Die beste aller schlechten Parteien – Teil II

Nach längerer Zeit habe ich mich wieder mal aufgerafft über das ärgerliche Thema Politik zu bloggen und habe als Gastbloggerin von Neuwal eine kleine Entscheidungshilfe für die NR-Wahlen am 29. September verfasst.

Nicht dabei ≠ Super

Nachdem es den einen oder anderen Kommentar dazu gegeben hat, insbesondere weil manche nicht auf der Liste befindlichen Parteien offenbar auch gerne ein paar Zeilen über sich gelesen hätten, möchte ich meinen Blogeintrag hiermit ergänzen.

Generell darf ja jeder den absurden Schluss für sich ziehen, dass seine Lieblingspartei, so sie sich nicht auf meiner Liste befindet, ursuper ist. In meinem Fall jedoch heißt es bloß: Alle Parteien, die sich nicht auf der originalen Ungustl-Liste befinden, sind meiner Einschätzung nach nicht automatisch super. Im Gegenteil der Ausschluss aus der Liste ist bestenfalls so zu interpretieren, dass mir diese Parteien entweder völlig egal sind, ich kein weiteres Wort über sie verlieren wollte, oder ihnen einfach keine Chance auf einen Einzug in den Nationalrat zubillige.

Hier also der kleine Zusatz für alle, die eine noch umfassendere Entscheidungshilfe benötigen (wie gehabt die Unsympathischsten zuerst):

Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ)

BZÖ, FPK, Tralali, Tralala… eigentlich wollte ich über diese Partei(en) wirklich kein Wort mehr verlieren. Nunmehr aber ist mir eingefallen, dass es ja immer noch die Möglichkeit eines sogenannten Grundmandates gibt und wie wir alle wissen, ist Kärnten ein österreichischer Sonderfall. In dieser Hinsicht könnte das BZÖ sich über aktive Haider-Gedenkveranstaltungen eventuell doch noch mal in den Nationalrat stemmen. Wir werden es ja sehen. Grundsätzlich kenne ich mich bei den vielen Neugründungen, Zusammenschlüssen, Aus- und Einschlüssen dieser politischen Gruppierung nicht mehr aus, assoziiere aber die meisten Mitglieder mit irgendeiner Form der FPÖ oder ex-Haiderpartie. Politisch gesehen halte ich sie also generell für unwählbar.

Die Piraten

Was soll ich zu den Piraten sagen? Es gab 1 – 2 Twitterer die eher enttäuscht waren, dass ich sie nicht wahrgenommen habe, ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass die österreichischen Piraten immer noch ein völliges Randphänomen sind. Sich auf der Welle einiger Erfolge internationaler Kollegen auszuruhen reicht nicht. Und selbst wenn ich zugebe, dass ich mich aus politischen Diskussionen weitestgehend raushalte (insb. auf Twitter!), so muss ich einerseits sagen, dass ich monothematisch ausgerichtete Parteien für nicht wählbar halte, andererseits habe ich die Netzkompetenz der österreichischen Piraten bis dato nicht wahrgenommen.

Ein Blick auf die Homepage zeigt zwar die Abdeckung weiterer Themen (Bildung, etc.), stichhaltige Argumente aber, warum ich ausgerechnet die Piraten, statt z. B. die Grünen, wählen sollte, fehlen mir.

Die KPÖ

Ach die Kommunisten. Es gab und gibt in Graz einige leuchtende Beispiele, wie man gute Politik macht (Kaltenegger!), für mich ist diese Partei aber allein dadurch nicht wählbar, weil sie sich noch immer nicht dazu aufraffen kann, sich endlich einen Namen zu geben, der sich nicht auf ein weltweit gescheitertes Politikexperiment bezieht. Kommunisten. Tut mir leid, kann ich nicht wählen. Punkt.

Zum jetzigen Zeitpunkt fallen mir nun wirklich keine weiteren erwähnenswerten Parteien ein. Alle die sonst noch so herumkrebsen haben bestenfalls die Gemeinsamkeit, dass es sich um kuriose bzw. sehr seltsame Außenseiter handelt.

Ich werde übrigens am 22. September gemeinsam mit anderen Blogger- und Twitterkollegen das ATV Meine Wahl Special auf Twitter begleiten. Da versammeln sich alle Spitzenkandidaten. Es wird sicher lustig werden. Wer sich in den Thread reinhängen und mitkommentieren will, sollte spätestens ab 20:15 den offiziellen Hashtag #meinewahl verfolgen.

Susanne, 8. September 2013

The Sandworm empfiehlt – Christoph Chorherr „Verändert!“

Worin liegt der Unterschied zwischen Madonna und Christoph Chorherr? Was kann eine Kilowattstunde? Wer verbraucht auf 100 km ein Äquivalent von 0.04l Sprit? Und welches sind die zwei wichtigsten Gründe Lehrer zu werden? Dies uns vieles mehr fragt sich Christoph Chorherr in seinem ersten Buch „Verändert!“ und wenn man ihn kennt, weiß man, dass er handfeste Antworten darauf liefert.

Zugegeben, die letzte Frage ist eigentlich ein Lehrerwitz, sie fügt sich aber perfekt in das von Chorherr aufgebaute Konzept eines Sachbuches, das nicht nur lehrreich ist, sondern auch ungemein unterhaltsam. Ich habe es gestern innerhalb von knapp drei Stunden ausgelesen und möchte es auch meiner Leserschaft allerwärmstens ans Herz legen.

