Skizzen aus Wien – Nr. 30

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Morgen beginnt der Juni, womit der Sommer naht und damit auch die Urlaubszeit. Urlaubszeit ist immer auch Lesezeit und selbst wenn ich generell viel lese, so ist die Wahl der Urlaubslektüre immer eine etwas heikle. Zunächst sollte sie in Abhängigkeit davon geschehen, was man für die Zeit, in der man vorgeblich nicht arbeitet, geplant hat. Verbringt man die freien Tage zu Hause, dann könnte das die Gelegenheit sein, sich endlich an den 1000+-seitigen Wälzer zu machen, den man schon seit Jahren lesen will (Krieg und Frieden, Der Mann ohne Eigenschaften, Der Zauberberg, etc.), hat man aber tatsächlich vor, eine Reise zu tun, dann empfiehlt es sich vermutlich auf die, auch im physischen Sinne, schweren Bücher zu verzichten. In diesem Fall bleibt bloß noch abzuwägen, wo man hinfahren möchte und was sich am besten mit dem gewählten Urlaubsort vereinbaren lässt. Hektische Städtereise vs. Urlaub am Strand. Natürlich kann man immer thematisch wählen, so könnte man die Gelegenheit nutzen und für den Urlaub im Ausland ein Buch wählen, das von einem prominenten Autor, einer berühmten Autorin dieses Landes stammt (z.B. Urlaub in der Türkei – Lektüre von Orhan Pamuk, Städtetrip nach New York – Lektüre von Edith Wharton, usw.). Oder aber man wählt thematisch je nach Urlaubsbedürfnis – will man das von der Arbeit gestresste Hirn kalmieren, könnte man sich einer ruhigen Erzählung z.B. von Marcel Proust widmen, sucht man hingegen Abenteuer und Aufregung, dann wäre ein vor Lebenslust überschäumender Roman z.B. von Jack Kerouac zu empfehlen.

Ich möchte hier zum Beginn der Urlaubssaison, neben dem einen oder anderen Reisebericht – denn ich werde mich natürlich auch „on the road“ begeben – ein paar Leseempfehlungen abgeben, von denen ich meine, dass sie in jede der oben genannten Urlaubssituationen passen, Bücher, die sich meiner Meinung nach immer und überall gut lesen.

In dieser Hinsicht sind wohl Krimis die optimale Wahl. Sie liefern die nötige Spannung, wenn sie gut gewählt sind, außergewöhnliche literarische Qualität (darauf legt der Sandwurm besonderen Wert) und im besten Falle auch hervorragende Unterhaltung. Für den geplanten Urlaub hätte ich diesbezüglich drei Empfehlungen, die ich allesamt, auch unabhängig von der Kategorie Krimi, als literarischen Hochgenuss einschätzen würde.

 

Raymond Chandler (1888 – 1959) Chandler zählt zu den Mitbegründern des modernen Detektiv-Romans, der sogenannten „hardboiled detective fiction“, sein Protagonist Philip Marlow ist der Prototyp des hartgesottenen Privatdetektivs. Chandler besticht durch einen äußerst eleganten Stil, ausgefeilte Plots und brillante Dialoge der federführenden Figuren, allen voran Philip Marlow, der die Lektüre durch selbstironisch-abgeklärte Sager zum Genuss macht. Ein Beispiel gefällig? „She drove beautifully. When a woman is a really good driver she is just about perfect“ (Sie fuhr wunderbar. Wenn eine Frau wirklich gut Auto fährt, ist sie so gut wie perfekt). Von den leider nur 7 veröffentlichten Romanen kann ich alle empfehlen, es gibt wohl bessere und weniger gute, das bleibt aber mit Sicherheit eine Frage des Geschmacks, wer lange Urlaub macht, sollte gleich alle sieben lesen, wer weniger Zeit hat, dem empfehle ich meinen persönlichen Favoriten: „The Long Goodbye/Der lange Abschied“.

Patricia Highsmith (1921- 1995) Sie schrieb nicht nur „Strangers on a Train/Zwei Fremde im Zug“, sie erfand auch den Soziopathen Tom Ripley, dessen erstes Abenteuer im Klassiker „The talented Mr. Ripley/Der talentierte Mr. Ripley“ nachzulesen ist. Darin findet man nicht nur einen hochspannenden Kriminalroman, der auch einige Male verfilmt wurde, Highsmith zeichnet die Figur des Ripley so überzeugend, dass man das weinerliche Selbstmitleid des pathologischen Lügners und Mörders nicht nur nachvollziehen kann, sondern auch tatsächlich selbst in den Bann des geschickten Manipulanten gezogen wird. Ich selbst habe erst zwei Teile der insgesamt 5 Ripley Romane gelesen, offen gesagt, ist der zweite zum vergessen, der erste Teil jedoch ist mit Sicherheit einer der spannendsten Kriminalromane, die ich kenne, besonders wegen seiner äußerst gelungenen Charakterstudie.

Henning Mankell (geb. 1948) Der schwedische Autor Henning Mankell wurde durch die Kreation des Kurt Wallander berühmt. Wallander ist Kriminalkommissar in einer schwedischen Kleinstadt, lässt sich gut als verschlossener Einzelgänger und grüblerischer Eigenbrötler beschreiben, der sich mit viel Verstand und Hartnäckigkeit in seine Fälle vertieft, dessen private Sorgen aber nicht verborgen bleiben und der gerade dadurch sympathisch wird. Ich habe erst drei seiner Fälle gelesen, als Einstieg würde ich persönlich „Wallanders erster Fall und andere Erzählungen“ empfehlen. Mankell schreibt schnörkellos und direkt, ausgefeilte Plots jedoch machen die Erzählungen äußerst spannend, darüber hinaus hat man auch Gelegenheit Kurt Wallander und dessen Werdegang kennen zu lernen.

 

Natürlich gibt es noch eine unüberschaubare Menge von Büchern außerhalb des Krimi-Genres, die sich bestens als Urlaubslektüre eignen, ich denke da zum Beispiel an Liebesgeschichten (Nr. 1 Empfehlung diesbezüglich: Gabriel Garcia Marquez – Liebe in Zeiten der Cholera), oder Gesellschaftsromane (brillant: Thomas Mann – Buddenbrooks), Unterhaltsames (ungeschlagen bis dato: Philip Roth – Portnoy’s Complaint/Portnoys Beschwerden) und vieles mehr. Ich denke, dass für die paar kurzen Monate, in denen man hierzulande wirklich von Sommer sprechen kann, diese Literaturtipps vollends ausreichen sollten, falls es das eine oder andere unschlagbare Sommerlesebuch gibt, auf das ich hier vergessen habe, oder welches mir bisher verborgen geblieben ist – Vorschläge sind hochwillkommen!

 

Susanne, 31. Mai 2009

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Demokratie für Anfänger – Teil IV

 

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Am 30. November 1834 schreibt Charles Darwin im Bericht über seine Reise auf der HMS Beagle (The Voyage of the Beagle, 1845) Folgendes:

Early on Sunday morning we reached Castro, the ancient capital of Chiloe, but now a most forlorn and deserted place. The usual quadrangular arrangement of Spanish towns could be traced, but the streets and plaza were coated with fine green turf, on which sheep were browsing. (1)

Sicherlich werden Sie sich fragen, was das mit dem aktuellen Demokratiekurs zu tun hat. Nun, ich werde versuchen den Zusammenhang auf den nächsten Absätzen darzulegen bzw. zumindest den gedanklichen Faden, der beim Lesen dieses Satzes gesponnen wurde, zu erläutern.

