Skizzen aus Wien – Nr. 26

musical sandworm - Artwork ZOER

 

Dienstag, 21. April 2009, Porgy & Bess, Wien. Auftritt von Candi Staton & Band und der erste ernstzunehmende Konzerttermin in diesem Jahr. Ich war zwar physisch bereits im Jänner beim Termin von Marc Lanegan und Greg Dulli im Wuk anwesend, außer dass dieses Konzert, soweit ich es hören konnte, akustisch recht angenehm klang, kann ich jedoch nicht viel mehr darüber berichten, da ich im Foyer in eine hochinteressante Diskussion verwickelt wurde und es so nicht einmal bis in den Konzertsaal geschafft habe. Anders jetzt bei Candi Staton. Ich hatte bereits die Hoffnung aufgegeben, vor dem Sommer noch ein akzeptables Konzert zu sehen, da hat mir mein Blogkollege Martin vom geplanten Auftritt erzählt, die Karten waren schnell gekauft und vergangenen Dienstag war es soweit.

Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch im Porgy & Bess (Skizzen aus Wien Nr. 8 ) haben sich die Veranstalter diesesmal gottseidank dafür entschieden, die Bestuhlung wegzulassen, einem vergnüglichen Konzerterlebnis stand also nichts im Wege. Zwar hatte ich, nach dem was auf den letzten zwei Alben Statons zu hören ist, eher mit einem besinnlicheren Ton gerechnet, es kam aber ganz anders. Candi Staton, mittlerweile 66 Jahre alt, betrat die Bühne sichtlich gut gelaunt und legte los. Begleitet von einer exzellenten Band (darunter auch einer ihrer Söhne, zuständig für Percussions) kündigte sie gleich selbst an, dass es sich hier um eine Party handle. Ein besonders sympathischer Aspekt war übrigens die Tatsache, dass die beiden Background Sänger nicht in den wortwörtlichen Background verbannt waren, sondern ebenbürtig neben Staton vorne auf der Bühne ihren wohlverdienten Platz fanden. Was folgte war ein unerwartet mitreißendes Konzert, in dem auch der eine oder andere besinnlich-traurige Song nicht unterschlagen wurde (z.B. eine ausgezeichnete Version von Presleys „In The Ghetto“), in dem aber das Wohlbefinden des Publikums ein Hauptanliegen der Künstlerin und ihrer musikalischen Unterstützung zu sein schien. Staton zeigte sich als zutiefst sympathische Performerin, die den Abend fast im Zwiegespräch mit den Zuhörern bestritt und die vom ersten Augenblick an mit ihrer unglaublichen Energie und einer fantastischen Stimme beeindruckte. Die gute Laune Statons übertrug sich sofort aufs Publikum, songtechnisch war dann auch für Jeden und Jede etwas dabei. Von „I’d Rather Be An Old Man’s Sweetheart“ und „Stand By Your Man“, bis zu „Who’s Hurting Now“ (vom aktuellen Album) und der mit dem Publikum gemeinsam gesungenen weiteren Presley-Nummer „Suspicious Minds“. Nicht zu vergessen auch „Young Hearts, Run Free“, jenem Song, mit dem Staton 1976, anno disco, einen veritablen Hit geliefert hat.

Stilistisch im Cross-Over zwischen Soul, Funk, Country, R&B und Gospel, gab es zwischen den Songs Aufmunterung und Durchhalteparolen für die weltwirtschaftskrisengeplagten Zuhörer – „everything’s gonna be alright“  – oder Staton philosophierte über ihr Leben und ihre Lieder, die sich zum allergrößten Teil mit jenem Thema beschäftigen, das auch den Rest der Menschheit permanent in Atem hält: die Liebe. Trotz allem aber musste man an diesem Abend nicht die Taschentücher auspacken (dafür empfehle ich private Hörabende der letzten beiden Alben Statons), sondern konnte wahlweise mitsingen, -klatschen oder -tanzen. Sprichwörtlich lud Staton dann noch zum Kirchenbesuch ein – wer ihre Biographie liest lernt, dass sie sehr lange ausschließlich im Kirchenchor sang, um persönliche Probleme zu bewältigen – trotz allem gab es aber keine Missionierungsversuche, im Gegenteil, es ging ja auch in die „Church of Soul“ und nach diesem Konzert kann ich guten Gewissens sagen, dass ich in dieser Glaubenskongregation sofort Kirchgängerin würde. Nach zwei Zugaben ging der Abend schließlich zu Ende und ich kann nicht behaupten, dass ich beim Verlassen der Konzertlocation auch nur ein unzufriedenes Gesicht erblickt hätte. Dazu fällt mir ein, dass Candi Staton bereits nach dem ersten Song des Abends zum Publikum meinte: „I’m so glad I came today“, darauf kann ich nach diesem Konzert bloß eines erwidern: „So were we, Candi, so were we!“.

