The Sandworm als Mobile Blogger – Drumherum

The Sandworm - artwork zoer

Ich und das iPhone 3GS. Seit nunmehr exakt zwei Wochen sind wir so gut wie unzertrennlich und nachdem ich seit Tag 1 über keine nennenswerten Probleme bei der Handhabung berichten kann – ich habe es bisher noch kein einziges Mal erlebt, dass ich mich in irgendeinem Menü verirrt hätte, dass ich bestimmte Anwendungen nicht nach kürzester Zeit handhaben konnte oder diverse Einstellungen nicht raschest gefunden hätte – geht es im heutigen Eintrag nicht mehr ums Mittendrin, sondern ums Drumherum. Darunter verstehe ich Aspekte oder Probleme, die meines Erachtens nach nicht das iPhone selbst, sondern verschiedenste Fremdprogramme und Dienste betreffen.

Volksgarten Wien

Ein erster solcher Fall ereignete sich am Beginn der Woche, als ich wartend auf ein Treffen, gemütlich im Volksgarten schlenderte und die dabei entdeckte Rosenpracht auch sogleich mit der Kamera des iPhones dokumentieren wollte (Beweisfoto siehe oben). Ein paar Fotos und eine erste testweise Filmaufnahme später, wollte ich ein besonders schönes Bild an die werte Community twittern. Dies schlug leider fehl, das technische Wunderding schien w.o. zu geben und meldete, dass mein Foto mit über 5MB zu groß zum twittern sei. Nachdem derlei bisher immer reibungslos funktioniert hat, war ich zugegebenermaßen fast freudig erregt über die Entdeckung einer möglichen iPhone Fehlfunktion. Tja, einige Twitterversuche später, und nachdem ich wieder am stationären Web eingeloggt war, entpuppte sich die vermutete iPhone Schwäche als Twitpic Krankheit, die Applikation, die ich zum Twittern von Bildern verwende, war den gesamten Tag nicht aufrufbar, der Server down – mein iPhone schien darüber fast triumphiernd zu schmunzeln.

Das nächste Problem tauchte gestern auf. Ich hatte fast den gesamten Tag lang keine Verbindung zum Web, auch der Versuch über Wifi anzudocken schlug fehl. Diesmal versuchte ich keine vordergründig Schuldigen auszumachen, ich übte mich in Geduld und rief am Abend bei T-Mobile an, um herauszufinden, ob eventuell das Netz Störungen aufwies. Der freundliche Herr am Telefon riet mir mein iPhone kurz ein- und auszuschalten. Gesagt getan, alles funktionierte wieder. Ein ebenfalls freundlicher Mit-Twitterer empfahl in derartigen Fällen „den Flugzeugmodus einzuschalten, und nach 5sec wieder ausschalten“. Das werde ich nächstes Mal versuchen (falls es eines gibt…).

Diesbezüglich erweist sich die Twitter-Community als äußerst hilfreich, auch beim Twitpic Problem fanden sich freundliche User, die mit nützlichen Tipps aushalfen. So wurden Dienste wie img.ly, YFrog oder Posterous als Alternativen empfohlen.

Fazit nach zwei Wochen: Das iPhone 3GS funktioniert tadellos, die bisher dokumentierten Schwächen (Akku, Tastatur) sind Dinge mit denen man vorerst leben wird müssen bzw. im Falle der Tastatur Geschmackssache. Über den Rest kann ich mich nicht beschweren, ob ich jemals wieder ohne iPhone auskommen werde können, soll nach Ende der Testphase beantwortet werden. Ich stürze mich somit in die letzte Woche meines Smartphone-Experiments.

Susanne, 31. Juli 2009

You alone have brought me to Bath

Traveling Sandworm - artwork zoer

Dieses Zitat stammt aus Jane Austens „Persuasion“ und sowohl der Roman, als auch die Autorin, sind der Grund, warum es auch auf mich zutrifft. Gäbe es Persuasion, das von mir meistgeschätzte Werk der Autorin nicht, wäre ich nie nach Bath gekommen. Hätte Jane Austen (1775 – 1817), die zu meinen Lieblingsautorinnen zählt, nicht einige Zeit hier verbracht, ebensowenig. Und ich hätte eine der vermutlich schönsten Städte Südenglands verpasst.

Bath, Somerset

Bath liegt im Südwesten des Landes in der Grafschaft Somerset. Sofort nach dem ersten kleinen Rundgang und einem Blick auf die, einem Gemälde von J.M.W.Turner würdige, Schönheit der Stadt verlängerte ich meinen Aufenthalt um einen weiteren Tag, insgesamt blieben mir somit 3 volle Tage, um Bath ausführlich zu erkunden.

Was also macht man, wenn man sich einen ersten Überblick über eine nicht ganz so kleine Stadt verschaffen will? Man geht, so wie ich zur örtlichen Touristen-Information, welche sehr zentral im Gebäude neben der Abtei untergebracht ist. Wer meine Abneigung gegenüber diversen Hop-on Hop-Off Bus-Städtetouren teilt und nicht gezwungen ist, sich dessen bedienen zu müssen, der fragt dann auch etwas hartnäckiger nach möglichen Alternativen. Ich bin eindeutig der Typ „schlendernde Touristin“ und ich musste auch nur einmal nachfragen, bis mir die freundliche Dame am Schalter offenbarte, dass es zwei Mal täglich geführte Spaziergänge durch Bath gäbe und diese, zu meiner noch größeren Freude, auch noch gratis wären – mein allerherzlicher Dank geht diesbezüglich an das Bürgermeisteramt von Bath, das diese Touren seit 1930 organisiert. Es handelt sich dabei um ein ähnliches System, wie ich es schon in meinem Eintrag zu Salisbury geschildert habe. Freiwillige „Guides“, meist Senioren oder Seniorinnen, führen interessierte Touristen fast zwei Stunden lang kostenfrei durch die Stadt.

