches direkt am Hafen an der Cobb Road liegt. Essenstechnisch kann ich zwar nur die Pommes Frites empfehlen, sie werden unter dem Namen Chips in England gewöhnlich in gigantischen Portionen serviert, darüber hinaus jedoch konnte das Lokal eine große Auswahl am mir mittlerweile lieb gewonnenen Ale vorweisen.

Lyme Regis, Dorset

Den Rest des Abends verbrachte ich in einem weiteren Pub namens Nags Head Inn, das man vom Hafen aus über die steil ansteigende Cobb Road erreicht und wo man am selben Abend idealerweise mit Live-Musik aufwartete. Ich kann in dieser Hinsicht jedem und jeder raten sich in England nicht in der Herberge zu vergraben, man findet in den diversen Pubs immer schnell Anschluss, das Inselvolk hat sich als überaus kommunikativ und gastfreundlich erwiesen…es wurde später.

Der nächste Tag in Lyme begann mit dem bereits gewohnten ausgiebigen Frühstück und der Aussicht auf einen Programmpunkt, den ich bereits bei der Ankunft ins Auge gefasst hatte, vor allem weil mir danach war, die übliche Touristen-Routine zu durchbrechen, das betreffende Angebot hervorragend mit meiner damals aktuellen Lektüre von Charles Darwins Reise auf der Beagle harmonierte und ich mich nicht zu den bekannt krebsroten Briten, die sich bereits am wettermäßig verhangenen Vortag am Strand gedrängt hatten, gesellen wollte. Und das, obwohl Lyme mit einem aus Frankreich importierten Sandstrand aufwarten kann. Der Kieselstrand stammt übrigens von der Isle of Wight – was dem Charme der Küstenstadt aber nicht im Geringsten schadet. Der oben erwähnte Programmpunkt war die Teilnahme an einem sogenannten Fossil-Walk. Dazu muss man wissen (oder erfährt man so wie ich spätestens wenn man die Räume der Touristeninformation betritt), dass Lyme Regis von einer Steilküste umgeben ist, die aus Kalksteinformationen aus der erdgeschichtlichen Epoche des Jura besteht, regelmäßige Abbrüche von diesen Hängen hinterlassen dann an bestimmten Stellen der Küste jede Menge Fossilien, die der interessierte Besucher unter Anleitung suchen und beim Fündigwerden auch behalten darf. Erwähnenswert ist dazu die Tatsache, dass es eine Frau war, eine gewisse Mary Anning (1799 – 1847), die die paläontologischen Bestrebungen in der Gegend pionierte. Bereits im Alter von nur 12 Jahren entdeckte sie das erste Saurierskelett, hat später noch unzählige weitere Verdienste rund um die Paläontologie erworben und damit der noch jungen Wissenschaft entscheidende Impulse verliehen.

Lyme, Dorset

Zunächst jedoch galt es den Vormittag in und um Lyme zu vertrödeln, ein Zeitvertreib, der am Meer immer viel zu leicht fällt, sei es, dass man sich bereits morgens außer Haus begibt und zur eigenen Freude von strahlendem Sonnenschein begrüßt wird, an den Strand eilt und von einem Marineblau des Meeres, das man bestenfalls in der Karibik erwartet hätte, so eingenommen ist, dass man sich sofort in ein Strandcafé setzen muss, allein um geschlagene 90 Minuten mit „aufs Meer schauen“ zu verbringen, sei es, dass man noch einmal zum Hafen spaziert, am Cobb entlang schlendert und erstaunt feststellt, dass der Tidenhub in Lyme gewaltig sein muss, saßen doch die Boote im Hafen noch gestern auf schlammigem Meerboden auf, während sie jetzt, bei einer vermuteten Wassertiefe von etwa 2-3 Meter, fast triumphierend vor sich hin schaukelten, oder man sich schließlich noch ein allerorts angepriesenes Crab-Sandwich kauft und euphorisch feststellt, dass dessen Geschmack die perfekte Synästhesie für jemanden wie mich darstellt – jemand der nichts mehr schätzt als den Geruch des Meeres – weil sich die Krabbenfülle am Gaumen plötzlich als exaktes Äquivalent zum bis dato wahrgenommenen Meeresgeruch entpuppt, ein Geruch der sich kaum in Worte fassen lässt und doch so eindeutig ist, dass man ihn überall und zu jeder Zeit sofort wieder erkennt, dass man also plötzlich nicht nur in der Nase, sondern auch auf der Zunge, diese Mischung aus Salz, Zitrone, Seetang, Fisch und Frische spürt und ganz langsam, kaum, dass man aus dem fast psychedelischen Rausch, den diese Geschmacks-, Geruchsdroge Meer ausgelöst hat, wieder einigermaßen nüchtern augeftaucht ist, erkennt: es ist schon fast 13 Uhr, der Fossilien-Spaziergang ruft!