Ich habe Christoph Chorherr als durch und durch engagierten Menschen kennen gelernt, als geradezu idealtypischen Politiker, der umsetzt und tut, und ganz nebenbei auch noch von seiner Arbeit begeistert ist. All das ist in seinem Erstlingswerk, in dem er sehr persönlich von den Dingen spricht die ihm für Wien, Österreich und die Welt wichtig sind, in jeder Zeile spürbar. Das Buch ist insgesamt auch das was man sich von einer Mischung aus Sachbuch und Biographie erwartet. Es liefert persönliche Einblicke in das Tun des Autors, es ist anschaulich und bewegt sich selten auf der sogenannten Metaebene, sondern bietet eine Vielzahl von Antwortmöglichkeiten auf einige der drängensten Fragen unserer Gesellschaft.

Zum Inhalt: In Form von sieben Kapitel arbeitet sich Chorherr, immer eingeleitet durch persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, durch die Themen Entwicklungshilfe, Lernen, Demokratie, ökologische Wende, Solarenergie, Radfahren und urbanes Leben. Dabei verliert er sich weder im Detail, noch bleibt er jemals zu allgemein. Immer geht es ihm um Gestaltungsmöglichkeiten, die tatsächlich umsetzbar, die machbar und möglich sind. Wer ihn als Redner erlebt hat, kann sich den Autor dann auch bildlich vorstellen und spürt förmlich wieviel Herzblut in die einzelnen Projekte fließt.

So legt er glaubwürdig dar, dass im gemeinschaftlichen Tun, die größte Gestaltungskraft liegt. Sein Schulprojekt „Ithuba“ in Südafrika floriert nicht nur dank seiner Tatkraft und Initiative, sondern weil er auf seinem Weg jede Menge aktive, meist kostenlos zu Verfügung gestellte, Unterstützung von allerlei Weggefährten erhält. Und während „Ithuba“ Realität ist, wurde mit einem gigantisch höheren Geldbetrag von Popstar Madonna in Malawi noch kein einziger Ziegel gebrannt. (Soviel zur ersten Frage).

Es versteht sich von selbst, dass auch das hiesige Bildungssystem eine Herzensangelegenheit von Chorherr ist. Er fordert zurecht eine Entbürokratisierung und Entnormierung. Er fordert Lehrer, die mit den Kindern gemeinsam Lernstoff erarbeiten, umsetzen und erdenken dürfen. Dabei geißelt er die Einschränkungen in Form von allzu rigiden Gesetzen und Vorschriften und verlangt eine Befreiung des mittlerweile fast zum hermetisch abgeschlossenen System mutierten Gebildes namens Schule. Weder A: Juli, noch B: August sollten die wichtigsten Gründe sein Lehrer zu werden (nicht schlecht der Witz und die Antwort auf Frage vier), sondern die Möglichkeit der nächsten Generation die Türen zu Bildung und Wissen zu öffnen, meint er dann mit einem Augenzwinkern und dem berechtigten Einwand, dass seine Kritik weniger den Lehrern gilt, als viel mehr der Politik, die sich im Bezug auf eine nachhaltige Bildungsreform seit Jahrzehnten im Kreis bewegt.

Dem Umweltschutz widmet er wesentliche Kapitel und macht erst Mal verständlich, was eine Kilowattstunde eigentlich bedeutet. Das was wir tagtäglich gedankenlos verbrauchen, in dem wir Lichter brennen lassen oder unsere Wohnungen nicht wärmedämmen. Es zeigt sich nämlich, dass man mit einer Kraft von einer Kilowattstunde ein Gewicht von einer Tonne 365 Meter hoch heben kann. Erst dann wird deutlich worum es sich dabei eigentlich handelt und wofür wir gegenwärtig den Spottpreis von rund 20 Cent zahlen. Mit dieser Art von Beispielen gelingt es Christoph Chorherr plastisch zu beschreiben, was im Bezug auf eine Energiewende in erster Linie nötig ist, nämlich ein grundlegendes Verständnis von den Produkten, die wir tagtäglich verwenden und der Energie, der es bedarf um sie herzustellen.

So ist es auch keine Überraschung, dass er fürs Radfahren eine Liebeserklärung ausbreitet, dass einem ums Herz warm wird. Dass sich das Äquivalent, das ein Radfahrer auf 100 km schließlich an Sprit (Achtung Antwort auf Frage 2!) verbraucht, nämlich 0.04 l, gemeinhin nicht aus Erdöl sondern Wurstsemmeln, Gemüse, Salat oder Nudeln zusammen setzt, ist dann auch wieder so eine sympathische Gleichung, die Chorherr verwendet, um uns vor Augen zu führen, dass es besonders im urbanen Raum geradezu kriminell ist, sich für Distanzen von wenigen km in ein tonnenschweres Vehikel zu setzen und, meist auch noch allein, durch die Stadt zu stauen. Dass der Autor selbst bei Wind und Wetter auf seinem stylischen Klapprad anzutreffen ist, versteht sich von selbst. Chorherrs Liebe zum Drahtesel ist so direkt und spürbar, das Fahrradkapitel enthält die schönsten Passagen des Buches.

 „Verändert!“ von Christoph Chorherr ist eine absolut lesenswerte, lehrreiche und unterhaltsame Lektüre, die ich hiermit wärmstens empfehle. Wer sich die Kosten für das Buch ersparen will, der hinterlasse einen Kommentar mit ein paar Zeilen, die darlegen, was man gerne selbst verändern möchte. Als Belohnung gibt es für zwei Sandwormleser oder -leserinnen ein signiertes Exemplar frei Haus.