Allen, die Soul und verwandte Musikrichtungen schätzen, seien Candi Statons aktuelles Album „Who’s Hurting Now“, sowie der Vorgänger „His Hands“ wärmstens empfohlen, mir bekannt auch noch eine Zusammenfassung ihrer Alben „I’m Just A Prisoner“ und „Stand By Your Man“, die sich „Candi Staton – The Sweetheart of Soul“ nennt und einen guten Einblick in ihre künstlerische Arbeit Ende der 1960er und Anfang der 1970er gibt. Wer sein Herz für Soul et. al. noch nicht entdeckt hat, dem empfehle ich die Compilation „Dirty Laundry – the Soul Of Black Country“, eine exzellente Songsammlung, welche die unterschiedlichen Zugänge afroamerikanischer Gesangskoryphäen wie Bobby Womack, The Pointer Sisters, James Brown, Solomon Burke oder eben auch Candi Staton zur Country-Musik eindrucksvoll darlegt und für Genrenovizen ein idealer Einstieg ist (ein herzliches Dankeschön diesbezüglich an Mitblogger Martin!).

Hier noch der Link zu Candi Statons Webseite für alle, die mehr über sie wissen möchten.

Und nachdem in meinem Fall der Konzertkalender derzeit wieder völlig leer ist, noch schnell ein paar Hinweise auf die nächsten interessanten Alben, die eine längere konzertfreie Phase möglicherweise (mir auf jeden Fall) erträglicher machen. Da gibt es Bob Dylans „Together Through Life“ sowie Conor Oberst and The Mystic Valley Band mit „Outer South“. Wer sonst noch über geheime Informationen in Sachen Konzerte, Wien und Albenreleases verfügt, bitte keine Hemmungen und Kommentar an The Sandworm!

 

Susanne, 26. April 2009

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Skizzen aus Wien – Nr. 23

Karlsplatz Wien

 

Der Frühling ist ausgebrochen. Gottseidank! Und nachdem das derzeit herrschende Wetter alle innenpolitischen Ärgernisse der vergangenen Woche vergessen machte, begab ich mich allerbester Laune auf einen kleinen sonntäglichen Ausflug. Dieser führte mich zunächst ins Wien Museum am Karlsplatz, wo ich mir nicht nur die Dauerausstellung, sondern gleich auch die aktuell laufende Schau „New York – Big City (Street Photography)“ ansah, das alles völlig kostenlos dank einer lobenswerten Sponsoring Aktion des Standard. Die Fotoausstellung läuft übrigens noch bis 24. Mai und sei hiermit wärmstens empfohlen.

 

Wien Museum am Karlsplatz

 

Das Wien Museum am Karlsplatz ist ein äußerst charmantes, übersichtliches kleines Museum. Architektonisch hochinteressant untergebracht, bietet die Dauerausstellung einen Überblick über die kunst- und kulturgeschichtliche Entwicklung Wiens, mit wenigen wohlsortierten Ausstellungsstücken, die im Gegensatz zu manch anderem mit Kunstwerken überladenen Museum auch Raum zum Flanieren und Gustieren läßt. Der Grundsatz „Weniger ist Mehr“ wurde vom Kuratorium des Museums dankenswerterweise berücksichtigt. Daneben bietet das Museum dann auch kleinere zeitlich befristete Sonderausstellungen, wie eben im aktuellen Fall die Schau zum Thema Streetphotograpy in New York.

Nach einer gemütlichen Wanderung durchs Museum drängten mich die warmen Temperaturen wieder nach draußen und ich hatte kurz angedacht mich in Richtung Museumsquartier zwecks Frischluftgenuss und Draußensitzvergnügens zu bewegen, als ich bereits beim Café der Kunsthalle durch eine Massenansammlung von sogenannten Bobos abgeschreckt wurde. Nachdem mir aktuell der Sinn gerade nicht danach stand, mich mit Aperol-Spritzer bei ziemlich lauter Musikbeschallung (aus der Sparte „Elektronik“ – was sonst?) unter eine repräsentative Stichprobe aus Vertretern der gehobenen, jung-urbanen, gut gekleideten Spaßgesellschaft zu mischen (obwohl ich das zugegebenermaßen doch hin und wieder tue – in Wien bleibt einem als Alternative sonst leider wenig anderes übrig…), drehte ich kurzerhand am Absatz um und schlenderte wieder in Richtung Karlsplatz, wo ich mich schließlich dafür entschied, den wohltuend leeren Gastgarten des Otto Wagner Pavillons zu frequentieren.

 

Otto Wagner Pavillon am Karlsplatz

 

Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen, denn es dauerte bloß, für Wiener Kellnerverhältnisse weltrekordverdächtige, 20 Sekunden nachdem ich Platz genommen hatte, da stand auch schon eine, für Wiener Kellnerverhältnisse ebenfalls erstaunlich, ausnehmend freundliche junge Kellnerin vor mir und fragte höflich nach meinen Wünschen. Die Speisekarte wies ausnahmsweise keine asiatische Fusionsküche auf, sondern herzhafte Klassiker à la Schinken-Käse-Toast oder Sacherwürstel. Ich entschied mich, um keinen milieubedingten Stilbruch zu begehen, für eine Gulaschsuppe samt Radler. Die nächsten eineinhalb Stunden schließlich verbrachte ich mit in die Sonne schauen, Touristen betrachten, essen, trinken oder hochinteressiert der bestechenden Musikbeschallung durch Ausnahmekünstler wie Phil Collins oder Status Quo zu lauschen.