Seit 28. April, also seit etwas mehr als einem Monat, bin ich Grüne Vorwählerin und warte wie alle anderen Anwärter auf meine Aufnahme als Unterstützerin der Wiener Grünen, um am 15. November auf der Landesversammlung stimmberechtigt zu sein, also direkten Einfluss auf die Wahl der Kandidaten für die Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen ausüben zu können. Seit diesem Tag hat sich viel getan, es wurden neue Bekanntschaften geschlossen, persönliche Gespräche geführt, es gab Diskurse im Internet, manche davon mehr, manche weniger erfreulich, alles in Allem aber, so behaupte ich, dreht sich die Debatte um ein Faktum: werden die Unterstützer aufgenommen, oder nicht bzw. wie ist ein winziger Satz im Statut der Wiener Grünen zu interpretieren? Nebenbei lese ich wie gewöhnlich vor mich hin, derzeit oben angegebenen Reisebericht von Charles Darwin (dem ich gelegentlich eine eigenständige Rezension widmen möchte). Was mich beim Lesen dieses Buches fasziniert, ist die Tatsache, dass Darwin sich als erst 22-Jähriger auf eine fast fünfjährige, nicht ungefährliche, Reise auf der HMS Beagle begeben hatte, eine Reise, auf der er nicht nur viele Erfahrungen machte, welche mit Sicherheit sein weiteres Leben signifikant beeinflussten, sondern auch abertausende Präparate und Proben sammeln konnte, welche als Forschungsgrundlagen für die erst Jahre später veröffentlichte Evolutionstheorie (On the Origin of Species, 1859) dienten. Charles Darwin war also ein junger Mann, der mit offenen Augen durch die Welt ging und sich auf diese Weise frisch und wenig voreingenommen eine völlig neue Meinung über den Ursprung der Arten bildete.

In Bezug auf mein aktuelles Demokratieexperiment lassen sich hier durchaus Parallelen finden. Demokratie erfordert offene Augen und die Anstrengung, sich damit so wenig vorurteilsbehaftet wie möglich zu beschäftigen. Darüber hinaus ist eine prozesshafte Auseinandersetzung wesentlich, um die jeweiligen mit ihr verbundenen Werte und Regeln immer wieder neu auf ihre Tauglichkeit prüfen und beim Auftreten von Fehlentwicklungen korrigieren zu können. Im vorliegenden Testfall Wiener Grüne geht es darum, dass sich Politiker gerne als weltoffen und vor allem als unerbittliche Verteidiger demokratischer Grundprinzipen geben, auf dass das Volk, dessen Vertretung sie – durch Wahlen dazu ermächtigt – übernommen haben, sicher sein kann, dass weder der Staat an sich, noch einzelne Vertreter dieses Staates, die ihnen anvertraute Repräsentation missbräuchlich verwenden mögen. Die Wiener Grünen erleben derzeit hautnah, was passiert, wenn „das Volk“ sich die in der jeweiligen Staatsverfassung (das sind auf kleinerer Ebene auch die Wiener Grünen bzw. im aktuellen Fall deren Statuten) verankerten Prinzipien genauer ansieht und sie gegebenenfalls auf ihre Tauglichkeit oder ihren Wahrheitsgehalt überprüft. In derartigen Fällen kann es dann passieren, dass es ganz plötzlich zu einer Art Rollentausch kommt, in dem die Politiker, die bis dato mehr oder weniger ungestört vor sich hin gearbeitet haben, sich direkter mir ihrem Wahlvolk konfrontiert sehen als ihnen lieb ist, ja, in dem plötzlich das so genannte Volk die Kontrolle und Überprüfung der Einhaltung demokratischer Regeln übernimmt. Derartige Konfrontationen bzw. Rollentausche dürften nicht allen Politikern ausnahmslos angenehm sein, das zeigen auch die verschiedenen Argumentationsstränge, die sich über die Debatte, wie besagtes Statut nun tatsächlich auszulegen sei, in den vergangenen Wochen entsponnen haben. Alles in Allem kristallieren sich zwei Gruppen von Personen aus diesen Wiener Grünen heraus – die Anpassungs- und Änderungsfreudigen und die Reformresistenten.

 

Grüne Vorwahlen

 

Das bringt mich nun wieder zu Charles Darwin zurück. Der politische Prozess ist in seinen Grundstrukturen wohl an die Prinzipien der Evolution angelehnt – „survival of the fittest“ also und wer es sich zu bequem macht, überlebt zwar im einen oder anderen Fall, findet sich aber mitunter allein auf einem Eiland als träge Schildkröte wieder, die zwar keine natürlichen Feinde hat und als einziges Individuum in ihrem Staate die direkteste Demokratie, die überhaupt möglich ist, leben kann, die aber vermutlich auch furchtbar einsam ist (und keine Wähler mehr hat…).

Einige Evolutionsschritte weiter landen wir dann beim Schaf und befinden uns direkt im obigen Zitat. Schafe sind Herdentiere und unabhängig davon, dass es sich um friedliebende Tiere handelt, schreibt man ihnen mitunter auch sehr große Dummheit zu. Ob diese Zuschreibung zurecht erfolgt, kann ich nicht bestätigten, da ich mich aktuell nicht mit der Intelligenzforschung an Schafen beschäftige, aber im übertragenen Sinne glauben auch so manche Amtsinhaber, das träge Wahlvolk sei die ihnen zum Hüten überlassene Schafsherde. Manchmal wird jedoch selbst die friedlichste Herde bockig und lässt sich ohne Einspruch nicht alles gefallen, in unserem Falle hat sich im, wenn auch kleinen, Versuchsfeld, eine besondere Spezies dieses Herdentiers hervorgetan, nämlich das browsende Schaf. Dass Darwin mit der Verwendung dieses Begriffs nicht prophetische Voraussicht in Bezug auf das Internet und seine Möglichkeiten bewiesen hat, liegt auf der Hand, übersetzt meint er ja bloß die Tätigkeit des Grasens, trotz allem musste ich bei der Vorstellung „browsender Schafe“ zwangsläufig lächeln und nachdem die werten Kursteilnehmer mittlerweile wissen, dass ich einen Hang zum Gleichnis habe, war der Weg von Darwin zum demokratisch aufbegehrenden Web-User nicht mehr weit, der Bogen spannt sich nun vom gemütlichen Herdentier bis hin zum Internet-Benutzer, der sich irgendwann nicht mehr mit browsen allein zufrieden geben wollte und sein demokratisches Grundbedürfnis in aktiver Teilnahme an oben erwähntem Prozess zu stillen gedachte.