Ich hatte Glück und musste nur eine Stunde auf die nächste Führung, welche um 14 Uhr beginnen sollte, warten, die Wartezeit vertrieb ich mir passenderweise in einem kleinen Pub, in dem ich nicht nur das mir mittlerweile ans Herz gewachsene Ale, sondern auch hervorragendes, preislich sehr günstiges, Essen vorfand.

Bath, Coeur de Lion Pub, house specialty

Um 14 Uhr schließlich schloss ich mich einigen anderen Interessierten an und begann, geführt von einem äußerst sachkundigen und humorvollen älteren Herrn, meine erste Erkundung von Bath. Da ging es zur herrlichen Pulteney Bridge, welche von Robert Adam (1728 – 1792) Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde – inspirieren, wenn auch nicht sofort erkennbar, ließ sich der Architekt übrigens von der Ponte Vecchio in Florenz.

Bath, Pulteney Bridge

Man erwanderte verschiedenste Straßenzüge und bekam detailreich erklärt, was man unter palladianischer Architektur zu verstehen habe. Bestes Beispiel dafür – es handelt sich um eine klassizistische Bauweise, die besonderes Merkmal auf größtmögliche Harmonie legt und danach trachtet, zwischen den aneinander gereihten Bauwerken wenig individuelle Auffälligkeiten erkennen zu lassen – der so genannte Circus. Dabei handelt es sich um einen Häuserkomplex von drei im Kreis angeordneten leicht gekrümmten Häusersegmenten, die jeweils gleich lang und gleich hoch sind und in bestechender Einheitlichkeit gestaltet wurden. Die drei Stockwerke werden im untersten von dorischen, im mittleren von ionischen und im obersten von korinthischen Säulendekorationen verschönt und tragen den klassischen Vorbildern Rechnung.

Bath, The Circus

Ein weiteres beeindruckendes Exempel der Architektur Baths, die übrigens fast zur Gänze von John Wood (the Elder, 1704 – 1754) und dessen Sohn (John Wood the Younger, 1728 – 1782)) gestaltet wurde, ist das ein paar Schritte weiter westlich gelegene Royal Crescent – ein grandioses, ebenfalls leicht gekrümmtes, Ensemble, welches neben dem Circus nicht nur zu einer der teuersten Adressen Baths zählt, sondern auch noch einen herrlichen Blick auf die Stadt bietet. Der leicht abfallende parkartige Rasen, der vom Royal Crescent aus in die Stadt zu fließen scheint, ist in der Mitte durch einen leichten Vorsprung abgegrenzt, ein Vorsprung, der tückischerweise nur von unten zu sehen ist, und der, wenn man den Rasen in Richtung Stadt begeht, leicht zu unangenehmen Stürzen führen kann. Dem dabei getätigten Ausruf verdankt diese landschaftsgärtnerische Besonderheit wohl auch ihren hochamüsanten Namen – sie nennt sich nämlich „Ha-Ha“. Grund für die heimtückische Konstruktion liegt einzig und allein darin, den Blick vom Haus aus (also dort wo die Leute, die es sich leisten können, leben) nicht durch unschöne Zäune oder dergleichen zu verunstalten. Dass ein gedankenlos vor sich hin wandelnder Bonvivant dann hin und wieder unangenehm aus seiner Welt gerissen wird, ist wohl der Preis, der dafür zu zahlen ist – man könnte auch sagen: Reichtum muss leiden.

Bath, Royal Crescent

Weiter ging es wieder in Richtung Stadt, über den sogenannten Gravel-Walk, der allein deshalb von Bedeutung ist, weil sich dort entscheidende Szenen aus „Persuasion“ ereignen, auf die ich aber nicht näher eingehen will, es empfiehlt sich viel mehr dieses Buch einfach zu lesen. Nach der ersten Stadttour ließ ich den Abend mit einer weiteren Führung ausklingen. Ich nahm an den sogenannten Comedy-Walks „Bizarre Bath“ teil – eine wirklich lustige, unkonventionelle Art und Weise, zwischendurch für etwas Abwechslung zum herkömmlichen Touristenprogramm zu sorgen.

Der nächste Tag stand im Zeichen von gemächlichen Spaziergängen durch die Stadt, die, auch wenn ich Gefahr laufe mich zu wiederholen, wirklich ausnehmend schön ist. Seit 1987 ist sie auch als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt. Mein erster Weg an diesem Tag führte mich in das so genannte Jane Austen Center. Ich gebe zu, ich hatte mir nicht viel erwartet, aber da die von mir bewunderte Autorin nun mal der Grund für mein Kommen nach Bath war, wollte ich dieses Zentrum natürlich auch inspizieren. Bereits vor dem Eingang stand ein kostümierter Herr, der die Besucher offenbar in die Zeit Austens zurückführen sollte – zu dem Zeitpunkt schmunzelte ich noch. Dies ist mir jedoch spätestens nach dem Eintritt in die Jane Austen Anbetungsstätte vergangen. Willkommen in der Kitschhölle! Ein lavendel- und zartrosafarbiges Inferno, dekoriert mit allem was der schmachtenden Frau fehlt, wie z.B. Ratgeber für die erfolgreiche Suche nach dem eigenen Mr. Darcy, Benimmregeln für junge Mädchen (bzw. solche, die sich immer noch dafür halten), david-hamiltonesk weichgezeichnete Fotos eines verträumt vor sich hinblickenden Colin Firth (sieht er gar mich an?!) usw. usf. Nach weniger als 10 Minuten, in denen ich noch eruieren konnte, dass das einzige Angebot, welches mich interessiert hätte (eine Jane Austen Walking Tour durch Bath), für mich nicht in Frage kam, da ich zu dem Zeitpunkt schon abgereist war, floh ich von diesem Ort des Romantik-Kitsch-Grauens, der eine brillante Schriftstellerin, zu nichts weiter als einer Rosamunde Pilcher des 18. Jahrhunderts degradierte. Schande über Bath!