Wien kann hin und wieder richtig charmant sein.

 

Nützliche Links:

Wien Museum am Karlsplatz

Otto Wagner Pavillon

 

Susanne, 5. April 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 22

 

Sandworm (artwork by zoer)

 

Neulich führte mich die Aussicht auf eine vermeintliche berufliche Verbesserung nach Gugging. Gut, jeder vernünftige Mensch wäre bereits bei der gleichzeitigen Erwähnung von Verbesserung und Gugging skeptisch geworden, ein so genanntes Oxymoron mag eine derartige Wortkombination sein, aber, die Aussicht auf einen Ausflug in die Wiener Peripherie und die mögliche Erweiterung meines Horizontes haben mich sofort zusagen lassen, die abenteuerliche Reise anzutreten. Ich muss ganz offen gestehen, dass mich hauptsächlich die Sympathie für das Projekt „Art Brut Galerie“ dorthin getrieben hat, nicht nur eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, sondern vor allem die Neugier, diesen Ort, den ich vor Jahren im Rahmen eines schulischen Ausfluges besucht hatte, wieder zu sehen. Es war also Dienstag, der 24. März, als ich gegen 9 Uhr früh vom 8. Wiener Gemeindebezirk aus aufbrach. Hätte ich geahnt, dass ich erst viele Stunden später wieder heimkommen würde, ich hätte mir Proviant eingepackt.

Nach 3-maligem Umsteigen und einer lauschigen Fahrt im Bus nach Maria Gugging, eine Fahrt, die ungefähr 10x länger dauerte als angenommen und ich somit bereits einiges an Verspätung für den vereinbarten Termin angesammelt hatte, rief der Busfahrer, den ich kurz zuvor gefragt hatte, wie lange es noch dauern möge, lautstark „I.S.T.“ ins Businnere, das Code-Wort für meinen Ausstieg, denn nicht nur eine vereinsamte Künstlerkolonie, deren Schaffende jene eine Gemeinsamkeit verbindet, dass sie unter, nennen wir es psychischen Auffälligkeiten leidet, sondern auch die künftige Brutstätte „Österreichischer Eliteforschung“ (schon wieder fast ein Oxymoron…) sind in Gugging angesiedelt. Kurz nachdem mich also der Bus an der verwaisten Haltestelle von Maria Gugging ausgespuckt hatte, wurde ich dort auch schon vom brüllenden Lärm der Baustelle des I.S.T. willkommen geheißen und spürte sogleich was man auf der Webseite des I.S.T. vollmundig als „Der Campus liegt mitten in der schönen Landschaft des Wienerwalds, nicht weit vom urbanen Zentrum Wiens, der pulsierenden Hauptstadt Österreichs“ angekündigt hatte. Ein Haufen Bauarbeiter, behelmt, Schotterstraßen, Baukräne und Lastwägen – einfach idyllisch. Dass der Begriff „nicht weit“ ein dehnbarer ist, wurde mir ebenso klar, denn von der pulsierenden Hauptstadt (was immer damit gemeint sein mag…) hatte ich bis mitten in die schöne Landschaft des Wienerwaldes etwa eineinhalb Stunden gebraucht. Einen kurzen Fußweg von 500 Metern später, vorbei an zwinkernden Bauarbeitern, hinweg über eine lehmige Schotterstraße, und ich stand auch schon, eine halbe Stunde verspätet, in der Galerie des Art Brut Centers von Gugging.

Über das folgende Gespräch muss ich nicht viele Worte verlieren, außer, dass die dort Beschäftigten offenbar das Schicksal teilen, dass viele, die zu lange mit psychisch Auffälligen zu tun haben, ereilt, es kommt offenbar unvermeidbar zum einen oder anderen induzierten Wahn (nachzulesen bei Wikipedia unter „Formen von Wahn“). Das Interview-Panel war sichtlich verstört über die Frechheit, die ich mir mit dem Zuspätkommen geleistet hatte und konnte absolut nicht einsehen, dass ich die Distanz von Wien nach Gugging unterschätzt hatte. Es muss sich um eine Art Wahrnehmungsstörung handeln, die sich auf des gesamte Team in der Galerie ausgebreitet hat, deren Hauptsymptomatik offenbar darin bestand, die Lokalisation von Gesäß und Nabel zu verwechseln, sich also am Nabel der Welt zu wähnen, wo man sich doch am Gesäß, oder sagen wir wie es ist, am Arsch derselben befand. Gut. Sei das wie es ist, jeder der in der Therapie psychischer Auffälligkeiten geschult ist, wird wissen, dass man wahnhafte Entwicklungen zumindest argumentativ nicht behandeln kann, zur Verschreibung wirksamer Medikamente bin ich von Gesetzes wegen nicht befugt, ich blieb also den Rest des Gespräches über distanziert freundlich.