Was das vorläufig Fazit aus dieser Geschichte betrifft, so befinden sich die Grünen Vorwähler derzeit in einer Art Warteposition, da noch nicht klar ist, ob man sie tatsächlich als Unterstützer akzeptiert. Eines aber steht auf jeden Fall fest, der Versuch sich aktiver am politischen Prozess zu beteiligen war mit Sicherheit bereits jetzt schon ein lohnenswerter und selbst wenn die browsenden Schafe in Charles Darwins Reisebericht die Vorstellung nahelegen, dass sich die betroffenen Politiker schon längst aus dem Staub gemacht haben und die Herde nunmehr allein auf weiter Flur ist, so möchte ich dem ausdrücklich widersprechen, denn selbst Darwin wusste nicht, was sich hinter dem nächsten Hügel verbirgt, der einzige Weg dies herauszufinden war für ihn, den Hügel zu erklimmen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, was hinter der Anhöhe liegt. Was er natürlich auch getan hat und was ihn am 06. Dezember 1834 just zur nächsten hochinteressanten Begegnung führte, jener mit einem vermeintlich gezähmten Fuchs, wozu er Folgendes zu berichten hat:

A fox (Canis fulvipes), of a kind said to be peculiar to the island, and very rare in it, and which is a new species, was sitting on the rocks. He was so intently absorbed in watching the work of the officers, that I was able, by quietly walking up behind, to knock him on the head with my geological hammer. This fox, more curious or more scientific, but less wise, than the generality of his brethren, is now mounted in the museum of the Zoological Society. (2)

Ob es sich dabei um gerade jenen Fuchs handelt, über den ich im ersten Teil meines Demokratiekurses geschrieben habe, und wenn ja, wer von den beiden Parteien letztlich der Fuchs ist, darüber möchte ich vordergründig nicht spekulieren, außer dass ich darauf hinweise, dass es sich mit größerer Wahrscheinlichkeit um die Spezies reformunwilliger Politiker handeln könnte, als um jene des demokratieinteressierten Wählers. Doch bevor jetzt irgendjemand einen Aufruf zu einem gewalttätigen Umsturz aus diesen Zeilen liest, möchte ich lieber darauf aufmerksam machen, dass ich persönlich ausschließlich friedliche Absichten hege, viel mehr, dass ich auch sicher bin, dass der Großteil der grünen Vorwähler das ebenso sieht und nachdem sich in den vergangenen Wochen auch so einiges Positives getan hat, sollten sich diejenigen, die sich dafür interessieren an diesem demokratiepolitischen Experiment noch mitzumachen, auf jeden Fall noch vor dem 15. Juni bei den Grünen Vorwahlen registrieren. Oder noch besser, am 2. Juni zum Open House Camp bei den Wiener Grünen kommen, denn da gibt es ein intensives gegenseitiges Beschnuppern. Ich werde dort sein, und zwar ganz sicher ohne geologischen Hammer!

 

Open House Camp am 2. Juni, 18:30, Lindengasse 40, 1070 Wien

 

 

(1) Früh am Sonntag Morgen erreichten wir Castro, die alte Hauptstadt von Chiloe, jetzt jedoch ein überaus einsamer und verlassener Platz. Die übliche quadratische Anordnung spanischer Städte konnte man erahnen, die Straßen und der Hauptplatz jedoch waren mit feinem grünem Rasen überwachsen, auf welchem Schafe grasten (eigene Übersetzung).

(2) Ein Fuchs (canis fulvipes), von der Art wie man sie für die Insel typisch hielt, die dort sehr selten vorkommt und eine neueartige Spezies ist, saß auf den Felsen. Er war so darin vertieft den Offizieren bei der Arbeit zu zusehen, dass ich ihm, in dem ich mich leise von hinten heranschlich, mit meinem geologischen Hammer auf den Kopf schlagen konnte. Dieser Fuchs, neugieriger oder wissenschaftlicher, aber weniger schlau, als die Allgemeinheit seiner Art, steht nun ausgestellt im Museum der Zoologischen Gesellschaft (eigene Übersetzung).

 

Susanne, 29. Mai 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 29

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Wenn die Temperaturen steigen, dann gibt es kaum Schöneres als sich einen Platz draußen zu suchen, im besten Fall vielleicht eine Terrasse oder einen ruhigeren Gastgarten, optimalerweise in der Nähe eines breiten Flusses, auf dem man dann zurückgelehnt mit einem kühlen Drink in der Hand seinen Blick ruhen und seinen Tagträumen freien Lauf lassen kann. Meine Suche nach einem derartigen Ort führte mich gestern Abend in die Wiener Praterstraße, zum mexikanischen Lokal „Tacos Lopez“, wo ich trotz uncharmantem Gastgarten – statt einem Fluss strömte der Wiener Individualverkehr vorbei – sehr gutes Essen und vor allem ausgezeichnete Margaritas vorfand. Die seltsame Verquickung von uninspirierter Lokalität und anregenden Speisen und Getränken schließlich trugen meine Gedanken weiter und weckten Erinnerungen an die mexikanische Grenzstadt Tijuana: ein heruntergekommenes, dreckiges, infernalisches Konglomerat aus Ramschläden, Bordellen, Drogen- und Medikamentenumschlagsplatz, in dem sich am Wochenende Horden von jungen Amerikanern, die zu Hause keinen legalen Alk kriegen, ins Koma trinken und sich nebenbei billige mexikanische Huren kaufen. Nichtsdestotrotz – ich habe schon immer ein Faible für eine Mischung aus Schön und Hässlich gehabt, meine gedankliche Reise nach Tijuana war keineswegs albtraumhaft, viel eher spülte sie amüsant skurrile Erinnerungen an die Oberfläche, die mäanderartig von der ersten Bekanntschaft mit dem, für Zucker gehaltenen, Salzrand am Margarita-Glas, über den Kauf eines als hundertprozentig aus Silber gefertigt angepriesenen Nickelarmbandes, bis hin zur Begegnung mit einem US-amerikanischen Zollbeamten, der mir beim Wiedereintritt in die Vereinigten Staaten in Bezug auf meine artige Deklarierung des eingeführten Mezcal augenzwinkernd den Konsum des darin eingelegten Wurmes eindringlichst ans Herz legte, da ich dadurch in den Genuss eines LSD-artigen Trips käme (Zitat: „You gotta eat the worm – it’s like dropping acid“) führten. Bis mir schließlich klar wurde, dass man eine ideale Sommerstimmung überall erzeugen kann, wenn man über die dafür benötigte, allerwichtigste, Zutat verfügt: die richtige Musik. Deswegen möchte ich den heutigen Eintrag auch den bereits angekündigten und zufällig optimal zum Thema passenden musikalischen Neuerscheinungen der letzten Wochen widmen: den aktuellen Tonträgern von Bob Dylan und Conor Oberst.

Beide scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben, trotz allem sind sie sich auf diesen beiden jüngsten Veröffentlichungen sehr ähnlich, indem sie sich musikalisch an einem „South of the Border“-Klang ausgerichtet haben, welcher im Falle Dylans etwas stärker ausgeprägt und musikalisch um eine Spur entspannter daher kommt, als Obersts Album, das etwas mehr zum Country-Rock tendiert. Nicht zu vergessen, den von Musikkritikern am Beginn von Obersts Karriere gerne strapazierten Hinweis, dieser sei, wenn man sein Songwriting betrachtet, unter Umständen der neue Dylan. Wie immer man das betrachten will, ich schätze beide Musiker über die Maßen und war demnach sehr gespannt auf deren jüngste Veröffentlichungen.