Lyme Regis, Dorset

Diesbezüglich hatte ich, es werden in Lyme verschiedene dieser Touren angeboten, aus akademischer Solidarität, jene mit einem gewissen Dr. Colin Dawes gewählt. Selbst wenn die Tour um einen Pfund teurer war als die anderen von denen man wählen konnte – in dieser Hinsicht hieß meine Devise: ein langes und mühsames Studium, ein mit Schweiß und Tränen erworbener Doktortitel, sollte und musste belohnt werden – die Wahl erwies sich als goldrichtig. Dr. Dawes, der sich wie es in angloamerikanischen Ländern angenehmerweise üblich ist, gleich als Colin vorstellte, war nicht nur der Inbegriff dessen, was man sich unter einem Geologen/Paläontologen, der seinen Beruf als Berufung sieht, vorstellt, optisch war er das, was man vermutlich erhält, wenn man Indiana Jones mit einem Fossil kreuzt, es preist seine Touren auch passenderweise als Fossilienjagd an, darüber hinaus präsentierte er sich als exzellenter, bestens gelaunter, Tourguide.

Lyme Regis, Fossil walks with Dr. Colin Dawes (front right)

Mehr als zwei Stunden waren wir, eine Gruppe von etwa 10 Leuten, inklusive Kinder, die Dr. Dawes bei jeder seiner Erklärungen ganz besonders berücksichtigte, unterwegs. In dieser Zeit erfuhren wir warum man nach „Jurassic Beef“ Ausschau halten solle, jenes Gestein, in welchem man am Häufigsten Fossilien findet und welches, wenn man es aufschlägt eine fast rindfleischartige Textur aufweist (daher der Name), wo in Lyme sich der „Friedhof der Ammoniten“ befindet und dass man eine versteinerte Austernart wegen ihres eigentümlichen Aussehens auch „Devil’s Toenail“ (Zehennagel des Teufels) nennt. Selbst einen doch recht seltenen Ichthyosaurier-Wirbelknochen haben Dr. Dawes‘ geschulte Augen erspäht. Am Ende waren alle glücklich, um einen großen Brocken geologischen Wissens und ihr jeweils selbst gefundenes Fossil (in meinem Fall ein sog. Nautilus) reicher – eine Teilnahme an Dr. Dawes’ Fossilienspaziergängen kann ich in jedem Fall allerwärmstens empfehlen.

Lyme Regis, Fossil on Lyme beach

Am Nachmittag flanierte ich dann noch durch den charmanten Ort, der mit scheinbar unzähligen Plätzen aufwarten kann, von denen jeder für sich eine eigene Geschichte verbirgt. So ging es zum Beispiel entlang der Sherborne Lane, einer der ältesten Straßen in Lyme, wo jedes Häuschen seinen eigenen verspielten Namen am Eingang trägt, oder zum Long Entry, jener Gasse, in welcher der Schriftsteller Henry Fielding (1707 – 1754) 1725 den Versuch verpatzte, eine junge Dame zu entführen, ein Erlebnis, welches in seinem Roman „Tom Jones“ literarische Verwertung fand. Der Maler James Abott McNeill Whistler (1834 – 1903) lebte eine Zeitlang in Lyme und malte dort unter Anderem das Portrait „Litte Rose of Lyme Regis“. John Fowles (1926 – 2005) schrieb hier den Roman „Die Geliebte des französischen Leutnants“, welcher 1981 vor Ort mit Meryl Streep verfilmt wurde. Man kann über die Monmouth Street zur St. Michaels Kirche wandern und gelangt dann über den Kirchenfriedhof, wo auch Mary Anning begraben liegt, auf eine Anhöhe an der Küste, auf der sich ein paar Bänke finden und von wo aus man einen herrlichen Ausblick aufs Meer genießen kann.