Man möchte nun meinen, dass ich nach dieser kuriosen Unterhaltung in der Galerie so schnell wie möglich die Heimreise angetreten hätte, das war jedoch nicht der Fall, im Gegenteil, meine Neugier war geweckt und ein leiser Verdacht hatte in mir zu keimen begonnen. Das mag zwar wiederum die Frage aufwerfen, ob sich von dem oben beschriebenen wahnhaften Geschehen, nicht vielleicht doch ein wenig auch auf mich übertragen haben könnte, wer aber so wie ich (nach überstandenem Interview) einen kleinen Spaziergang durch das benachbarte Dorf wagt, und, so wie ich, bewandert ist, was die Abgründe und Niederungen der österreichischen Seele betrifft, dem wird hernach auch so einiges klarer erscheinen.

Zunächst darf ich allen, die sich für Kunst interessieren den Besuch der Galerie ausdrücklich ans Herz legen. Vielleicht im Rahmen eines Sonntagsausfluges und am besten ausgestattet mit einem Auto. Dann lohnt es sich allemal. Darüber hinaus jedoch war mir schon bei der Anreise eines klar geworden, die Ansiedelung einer so genannten Elite-Forschungseinrichtung in Maria Gugging konnte bloß ein brillanter österreichischen Schachzug sein. Es geht nämlich nicht, wie in den offiziellen Quellen angegeben, um die Etablierung einer „Elite-Uni“, nein, man müsste es vermutlich eher als potemkinsches Uni-Dorf beschreiben. Die Absiedelung der psychiatrischen Klinik aus Gugging war dementsprechend bloß ein Täuschungsmanöver, um, nach der Eröffnung des I.S.T. Austria, genauso weiter zu machen wie zuvor. Man behandelt oder verwahrt (je nach Sichtweise) nennen wir es „psychisch auffällige“ Personen, die unter der größenwahnsinnigen Einbildung leiden, sie wären Eliteforscher. Eliteforscher also als Euphemismus für Personen, die sich einbilden, sie wären Eliteforscher. I.S.T. steht möglicherweise auch gar nicht für Institute for Science and Technology, sondern vielleicht zum Beispiel für Institute for Sociophobic Technologyfreaks (Institut für sozialphobische Technologienarren) oder Ähnliches.

Man könnte sich dann fragen, warum hier Millionen von Euros dafür verwendet werden, einigen wahnhaften Leuten vorzugaukeln, sie wären tatsächlich Teil eines Elite-Forschungsnetzwerkes? Nun, derlei hat in Österreich Tradition. Man muss sich nur unsere Regierung ansehen, dann wird jedem klar, dass dort dasselbe Prinzip vorherrscht. Ein Haufen Leute, die sich selber für ausgezeichnete Staatsmänner und -frauen halten, die davon überzeugt sind, über einen herausragenden politischen Instinkt zu verfügen und vorzügliche Regierungsarbeit zu leisten. Wer sich das nüchtern und von außen betrachtet ansieht, kann nur zur Überzeugung gelangen, dass es sich hierbei um eine Art konzentriert auftretender Psychose handeln muss, eine Massenpsychose wenn man so will. Dasselbe gilt übrigens für Manager in staatsnahen Betrieben und Vorstände von Banken. Jeder der sich in letzter Zeit Interviews mit diesen Menschen angesehen hat, wird mit Sicherheit zur Auffassung gelangen, dass es sich bei den jeweiligen Interviewten NICHT um brillante Politiker, erfolgreiche Manager, besonnene Banker handeln kann, sondern viel mehr um Personen, die voll und ganz dem Wahn erlegen sind, sie WÄREN brillante Politiker, erfolgreiche Manager, besonnene Banker.

Dieses System funktioniert in Österreich! Warum also eine erfolgreiche Idee nicht auch auf die Forschung umlegen. In Wien nagen die Universitätsassistenten am Hungertuch, welcher vernünftige Mensch würde da nicht auf den naheliegenden Gedanken kommen, ein Exzellenzzentrum in Gugging zu errichten, um die österreichische Tradition innovativer Forschungskonzepte erfolgreich weiterzuführen. Das muss sich ganz sicherlich auch rentieren, denn stellen Sie sich vor, wie froh andere Länder sind, wenn sie sämtliche ihrer Eliteforscher in Österreich parken können. Vermutlich werden da Ablösesummen gezahlt, welche die Bau- und Erhaltungskosten des I.S.T. um ein Vielfaches übersteigen.