Bob Dylan, Together Through Life, VÖ: 24. April 2009, Sony Music

Beginnen wir bei Dylan. Aus rein chronologischen Gründen. Sein Album „Together Through Life“ erschien Ende April und ist sein mittlerweile 33. Studio-Album. Die Musikpresse reagierte mit unterschiedlichsten Rezensionen, manch alteingesessener Dylan Fan war enttäuscht, weil seiner Meinung nach der Meister mit diesem Werk die Musikgeschichte nicht ein weiteres mal zu revolutionieren vermochte, für andere wiederum ist jeder neue Song von Dylan schon per se weltbewegend, allein weil er eben von Dylan höchstpersönlich stammt und alles was von Dylan stammt, hat weltbewegend zu sein. Ich selber sehe das relativ entspannt. Ich gebe zu, ich bin Dylan Fan, trotzdem werde ich es tunlichst vermeiden, irgendwelche musikhistorischen Vergleiche anzustreben, geschweige denn eine Analyse vor dem Hintergrund des gesamten Dylan-Kanons zu versuchen. Ich fühle mich zu keinem von Beiden befähigt, ich bin viel mehr eine Kraut-und-Rüben Dylan-Hörerin. Ich mische bunt und höre das, wonach mir der Sinn steht. Im Bezug auf das neueste Album also kann ich mich nicht beschweren, es ist vielleicht keine musikgeschichtliche Revolution, es ist aber trotz allem ein gutes Album geworden. Mit bluesigen Noten und Tex-Mex Feeling, mit einigen Songs, die durch David Hidalgos (Los Lobos) Akkordeonspiel richtiggehend geadelt werden, mit launischen Texten, die mal abgeklärt, mal einfach entspannt sind und dem einen oder anderen ausgezeichneten Song. Mein aktueller Favorit „This Dream of You“.

Conor Oberst And The Mystic Valley Band, Outer South, VÖ: 6. Mai 2009, Merge Records

Conor Oberst begab sich nach dem Album Cassadaga (2007), welches er noch unter dem Bandnamen „Bright Eyes“ veröffentlicht hat, nach Mexico und hatte vorgehabt nach langer Zeit wieder ein Solo-Album zu veröffentlichen. Irgendwie kam dort jedoch eine Truppe von Freunden und Bekannten zusammen und Oberst fand sich plötzlich inmitten der Mystic Valley Band wieder. Das Resultat davon war „Conor Oberst“ (2008). Erwachsener und viel entspannter klingt Oberst auf diesem Tonträger, vor allem geht auch er musikalisch stärker in Richtung Country-Rock, eine stilistische Entwicklung, die ich nur gutheißen kann, die aber offenbar einige seiner hartgesottenen Indie-Anhänger etwas verstört. Oberst macht trotzdem was er will, gut so, denn mit „Outer South“ hat er – noch stärker auf das Kollektiv Mystic Valley Band gestützt – den Nachfolger dieses Tex-Mex-Country-Alt-Rock-Fabrikats veröffentlicht. Da lamentieren dann die einen, dass es nicht gut wäre, wenn man Freunde auf seinem Album singen lässt, die anderen wiederum beklagen, dass Oberst der neue entspanntere Stil überhaupt nicht bekäme, alle scheinen sich die von Teenager-Angst besetzten früheren Bright Eyes Alben herbeizuwünschen. Selber schuld ist in diesem Fall meine Antwort, denn Oberst hat mit dem neuen Tonträger ein musikalisches Oeuvre veröffentlicht, das sich insgesamt sehr gut anhört. Da finden sich dann rockig-abgeklärte Nummern à la „Roosevelt Room“, country-lastigere Songs wie „Big Black Nothing“ oder entspannte Tracks wie „Ten Women“. Mein aktueller Favorit: „I got the Reason #2“. Auf jeden Fall bekommt man beim Zuhören das Gefühl, dass hier schlicht und einfach unverkrampft gejammt wird und wirklich gute Musik ganz nebenbei entsteht, unabhängig davon ob jetzt Oberst höchstpersönlich am Mikro steht, oder nicht.

Alles in Allem hat man mit diesen Alben zwei ausgezeichnete Sommerplatten, die, egal wo man sie anhört, gute Laune aufkommen lassen. Ob man sich nun in Texas, zurückgelehnt auf der Terrasse einer alten Hacienda, mit Blick auf den Rio Grande, oder im abgefuckten Hinterhof einer Bar in Tijuana befindet. Im einfachsten Fall tut es sogar die eigene Couch. Dann benötigt man nur noch einen halbwegs funktionstüchtigen CD-Player – einschalten, kaltes Getränk in die Hand, zurücklehnen, Augen zu – und schon ist man „South of the Border“.

Susanne, 24. Mai 2009

Demokratie für Anfänger – Teil III

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Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher“ (George Orwell, Animal Farm)

 

Nach einer kleinen Auszeit, die ich in einer viel zu kalten Steiermark verbracht habe, kehrte ich heute nach Wien zurück und wurde sogleich von einem Brief der Wiener Grünen begrüßt. Man teilte mir darin mit, dass meine Beitrittserklärung als Unterstützerin angekommen wäre. Zeit für Freudensbekundungen darüber hatte man offenbar keine, man kam gleich zur Sache und vertröstete mich, dass es etwas dauern würde, bis eine Entscheidung über meine Aufnahme getroffen wäre: „Demokratische Entscheidungen brauchen Zeit und wir fällen Entscheidungen demokratisch“.

Das freut mich und die angekündigte Wartefrist möchte ich diesbezüglich auch gleich nutzen, um weitere Überlegungen in Sachen Demokratie anzustellen. Etwas genereller gefasste, vielleicht auch mit dem einen oder anderen weniger enthusiastischen Beigeschmack, mit Gleichnissen möchte ich mich diesmal überhaupt zurückhalten, vor allem aber möchte ich heute versuchen, dem Begriff und was ich darunter verstehe etwas allgemeiner auf den Grund zu gehen.

Ich persönlich gehe zunächst davon aus, dass sich jeder, der in einer Demokratie lebt, auch daran beteiligen kann, in gewissen Fällen sogar die Pflicht hat, sich daran zu beteiligen, will man verhindern, dass sich diese „beste aller schlechten Regierungsformen“ (das Zitat stammt angeblich von Winston Churchill) nicht zum Nachteil der großen Masse jener verändert, die weniger aktiv daran teilhaben. Dass es in einer Demokratie immer mehr oder weniger aktive Personen gibt, liegt auf der Hand und hat den eindeutigen Vorteil, dass sich der Großteil der Bevölkerung, der nicht als Politiker oder Politikerin mitgestalten will, anderen Aufgaben widmen kann. Nicht weniger wichtige Aufgaben, das ist klar, es geht ja schließlich auch darum, dass man sich im Lande darum kümmert, dass landwirtschaftliche Produkte hergestellt werden, dass man als Industrieller oder Arbeiterin, Wissenschaftlerin oder Hausmann, Arzt oder Straßenbahnfahrerin oder in sonstiger Betätigung mehr oder weniger dazu beiträgt, dass der Laden sozusagen läuft. Diesen vielen Personen sei aber hier nicht die Aufmerksamkeit gewidmet, sondern viel mehr den Politikern, denn die sitzen sozusagen direkt am Drücker, formulieren Gesetze und fungieren auch als Sprachrohr, um dafür zu sorgen, dass unsere demokratischen Prinzipien aufrecht erhalten, dass Missstände aufgedeckt und verhindert werden und insgesamt, der Großteil der Bürger des Landes mehr oder weniger zufrieden bleibt.

