I ♥ NY

Diesmal gibt es keinen ausführlichen Reisebericht, eigentlich wollte ich ganz darauf verzichten, aber nachdem wir heute den 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begehen, wird dies eine kleine Hommage in Bildern. An mein persönliches New York – „the greatest city in the world“ wie David Letterman kurz nach den Anschlägen bewegt feststellte.

Ich kann ihm nur voll und ganz zustimmen.

I wasn’t going to write another travel report this time around. But since we’re commemorating the attacks on the World Trade Center, 10 years ago today, I decided to publish an hommage to my New York. The city, which is, as David Letterman asserts in his moving speech shortly after the attacks, „the greatest city in the world„.

I couldn’t agree more.

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Susanne, 11. September 2011

Kriminacht 2011 – Simon Urban „Plan D“

Seit 2005 findet die Kriminacht jährlich in Wien statt. In verschiedenen Kaffeehäusern frönt man der Leidenschaft Vieler und lässt Autoren aus ihren diversen Kriminalromanen vorlesen.

Anlässlich der heurigen Veranstaltung hat man mir netterweise ein Rezensionsexemplar von einem der eingeladenen Autoren zukommen lassen und mich gebeten, meine Meinung dazu kund zu tun. Diesmal gibt’s hier auch was zu gewinnen, mehr Infos dazu ganz unten.

Ich gebe zu, ich hatte die Wahl zwischen mehreren Autoren und habe mich rein intuitiv für Simon Urban entschieden. Das Problem einer Rezension eines deutschsprachigen Kriminalromans meinerseits liegt nämlich grundsätzlich darin, dass ich so gut wie nie deutschsprachige Kriminalromane lese. Warum, das kann ich nicht erklären, ich habe ganz einfach ein Faible für amerikanische Noir Krimis und meine bisherigen Ausflüge in die hiesige Krimilandschaft, sprich österreichische Autoren, boten alle miteinander herbe Enttäuschungen. Nachdem ich niemand beleidigen will, erspare ich mir die Nennung von Namen.

Ich gebe aber zu, dass amerikanische Kriminalliteratur nicht allein das Gelbe vom Ei ist. Henning Mankell hat mich fast genauso begeistert, wie Chandler und Co.

Ich holte also mein Leseexemplar von Simon Urbans „Plan D“ ab und fiel fast aus allen Wolken, weil man mir einen Wälzer von 547 Seiten in die Hand drückte. Ich begann sofort zu lesen und hoffte sehr, dass der Roman halbwegs unterhaltsam würde.

Er war es. Zum Glück. Was mich zu einer kurzen Rezension des Oeuvres von Simon Urban bringt. Die Geschichte ist im Hier und Jetzt angesiedelt, das letzte Kapitel spielt am 29. Oktober 2011 (wer es schnell liest, wird noch ein gewisses Gefühl des Dabei-Seins haben) und breitet seinen Plot vor der Fiktion einer noch immer existierenden DDR aus. Das System hat die Umbrüche im 1989-er Jahr überlebt, Egon Krenz steht an der Spitze, der Bundeskanzler der BRD heißt Oskar Lafontaine.

Klassischer Einstieg, ein ehemaliger Berater von Krenz wird ermordet aufgefunden, alles deutet auf Stasi-Handarbeit hin. Martin Wegener, seines Zeichens abgebrühter und desillusionierter Volkspolizist darf ermitteln, weil für die niedergewirtschaftete DDR international viel auf dem Spiel steht, wird ihm ein BRD Ermittler zur Seite gestellt. Der Rest entspinnt sich nach gewisser hard-boiled Manier auf den restlichen 546 Seiten.

Ohne zu viel zu verraten ein kurzes Fazit. Der Roman liest sich gut, man steigt schnell in die Story ein, Spannung baut sich auf und auch die DDR Fiktion ist einigermaßen unterhaltsam. Stärken zeigt der Autor eindeutig in der Dialogführung. Da werden seine Figuren lebendig, da bekommt die Geschichte eine Seele und man beginnt als Leserin mitzuleben.

Auffällige Schwäche ist Urbans Hang zum Detail. Auf vielen Seiten verliert er sich in der haarkleinen Beschreibung seiner Figuren und der exzessiven verbalen Ausgestaltung seiner Szenerien. Fast hat man das Gefühl Urban hätte gerne einen „richtigen“ Roman geschrieben, hohe Literatur, dass die sich aber auch unter Krimis findet, scheint ihm entgangen zu sein, die Adelung der Stilrichtung erfolgt mit Sicherheit nicht durch exzessive Anwendung von ausgefallenen Adjektiven.

In diesem Sinne würde ich dem Autor für das nächste Buch, so er im Kriminalfach bleiben will, die Lektüre von Raymond Chandler oder James M. Cain empfehlen, beide überzeugen auch mit weniger Worten. Generell bleibt ein guter Eindruck vom Buch, das auch über 500+ Seiten nicht langweilig wird.