Susanne, 30. Oktober 2011

Sondersendung zur Landtagswahl in Wien

Nach langer Zeit geht’s hierorts wieder einmal um das Thema Politik, mit dem ich mich zwar zumeist auf anderen Plattformen auseinandersetze, nachdem aber im laufenden Wahlkampf in Wien und der Steiermark diesbezüglich einige neue Formate ausprobiert werden, möchte ich auch den politikinteressierten Kulturfans einen Versuch zur Kenntnis bringen, in die Berichterstattung um Wahlen und Politik generell ein bisschen frischen Wind zu bringen:

Im Rahmen des Baeckblog Politikpodcasts, an dem ich mehr oder weniger regelmäßig teilnehme, und der seit Anfang dieses Jahres sehr erfolgreich läuft und wächst, wurde bereits bei den Landtagswahlen in der Steiermark zum ersten Mal das Format getestet live zu senden. Das Ganze hat sich als amüsante und informative Talkrunde herausgestellt, bei der via Twitter Fragen und Feedback entgegengenommen wurden und wo Gäste, egal ob Politiker oder nicht, die Möglichkeit hatten, sich live in die Sendung einzuklinken und ihre Sichtweise zum Wahlausganges in der Steiermark darzulegen.

Nachdem bereits dieser erste Versuch ziemlich erfolgreich war, haben wir uns entschlossen noch ein wenig weiter an der Schraube der Möglichkeiten zu drehen und kommenden Sonntag, am 10. Oktober, die gesamte Sendung live aus einer Art Studio zu übertragen. Wir, das sind Gerald Bäck, Natascha Chrobok, Max Kossatz (der sich dankenswerterweise auch um die Technik kümmert), Martin Schimak und ich.

Gäste – ja auch vor Ort! – sind herzlich willkommen (Infos siehe unten), wir freuen uns aber auch über zahlreiche Teilnehmer und Teilnehmerinnen via Web, vor allem über Rückmeldungen, Fragen und Feedback.

In diesem Sinne wünsche ich uns und allen die vorbeikommen oder per Internet reinschauen kommenden Sonntag eine spannende, informative, unterhaltsame und vor allem bahnbrechend innovative Politiksendung.

Infos:

Location: Sektor 5, Siebenbrunnengasse 44, 1050 Wien

Datum und Uhrzeit: Sonntag 10. Oktober 2010, Beginn: 16.30

Livestream

Hashtag Twitter: #ppcast

Susanne, 7. Oktober 2010

Weiß wählen? Im Ernst?

Herr Kopf wählt weiß. Das wäre an sich voll in Ordnung, schließlich steht es jedem Wahlberechtigten, jeder Wahlberechtigten in Österreich zu, sein oder ihr Wahlrecht so auszuüben, wie es ihm oder ihr beliebt. Einen der zur Wahl stehenden Kandidaten wählen, oder gar keinen – also „weiß“, so wie es der Herr Kopf macht, oder eben überhaupt gleich daheim zu bleiben, wie es, nur ganz nebenbei bemerkt, immer mehr Österreicherinnen und Österreicher am Wahltag machen. Und diesmal geht es schließlich bloß um ein repräsentatives Amt – jenes des Bundespräsidenten der Republik – also überhaupt gar nicht wichtig.

Wenn da nicht ein kleines Detail wäre, dass mir seit ich weiß, dass Herr Kopf weiß wählen wird, irgendwie die Stimmung verdirbt. Der Herr Kopf ist nämlich nicht irgendein x-beliebiger österreichischer Normalverbraucher, nein, der Herr Kopf ist ÖVP-Klubobmann. Und seine Äußerungen in Bezug auf sein geplantes Wahlverhalten sind in mehrerlei Hinsicht bedenklich.

Zum Einen, weil Herr Kopf als Begründung dafür Folgendes angibt: „Heinz Fischer ist der Kandidat der SPÖ“. An dieser Erklärung, die meines Erachtens nach eher Kindergartenniveau besitzt, wäre grundsätzlich nichts auszusetzen, wenn Herr Fischer halbwegs seriöse Gegenkandidaten im Werben um die Bundespräsidentschaft hätte. Dann wäre es mir herzlich egal, wen Herr Kopf wählt, oder ob er überhaupt wählt. Leider aber finden sich als Alternativen zu Herrn Fischer zwei Antrittswillige, die mir den Angstschweiß auf die Stirn treiben, nicht so sehr, weil ich mir, selbst in den schlimmsten Albträumen, ausmale, dass einer der beiden Kandidaten tatsächlich gewinnen könnte, sondern viel mehr, weil ich mir dann für die diversen Auslandsreisen, die ich immer wieder gern unternehme, bereits jetzt Rechtfertigungen überlegen darf, ob wir Österreicher tatsächlich tief im Herzen immer Nazis, Ewiggestrige, etc. geblieben sind.