Lyme Regis, St. Michael's Church graveyard

Irgendwann jedoch neigte sich auch der letzte Tag dem Ende zu und der Hunger zwang mich meinen Streifzug zu beenden. Meine Mahlzeit fiel, auch aufgrund des angestrengten Fossiliensuchens, üppiger aus, diesmal fand ich mich im Harbour Inn ein, welches über eine äußerst exquisite Auswahl von Fisch- und Meeresfrüchten verfügt, ich optierte für die Muscheln im klassischen Butter/Zwiebel/Wein/Stangenzellersud – nicht ganz günstig, dafür aber hervorragend zubereitet. Ein Pint Ale noch bevor es zurück in die Herberge ging, am nächsten Tag musste ich Lyme verlassen und ich verspürte tatsächlich so etwas wie einen leisen Herzschmerz beim Gedanken daran.

Letzter Stopp: Winchester

Hilfreiche Informationen:

Anreise von London: mit der Bahn nach Dorchester (Reisezeit ca. 2h 30 min), von dort mit dem Bus nach Lyme Regis (Fahrtzeit etwa 1h 30 min, Einzelfahrt ca. 3 Pfund). Man kann auch per Bus von London nach Dorchester fahren, das kommt zwar wesentlich günstiger, dauert jedoch länger.

Wissenswertes über Lyme Regis, die nähere Umgebung sowie Informationen zu Unterkünften finden sich auf der offiziellen Webseite von Lyme. Ich hatte mein B&B durch Zufall über die Vermittlung einer anderen Herberge gefunden, meine überaus nette Gastgeberin betreibt ihren Herbergsdienst jedoch nur nebenbei und möchte keine Werbung dafür machen. Passende Unterkünfte finden sich jedoch in jeder Preiskategorie im Ort, es empfiehlt sich in den Sommermonaten frühzeitig zu buchen, Lyme Regis ist bei Engländern ein äußerst beliebtes Ferienziel, grundsätzlich würde ich daher jedem empfehlen die Vor- oder Nachsaison für einen Besuch zu wählen, am besten unter der Woche, wer es noch ruhiger mag, im Winter ist Lyme laut den Einheimischen so gut wie ausgestorben. Weitere, wenn auch spärliche Informationen (auf Deutsch) auch auf Wikipedia.

In Lyme gibt es eine Vielzahl von Restaurants, Strandbars, kleinere Cafés, an der Strandpromenade reihen sich auch Imbissstände. Im ganzen Ort spezialisiert man sich auf Fisch und Meeresfrüchte, gute Tipps dafür sind das „Harbour Inn“ oder „The Royal Standard“. Hervorragende Krabbensandwiches gibt es am Hafen bei „The Lyme Bay Sandwich Co.“

Informationen zu Dr. Colin Dawes‘ Fossilienjagden finden sich hier. Die Ausflüge beginnen von Juni bis September jeden Sonntag um 13 Uhr, keine Reservierung notwendig. In den Ferien gibt es zusätzliche Touren am Mittwoch. Es empfiehlt sich festes Schuhwerk, eine Kopfbedeckung (die Sonneneinstrahlung ist bisweilen sehr intensiv) und adäquate Kleidung (der Wind kann auch bei warmem Wetter frisch bis kalt sein).

Susanne, 8. August 2009

ps. Untenstehend dann doch noch ein Blick auf den Ort an dem Louisa Musgrove stürzte…

Lyme Regis, The Cobb - Grannie's Teeth (the exact spot where Louisa Musgrove fell...)

The Sandworm als Mobile Blogger – Nebenbei

The Sandworm - artwork zoer

Langsam neigt sich die gemeinsame Zeit mit meinem iPhone 3GS dem Ende zu – am Freitag werden wir uns trennen müssen – beste Gelegenheit sich noch dem Nebenbei zu widmen. Als Nebenbei betrachte ich diejenigen Dinge, mit denen man sein iPhone zum Zeitvertrödeln nutzen kann. Diesbezüglich eignet sich meine derzeitige Klausur in Wr. Neudorf – zwar nur wenige km außerhalb von Wien, trotz allem gefühlsmäßig am Ende der Welt – allerbestens dafür.