Nachdem ich also die Baustelle, die nicht weit vom urbanen Zentrum Wiens, der pulsierenden Hauptstadt Österreichs lag, wieder verlassen hatte, und der nächste Bus erst in 20 Minuten kommen sollte, machte ich mich auf und marschierte gemütlich in Richtung pulsierender Hauptstadt Österreichs. Auf dem Weg dorthin kam ich in das dem Forschungszentrum am nächsten liegende urbane Zentrum, welches den poetischen Namen „Kierling“ trug (ich begann mir bereits in Gedanken Tragödien á la Mayerling auszumalen…). Ein beschauliches Städtchen, dessen Häuserreihen sich einladend an die charmante Bundesstraße B 14 schmiegen. Kierling hätte nebenbei das Zeug zum Zentrum für quantenphysikalische Forschung zu werden, im Ort selber nämlich scheint es auffällige Zeitsprünge zu geben, von einer Bushaltestelle zur nächsten sind es mit Sicherheit 500 Meter, der auf den Fahrplänen angekündigte Bus jedoch hält bei beiden Haltestellen in derselben Minute! Ich rieche bereits die Nominierung für den nächsten Nobelpreis. Und die Einwohner von Kierling bereiten sich auch schon voller Freude auf den Einzug der Eliteforscher vor. Da liest man dann Willkommensschilder wie „Warnung vor den 4 Hunden“ auf den vergitterten Hauseinfahrten.

Als ich schließlich bei der dritten Haltestelle in Kierling angekommen war und mich laut Fahrplanaushang auch wieder in einer Zone befand, in welcher die Zeit normal voranschritt, wurde ich schließlich eines Schildes angesichtig, das mir all das, was ich hier ausgeführt habe, und was schließlich auch einen Teil jener Gedanken widerspiegelt, die mir beim Ausflug selbst durch den Kopf gegangen waren, nicht bloß als paranoide Fantasie, sondern als absolute Realität bestätigte. Ich blickte gedankenverloren vor dem Wartehäuschen stehend nach oben und sah ihn, den Beweis, dass nichts von dem was ich mir ausgemalt hatte, Einbildung war, das Hinweisschild auf den „Franz Kafka Gedenkraum“! Soetwas kann kein bloßer Zufall sein, das muss Schickalsfügung und Zeichen zugleich sein. Hier in Kierling, an der Hauptstraße 187 steht jenes Gebäude, das am Beginn des 20. Jahrhunderts das Sanatorium Hoffman war und in dem am 3. Juni 1924 Franz Kafka, seines Zeichens Schutzherr absurder, albtraumhafter, aber doch im Kern wahrer, österreichischer Lebensrealitäten, sein Leben ausgehaucht hat. Ich kniete nieder, bekreuzigte mich, 5 Sekunden später tauchte der Bus aus dem Zeitwurmloch auf, ich stieg ein und trat die lange Heimreise in die pulsierende Hauptstadt Österreichs an.

 

Eventuell nützliche Links:

I.S.T.A.

Art Brut Center Gugging

 

Susanne, 29. März 2009

Un baiser s’il vous plaît

Seit knapp einer Woche befinde ich mich in der tiefsten steirischen Provinz, was an dieser Stelle der Hauptgrund dafür ist, vom gewohnten Skizzentitel abzuweichen. Alle, die dahinter bereits einen verzweifelten Aufruf der im Hinterland von jeglichem menschlichen Kontakt abgeschnittenen Autorin vermuten, können sich wieder beruhigen, es handelt sich lediglich um den Titel eines Filmes. Eines sehr feinen Filmes im Übrigen und zentrales Thema des heutigen Eintrages. Denn, auch wenn die vergangenen Tage von Dauerregen und Nebel gekennzeichnet und bloß immer neues Prüfen des Kalenders auch tatsächlich Beweis waren, dass die Zeit nicht stehen geblieben war, der Wiener Alltagswahnsinn macht die eine oder andere Flucht in dünner besiedelte Landstriche immer wieder vergnüglich. Und selbst wenn es die überzeugte Stadbewohnerin, als welche ich mich übrigens sehe, nicht glauben mag, kulturelle Lichtblicke finden sich auch am Land, insbesondere wenn man aufmerksam danach Ausschau hält.

Die Weststeiermark rund um die Gegend von Deutschlandsberg hat in dieser Hinsicht viel mehr  zu bieten als Frühschoppen oder Aufmärsche örtlicher Tanzgruppen. Ja, man mag es kaum glauben, im kleinen Eibiswald hat sich, versteckt hinter der Fassade eines Wirtshauses, sogar ein sehr feines Programmkino etabliert. Dieses Lichtspielhaus hat am heutigen Sonntag zum Filmfrühstück geladen. Da kann man sich dann um wohlfeile € 12,50 von 10 bis 11 Uhr vormittags den Bauch vollschlagen, um hernach im bequemen Polstersessel einen ganz vorzüglichen französischen Film zu genießen. Den oben erwähnten „Un baiser s’il vous plaît“ (Küss mich bitte!). Eine überaus charmante Komödie, aus der Feder und unter der Regie von Emmanuel Mouret, der auch gleich den Hauptdarsteller gibt. Gemeinsam mit Virginie Ledoyen und dem Rest der ausnahmslos überzeugenden Schauspielerriege, betört Mouret den Zuseher mit einer kleinen, hochamüsanten Geschichte rund um die  Auswirkungen eines „harmlosen“ Kusses. In einer zurückgenommenen, fast kammerspielartigen, aber nichtsdestotrotz hochspannenden, Inszenierung dominiert die feine Geste und unaufgeregtes Schauspiel. Untermalt von Schubert und Tschaikowski kann man sich dergestalt selbst, oder ich sollte vielleicht sagen, gerade am Land den einen oder anderen Sonntag Vormittag allerbestens unterhalten.