Nur kurz zu den beiden Antretenden. Die eine ist laut Kronen Zeitung eine „mutige Mutter“, die sich zwar für eine taugliche Kandidatin hält, aber es offenbar nicht der Mühe wert findet, ihre Schulbildung aus den 1970-ern zwischendurch auch mal aufzufrischen. Daneben distanziert sie sich gern von rechtsrechtem Gedankengut, Distanzierungen, die ungefähr so glaubwürdig sind wie seinerzeit Jörg Haiders „Ich bin schon weg“. Der andere wiederum bezieht seine Bildung aus der Bibel und weiß offenbar auch ganz genau was Österreichs Frauen wollen. Dass es hierzulande eine (nicht ganz astreine) Trennung von Kirche und Staat gibt, scheint ihn nicht zu stören, er möchte gerne gaaaanz viele Kreuze in der Hofburg aufhängen. Als Repräsentationsreiseziele während ihrer Präsidentschaft würden beiden vermutlich das Erdbeerland oder wahlweise Minimundus dienen.

Wieder zum Herrn Kopf. Der wählt ja weiß. Und ist, wie erwähnt, gleichzeitig Klubobmann jener Partei, die aktuell in der Regierung ist und, wenn man den Umfragen glauben will, auch in der nächsten sein wird. Diese staatstragende Partei fand es übrigens nicht der Mühe wert einen eigenen Kandidaten für die Wahl aufzustellen und larviert jetzt also entweder um den heißen Brei herum, oder aber spricht die Wahlempfehlung der ÖVP offen aus: „xy wird weiß wählen“.

Für Herrn Kopf also sind alle drei Kandidaten gleichwertig, Frau Rosenkranz, Herr Gehring und Herr Fischer. Und als ÖVP-Klubobmann, als Nationalratsabgeordeter, will er lieber keinen von den dreien wählen, als einen politischen Gegner zu unterstützen. Selbst dann nicht, wenn es gilt ein Zeichen zu setzen, gegen aufkeimenden Rechtsradikalismus und gegen Geisteshaltungen wie sie wahlweise Frau Rosenkranz oder Herr Gehring repräsentieren.

Nun, ich hoffe nur, dass sich Herr Kopf, falls er denn irgendwann mal wieder ins Ausland reist, nicht auch mit blöden Fragen in Sachen „wie rechts ist der gemeine Österreicher“ konfrontiert sieht, denn dann wird er den Fragenden wohl hoffentlich ehrlich erwidern, dass er mit rechtsrechten Kandidaten im Land kein Problem hat, und dass er, bevor er einen Parteigänger der Roten unterstützt, lieber gar niemanden wählt. Falls ihm das entfallen sollte, werde ich mich daran erinnern. Denn Herr Kopf ist in meinen Augen keine Einzelperson, sondern Repräsentant der ÖVP.

Und weil sich schon die ÖVP nicht traut, hier auch gleich meine Frage an die Grünen, die ebenfalls keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten ins Rennen schicken: Wo bleibt ihre Wahlempfehlung, als Partei?  Oder wählt man dort auch weiß?

Egal – ich werde am 25. April für Heinz Fischer stimmen und zwar aus voller Überzeugung und in der Hoffnung die prozentuale Ausbeute für Rosenkranz und Gehring möge so gering wie möglich ausfallen. Ich werde dann nämlich das nächste mal, wenn mich im Ausland jemand fragt, ob wir Österreicher tatsächlich so rechts sind, wie wir wählen, entgegnen: ich mit Sicherheit nicht.

Quellen: Interview mit Karlheinz Kopf im Standard

Frohe Ostern wünscht,

Susanne, 4. April 2010

The Sound of Music – Reloaded

Präambeln und öffentliche Distanzierungen scheinen hierzulande wohl zu einer liebgewonnenen Tradition zu werden. Dank Vorarbeiten durch W. Schüssel & Co. kann man es heutzutage auch als Mitglied einer vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) gelisteten Burschenschaft zum dritten Nationalratspräsidenten bringen bzw. ist es endlich salonfähig als Vorbestrafte(r) im Nationalrat zu sitzen, egal ob man sich nun der Falschaussage, der Verhetzung oder sonstiger strafbarer Handlungen schuldig gemacht hat.

Trotz dieser maßgeblichen Erleichterungen für verfolgte Rechte, haben sich in den vergangenen Tagen mit der Kandidatur von Barbara Rosenkranz gänzlich neue Dimensionen der Intoleranz der Linken gezeigt, ja eine „Hetzkampagne“ (Zitat Kickl) gab es da gegen die „mutige Mutter“ (copyright H. Dichand), die sich zu derartigen Höhepunkten aufschaukelte, dass sich sogar die allseits beliebte und stets unabhängige Kronen Zeitung letztlich gezwungen sah, den absurden Forderungen der Gutmenschen nachzugeben und ihrer Lieblingskandidatin („sie wird eine gute Bundespräsidentin für Österreich sein„) nahezulegen, sich öffentlich zu distanzieren.

The Sound of Music – Reloaded

Diesbezüglich muss ich wohl der allgemeinen Oscar-Jubelstimmung (drei Österreicher waren nominiert, einer hat gewonnen) erlegen sein, denn die Tatsache, dass wir als ernstzunehmende Filmnation endlich wieder einen Platz unter den Top-Nationen erworben haben, einerseits, sowie andererseits das absurde Faktum, dass sich rechtsrechte Politiker, die mit Verunglimpfungen üblicherweise nicht sparen (kriminelle Aslyanten, usw. usf.) mittlerweile selbst als Verfolgte im eigenen Land stilisieren, hat mir eine kreative Erleuchtung beschert, welche im nachstehenden Entwurf eines Drehbuches mündete, von dem ich nicht nur überzeugt bin, dass es mit seiner Verfilmung alle bisherigen Kinorekorde sprengen, sondern auch seinen Vorgänger an Oscarauszeichnungen übertreffen wird (zur Erinnerung: 5 Oscars!). Vorausschicken will ich, dass ich sämtliche Rechte für Verfilmung/Vertonung, sonstige Aufführungen sowie Merchandising beanspruche, diesbezügliche Angebote bitte an die Redaktion von The Sandworm.