Bath, Thermae Bath Spa (Abbey view)

Es dauerte ein paar Minuten, bis sich die lavendel- und rosafarbenen Schleier vor meinem Auge lichteten, dann beschloss nicht mehr an diesen Jane Austen Wahnsinn zu denken und ließ mich von der Wirkung des honigfarbenen Kalksteins, der in Bath den Großteil der verwendeten Bausubstanz darstellt, besänftigen. Es folgte ein Rundgang durch die Abtei (Bath Abbey), die ein weiteres schönes Beispiel gotischer Baukunst ist, den frühen Abend hielt ich mir für einen Besuch in Baths jüngstem Spa frei. Das der Name Bath nicht von ungefähr kommt, kann man sich leicht ausrechnen, bereits seit Römerzeit wurde und wird in der Stadt immer wieder, mal mehr, mal weniger, Nutzen von den warmen Quellen gemacht. Das so genannte Thermae Bath Spa wurde 2006 eröffnet und fügt sich trotz modernster Architektur, angenehm unauffällig ins traditionelle Stadtbild. Dass man am Dach des Gebäudes, mit Blick auf die Altstadt dem Thermalbadevergnügen frönen kann, war nur ein Grund, warum ich mir diesen, wenn auch etwas kostspieligen Luxus leistete (der zweite war eine hartnäckige Verkühlung, der ich endlich den Garaus machen wollte). Fazit eines knapp dreistündigen Badevergnügens – herrlicher Blick, angenehmes Thermalwasserschwimmen (Becken am Dach und im Souterrain), schönes Dampfbad, wunderschöne Terrasse zum Ausruhen, einziger Minuspunkt – es gibt keine Ruheräume (!), außer Liegestühlen auf der Terrasse und beim Pool im Souterrain hat man darauf schlicht und einfach vergessen. Wer sich ein paar Stunden Erholung gönnen und einen fantastischen Blick auf die Altstadt werfen möchte, sollte sich dieses Vergnügen trotzdem nicht entgehen lassen.

Bath, Roman baths (background: Bath Abbey)

Der letzte Tag in Bath war wieder verstärkt historischem Sightseeing gewidmet, am Programm stand die Besichtigung der Römerbäder. Diese Bäder sind der Grund warum Bath das wurde, was es heute ist. Zur Zeit der römischen Besatzung in England, wurden die warmen Quellen entdeckt, um etwa 70 v. Chr. begann man mit dem Bau eines Römerbades samt Tempelanlage. Diese Strukturen sind noch heute erhalten, auch wenn nach dem Abzug der Römer die Anlage verfiel. Im 18. Jahrhundert hat man die Badekultur und die heilsame Wirkung der Thermalquellen wiederentdeckt, hat damals auch die römischen Anlagen restauriert und für die wohlhabende Gesellschaft, die sich zur Kur in Bath herumtrieb, adaptiert. Der sog. Pump-Room, der neben dem Römerbad liegt, diente als Treffpunkt für die High-Society, auch heute kann man dort, wenn man will, fein Tee trinken, ein Glas Thermalwasser kostet 0,50 Pfund und schmeckt stark eisenhältig (nicht jedermanns Sache), wer die Römerbäder besucht, der bekommt sein Glas Thermalwasser gratis. Die römischen Bäder selbst sind allemal einen Besuch wert, das einzige worauf ich auch diesmal hinweisen möchte: Sparen Sie sich den Audioguide! Wieder einmal eine Ansammlung von äußerst bizarren „Soundsamples“, so erklangen, wenn darauf hingewiesen wurde, dass die Römer etwas erbaut hatten, aus dem Hintergrund Hammergeräusche… Ein weltberühmter Autor, dessen Namen ich noch nie zu vor gehört habe (Bill Bryson), wurde dafür bezahlt, an denkwürdigen Stellen seine Kommentare abzugeben, die z.B. die sonderbare Feststellung enthielten, dass er die Römer zwar wegen ihrer vielen Leistungen bewunderte, aber nicht verstehen könne, warum sie einem derart naiven und bisweilen brutalen Glauben anhingen (er bezog sich auf die Tieropfer auf den Altären), bzw. hat sich der Autor nicht entblödet, die Statue der Schutzgöttin Sulis Minerva für „nicht besonders attraktiv“ zu befinden, während er der Meinung war, dass all die römischen Männerstatuen viel sympathischer wirkten, so als hätte man jederzeit mit einem davon auf ein Bier gehen können…in diesem Sinne, ich kann es nicht oft genug sagen: Halten Sie sich von den Audioguides fern!

Sulis Minerva, Roman baths

Der letzte Tag in Bath ging gemütlich zu Ende, ein Pint Ale noch in einem sehr netten Pub namens The Raven, in dem sich auch hervorragend essen lässt, die Spezialität des Hauses sind hausgemachte Pies. Nicht allzu spät ging es dann ins Hotel, am nächsten Morgen brach ich auf, um endlich das Landesinnere Englands zu verlassen und dorthin zu fahren, wo ich ursprünglich vorgehabt hatte, einen Großteil meines Urlaubs zu verbringen: Ans Meer!

Nächster Stopp: Lyme Regis

Hilfreiche Informationen:

Die Anreise von London mit Zug oder Bus, der Zug benötigt knappe einenhalb Stunden (im Vorverkauf bereits um die 20 Pfund hin und retour), der Bus braucht doppelt so lange, ein Ticket (hin und retour) ist aber bereits um 10 Pfund zu haben.

Sämtliche nützliche Informationen zu Bath, seiner Geschichte und wo man übernachten kann, finden sich auf der offiziellen Webseite von Bath, weitere Informationen auch auf Wikipedia. Ich selbst habe in einem Guesthouse namens Annabelle’s übernachtet. Dieses ist sehr zentral gelegen und das Frühstück ist im Preis inbegriffen, es mag zwar nicht so charmant sein, wie ein B&B, dafür ist es aber für Bath preisgünstig. Vorsicht ist vor allem an Wochenenden geboten, Bath ist eine sehr beliebte Stadt, man sollte sich rechtzeitig um ein Quartier kümmern.