Wer sich selbst eine Meinung bilden will: Der Sandwurm verlost drei signierte Exemplare von Simon Urbans „Plan D“. Alles was man dafür tun muss, ist mir im Kommentar seinen Lieblingskrimi zu verraten und wenn geht auch eine Begründung warum.

Weitere Informationen:

Die Kriminacht findet am 20. September in verschiedenen Wiener Kaffeehäusern statt. Alle Informationen findet man hier, eine Facebook Seite gibt’s hier. Simon Urban wird um 18:00 im Café Drechsler lesen.

Susanne, 9. September 2011

The Sandworm empfiehlt – E. L. Doctorow „Homer & Langley“

Wenn man auf Urlaub fährt, sollte man ein Buch mitnehmen. Und wenn man, so wie ich dieses Mal keines mit hat, dann sollte man wenigstens in eine Stadt fahren, wo man sich mit passenden Büchern eindecken kann. Nur für den Fall, dass einen die Leselust überkommt. Nach New York zum Beispiel, dort findet man Bücher für alle möglichen und unmöglichen Anlässe, an allen möglichen und unmöglichen Orten. Der beste darunter ist meines Erachtens nach der Saint Mark’s Bookshop. Dort ist es immer gemütlich und man findet eine breite Selektion an Büchern, samt entspannter Atmosphäre vor.

Ich habe mich dort, wie ich es gern tue, wenn ich unterwegs bin, mit einem Buch ausgerüstet, das gleichzeitig auch mit der Stadt, in der man sich aufhält, zu tun hat. Mit New York in meinem Fall. Die Wahl fiel auf E. L. Doctorows „Homer & Langley“.

Der Autor hat mich schon zweimal mehr als überzeugt, das Buch hatte eine praktische Reiselänge von etwas mehr als 200 Seiten, ich zögerte nicht lange und nach ein wenig Smalltalk über das zu dem Zeitpunkt omnipräsente Thema „Irene“ war das Buch gekauft.

E. L. Doctorow ist einer jener Autoren, die es gleich auf den ersten Seiten eines Buches schaffen, den Leser zu fesseln und in die langsam sich aufbauende fiktive Welt zu ziehen. Sein Stil ist von einer poetischen Leichtigkeit, die trotz allem präzise bleibt und niemals ausufert.

Das Buch ist ein historischer Roman, basierend auf einer wahren Geschichte, die von Doctorow in eine Art moderne Fabel transformiert wird. Ein düster-komisches Märchen zweier Brüder, Homer und Langley Collyer, die in einem herrschaftlichen Haus in der Fifth Avenue, gleich beim Central Park aufwachsen und dort, abgekapselt vom Rest der Welt, die Geschichte des 20. Jahrhunderts durchleben.

Nach dem Tod der Eltern, die von der spanischen Grippe 1918 dahin gerafft werden, finden sich die zwei, Homer blind und auf seinen Bruder Langley, der psychisch vom Einsatz im 1. Weltkrieg schwer gezeichnet ist, in ihrem Domizil wieder, einem Ort, der mit dem Lauf der Zeit immer mehr zum Abbild der Welt wird.

Langley, der sich rührend um seinen blinden Bruder kümmert, wird von einer Mission angetrieben: er will eine einzige allgemein gültige Ausgabe einer Tageszeitung schaffen, eine Edition, die ein für alle mal sämtliche publizierte Blätter ersetzt. Nachrichten, so Langley, seien nämlich austauschbar. Austausch- und soweit generalisierbar, dass mit genauester Studie und Kategorisierung eine ewig gültige Zeitung keine Utopie mehr ist.

So beginnt eine Sammelwut, die nicht nur sämtliche veröffentlichte Tageszeitungen involviert, sondern so ziemlich alles was Langley als sammelwürdig, aufbewahrenswert, erscheint, egal ob es ein Ford Model-T ist, der im Esszimmer aufgebaut wird, oder sämtliche Modelle funktionstüchtiger Schreibmaschinen und mehr. Während sich also im Haus immer mehr von dem stapelt, was draußen hergestellt und berichtet wird, findet dort auch gleichzeitig ein Rückzug von allem Weltlichen statt. Gibt es anfangs noch Dienstboten und Liebesaffären oder öffentliche Tanzparties, schwinden mit dem Lauf der Zeit die Angestellten, die Frauen und jeglicher sonstiger Kontakt nach Außen, bis sie nur mehr zu zweit sind. Homer & Langley.

Ein in jeder Hinsicht empfehlenswertes Buch, mit einer scheinbar simplen Geschichte, die aber ungemein spannend, komplex und so aktuell ist, dass man bewegt, amüsiert und betroffen zugleich ist, von dem was sich im Haus an der Fifth Avenue abspielt. All das packt Doctorow in eine wunderbare lyrische Sprache. Mein Lieblingszitat: „And when she whispered my name, God help me, the love broke over me like the hot tears of a soul that has found salvation“. Absolute Leseempfehlung!

Susanne, 4. September 2011t

Susanne