Emailen, chatten oder sms-en scheidet für mich von vorneherein aus, da ich mit der Touch-Tastatur des iPhones nie warm geworden bin. In einem längeren Gespräch mit einer Freundin in Helsinki – interessanterweise arbeitet sie ganz zufällig für die Konkurrenz – wurde dieses Manko lang und breit diskutiert, bloß um festzustellen, dass mir dafür im Moment keine Alternative einfällt: Eine Tastatur zu integrieren, würde dem phänomenal guten Design des iPhones schaden, ich selbst kann mich nicht mal damit anfreunden, das Gerät zu kippen, um beim Tippen das größere horizontale Display für die Tastatur zu nutzen – es ist einfach unbequem. Trotz allem muss es meiner Meinung nach eine Touch-Tastatur sein, da nur das der Anwenderphilosophie des iPhones entspricht, wie man allerdings diese Tastatur bedienerfreundlicher gestalten kann, ist mir derzeit noch ein Rätsel.

Zum Zeitvertreib eignet sich grundsätzlich auch die Musikfunktion des iPhones, mir persönlich ist jedoch meine Musik nahezu heilig, was es mir verbietet, mich ihr in Dauerbeschallung auszusetzen.

Bleiben noch Spiele. Einige davon habe ich bereits zu Beginn, als ich mich mit dem App-Store vertraut gemacht habe, getestet, gestern Abend war das Buch ausgelesen, im TV (wie gewohnt) kein vernünftiges Programm, was also macht man? Man spielt mit dem iPhone. Einzige Einschränkung: die Spiele mussten kostenlos sein.

Schon vor einiger Zeit habe ich mir in einem Anfall von Retro-Sentimentalität Pac-Man heruntergeladen. Obwohl die Optik genau dem Original entspricht, ist das Spiel selbst leider untauglich, weil jeder der drei angebotenen Steuermechanismen viel zu langsam oder umständlich ist, der arme Pac-Man ständig aufgefressen wird. Nach ein paar Versuchen gab ich w.o.

Die Suche nach Retro-Spielen includierte auch Space-Invaders. Eine kostenfreie Variante ließ sich auf den ersten Blick nicht finden, in der Meinung eine gefunden zu haben, lud ich nInvaders aufs Phone – Totalversagen. Ein lahmes Taschenrechnerspiel, auf das ich gar nicht näher eingehen will.

Gestern abend schließlich fand ich dann doch noch drei – kostenlose und unterhaltsame – Spiele:

Das erste eines das man mit Sicherheit nur einmal spielt (wer weiß…), das man eigentlich gar nicht als Spiel, sondern viel mehr als vollkommen sinnfreie, aber für das eine Mal doch sehr komische, Unterhaltung beschreiben kann: Es nennt sich „Do not press the red Button“ und sein Name ist Programm.  Erstaunlicherweise hab ich mich damit fast 10 (!) Minuten köstlich unterhalten – wenn schon Zeitvertrödeln, dann wenigstens vollkommen sinnlos – es reicht natürlich bloß für einen Durchgang, aber in Sachen Unterhaltung hat es Monkey Swing trotzdem um Längen geschlagen.

Die zweite Wahl fiel dann auf einen Zeitvertreib, der sich wirklich Spiel nennen kann: Es nennt sich „Wooden Labyrinth 3D“ und ist das digitale Äquivalent zu dem, was man in Kindertagen in Form eines größeren Holzkasten, verschiedensten darin befindlichen Löchern und einer kleinen Stahlkugel besaß. Das Spiel weist verschiedene Ebenen auf, die es zu bewältigen gilt, ist ausgezeichnet programmiert, ja man hat beim Spielen tatsächlich das Gefühl man hält ein derartiges analoges Spielzeug in Händen, sogar das Rollgeräusch der Kugel stimmt – ein fast meditativer Zeitvertreib.

Nummer drei und mein bisheriger Favorit: „Crack the Code“. Eigentlich auch eine Retro-Variante, da es im Grunde dem altbekannten „Mastermind“ entspricht. Ein Logikspiel, das in seiner kostenlosen Variante trotzdem einige Schwierigkeitsgrade aufweist und das ebenfalls als tauglicher Zeitvertreib durchgeht.

In den kommenden, nicht ganz zwei Tagen, sollte mir mit dem iPhone also auch nicht mehr langweilig werden, am Freitag heißt es ohnehin Abschied nehmen.

Susanne, 5. August 2009