Bizarre Bath: die Comedy Walks finden ausschließlich in Englischer Sprache statt, ausreichende Sprachkenntnisse sind Voraussetzung, um den Humor zu verstehen. Wer darüber verfügt, sollte sich das Vergnügen nicht entgehen lassen.

Roman Baths: Der Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 11 Pfund.

Thermae Bath Spa: Ist die modernste Therme in Bath, daneben gibt es noch andere, die weniger spektakulär, dafür günstiger sind (z.B. das Cross Bath). Es gibt immer wieder besondere Packages, wobei ich persönlich empfehle sich entweder gleich für ein Paket mit Behandlungen zu entscheiden, Spezialangebote mit Restaurantbesuch hingegen sind die Zeit nicht wert, da die Essensdauer in die Badezeit eingerechnet wird. Das Restaurant ist überdies nicht weiter empfehlenswert.

Essen: Besonders gutes Pub-Essen (bodenständige Hausmannskost) gibt es im Coeur de Lion, sowie im The Raven. Beide sind darüber hinaus sehr nette Lokalitäten, in denen sich die Zeit zwischen den Besichtigungen gut vertreiben lässt.

Mayor’s Guides: Zusatzinformation (in englischer Sprache) über das Service des Bürgermeisteramtes. Der Service verfügt auch über eine eigene Webseite, die Touren finden Sonntag bis Freitag um 10.30 und 14 Uhr statt, am Samstag ausschließlich um 10.30 Uhr.

Jane Austen Centre: Wer sich unbedingt dem Kitsch-Wahnsinn ausliefern will, der findet hier alles was das Herz des Romantikers begehrt, sollten Sie nachhaltigen Schaden nehmen, sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt! Die Jane Austen Walking Tours, die vermutlich recht interessant sind, finden abseits der Hochsaison nur an Wochenenden statt, im Sommer gibt es Freitag und Samstag Zusatztouren.

Susanne, 26. Juli 2009

The Sandworm als Mobile Blogger – Mittendrin

The Sandworm - artwork zoer

Seit einer Woche begleitet mich das geliehene iPhone 3GS nun bereits, man kann sagen, ich befinde mich mittendrin in der Testphase. Eigentlich hat dieses mittendrin bereits am 1. Tag begonnen, denn bei so wenig Zeit, die bei diesem Gerät erforderlich ist, um damit zurechtzukommen, kann man gar nicht von einer Aufwärmphase sprechen. Sämtliche Leute, denen ich bisher die Erlaubnis erteilt habe, sich damit zu spielen, hatten die allgemeine Handhabung innerhalb weniger Minuten durchschaut. Dann wurde entweder begeistert mit dem Kompass gespielt, meine Musiksammlung beäugt, oder es wurden Videos auf YouTube geschaut.

Ich selbst habe das iPhone dieser Tage den ersten härteren Belastungstests ausgesetzt und war immer wieder beeindruckt, was das Gerät alles kann. Fotos machen und die eben geschossenen Aufnahmen gleich an die diversen Adressaten mailen – überhaupt kein Problem. Ein vorbereitetes Blogpost veröffentlichen und den neuen Eintrag postwendend an die Twitter-Gemeinde verkünden, auch möglich. Wartezeiten mit Spielereien überbrücken, oder sich die Zeit mit Musikhören vertreiben, dass das iPhone derlei mit links bewältigt, muss man nicht erwähnen.

Aber in diesen ersten Tagen des, nennen wir es „hard-core“ Testens, machen sich auch Schwächen bemerkbar. Die allergrößte davon ist mit Sicherheit die Haltbarkeit des Akkus. Schöpft man alle Möglichkeiten des iPhones tatsächlich aus, also Fotos schießen, mailen, twittern, gaming, Musikhören – das volle Programm – so ist der Akku bereits nach etwa einem halben Tag leer. Da habe ich selber erstmal gestaunt. Das zweite Problem, welches vermutlich eine Frage der persönlichen Vorliebe ist, ist die durch den Touch-Modus bedienbare Tastatur. Wann immer man mit dem iPhone etwas schreiben will, öffnet sich die Touch-Tastatur und es beginnt ein manchmal recht enervierender Tippprozess. Die Tasten sind im quertz Modus arrangiert, was natürlich angenehm ist, dadurch, dass sie aber am Display des iPhones Platz finden müssen, vertippt man sich relativ leicht. Dann muss man löschen und einen weiteren Versuch starten. Elfengleiche Finger wären Grundvoraussetzung für die fehlerfreie Bedienung dieser Tastatur. Auch das Wörterbuch nervt hin und wieder, was aber daran liegt, dass ich mich mit den vorgefertigten Einstellungen dazu noch nicht wirklich auseinander gesetzt habe. Für kürzere Tweets und Emails lässt sich mit der Tastatur insgesamt leben, längere Texte würde ich damit nicht schreiben wollen.

Zuguterletzt habe ich auch das eine oder andere Spiel aus dem App Store geladen und für meinen Zeitüberbrückungstest ausprobiert. Nicht unwesentlich ist hierbei zu erwähnen, dass ich mir für die Testdauer des iPhones wohl keine kostenpflichtigen Apps kaufen werde, was sich natürlich auf die Qualität der Spiele auswirkt, sprich: gratis heißt meistens auch weniger anspruchsvoll. Spiel Nr. 1 nannte sich StoneLoops of Jurassica, ein Geschicklichkeitsspiel, welches bis zum 6. Level freigeschalten ist (da bin ich nicht ganz sicher), man kann sich für 0,79 Euro das Upgrade auf die volle Version kaufen. Sehr unterhaltsam, schnell zu erlernen. Spiel Nr. 2 war MonkeySwing, eine Art Geschicklichkeitsspiel, dessen Unterhaltungswert sich mir partout nicht erschließen wollte. Nach 2 Minuten musste ich das Ding abdrehen. Spiel Nr. 3 hieß Toobz, ebenfalls ein Geschicklichkeitsspiel, welches mich aber nach der Enttäuschung durch MonkeySwing nicht lange bei der Stange hielt. Die letzte geladene Gratisapplikation war ein ganz normales Mahjongg Spiel namens „Shanghai“ – immer wieder für einen Zeitvertreib gut – wobei die Gratisvariante leider nur über ein einzelnes, sehr einfach zu lösendes Mahjongg Setup verfügt, man müsste sich vermutlich das Upgrade (€ 3,99) kaufen, um sich länger damit zu unterhalten.