Wer sich zufällig in der Gegend befindet oder ebenfalls eine Auszeit vom Großstadtleben sucht, es gibt noch weitere Frühstückstermine samt Filmgenuss. Vorreservieren sollte man nicht vergessen, das Filmfrühstück erfreut sich unter den Kulturgourmets des Umlandes nämlich größter Beliebtheit. Ein Geheimtipp der Autorin: sofern Sie nicht zu den Leuten zählen, die gerne näheren Kontakt mit den von nah und fern angereisten Cineasten wünschen, fragen Sie nach einem eigenen Tisch, sonst kann es gut sein, dass Sie sich dem einen oder anderen steirergewandeten Filmfreund als Tischnachbar gegenüber sehen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Hasewend’s Lichtspielhaus

Susanne, 8. März 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 19

Willkommen

 

Der März bricht an, die Temperaturen werden langsam erträglicher, erste feine Anzeichen eines doch noch möglichen Frühlings liegen in der Luft und mit dem Tauwetter werden die Menschen hierzulande etwas lockerer. Manche vielleicht wieder zu locker. Was also hat sich in unserem wunderschönen Land, wo die Schifahrer immer gewinnen und es noch wackere Männer gibt, die ihren Frauen ein Edelweiß vom Berg holen, diesbezüglich getan?

Ein amerikanischer Bürger fällt unter Augenbezeugung zweier heimischer Drogenfahnder unglücklich hin und tut sich moderat weh.

Ein ehrenwerter Herr aus dem Burgenland, der sich vollkommen selbstlos seinen Freunden angeboten hat, ein wenig Geld irgendwohin weiterzuleiten, wird festgenommen.

Zwei Ereignisse die symptomatisch für unser Land sind und die immer wieder die gleichen, ur-österreichischen Reaktionsmuster auslösen. „Ich habe nichts gesehen, war ganz sicher nicht dabei, habe nur das Beste gewollt und überhaupt –  Schuld sind mit Sicherheit die Anderen“. Das Interessante daran, es geht durch! Und zwar seit Jahren –  man könnte auch sagen seit Jahrhunderten (dem Hause Habsburg sei Dank…). Die österreichische Wegschaumentalität ist aber nicht nur verantwortlich für den hiesigen Umgang mit öffentlichen Skandalen – wo sonst ist es möglich, dass immer wieder haarsträubende Dinge bekannt werden, auf die dann entweder eine abwiegelnde Rechtfertigung folgt, oder nach einem leisen Aufschrei in den Medien doch alles wieder unter den mittlerweile gigantischen Teppich gekehrt wird – sie trägt auch maßgeblich dazu bei, dass sich an den herrschenden Zuständen absolut nichts ändert. Wir befinden uns quasi in einem Teufelskreis, den ich kurz mit einem anschaulichen Beispiel aus dem organisierten Verbrechen erklären möchte: keiner schafft es in ein System einzudringen, wenn er sich auf dem geplanten Weg nach oben nicht die Hände schmutzig macht UND sollten ihm dann irgendwann im Lauf seiner Karriere Zweifel in Bezug auf Redlichkeit und Moral kommen, so kann er den Ausstieg aus diesem System ebenfalls vergessen, weil dann alles nach der Devise „mitgehangen – mitgefangen“ verläuft. Das ist das Grundproblem, das sich durch unsere öffentliche Verwaltung, die Polizei und die Politik zieht. Der kleine Max, der seinen Frust dann an einem vermeintlichen Drogendealer auslässt, der unbedeutende Moritz, der dem einen oder anderen Bekannten „einen Gefallen“ tut (meist entgeltlich…), das sind bloß Symptome eines Systems, das seit vielen Jahren gut und reibungslos läuft und an dem sich alle, die daran teilhaben mehr oder weniger schamlos bedienen. Die Rechnung kriegt die Politik bei den Wahlen präsentiert. Sinkende Wahlbeteiligung oder ungültige Stimmabgabe, im allerschlimmsten Fall geht der Wähler einem Demagogen und Agitator auf den Leim…die positive Seite daran? Ich habe noch keine entdeckt, aus welchem Grunde ich mich in der kommenden Woche aufs Land zurückziehen werde und dort der Natur und dem allgemeinen Müßiggang frönen werde. Nachdem ich mich diesbezüglich wieder der Gefahr einer ÖBB-Benutzung aussetzen werde müssen, gibt es an dieser Stelle vielleicht bereits nächste Woche wieder Amüsanteres zu lesen.