Schief zu laufen beginnt es ab dem Zeitpunkt, wo man der Meinung ist, dass das Gros der in der Politik aktiven Personen diese Aufgaben nicht mehr wahrnimmt. Diesen Eindruck habe ich persönlich schon lange, und ich glaube meine, wenn auch auf keiner repräsentativen Statistik beruhende, Einschätzung, dass es sehr vielen Bürgern in Österreich genau so geht, ist nicht unbegründet. Seit einigen Jahren steigen die Zahlen der Nichtwähler, werden wieder vermehrt Personen in Ämter gewählt, für die sie nicht taugen, für die sie sich aber deshalb empfehlen, weil sie mit simplen Lösungen näher an jene kommen, die sich vom politischen Prozess schon vor sehr langer Zeit verabschiedet haben. Dieser Eindruck und die Tatsache, dass ich immer seltener das Gefühl hatte in den vergangenen Wahlgängen eine echte Alternative zum Althergebrachten zu haben, haben mich schließlich dazu veranlasst, im Rahmen der Grünen Vorwahlen, einen etwas genaueren Blick auf den demokratischen Prozess zu werfen. Sozusagen mal mit einer Zehe, ganz vorsichtig, in den viel zu kalt erscheinenden Politikteich zu tauchen (doch noch ein Gleichnis…).

 

Grüne Vorwahlen

 

Nun, kalt war er wirklich der Teich, im ersten Moment sogar noch kälter als vermutet. Aber ich bin hart im Nehmen und deshalb möchte ich, bevor die Wiener Grünen die oben angekündigte demokratische Entscheidung treffen, noch einmal die Gelegenheit ergreifen, um meine Sichtweise im Bezug auf das Mitwirken des Einzelnen am demokratischen Prozess darzulegen. Ich gehe nämlich davon aus, dass es in einem demokratischen Land jedem und jeder in egal welcher Art und Intensität möglich sein soll an diesem Prozess teilzuhaben. Mehr noch, wenn ich von einer Partei dazu eingeladen werde und wenn diese Partei sich vordergründig nicht dazu aufrafft, die Teilnahme expliziten Regeln zu unterwerfen, außer, dass man deren grundsätzliche Prinzipien teilen soll, dann ist es meiner Auffassung nach unzulässig im Nachhinein die zuvor aufgestellten Regeln nach Gutdünken auszuweiten bzw. die Teilnahmewilligen einer Gewissensprüfung zu unterziehen. Deshalb auch das einleitende Zitat aus Orwells Farm der Tiere, das ich nicht dergestalt ausgelegt wissen will, dass ich die Wiener Grünen nun als stalinistisch orientierte Parteikonstruktion auffasse, sondern dahingehend, dass ich keinen plausiblen Grund sehe, warum die zuvor aufgestellten Regeln nun ausgerechnet dann geändert werden, wenn die Teilnahmefreude einzelner Politikinteressierter plötzlich über das gewohnte Maß steigt. Ich hätte mir viel eher erwartet, dass man das Angebot der Grünen Vorwähler, die ich nun alles andere als unkommunikativ oder konspirativ erlebt habe, erfreut annimmt. Man kann es sich nämlich in Zeiten, in denen politische Aktivität schon lange nicht mehr ausschließlich auf der Straße stattfindet, wirklich nicht leisten, einer motivierten Gruppe intelligenter Leute, die im und außerhalb des Internet aktiv sind, einfach die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Nun, man mag diese Überlegungen endlos fortführen, das will ich an dieser Stelle nicht tun, viel mehr möchte ich abschließend noch einmal darlegen, was ich bereits zuvor innerhalb meines kleinen Demokratiekurses betont habe: Die Grünen Vorwähler wollen niemand unterwandern oder Personen aus ihren Ämtern entfernen, wenn sie diese Ämter gewissenhaft ausüben. Darum geht es in letzter Folge auch – gewählte Ämter, die man inne hat, inkludieren auch die Abwahl aus diesen Ämtern und wer diese Tatsache nicht akzeptieren will, der sollte mit seinem eigenen Demokratiekurs vielleicht auch noch einmal ganz von vorne beginnen. In Zeiten wie diesen erscheint mir das ganz besonders wichtig.

 

Susanne, 17. Mai 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 28

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Vor nicht allzu langer Zeit (nachzulesen hier) führten mich verschiedenste Umstände an einen äußerst seltsamen Ort, der nur über Umwege erreichbar ist und weit entfernt von der pulsierenden Hauptstadt (angeblich Wien) liegt, man kann fast sagen, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Dort machte ich allerlei erstaunliche Entdeckungen und fand mich schließlich im Zentrum einer gewaltigen Verschwörung wieder. Ganz sicher in Bezug auf die Richtigkeit meiner Theorie war ich mir nicht – der dort lokalisierte heilige Gral aller Anhänger obskurer Vorfälle, der Franz Kafka Gedenkraum, hatte mich zwar in meinen Mutmaßungen bestätigt, andererseits hegte ich noch immer einige substantielle Zweifel.

Worum geht es? In Maria Gugging wird in Kürze eine österreichische „Eliteforschungsanstalt“, das so genannte I.S.T., eröffnet, beim Lustwandeln durch den beschaulichen Ort und seine Nachbargemeinde Kierling jedoch fand ich auffällige Indizien dafür, dass es sich dabei wohl weniger um Forschung im klassischen Sinne, als viel mehr um ein gigantisches Forschungskomplott handeln dürfte. Denn was können eine Einrichtung für psychisch auffällige Kunsttalente, eine zuvor abgesiedelte psychiatrische Klinik und eine neu errichtete Wirkungsstätte für sogenannte Eliteforscher schon gemeinsam haben? Es kann sich dabei lediglich um die Fortsetzung der österreichischen Paradestrategie in der wissenschaftlichen Forschung handeln! Aufgebaut auf den Prinzipien Täuschen und Tarnen, werden hier nämlich nicht richtige Forscher angeheuert, sondern bloß Leute, die sich einbilden sie wären richtige Forscher, nicht Eliteforscher, sondern Eliteforscher (dieses Wort sollte immer mit hochgezogenen Augenbrauen und mit Blick von unten nach oben ausgesprochen werden). Um derartige Eliteforscher loszuwerden sind ausländische Entitäten bereit hohe Ablösesummen zu zahlen, des weiteren werden die Ausnahmeforscher hierzulande nicht besonders auffallen, im Gegenteil, ein Großteil von ihnen wird sich außerordentlich gut integrieren, sie werden es bis in allerhöchste Positionen und Ämter schaffen.