1. Akt

Im Zentrum des Dramas steht eine mutige Mutter, ihr fürsorglicher Gatte, sowie deren 10 Kinder, die allesamt friedlich in der nicht mehr ganz zu den Alpen gehörigen Weinberg-Idylle nördlich von Wien leben. Die Familie vertreibt sich ihre Freizeit bei Sonnwend- und diversen Gedenkfeiern, als Familienchor, der ein beeindruckendes Repertoire deutscher Heimatlieder beherrscht; überall sind sie gern gesehen. Bis die Stimmung im Lande kippt und linkslinke Sprachfaschisten beginnen jedes öffentlich geäußerte Wort auf die Waagschale zu legen. Als sich die mutige Mutter, um die Rettung der Republik bemüht, ins Rennen um das Bundespräsidentenamt wirft, beginnen die Dinge langsam zu eskalieren. Selbst das nationale Widerstandsblatt kann der Familie schließlich keinen Schutz mehr bieten und der geplagte Vater beschließt vor dem entfesselten Linksmob mitsamt seiner Frau und den singenden Kindern heim ins Reich zu fliehen.

2. Akt

In einer idyllisch angelegten Fluchtsequenz lassen sich Bilder montieren, die einerseits das Leid der geprüften deutschnationalen Familie zeigen, andererseits aber auch den Zusammenhalt der Familienmitglieder illustrieren. Immer wieder unterbrochen von Ohrwürmern, die entweder von der gesamten Familie oder aber von den einzelnen Protagonisten als hitverdächtige Soloperformances vorgetragen werden. Diesbezügliche Ideen hanteln sich vom groovigen Remix des Horst-Wessel-Liedes, über eine, die reine österreichische Natur (Möglichkeit für diverses Productplacement!) beschwörende Neuaufnahme von „Edelweiss“ bis hin zu poppigeren Versionen altgermanischer Ritualgesänge.

3. Akt

Nach einer halsbrecherischen Flucht, die durch die bildgewaltige Kulisse der Wachauer Weinberge führt, mündet die Odyssee (immer wieder unterbrochen durch geschickte Bildmontagen von zivilcouragierten ehemaligen Burschenschaftern, die als tugendhafte Österreicher z.B. als Weinbauern oder Gastwirte ihren Lebensunterhalt verdienen und ihr Leben riskierend der flüchtenden Familie Schutz und Unterkunft bieten) schließlich am nicht mehr existierenden Grenzbalken zu Deutschland, wo die gesamte Truppe schließlich ein herzzerreißendes Lied auf das Schengenabkommen anstimmt. Dramatischerweise, und damit lässt sich auch herrlich ein cliff-hanger für eine Fortsetzung (es gilt hier Geld zu verdienen) konstruieren, wird die geprüfte, integrationswillige und einigermaßen der Landessprache mächtige Familie jedoch von deutschen Grenzbeamten aufgehalten und nachdem sie bereits altheimatlichen Boden unter ihren Füßen wussten, zu aller Enttäuschung und unter Tränen wieder nach Österreich abgeschoben. Alles während ein Chor deutscher Bürger ein gnadenloses, herzzerreißendes Abschiebungslied singt.

Fazit:

Ich bin der Überzeugung, dass sich mit dieser Neudeutung und Re-Interpretation des Klassikers nicht nur Filmgeschichte schreiben (man halte sich die Auswirkungen des Vorgängers vor Augen – noch heute bringen 90% der Amerikaner Österreich mit „The Sound of Music“ in Verbindung), sondern auch eine lukrative Geldquelle eröffnen lässt, welche sich, wie bereits oben erwähnt, auf diverse Merchandising-Produkte erweitern ließe und (ich plädiere hier auf öffentliche Förderungen) letztlich nicht nur Einnahmen erschließen könnte, die das Potential besitzen unser marodes Staatsbudget zu sanieren, sondern die Möglichkeit bieten, zu den liebgewonnenen Mozartkugeln und Lippizanern neue, junge, attraktive Identifikationsbilder für unser Land zu generieren.

Susanne, 14. März 2010

Demokratie für Fortgeschrittene – Teil I

Es ist einiges an Zeit vergangen, seit ich mich das letzte Mal zum Thema Demokratie gemeldet habe. Ich kann auch nicht leugnen, dass mich die diversen politischen Ereignisse der vergangenen Wochen ziemlich aufgeregt haben. Trotz allem werde ich den vergangenes Jahr begonnenen Demokratiekurs weiterführen, sowohl virtuell als auch im realen Leben, denn trotz aller Ärgernisse habe ich sehr viel dazugelernt und erkannt, dass sich mein persönliches Engagement so gut wie immer bezahlt gemacht hat. Sei es, weil ich andere Leute durch meine Blogbeiträge zum Nachdenken angeregt habe, sei es, weil ich mich selbst aktiver als je zuvor politisch betätigt habe. Ja, selbst die allergrößten Frustrationen konnten mich schließlich nicht davon abhalten, mich weiter in die Untiefen dessen zu begeben, was hierzulande dauerhaft die Gemüter erregt: die Politik.