Amüsantes Detail am Rande: Für alle Applikationen, die man heruntergeladen hat, bekommt man via iTunes eine Rechnung an seine Email-Adresse geschickt und dazu eine Einladung, die jeweilige Applikation zu rezensieren. Eine der Anwendungen, die ich mir aus Neugier in den vergangenen Tagen auf mein iPhone geladen habe, heißt Torch und ist nichts anderes als eine simple Taschenlampenfunktion. Die Vorstellung, wie man dafür eine elaborierte Rezension schreiben soll, hat mich dann doch einigermaßen amüsiert…“eine Taschenlampenfunktion fürs iPhone; lässt sich ein- und ausschalten“.

Links:

StoneLoops of Jurassica

MonkeySwing

Toobz

Shanghai Mahjongg

Torch

Susanne, 24. Juli 2009

On the road in England – Part IV: Salisbury, Wiltshire

Flying Sandworm

Next stop on my trip was Salisbury. I do admit that the only reason I went to Salisbury was the fact that two of the places I wanted to see were close by. Number one being Stonehenge, which is only about 8 miles north of Salisbury, number two being Bath which is about 38 miles to the north west and which was included in my itinerary as a must-see, mainly because of my admiration for the writings of Jane Austen. Thus Salisbury was a perfect stop-over, even more so, because it turned out to be yet another beautiful town, that I unhesitatingly recommend for a visit, regardless whether you like Stonehenge or Bath.

Salisbury, Wiltshire

So, after a little more than two hours, the train from Brighton stopped at Salisbury and the lovely lady from the tourist information, which keeps a tiny outpost right at the trainstation, didn’t take very long to get me booked in a new Bed & Breakfast close to the town center. Not only that, she also made sure, that I would be put up in one that satisfied my need for a wireless web connection. In this respect I have to admit that among all the positive stereotypes one attributes the English with, the one that holds them to be the politest people on this planet, certainly holds much truth – on my entire trip I didn’t have one unpleasant encounter, in every single instance I was treated with a most charming friendliness. As for some of the quirkier clichés…yes it’s true, no matter how cold, the English will still run around in shorts, T-shirts or skimpy dresses. Admirable!

After a 10 minute walk from the station I found myself in front of 50 Trinity Street, the B&B of Ms. Stephanie Paul, which would be my home for the next two nights – and a home it was. Stevie, which is how Ms. Paul introduced herself, provided an extremely pleasant accommodation. Among other things, it was furnished with a table, that was armed with all necessary ingredients to observe the traditional English tea-time and a perfectly functioning (free) wifi access.

The first excursion took me to Stonehenge. Special buses leave Salisbury every 30 minutes, in addition they also stop at the site of Salisbury’s earliest settlement, which is called Old Sarum. I have to say that the reason I was interested in Stonehenge is partly owing to the fact that I have a certain propensity to myths and legends. Not because I feel that something supernatural hovers over these places, but because all the stories that surround certain monuments or people, are what I consider early forms of literature. That’s why I believe the knowledge of the myths that have shaped England, such as the legend of King Arthur, is essential for understanding literary developments in the country itself.

Stonehenge, Wiltshire

So, yes, when visiting Stonehenge, there is a certain aura to the monument, but only insofar as it admirably represents the technical skills of mankind, being able to erect these stones without the means and tools that one would think were neccessary to do so. And this is why I would like to give out just one piece of advice to anyone who intends to visit Stonehenge: Stay away from the audioguides! I am by nature sceptical of audioguides and I usually never take one. At Stonehenge they were included in the entry-fee, which made me make the mistake of grabbing one. If you would like the condensed version of the explanations offered on this device, three words suffice: Why, oh why?! For anyone interested in more detail, here’s a list of the most important words heard throughout the tour: „Possibly, potentially, maybe, is not certain, cannot be proven scientifically, perhaps, we don’t know, most likely, but not sure etc. etc.“ The only one sentence in the entire litany, which by the way also included horribly stupid soundbites (yes, there were „druidic chants“ and „mystical music“ in between the spoken passages…) was the final quote. A passage of Thomas Hardy’s „Tess of the d’Urbervilles“. Excellent book, great writer, a pity to be thrown into a silly audioguide.

Nevertheless, Stonehenge is worth seeing, and if you don’t care to walk around the stones, want to save the entrance fee and are in possession of a car – just take the local A303 or A344, stop at the side of the road and you will have a great view of the monument.

On the way back to Salisbury I found that the inner circle of Old Sarum was already closed to visitors (if you’re very interested to see the settlement, check for the opening hours, to make sure you don’t miss it), those parts of Old Sarum where the remains of the first cathedral of Salisbury can be seen, were open to the public after closing time. A walk around the structure is well worth it no matter if the inner circle is closed or not.

Salisbury Cathedral

The next day in Salisbury was dedicated to the town and even more so to the Cathedral. Another beautifully constructed gothic church, which was erected in 1220 and which boasts England’s tallest spire (404ft). The medieval megalomania turned out to be almost catastrophic for the church. It was built as a later addition to the church and the spire proved to be too heavy for the construction. The whole building thus had to be fortified with buttresses, arches and iron ties. To this day the spire is slightly leaning, if the windspeed passes a certain limit the entire church gets closed off. Another interesting sight in Salisbury Cathedral is the Magna Charta. One of only four remaining copies can be admired. The document which was signed in 1215 is an inspiring witness of legal history, for the first time containing clauses that entitle free citizens to something like a presumption of innocence and the right to protect them from unlawful imprisonment (habeas corpus).