Bis dato konnte ich kein einziges Faktum ausfindig machen, welches diese brisante These falsifizieren mochte, seit wenigen Tagen jedoch bin ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon überzeugt, dass es genau so ist wie vermutet, mehr noch, dass ein höherer Zweck dahinter steht, der dieser gigantischen Verschwörung zugrunde liegt. Und zwar basierend auf der Tatsache, dass man vor kurzem angekündigt hat, Österreich würde die Mitgliedschaft im Forschungszentrum CERN aufkündigen, sie bringe wenig Nutzen, sei schlicht zu teuer.

Mir schwante sofort, dass dies alles mit den jüngsten Aktivitäten in Maria Gugging zu tun haben musste, in einschlägigen Postingforen fand ich schließlich den ausständigen Beweis. Man hatte zu Beginn dieses Jahres den Absetzbetrag für die Kirchensteuer verdoppelt, eine Mitgliedschaft in einer seriösen Forschungsgruppe wollte man sich nicht mehr leisten, die „Eliteforschung“ würde forthin in Maria Gugging stattfinden, wo – und nun halten Sie sich bitte fest – nicht zufällig auch ein mysteriöser kirchlicher Wallfahrtsort, die Lourdesgrotte, liegt! Nun musste ich nur noch die einzelnen Punkte neu verbinden – Lourdesgrotte, Kirchensteuer, CERN-Kündigung, Eliteforscher – und es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Man will sich in Österreich nicht mehr mit lächerlicher naturwissenschaftlicher Forschung herumärgern, kostet viel Geld, bringt nicht viel, man hat sich hierzulande offenbar vorgenommen, mit vereinten Kräften – Eliteforscher und Kirche – Gott selbstpersönlich zu finden!

 

Laizismus Initiative

P.S. All jene, die sich als Anhänger der Prinzipien der Aufklärung sehen und die sich dafür einsetzen wollen, dass ein derartiges Hirngespinst nicht doch einmal Realität wird, seien hiermit eingeladen, eine Initiative zu unterstützen, die sich für eine vollständige Trennung von Staat und Religion engagiert. Dadurch würden einige Gelder frei werden, man könnte sie, wenn man ganz mutig ist, auch für vernunftbasierte wissenschaftliche Forschung einsetzen. Mehr dazu unter: www.laizismus.at

 

Susanne, 10. Mai 2009

Demokratie für Anfänger – Teil II

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Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass jetzt alles einigermaßen ruhig anlaufen würde. Ich spreche von den Grünen Vorwahlen, über die ich vergangene Woche einen ersten Text verfasst habe. Nun, ruhig laufen tut es im Moment nicht, man kann eigentlich davon sprechen, dass die Dinge sich seit gestern einigermaßen beschleunigt haben und eine ganze Reihe von Blog-Einträgen begleiten, kritisieren, kommentieren diese, ja man kann sagen seismische, Aktivität, die sich da rund um das Epizentrum Wiener Grüne langsam ausbreitet.

Es scheint als wären nicht alle Wiener Grünen bedingungslos begeistert vom Engagement der Vorwähler, offenbar herrscht hinter verschlossenen Türen sogar dicke Luft und meine mit soviel Bedacht gewählte Analogie zum Fuchs und kleinen Prinzen, hat in der Realität eine so gar nicht der literarischen Vorlage entsprechende Eigendynamik entwickelt. Der Fuchs (die Wiener Grünen) hat sich nach dem ersten vorsichtigen Annäherungsprozess des kleinen Prinzen (die grünen Vorwähler) erschreckt in seinen Fuchsbau zurückgezogen und sich dort verbarrikadiert. Bis auf ein paar einzelgängerisch veranlagte, vermutlich schon vorgezähmten Füchse, die nun versuchen ihre ängstlich im Bau vergrabenen Artgenossen mit gutem Zureden hervorzulocken, steht man sozusagen vor scheinbar verhärteten Fronten. Da gibt es dann Spekulationen, ob die Wiener Grünen alle Grünen Vorwähler und Vorwählerinnen pauschal ablehnen werden, um endlich wieder unter zu sich sein, bzw. was denn nun genau einen geeigneten Unterstützer der Wiener Grünen ausmacht, wie muss sich dieser bedrohliche Prinz kleiden, welche Etikette muss er einhalten, um sich voll und ganz würdig zu erweisen in den Fuchsbau eingelassen zu werden.

Ich will weder über mögliche Einlasskriterien spekulieren, das tun meine Mitblogger sehr eloquent und wer der Debatte folgen möchte, findet untenstehend eine Linkliste zu den diversen Blogs und Homepages, ich will aber auch nicht sprachlos vor der zugeschlagenen Tür stehen und darauf hoffen, dass man sich dahinter irgendwann doch noch dazu durchringt, diese wenigstens einen Spalt breit zu öffnen und sich direkt mit uns auseinander zusetzen.

 

Grüne Vorwahlen

 

Ich finde mich, nach den gestrigen Ereignissen und den diversen Meinungen, die ich dazu gelesen habe, interessanterweise von einer regelrechten Bilderflut, die sich vor meinem geistigen Auge auftut, überwältigt und auch wenn ich mich nicht darauf spezialisieren möchte dieses hochinteressante politische Experiment ausschließlich mit blumigen Gleichnissen zu kommentieren, so ist das Gleichnis doch immer wieder ein ungemein praktisches Instrument. Lassen sich doch damit auch hochkomplexe Inhalte spielerisch einfach erklären, sodass selbst ein Kind sie verstehen kann und sich die Parabel oft ein Leben lang merkt. In diesem Sinne und weil ich in den Reihen der Wiener Grünen manch archaische Ängste, die mitunter einem kindlich-magischen Denken ähneln, wahrnehme, will ich nun doch auch im zweiten Eintrag zum Thema Grüne Vorwahlen noch einmal zu einem Gleichnis greifen. Diesmal gibt es keine Tiere, oder Prinzen, deshalb ist es vermutlich auch weniger charmant, etwas direkter, aber nachdem sich da Manches zuzuspitzen scheint, halte ich auch von meiner Seite eine etwas spitzere Formulierung für angebracht:

Was mir gestern Abend spontan zu den vielen Meinungen eingefallen ist, ist jenes: ich stelle mir vor die Wiener Grünen sitzen in übertragenem Sinne in einem Raum, draußen befinden sich die potentiellen Grünen Vorwähler. Beide trennt eine Tür, die sich nach innen öffnen lässt. Nun, das charakteristische an derlei Türen ist das Faktum, dass man, will man von Innen nach Außen, sich die Tür durch Drücken nur mit größter Gewaltanstrengung öffnen lässt. Derartiges lässt sich vermutlich nur bewerkstelligen, wenn man die Tür zerbricht, oder aus den Angeln hebt. Will man jedoch von draußen nach drinnen, genügt oft schon ein leichtes Antippen und die Tür geht auf. Das setzt natürlich voraus, dass sie nicht versperrt ist, trotzdem würde vermutlich auch dann die Bewegung von Außen nach Innen schneller zum Erfolg führen. Ich habe also das Gefühl, dass sich die Wiener Grünen nun gewaltsam gegen diese Tür stemmen, damit nur ja niemand hereinkäme, der die bis dato gemütliche Atmosphäre drinnen aufwühlen oder gar zerstören könnte. 