 

Susanne, 1. März 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 18

Austria in NY

 

Draußen vor meinem Fenster tanzen die Schneeflocken auf und ab, der Winter, wenngleich im astronomischen Sinne natürlich noch hochaktuell, will und will kein Ende nehmen. Die wintermüde Stimmung scheint sich auf sämtliche Lebensbereiche ausgedehnt zu haben, denn so wie im Sommer nachrichtenbedingt nicht viel Interessantes zu berichten ist, hat sich derzeit offenbar auch ein „Winterloch“ aufgetan. Die Wirtschaftskrise verschlimmert sich von Tag zu Tag, das ist nichts Neues, mittlerweile warnen sogar in den Qualitätszeitungen selbsternannte Propheten vor dem nahenden Weltuntergang und ich warte geradezu auf Zeitgenossen, die sich Das-Leben-des-Brian-artig an die nächste Straßenecke stellen und vor der Apokalypse warnen.

Das TV-Programm lässt nun zwar auch schon seit vielen Jahren zu wünschen übrig, aber ein kurzer fernbedienungskausaler Zwischenstopp bei der Übertragung des Opernballs hat mich, in Bezug auf meine Zweifel an der Seriosität diverser Untergangsszenarien, dann doch wieder stutzig werden lassen – ist das wirklich ALLES was Österreich an Kultur zu bieten hat? WILL sich unser Land tatsächlich so präsentieren? International? Durch die Oper tanzende Balletteleven, Lipizzaner, Mozartkugeln und Sängerknaben? Offenbar ja. Und selbst wenn WIR dieses Jahr zum zweiten Mal für den Oscar nominiert sind, vergangenes Jahr die Trophäe gewonnen haben – WIR versteht sich – so hat sich seit Jahren nichts an dem Bild, das Österreich im Ausland präsentiert und präsentieren will geändert. Lederhosen und Dirndl, Jodeln und Schifoan, wer daran zweifelt, der soll sich das oben dargestellte Foto sehr genau ansehen. Dabei handelt es sich um die Werbekampagne, mit der „Spezialitäten aus Austria“ in NY beworben wurden, und zwar nicht 1952, sondern 2008.

Ich blicke aus dem Fenster, die Flocken fallen noch immer und ich hoffe inständig, dass sie das auch jetzt noch heftig aufflammende Schamgefühl unter sich begraben mögen.

 

Susanne, 22. Februar 2009

Skizzen aus Wien – Nr. 17

literary sandworm - Artwork ZOER

 

Schon hatte ich geglaubt, mich bis Juni von sämtlichen Schlagzeilen fernhalten und meine Nerven schonen zu dürfen, da kommen schon die nächsten Meldungen, die einem ungeübten Nachrichtenkonsumenten hierzulande zur Weißglut treiben mögen. Nicht so mich. Ich bin ein Profi und obwohl ich hier zur Debatte stellen wollte, wie obsolet die pseudo-feministische Kritik, an dem was den Grünen gerade zu schaffen macht, ist, obwohl ich die Horden, die in Bezug auf den Umgang mit der weiblichen Führungsriege dieser Partei gerne „Sexismus“ rufen, fragen wollte, warum sie nicht auch aufschreien, wenn man z.B. unsere ungeliebte Innenministerin mit sämtlichen nur erdenklichen Schimpfnamen belegt und überhaupt in den Raum stellen wollte, wie es in der Partei der Fleißigen und Anständigen eigentlich möglich ist, dass einem der ihren nach nur 3 Jahren Arbeit eine Abfindung von über 200.000 Euro zustehen soll, will ich den wertvollen Raum lieber einem widmen, der es wirklich verdient hat.

Ich habe mir mein nachrichten-nihilistisches Nervenschonprogramm nämlich zu Herzen genommen und meinen Kopf in ein Buch gesteckt. Und wurde belohnt. Mit mehreren Stunden unbeschreiblichen Lesevergnügens und anfallsartigen Lachstürmen, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe und die ich hier jedem, der es leid ist, sich über dies oder jenes aus dem tristen Alltag zu ärgern, nicht vorenthalten möchte. Vor allem aber ist der heutige Eintrag dem Autor gewidmet, denn auch wenn mich hier die Schuld trifft, erst aufgrund der Meldung seines Ablebens über ihn gestolpert zu sein, so soll ihm an dieser Stelle zumindest posthum Ehre erwiesen werden, denn die hat er auf jeden Fall mehr als verdient. Und Literaturkritik hat The Sandworm ohnehin noch keine veröffentlicht – höchste Zeit also!