Worth mentioning also is the extremely helpful service of guides at Salisbury Cathedral. These volunteers, most of them senior citizens, proved to have an exeptional knowledge of historical facts and never seemed to get tired of answering questions or providing information. They did so in a way that was always entertaining and informative, and thankfully they never forgot to add a few anecdotes or samples of greatly appreciated British humor. This system of senior citizens as tourist guides proved to be working very well in all the other places I visited along my trip, every single guide I subsequently toured sights with turned out to possess an above average knowledge of historical facts, was generally very charming and even when groups were small would tour the respective sight for up to two hours. All this of course free of charge, or included in the general entrance fee – I still am, moderatly speaking, very much impressed.

Salisbury, River Avon

The rest of my stay in Salisbury was spent wandering the town, which, considering English towns in general, was usually delightful as there always seemed to be some pleasant river nearby that invited you to stroll along its banks or provided beautifully restored town centers, that never ceased to be interesting. That way I found out that Nobel Prize winner William Golding resided as a school master in Salisbury and even wrote a book about the cathedral’s spire – fittingly titled „The Spire“, and I discovered a lovely pub called „The Wig and Quill“, which serves excellent food, local ales and for colder days offers a  cozy fireplace. Definitely one of the best ways to end a long day of sightseeing – a pint of ale, a huge serving of fish&chips and then lean back and relax.

Next stop: Bath

Helpful Information:

To get to Salibury from London, take either train or bus, the train being considerably faster (about 90 min), the bus being the cheaper means of transportation (rountrip available for as low as 10 Pounds).

Additional Information on Salisbury, its sights and nearby attractions can be found on Wikipedia, as well as on Salisbury’s official website. There you will also find information on accommodation, personally, I can highly recommend Ms. Paul’s B&B, which is centrally located, offers every comfort at a reasonable price and includes free wifi access.

Bustours to Stonehenge and Old Sarum depart from Salisbury every 30 minutes, more information can be found here.

Susanne, 21 July 2009

The Sandworm als Mobile Blogger – Die Anfänge

The Sandworm - artwork zoer

Dankenswerterweise hat man mir das iPhone 3GS, welches ich über die nächsten 3 Wochen testen werde, ein paar Tage früher überreicht und so kann ich bereits heute über meine ersten Eindrücke berichten.

Das iPhone 3GS ist wie alle Produkte von Apple, die ich kenne, kinderleicht zu bedienen. Ich hatte das zu Zeiten als ich noch PC-Userin war immer für ein Gerücht und Leute, die mir schworen, sie würden nie, nie, nie wieder etwas anderes verwenden als Mac für Anhänger einer Sekte gehalten. So in der Art wie sich amerikanische Autoliebhaber in Ford versus Chevy Fans aufteilen. Reine Geschmackssache. Nun, ich zähle mittlerweile auch zu den Mac-Usern und kann seit dem Umstieg vergangenes Jahr alle leidenschaftlichen Argumente der Apple-Fangemeinde verstehen. Die Software ist intuitiv programmiert und innerhalb von wenigen Minuten durchschaut man das Handling.

Ich hatte also mein Testgerät kaum an meinen Computer angeschlossen, da wurde es auch schon synchronisiert – das alles läuft über iTunes, sollte also auch am PC reibungslos klappen, wobei ich diesbezüglich keine Erfahrungsberichte liefern kann. Innerhalb kürzester Zeit war das iPhone dann einsatzbereit und los ging es. Kaum war eine Stunde vergangen hatte ich mit dem Gerät bereits gemailt, getwittert, Musik gehört und telefoniert, die ersten Applikationen waren erfolgreich herunter geladen und konnten ebenfalls einer Testung unterzogen werden. Shazam zum Beispiel, das mir bereits bekannt war. Ein kleines Programm, das Musikstücke durch „zuhören“ identifizieren kann und so die Suche nach dem jeweiligen Song, Album etc. erleichtern soll. Funktioniert bei sogenannter U-Musik auch bestens, ein Versuch mit Klassik schlägt jedoch grob fehl. Ein Klavierkonzert Chopins wird mir als Benjamin Taylors „After It’s Over“ verkauft, Mozarts „Kleine Nachmusik“ findet Shazam gerade mal auf einer CD namens „Selection of Movie Classics“, muss jedoch beim Titel w.o. geben, Beethovens 9. Symphonie verdankt seine Erkennung bloß Stanley Kubrik, der sie im Soundtrack zu „A Clockwork Orange“ inkludierte, der Titel findet sich ebenfalls auf oben genannter Auswahl von Filmmusikklassikern. Trotzdem sehr amüsant!

Pratersauna

Dann ging es nach draußen, endlich sollte die Kamera-Funktion ausprobiert werden. Gesagt getan, das gesamte Wochenende war ich mit meinem, das soll ebenfalls ausdrücklich erwähnt werden, ausnehmend gut aussehenden, Begleiter unterwegs und habe auch das eine oder andere Foto damit geschossen. Obiger Schnappschuss stammt von der Eröffnung der Wiener Pratersauna. Das ehemals eher zwielichtige Etablissement wurde generalüberholt und laut Eigendefinition als „Club. Pool. Social Life & Art Space“ wiedereröffnet. Und es ist tatsächlich eine sehr nette Location geworden. Es sind zwar noch nicht alle Bereiche fertiggestellt, insgesamt und vor allem an lauen Sommerabenden lässt es sich dort aber auf alle Fälle bestens „chillen“ wie man auf neudeutsch dazu sagen würde. Etwas mehr und vor allem bessere Beleuchtung wäre noch wünschenswert, sonst gibt es wenig auszusetzen. Ein neuer Club in der ewig gleichen Wiener Lokallandschaft ist in jedem Fall begrüßenswert!