Und selbst wenn der Vergleich hinkt, die Grünen Vorwähler haben sich bis jetzt allen Fragen offen gestellt und ihre Motivation detailliert dargelegt. Sie suchen das Gespräch und haben nichts zu verbergen. Ich traue mich zu sagen, dass keiner der grünen Vorwähler die Partei unterwandern will. Im Gegenteil, mal will sich beteiligen und aktiver am demokratischen Prozess mitwirken. Dass diese Beteiligung und Mitwirkung nun klar definierten Regeln unterliegen soll, lässt sich nicht nachvollziehen, da ja der erklärte Wunsch aller Beteiligten jener ist, wieder guten Gewissens grün wählen zu können und Prozesse, welche die Partei für sie unattraktiv gemacht haben, zu reversieren oder zumindest ein Nachdenken darüber in Gang zu setzen. Darüber sollte jede Partei glücklich sein, wenn sie sich grundsätzlich als demokratisch definieren will. Darüber sollten auch die Wiener Grünen froh sein, denn es haben sich fast aus dem Nichts heraus plötzlich bereits über 100 Leute gefunden, die mehr tun möchten als bloß zu diskutieren. Das Ziel aber ist, und ich spreche hier für mich, nicht in diesen Raum hineinzuwollen, um den vorhandenen Platz zu verringern oder jemandem wegzunehmen, sondern sich mal dort umzusehen und mit jenen, die sich dort zu verstecken scheinen, darüber zu reden, was denn nun genau ihre Aufgabe sein mag und wie sie mich als mögliche Wählerin bestmöglich vertreten können. Nicht mehr und nicht weniger.

Um sich nun wieder dem Gleichnis zuzuwenden. Wenn sich also eine ganze Menge gegen eine nach innen zu öffnende Tür stemmt, dann muss sie, damit sich diese Tür problemlos öffnen lässt, einen Schritt zurücktreten und Platz machen. Von außen wird sie in unserem Fall nicht eingedrückt werden, wir stehen bloß davor und klopfen höflich. Bleibt sie aber zu, dann gehen wir weiter, vielleicht zur nächsten Tür und probieren es dort.

 

Linkliste zu den diversen Einträgen über die Grünen Vorwahlen:

BäckBlog schreibt über die Grünen Vorwahlen und den Typ KIWI,

Gerhard Ladstätter Grüner Bezirksrat stellt den Grünen Vorwählern einige Gewissensfragen,

Martin Schimak  fragt sich, ob die Grünen bereits soetwas wie eine Kirche darstellen,

Helge Fahrnberger fragt sich, ob es bereits soetwas wie einen Ideologietest bei den Grünen gibt,

Digiom stellt sich auch die Frage, ob es einen Grünen Eignungstest gibt,

Christoph Chorherr bloggt über den Unterschied zwischen einer Partei und einer Kirche,

Zwischenruf meint, die Grünen Vorwähler stellen die Partei vor Probleme,

Max Kossatz bloggt unter dem Titel „Grüne Vorwahlen – Angst essen Seele auf“.

 

Alle, die sich für den Diskurs zu diesem Thema interessieren, können sich über den Twitter Stream auf der Webseite der Grünen Vorwahlen einen Überblick über die Chronologie der Ereignisse machen, man findet dort auch die wichtigsten Links. Wer sich noch beteiligen möchte am Politexperiment – am Freitag den 8. Mai findet eine Unterschriftenparty bei Nicky und Gerald Bäck statt – genauere Infos auf der Webseite der Grünen Vorwahlen (link hinter dem Logo), am 12. Mai findet im Café Ritter um 20.00 Uhr eine weitere Infoveranstaltung statt. 

 

Susanne, 7. Mai 2009

 

P.S.: Ich bemühe mich eine halbwegs vollständige und ausgewogene Linkliste anzuführen, und werde diese, so ich in den Kommentaren oder auf sonstige Weise darauf aufmerksam gemacht werde, auch soweit möglich ergänzen!

Skizzen aus Wien – Nr. 27

literary sandworm - artwork zoer

 

1079 Seiten und einige Wochen später liegt David Foster Wallaces Infinite Jest nun als gelesenes Buch vor mir (1). Eine Rezension dieses Werkes ist aber nicht nur aufgrund seiner Länge, sondern hauptsächlich wegen seiner beeindruckenden Dichte kein einfaches Unterfangen, trotz allem will ich versuchen einen kleinen Einblick in das Geschehen zu geben, um all jene, die sich für Literatur interessieren, auf diesen außergewöhnlichen Autor aufmerksam zu machen und vielleicht den einen oder die andere davon zu überzeugen, sich ebenfalls auf die Welt des D.F.W. einzulassen.

 

David Foster Wallace, Infinite Jest, Back Bay 10th anniversary paperback edition, 2006

 

Lassen Sie mich mit einer Aufzählung beginnen, denn im Universum von Infinite Jest tummeln sich so viele Figuren, spielen so viele Ereignisse eine Rolle, dass man einen Einstieg am ehesten findet, wenn man einen kleinen Einblick davon kriegt, was einem dort unter Anderem alles unterkommt. In diesem Buch gibt es nämlich wirklich alles, was man in einer absurden Welt vorfinden möchte, die folgende Liste ist also auch nicht ansatzweise abschließend, sondern viel mehr beispielhaft. Oder um es im Juristenjargon zu definieren, demonstrativ, nicht taxativ. Da gibt es (2):