David Foster Wallace ist der, um den sich in den folgenden Zeilen alles drehen soll. Schon mit seinem Debüt 1987 wurde er von der Literaturkritik als Genie, als das junge Talent der US-amerikanischen Literatur-Szene gefeiert, bekam Preise und wurde mit Lob überhäuft. Ich, wie gesagt, habe erst durch die traurige Meldung über seinen Tod, seinen Suizid, von ihm erfahren und möchte hier nicht über das Leben des Autors spekulieren, sondern viel mehr über sein Werk berichten. D.F.W. hat sich mit einem Roman namens „Infinite Jest“ – einem tausendseitigen Wälzer – in die allerhöchsten Sphären der sogenannten postmodernen amerikanischen Literatur katapultiert und wurde bereits als legitimer Nachfolger von Thomas Pynchon gefeiert. Dieses Werk hat mich interessiert und nach ein paar Mausklicks war es auch schon bestellt (1), zusammen mit einem weniger voluminösen Buch, welches ich zum Aufwärmen und Einlesen dazugekauft hatte – 4 Tage später fand sich beides in meinem Briefkasten (2). Mitschuld am Bestellen des Aufwärmbuches war mit Sicherheit sein Titel, der mich nicht unberechtigt vermuten ließ, dass es sich um eine recht humorige Angelegenheit handeln könnte, er lautete: „A supposedly fun thing I’ll never do again“ (3).

 

A supposedly fun thing I'll never do again - David Foster Wallace

 

Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Nicht nur stellte sich heraus, das sich D.F.W. der hochtrabenden Lobeshymen als voll und ganz würdig erwies, „A supposedly fun thing I’ll never do again“ ist mit Sicherheit nicht nur die unterhaltsamste Lektüre, die ich seit langem gelesen habe, sie hat mich auch mit ihrem literarischen Stil nachhaltig beeindruckt. Das Buch ist angelegt als Sammlung von insgesamt 7 Essays, die sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen. Erschienen 1997, stammen auch die Aufsätze aus den frühen 1990ern und richten sich an eine Leserschaft um die 30, wobei ich nicht davon ausgehen möchte, dass nicht wahlweise auch jüngere oder ältere Literaturliebhaber die Geschichten interessant und unterhaltsam finden könnten, der Inhalt wird aber wohl eher den sog. „thirtysomethings“ liegen, vor allem jenen, die belesen und eher amerikanophil veranlagt sind. Eine hierzulande möglicherweise recht eingeschränkte Zielgruppe, die dafür aber voll und ganz auf ihre Kosten kommt. Analysen über Tennis und die Psychologie des Qualifying für bestimmte ATP Tourniere (4), Literaturkritik und Notizen vom Set von David Lynchs „Lost Highway“ finden sich dort genauso wie Betrachtungen über den Besuch des State Fair von Illinois (5) und schließlich das Highlight, ein minutiöser Bericht über die Teilnahme des Autors an einer Luxuskreuzfahrt in die Karibik. Letzterer trug die Überschrift, die schließlich auch zum Buchtitel werden sollte und ist unter Garantie einer der besten Essays, die ich je gelesen habe.

D.F.W. schreibt unterhaltsam und mit großem Detailreichtum, er schafft es mühelos den Bogen zu spannen zwischen elaborierter Sprachverwendung und fast slapstickartiger Komik, er erzählt mit großer sprachlicher Finesse, ohne dass sein Text kompliziert oder unleserlich würde und fabuliert trotz allem mit bodenständiger Klarheit, ohne je banal zu werden. Zuviel soll nicht verraten werden, aber der Autor berichtet mit unglaublicher Leichtigkeit und gnadenloser Offenheit nicht nur über die Absurditäten, die das Leben und die Leute an Bord zu bieten haben, er nimmt sich auch selbst, als Fremdkörper unter den Kreuzfahrtprofis, nicht von der Kritik aus und verschafft dem Leser dieses fast 100-seitigen Essays Stunden ungetrübter Lesefreude. „A supposedly fun thing I’ll never do again“ von David Foster Wallace sei hiermit allerwärmstens empfohlen.

 

(1) danke Amazon.de!

(2) und wäre wohl auch dort verblieben, hätte ich es nicht unter Aufwand fast übermenschlicher Kräfte aus dem Postfach gezerrt, in welches es vom Briefträger unter maximaler Ausnützung des dort vorhandenen Platzes hineingepresst wurde.

(3) auf Deutsch: „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“

(4) auch österreichische Tennisfreunde kommen auf ihre Kosten, so finden Horst Skoff und Julian Knowle Erwähnung, wenn auch eher am Rande.

(5) eine Art landwirtschaftlicher Leistungsschau samt „Dingel-Dangel“ für Unterhaltungszwecke.

 

P.S.: falls Sie sich mit dem Stil in dem dieser Eintrag verfasst wurde schwer tun, dann wird ihnen vermutlich auch D.F.W. nicht gefallen, der wird nämlich nicht zu Unrecht von vielen „Meister der Fußnoten“ genannt…wobei meine hommageartige Anwendung dieses Instruments noch harmlos ist – zum ersten mal im Leben habe ich Fußnoten gelesen, die ihre eigenen Fußnoten hatten, sozusagen Fußfußnoten.

P.P.S.: ich kann hier bloß über die englische Originalfassung des Buches berichten, ob die deutsche Übersetzung gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Susanne 15. Februar 2009