Wir leben in einem Land, in dem uns die Demokratie, so will ich behaupten, zwischen den Fingern zerbröselt, mehr oder weniger lang zurückliegende Ereignisse haben mir das deutlich vor Augen geführt und es ist wohl müßig die Einzelfälle aufzuzählen, ich bin überzeugt, dass jeder, der sich aktiv mit Politik beschäftigt, aus dem Gedächtnis in der Lage ist, mindestens fünf Vorfälle aus der jüngeren Vergangenheit aufzuzählen, die ihm demokratiepolitisch die Haare zu Berge stehen haben lassen, oder ihr die Frage vor Augen geführt haben: was zum Teufel ist nur los in unserem Land?

Im vergangenen Jahr schließlich habe ich erstmalig meine Nase direkt in den Sumpf der Politik gesteckt und bin bei den Grünen Vorwahlen gelandet, welche mir einerseits die vielen Möglichkeiten, sich direkter am politischen Prozess zu beteiligen vor Augen geführt, mich aber auch des Öfteren frustriert und ratlos zurückgelassen haben. Trotz aller Enttäuschungen jedoch hat mir die 63. Landesversammlung, von der ich vor Ort berichtet habe, verdeutlicht, dass die Demokratie hierzulande noch einen kleinen Funken Leben in sich hat, hat mich diesbezüglich so weit motiviert, nicht achselzuckend das Handtuch zu werfen, sondern im Gegenteil, zu beschließen, mich im heurigen Jahr weiter aktiv am politischen Prozess zu beteiligen. Deshalb habe ich mich auch in den vergangenen Wochen mit meinen Einträgen zu diesem Thema zurückgehalten und mich sozusagen dem Aktenstudium gewidmet. Habe Schriften zum Thema Freiheit konsultiert, habe Studien über die Demokratie gewälzt oder mich bei Romanciers in Sachen Gerechtigkeit und Mitsprache kundig gemacht.

Mein bisheriges Fazit: Ich habe erkannt, dass es sich immer lohnt, sein Gewicht, egal wie leicht es sein mag, in die Waagschale der Demokratie zu legen. Solange man sich beteiligt und seinen Mund nicht hält, gibt es selbst in Österreich noch so etwas wie einen Funken Hoffnung, dass das bereits sehr nah am Abgrund befindliche System nicht vollständig in Richtung Scheindemokratie, Korruption und Nepotismus kippt.

Im neuen Jahr habe ich mir also gleich mehrere Betätigungsfelder ausgesucht, die es mir wert scheinen, mich zu engagieren. Zum Einen, indem ich mich auch weiterhin öffentlich zu gewissen Anliegen äußern werde, sei es hier auf The Sandworm oder als Gastbloggerin, zum Anderen, indem mich wieder der Baustelle „Wiener Grüne“ widme. Ersteres ist mir deshalb ein Anliegen, weil ich der Meinung bin, dass man sich als Bewohnerin einer Stadt, als Bürgerin eines Lande zu gewissen Themen äußern sollte, auch wenn man der Überzeugung ist, nicht gehört zu werden. Zu Zweiterem, also mich weiterhin bei den Wiener Grünen einzubringen, und zwar als kritische Unterstützerin, habe ich mich durch die Erfahrungen bei den Grünen Vorwahlen durchgerungen. Über die Dauer dieses Engagements ist mir klar geworden, dass es in den Reihen der Grünen nicht nur Blockierer und Betonierer gibt, sondern tatsächlich inspirierende Leute, die nicht aus reinem Selbstzweck die Öffentlichkeit suchen, sondern weil sie aktiv dazu beitragen wollen, dass die politische Kultur sich verbessert und dass Missstände im Land und in der Stadt nicht ignoriert oder instrumentalisiert werden. Und nicht zuletzt, dass politische Gestaltung auch und vor allem durch die Bürger und Bürgerinnen selbst geschehen kann. Die Wiener Grünen haben diesbezüglich eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sich Grüncamp nennt – eine Art Konferenz zu der jeder und jede nicht nur eingeladen ist seine oder ihre Ideen für ein lebenswerteres Wien vorzustellen und zu diskutieren, sondern in der den Leuten auch Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen angeboten werden wird.

Ich bin naturgemäß Skeptikerin und ich erwarte mir nicht, dass durch eine kleine Veranstaltungsreihe eine heile Welt in Wien geschaffen wird, ich erhoffe mir aber Impulse und mehr noch, ich wünsche mir, dass durch diese Art der Partizipation wieder ein paar Menschen mehr dafür gewonnen werden, ihre Unzufriedenheit mit den aktuell herrschenden politischen Umständen nicht im stillen Kämmerlein auszusitzen, sondern sie in aktive Teilhabe umwandeln. Selbst wenn es nur ein paar Kommentare auf einer Webseite sind, oder eine kleine Idee, ein Mini-Konzept, das sie auf einem der Grüncamps einbringen, wenn sich einige Wenige dadurch aus der allgemeinen hierzulande herrschenden Lethargie reißen lassen, dann ist schon sehr viel erreicht.