  • Einen Protagonisten namens James O. Incandenza, der sich auf spektakuläre Weise aus dem Leben befördert hat;
  • dessen erstgeborenen Sohn Orin, der sich als Punter der Arizona Cardinals seinen Lebensunterhalt verdingt;
  • dessen zweitgeborenen Sohn Mario, der körperlich behindert, mit einer Kamera auf einem Helm befestigt mehr oder weniger Dokumentierenswertes in einer Tennis Akademie namens Ennfield Tennis Academy (E.T.A.) festhält;
  • und den jüngsten Sohn Hal, der Schüler an oben genannter Institution ist und dessen Lebensinhalt nicht ausschließlich aus hochprofessionellem Tennistraining besteht, sondern zu einem nicht geringen Teil aus dem Ge-/Missbrauch von psychoaktiven Substanzen;
  • die Mutter dieser drei jungen Männer, Avril Incandenza, die an der E.T.A. arbeitet, einer radikalen Gruppierung namens Militant Grammarians of Massachusetts (M.G.M) angehört und stets besorgt um den richtigen Gebrauch der englischen Sprache ist (so erfährt man etwa, dass die Aufforderung von sog. Supermarktexpresskassen „10 items or less“ sie zur Weißglut treiben kann…);
  • des weiteren die Tatsache, dass die USA nunmehr unter dem Akronym O.N.A.N. existieren und sich dieses neue Staatengebilde nicht mehr dem Imperialismus, sondern viel mehr dem Experialismus verschrieben hat;
  • das Faktum, dass man die herkömmliche Zeitrechnung abgeschafft hat und die einzelnen Jahre nunmehr an den meistbietenden Konzern verkauft werden, was zur Folge hat, dass es Jahre gibt, die da z.B. „Year of the Depend Adult Undergarment“ (Y.D.A.U.) oder „Year of the Perdue Wonderchicken“ (Y.P.W.) heißen;
  • ein Gebiet im Nordosten der nunmehrigen O.N.A.N. das durch Müllablagerungen gänzlich unbewohnbar geworden ist, ja quasi ein mutierendes Eigenleben entwickelt hat und das je nach Betrachtungsweise entweder als „Great Concavity“ oder „Great Convexity“ bezeichnet wird;
  • das Faktum, dass die ehemaligen U.S.A. diese unbewohnbaren Gebiete in experialistischen Feldzügen Kanada aufgehalst haben – sehr zum Unmut der Provinz Quebec;
  • was wiederum terroristische quebecois’sche Einheiten auf den Plan gerufen hat, darunter eine gnadenlose Truppe namens A.F.R., deren Hauptcharakteristikum jenes ist, dass alle ihre Mitglieder in Rollstühlen sitzen;
  • eine kurze Karriere des verblichenen J.O. Incandenza, der von seinen Kindern gerne als „Himself“ bezeichnet wird, die im Drehen von Experimentalfilmen bestand;
  • ein daraus resultierender infernalischer Film, der jeden der ihn zu Gesicht bekommt, in ein sabberndes Gemüse verwandelt und der wiederum titelgebendes Objekt des Buches ist; und
  • hinter dem sämtliche Agenten des sog. O.U.S. hinterherjagen, und nicht zuletzt auch die Kämpfer der A.F.R.; erwähnenswert wären dann auch noch
  • eine der Tennisakademie benachbarte Drogenrehabilitationseinrichtung;
  • ein Mann namens Don Gately, seines Zeichens ehemals von allen möglichen hochgradigen Opiaten Abhängiger und mittlerweile Angestellter der Rehab-Anstalt;
  • eine verschleierte Frau, die wahlweise unter dem Synonym Madame Psychosis bzw. P.G.O.A.T. vorkommt; und
  • jede Menge anderer schräger Charaktere, verworrener Situationen und absurder Begebenheiten, welche

 

die Lektüre dieses Buches zu einem kaum beschreibbaren, hochintensiven Lesegenuss machen, wie ich ihn bisher noch nie in dieser Konzentration und Qualität erlebt habe.

Was macht dieses Buch so besonders? Wie bereits in den Skizzen Nr. 17 ausgeführt, bin ich erst im vergangenen Jahr auf D.F.W. aufmerksam geworden und habe als Einstieg zunächst seine Essays im Buch A supposedly fun thing I’ll never do again gelesen. Das würde ich auch allen anderen empfehlen, die vorhaben D.F.W. zu lesen, denn sein außergewöhnlicher Stil ist sicher nicht jedermanns Sache, allen, die Gefallen an den Essays finden, kann ich jedoch garantieren, dass sie von Infinite Jest umso mehr begeistert sein werden. Das Buch bietet nicht nur ein ausgefeiltes Universum an peinlich genau gezeichneten Charakteren und Situationen, es ist insgesamt derart hoch konzentriert, dass man bereits nach wenigen Seiten von der großen sprachlichen Fülle, mit der man in dem Buch konfrontiert ist, in Bann gezogen ist.

D.F.W. besitzt ein nahezu lexikalisches Vokabular und schafft es, mit einer fast beängstigenden Perfektion, den verschiedenen Figuren Leben einzuhauchen, ihnen eine absolut glaubwürdige Stimme zu verleihen, sodass man geneigt ist, zu vermuten, der Autor hat einiges von dem was er in höchstem Detailreichtum beschreibt, selbst erlebt. Das hat er vermutlich auch, wenn man seine Biographie liest, aber es ist müßig darüber zu spekulieren, denn die große Leistung D.F.W.s besteht nicht im vermeintlichen Selber-Erlebt-Haben, sondern in der perfekten sprachlichen Umsetzung der Inhalte, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Da gibt es dann unterschiedliche Dialekte, Slang, Spezialwissen, das wahlweise Sportjournalisten, Mathematiker oder Pharmazeuten vor Neid erblassen lassen kann und als für meine Begriffe beeindruckendste Fähigkeit, eine unglaublich eindringliche Unmittelbarkeit Gefühle und Gedanken zu beschreiben, eine Tiefgründigkeit, die einmal zu Lachstürmen reizt, ein anderes mal wieder tiefe Traurigkeit auslöst, Ekel oder Angewidertsein, Überraschung, Verblüffung und Mitgefühl. Ich habe noch kaum einen Autor gelesen, der einerseits so wortgewaltig ist, andererseits aber nie in unlesbares Kauderwelsch abdriftet, noch nie jemanden, der es schafft in Nebensätzen Lebensweisheiten unterzubringen, über die man selbst Wochen später noch staunt.

Es ist unnötig hier auf den Plot einzugehen, oder auf das, was genau passiert im Buch, ich denke auch nicht, dass es dem Autor vordergründig überhaupt um den Plot gegangen sein mag, wer sich eine schlüssige Kriminalgeschichte erwartet, hat sich das falsche Buch ausgesucht, wer jedoch Sprache, in allerhöchster Präzision erleben möchte, wer offen ist, sich auf diese Geschichte einzulassen, wer banal ausgedrückt so etwas wie den „Harry Potter für Erwachsene“ sucht, der hat ihn mit Infinite Jest garantiert gefunden. Und der wird, so wie ich, spätestens wenn sich das Buch seinem Ende zuneigt, dieses heimlich hinauszögern, weil er sich wünscht, dass dieses mehr als 1000-seitige Werk, das er in Händen hält, erst der Anfang einer vielbändigen Reihe sein möge, der wird nach dem Zuklappen des Buches verwirrt, glücklich und traurig zugleich sein und der wird nicht zuletzt dann wissen, dass er hier eines der Bücher gefunden hat, die es wert sind mehrmals gelesen zu werden.

David Foster Wallaces Infinite Jest sei hiermit vom Sandwurm ausdrücklich und eindringlich empfohlen (3)!

 

(1): Eine deutsche Übersetzung des Buches erscheint voraussichtlich im Herbst 2009, allen, die des Englischen ausreichend (es handelt sich um keine leichte Lektüre, im sprachtechnischen Sinn) mächtig sind, empfehle ich beim Original zu bleiben!

(2): Ich habe nicht alle Akronyme hier erklärt, ein wesentlicher Teil des Lesegenusses ist es auch, herauszufinden, was die einzelnen Abkürzungen bedeuten.

(3): In einer abschließenden Fußnote sei hier auch noch D.F.Ws brillanter Einsatz eben jener Fußnoten erwähnt. Diese entwickeln im Roman de facto ein Eigenleben, funktionieren zwar manchmal durchaus als Erklärung und Erläuterung, bilden aber oft eigene Erzählstränge, die z.B. im Falle einer peinlich genauen Filmographie von J.O. Incandenzas Oeuvre als Filmemacher nicht nur sprachlos machen, sondern die auch den ausdrücklichen Wunsch wecken, J.O.I. möge doch tatsächlich existiert haben, damit man sich eine an Irrwitz kaum zu übertreffende Filmauswahl auch wirklich anschauen würde können.

 

Susanne, 3. Mai 2009