Museumsquartier

Am folgenden Tag ging es dann in die Wiener Innenstadt, das dort entstandene Bild zeigt den Blick vom Museumsquartier in Richtung Naturhistorisches Museum. Der erste Eindruck vom iPhone 3GS ist sehr positiv, ob es sich jedoch bloß um eine, wenn auch überaus praktische, Spielerei handelt, oder ob sich das Gerät tatsächlich als unentbehrliche Innovation erweist, wird sich bis zum 7. August, wo es dann wieder an seine Eigentümer übergeben werden muss, mit Sicherheit feststellen lassen. Im Moment wird fleißig weiter getestet, mehr darüber in Bälde.

Susanne, 19. Juli 2009

Why, oh why?!

Traveling Sandworm

Der nächste Halt auf meiner Route war Salisbury, gelegen in der Grafschaft Wiltshire. Der Grund für meinen Stopp war zugegebenermaßen nicht Salisbury selbst, sondern zwei Fixpunkte auf meiner Reise, die in der Nähe lagen. Zum einen Stonehenge, etwa 12 km weiter nördlich, zum anderen Bath, das sich etwa 60 km nord-westlich befand und welches sich schon von Beginn an in der Reiseplanung befand, vor allem wegen meiner Bewunderung für Jane Austen. Salisbury bot sich als ausgezeichneter Zwischenstopp an und ich wurde wieder einmal von einer ausnehmend charmanten Kleinstadt überrascht, welche rückblickend betrachtet, allemal einen Aufenthalt wert ist, auch wenn man sich weder für Bath noch für Stonehenge interessiert.

Salisbury, Wiltshire

Gerade Mal am Bahnhof angekommen, wurde mir die große Hilfsbereitschaft der Engländer zuteil, ein positiver Stereotyp (Stichwort: höfliche Briten) den ich übrigens auf meiner gesamten Reise bestätigt fand. Eine überaus nette Dame, die direkt am Bahnhof in einer winzigen Zweigstelle der Touristen-Information tätig war, scheute keine Mühen, mir ein adäquates Quartier, samt wifi Zugang zu suchen, wurde alsbald fündig und verwies mich an ein erst vor kurzem eröffnetes Bed&Breakfast im Zentrum. Einen kurzen Spaziergang später stand ich auch schon vor der Tür und wurde von der Inhaberin Ms. Stephanie Paul, oder Stevie, wie sie sich mir vorstellte, willkommen geheißen und nicht nur hochkomfortabel untergebracht, Stevie erwies sich als liebenswerte Gastgeberin, die es mir während meines gesamten Aufenthaltes an nichts fehlen ließ – erwähnenswert ein voll ausgestatteter Tea-Bereich im Gästezimmer, der mit x Teesorten, frischer Milch, Schokolade und Keksen eine bestmögliche Abhaltung der englischen Tea-Time ermöglichte – nebenbei verfügte die Herberge über kostenloses drahtloses Internet, welches die gesamte Zeit über, die ich dort verbrachte, perfekt funktionierte.

Mein erster Ausflug am Anreisetag führte mich dann auch gleich nach Stonehenge. Von Salisbury aus fahren alle 30 Minuten Busse ab, die gleichzeitig auch Siedlungsreste eines älteren Salisbury namens Old Sarum anfahren. Diese Bustouren sind zwar nicht ganz billig, ermöglichen aber eine kleine Rundreise durch die ausnehmend schöne Landschaft und beinhalten den Eintritt in die Sehenswürdigkeiten, sowie eine über Lautsprecher im Bus abgegebene Info (auf Englisch), die den gemeinen Touristen auf das große Mysterium Stonehenge vorbereitet.

Stonehenge

Ich gebe zu, dass mich neben meiner Leidenschaft für Literatur, auch ein gewisser Hang zur Mythologie nach England führte, wobei ich jedoch davon ausgehe, dass Mythen und Legenden gewissermaßen die Ursprünge jeglicher Literatur darstellen, ihre, mit einem weniger verklärten Blickwinkel getätigte Betrachtung und Erforschung, ist allemal lohnenswert. In diesem Sinne fällt auch meine Beurteilung von Stonehenge aus. Man kann sich kaum erwehren, dieses Zeugnis ältester Zivilisation nicht zu bewundern. Es besitzt unbestritten eine nicht näher definierbare Ausstrahlung, die ich jedoch weniger in den Bereich der Zauberei legen oder als Beweis magischer Erdpunkte sehen will, als ich den Steinkreis viel mehr als beeindruckendes Relikt menschlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten sehe, die bereits vor tausenden von Jahren soweit entwickelt waren, dass man die gewaltigen Gesteinsbrocken nicht nur zu formen, sondern auch aufeinander zu legen vermochte. Der Rest ist Spekulation. Und in diesem Sinne möchte ich auch allen, die irgendwann einmal nach Stonehenge zu reisen gedenken, ausdrücklich folgenden Rat ans Herz legen: Halten Sie sich fern von den Audioguides!

Ich habe selten eine größere Ansammlung an Gemeinplätzen, Platitüden, dummen Sound-Effekten (ja, man hat tatsächlich in den Sprechpausen „druidische“ Gesänge eingespielt…!) und jegliche wissenschaftliche Grundlage entbehrender Spekulation gehört. Falls Sie das nicht überzeugt, das Gesamt-Fazit des stonehengeischen Audioguides lässt sich in drei Worten zusammenfassen: „Why, oh why?!“. Hinzu kommen, für diejenigen, die noch mehr wissen möchten, die wiederholte Verwendung folgender Schlüsselwörter: Vielleicht, möglicherweise, könnte sein, mag sein, ist nicht genau geklärt, entzieht sich unseres Wissens, potentiell, man weiß es nicht, usw. usf.