Mein Demokratiekurs geht also hiermit als Fortgeschrittenenveranstaltung weiter, was aber Anfänger oder Quereinsteiger nicht ausschließen soll, im Gegenteil, so lange wir in einer Demokratie leben und davon gehe ich vorerst aus, hat jeder Bürger, jede Bürgerin, egal ob Profi oder Amateur, das Recht, sich in den politischen Prozess in diesem Land aktiv einzumischen. Ich würde fast sagen, wir sind im Moment an einem Punkt angelangt, wo aus diesem Recht langsam aber sicher eine Pflicht wird. Es geschehen mittlerweile wieder Dinge, die von gewählten Politikern im Namen des Souveräns – das ist in Österreich aktuell noch das Volk – betrieben und umgesetzt werden, und die dem Volk als „im Sinne des Gemeinwohles“ in den Mund gelegt werden. Es geht nicht zuletzt auch darum, zu verhindern, dass sich Zustände, wie sie Alexis de Tocqueville bereits 1835 beschrieben hat, etablieren:

It had been supposed, until our time, that despotism was odious, under whatever form it appeared. But it is a discovery of modern days that there are such things as legitimate tyranny and holy injustice, provided they are exercised in the name of the people“ (A. de Tocqueville, Democracy in America, 1835)

Bis zur heutigen Zeit ist man davon ausgegangen, dass Despotismus hassenswert sei, egal in welcher Form er auftritt. Es ist jedoch eine Entdeckung moderner Zeiten, dass es Dinge gibt, wie legitimierte Tyrannei und heilige Ungerechtigkeit, vorausgesetzt sie werden im Namen des Volkes ausgeübt.

Susanne, 24. Jänner 2010

P.S.: Für ein besseres Verständnis der neuen Serie empfiehlt es sich, die diversen Teile der im vergangenen Jahr verfassten Reihe „Demokratie für Anfänger„, am besten chronologisch, zu lesen.

Skizzen aus Wien – Nr. 40

Nach dem Sturm der Entrüstung über die Schweizer Volkabstimmung – der sog. Minarettabstimmung – hat mich die Kommentardebatte auf der Webseite von Christoph Chorherr dazu veranlasst selber ein paar Gedanken dazu aufzugreifen.

Ich habe mich dort an zweiter Stelle der Kommentierenden, im Eindruck ich wäre die erste, selbst verewigt und bin heute zur Seite zurückgekehrt, um zu sehen, was sich dort getan hat. Mittlerweile gibt es 42 Kommentare dazu, ein paar Kommentierende haben mir zugestimmt, andere wiederum gaben sich ähnlich kritisch. Diesbezüglich möchte ich nun ausführen worum es mir geht.

Ich sehe mich im politischen Spektrum wohl eher weiter links angesiedelt, generell basiert meine politische Verwurzelung in einer Mischung aus aufgeklärt, rational-humanistischem und vor allem kritischen Denken. Letzteres ist mir besonders wichtig, da ich aus der Wissenschaft komme und gelernt habe, dass in Bezug auf verschiedenste stark polarisierende Themen, meist auf beiden Seiten manipuliert wird, was das Zeug hält. Diesbezüglich neige ich zunächst mal eher dazu nachzudenken und zu hinterfragen. Mich selbst und alle anderen. Dass ich nicht neutral bin oder sein kann liegt auf der Hand, die vielbeschworene Objektivität ist ja auch bloß relativ und wer wissenschaftliche Studien liest, weiß das.

Ich habe also bereits vor dieser Minarettabstimmung überlegt wie sie wohl ausgehen mag und war mir relativ sicher, dass die Schweizer dafür stimmen würden. Trotz Umfragen. Gerade wegen der Umfragen (vielleicht sollte man auch diesbezüglich endlich einsehen, wie unzuverlässig dieses Instrument ist). Es war wohl wie in Österreich, wenn danach gefragt wird, ob man FPÖ-Wähler sei. Derartige Umfragen unterschätzen chronisch das Wählerpotential, weil die Befragten nicht zugeben wollen, dass sie diese Partei wählen. Sie antworten in Richtung sozialer Erwünschtheit. Genauso verhält es sich mit den meisten gesellschaftspolitischen Fragen, die in der Öffentlichkeit ungern diskutiert werden. Im Falle des Minarettverbots eben der gesamte Themenkreis rund um den Islam.

Als das Abstimmungsergebnis schließlich da war, folgte, wie ebenfalls erwartet, der große öffentliche Aufschrei. Während die Rechten still und zufrieden vor sich hinlächelten, stellte sich die Linke sowie öffentliche Vertreter aus diesen Reihen wieder einmal hin und gab mit großer Betroffenheit altbekannte Äußerungen von sich. Skandal riefen die einen, manche schämten sich sogar öffentlich, andere wiederum deklarierten totale Solidarität mit den muslimischen Mitbürgern. Und ich? Ich war wiedereinmal sprachlos, weil genau das eingetreten war, was ich erwartet hatte.

Sprachlos, aber hauptsächlich enttäuscht. Weil es offenbar nicht mehr möglich ist ein Thema sachlich und faktenbasiert zu diskutieren, da sich die Lager bereits soweit gespalten haben und die jeweilige Seite sich bloß noch in ihren eigenen verzerrten Weltbildern zu bestätigen sucht. Was glauben Sie, wird mir jemand, der ausgewiesener Islam-Hasser ist, antworten, wenn ich ihn darum bitte, mich über diese Glaubensgemeinschaft aufzuklären? Wie wird mir ein absoluter Befürworter diese Religionsgemeinschaft darstellen? Genau!

Und so, bin ich der Meinung, kommen wir nicht weiter. Dass nämlich eine unterschwellige, oder wenn man sich in den diversen Online-Foren, ja selbst unter Christoph Chorherrs Kommentaren umsieht, offen zutage trendende Angst vor dem Islam herrscht kann wirklich niemand mehr leugnen. Diese Angst findet man in allen westlichen Ländern, in den USA genauso wie in Großbritannien, Deutschland, in Österreich und eben der Schweiz.

Vor nicht allzu langer Zeit hat ein SPD Politker namens Thilo Sarrazin ein ausgesprochen islamkritisches Interview gegeben. Dass seine Aussagen die guten Sitten der höflichen Meinungsäußerung weit überschritten haben, kann ich nicht leugnen, dass er damit aber in ein Wespennest gestochen hat, dass sich einige – auch linke – Intellektuelle erstmals getraut haben, anzumerken, dass da vielleicht wirklich etwas falsch läuft, davor sollte man ebenfalls nicht die Augen verschließen.

Denn gerade die Linke geht dieses Thema an! Und gerade dort findet man erstaunlicherweise das größte Kopf-in-den-Sand-stecken. Viel mehr noch, man findet immer wieder sehr intelligente Leute, die aus falsch verstandenem Humanismus, Toleranz für Intoleranz fordern. Bester Beweis dafür z.B. eine Urteilsbegründung in Deutschland, die zwar mittlerweile bereits revidiert ist, die aber allein beim Gedanken, dass derartiges möglich ist, Kopfschütteln auslösen sollte.

Ich lebe in Mitteleuropa, in einer Wertegemeinschaft, die sich ein rechtsstaatliches System mit hohem Blutzoll erkämpft hat – lesen sie diesbezügliche Literatur aus den Zeiten der Aufklärung (ich empfehle z.B. Voltaire) – und in der wir nicht einmal heute bei einer rechtlichen Gleichstellung aller Bürger und Bürgerinnen angelangt sind. Homosexuelle werden noch immer diskriminiert, Frauen sind noch weit entfernt von faktischer Gleichberechtigung, besonders in Österreich. Ich kann und will nicht tolerieren, wenn man sich in manchen Ländern überlegt, die Scharia auf Gemeindeebene als Rechtsgrundlage heranzuziehen. Schwimmunterricht in dem Mädchen in Ganzkörperkleidung von Buben getrennt werden müssen, entspricht nicht meiner Vorstellung von Geschlechtergleichberechtigung. Wir haben ein System von Rechtsnormen welches in Österreich und in Europa gültig ist und an welches ich mich und auch jeder andere sich halten sollte. Entscheidungen über Streitigkeiten, zivil- sowie strafrechtlich, haben vor Gericht zu erfolgen und ich wähne mich glücklich in einem Land zu leben, in dem es keine Todesstrafe mehr gibt.

Wenn man nun über das Zusammenleben mit muslimischen Mitbürgern diskutiert, dann merke ich, dass es eine Art blinden Fleck bei meinen links-liberal angesiedelten Diskussionskollegen gibt. Äußert man sich kritisch, wird man schnell als Rassist dargestellt, als intolerant, als fremdenfeindlich usw. usf. Ich selbst tue mir schwer hier meine Formulierungen so zu finden, um nicht ebenfalls sofort in das Eck der Polemie gestellt zu werden. Aber, und jetzt komme ich zum wichtigsten Punkt dieser Ausführung: die Angst vor dem Islam gibt es, sie existiert real! In Österreich und sonst wo. In der Schweiz jetzt sogar amtlich und ich halte es für unglaublich wichtig, dass sich gerade die Linke dieses Themas annimmt. Und zwar sachlich und rational begründet, aber eben kritisch. Um die rechtslastigen muss ich mir keine Sorge machen, dieses Feld bespielen schon FPÖ, ÖVP und SPÖ mit Erfolg. Es geht mir hier um eine ernsthafte Auseinandersetzung, gerade weil Österreich geschichtlich derart belastet ist.

Wer die Äußerungen von Politikern gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kennt, weiß wovon ich spreche. Man soll und darf dieses sensible Thema nicht einfach den Rechten überlassen, genauso wenig wie man den Fehler begehen sollte, alles was sich dort abspielt gnadenlos zu beschönigen. Die Zeiten der Multi-Kulti-Spaßgesellschaft sind eindeutig vorbei und niemand wird einen linken Politiker ernst nehmen, der bei Integrationsfragen davon zu schwärmen beginnt, was für eine Bereicherung nicht alle Migranten in Österreich sind. Ja sie können eine Bereicherung sein, der Großteil von ihnen ist es auch, aber die Augen vor Kriminalität und Frauenfeindlichkeit zu verschließen, vor Homophobie und vor dem Potential, dass der Islam auch ein gewisses Feld für Islamisten darstellt, auch hierzulande, das ist in Zeiten wie diesen nicht nur dumm, sondern gefährlich.

Es gibt genügend sachliche Argumente, wissenschaftliche Studien, die den Mehrwert der Zuwanderung in Österreich dokumentieren, es gilt die Debatte an sich zu reißen und zwar in einer vernunftgesteuerten rationalen Art und Weise. In einer Gesprächsführung in der nicht jeder, der sich kritisch äußert ins andere Lager dividiert und ausgegrenzt wird. Wenn die Linke im Land diese Möglichkeit nicht nutzt und ergreift und zwar bald, wenn sie weiterträumt und verharmlost, dann werden sich auch hierzulande bald wieder viele für die eigenen Landsleute schämen müssen, die Hände über den Kopf schlagen und darüber lamentieren, ob wir in Österreich noch immer nichts dazu gelernt haben. Denn das nächste Volksbegehren steht vermutlich bereits in den Startlöchern.

Susanne, 1. Dezember 2009