Wer sich damit begnügt in Ruhe um den Steinkreis (der übrigens abgesperrt ist) zu wandern, hat mit Sicherheit, selbst in Anwesenheit der vielen anderen Touristen, mehr von seinem Besuch. Und wer sich den Eintrittspreis überhaupt sparen will und über ein Auto verfügt, der kann ganz einfach die Bundesstraße A303 oder A344 nehmen, seinen Wagen am Straßenrand abstellen und hat auch so beste Sicht auf das Monument.

Am Rückweg hält die Bustour noch am sog. Old Sarum, einer altertümlichen Befestigung, die das frühere Salisbury bildete, bevor die Stadt an ihrer heutigen Stelle gegründet wurde. Man sollte aber auf die Schließzeiten der Monumente achten, in meinem Fall war der innere Kreis von Old Sarum bereits geschlossen, ein Spaziergang rund herum war aber trotz allem lohnenswert, der Bereich in dem die Überreste der ersten Kathedrale von Salisbury stehen, ist auch nach den Schließzeiten zugänglich.

Salisbury Cathedral

Der zweite Tag in Salisbury war der Stadt und vor allem der Kathedrale gewidmet. Salisbury Cathedral ist ein herausragendes Beispiel frühgotischer Baukunst, das Bauwerk besitzt zudem den höchsten Kirchturm in England (123 Meter). Begonnen wurde der Bau an der Kathedrale 1220, wobei der Turm erst einige Zeit später draufgesetzt wurde, was sich nachträglich als beinah fataler Größenwahn herausstellte. Das Grundkonstrukt der Kirche war kaum in der Lage das Gewicht des Turms zu tragen und musste nachträglich verstärkt werden, bis heute ist eine leichte Neigung des Turms festzustellen, ab einer gewissen Windgeschwindigkeit wird die gesamte Kirche gesperrt. Besonders sehenswert in der Kathedrale, neben der ältesten funktionstüchtigen Uhr (AD 1386) ist eine der vier noch verbliebenen Handschriften der Magna Charta (AD 1215). König John Ohneland – der Namenszusatz ist Ausdruck dafür, dass er tatsächlich durch Erbfolgebedingungen kaum über Land verfügte – unterzeichnete das Dokument auf Druck seiner Barone, es ist einer der Vorläufer für spätere grund- und menschenrechtliche Entwicklungen und räumte nicht nur der Kirche gewisse Rechte und Freiheiten gegenüber der Krone ein, es enthält erste Ansätze einer Unschuldsvermutung und prozeduraler Rechte, die, damals beschränkt auf freie Bürger, u. A. einen Schutz vor unrechtmäßiger Verhaftung (habeas corpus) vorsahen. In jedem Fall ein beeindruckendes Dokument westlicher Rechtsgeschichte.

Eine weitere bemerkenswerte Tatsache, die auch an den künftigen Haltepunkten auf meiner Reise einen ganz besonders positiven Eindruck vom Tourismusland England hinterließ, betrifft die Verfügbarkeit von kostenlosen Führungen. Zwar ist bei den meisten Sehenswürdigkeiten Eintritt zu zahlen, vor Ort jedoch gibt es fast ausnahmslos so genannte „Guardians“, meist Senioren und Seniorinnen, die sich als Freiwillige zur Verfügung stellen, um Interessierten die jeweiligen Sehenswürdigkeiten näher zu bringen. Diese engagierten Leute haben sich ausnahmslos als nicht nur hochgebildete Fremdenführer erwiesen, alle unter ihnen waren überaus sympathische, humorige Guides, die keinen unkritischen Lobesgesang anstimmten, sondern die jeweiligen Fakten bestens kannten und diese auch immer wieder mit amüsanten Anekdoten oder typisch britischem trockenen Humor ausschmückten. In Salisbury wurde ich gemeinsam mit drei anderen Interessierten von einer charmanten Mittsiebzigerin mehr als eineinhalb Stunden durch die Kathedrale geführt. Im Raum in dem die Magna Charta zu sehen war, waren wieder eigene „Guardians“, die auf einen zugingen und sich erkundigten, ob man auch alles gesehen habe und ob eventuell noch Fragen offen wären. Ein beeindruckendes Tourismuskonzept!

Salisbury, Wiltshire

Der Rest der Zeit in Salisbury verging mit Entdecken – so wurde ich darauf aufmerksam dass Nobelpreisträger William Golding hier als Lehrer gearbeitet und in weiterer Folge sogar ein Buch über den Kirchturm der Salisbury Cathedral verfasst hat („The Spire“) – mit Flanieren – Salisbury liegt am Fluss Avon (einer von drei in England, der diesen Namen trägt), entlang des Flusslaufes lässt sich herrlich spazieren und wieder einmal die besondere Liebe der Engländer in Sachen Stadtbegrünung bewundern – sowie mit Essen – was sein muss, muss sein, auch nach einem ausführlichen Full English Breakfast. Das urige Pub „The Wig and Quill“ z.B. verfügt über eine ausgezeichnete Küche, besonders die Fish&Chips (ein MUSS wenn man in England ist) sind zu empfehlen.

The Wig and Quill, Salisbury, Wiltshire

Und wenn man so wie ich nebenbei auch interessiert an skurrilen Begegnungen ist, dann musste man einfach eine Dame, die dem Bartender mit schlechtem Englisch erklärte, dass sie aus „Austria“ sei, ansprechen. Das endete schließlich damit, dass die gute Frau, die über ein schreiend-türkis-farbenes Glitzershirt, Leggings und zu einem Turm toupiertes Haar verfügte, mir erklärte, dass die Engländer modisch schon ziemlich altväterisch wären…ich enthielt mich jeglichen Kommentars, widmete mich wieder meinem Ale und schwor mir, auf meiner weiteren Reise nur mehr in Notfällen Österreicher anzusprechen.

Nächster Stopp: Bath

Hilfreiche Informationen:

Salisbury liegt ca. 150 km südwestlich von London. Die Anreise ist öffentlich mit der Bahn bzw. mit dem Bus möglich, die Bahn ist zwar wesentlich schneller (etwa 1,5 Stunden), der Bus jedoch ungleich günstiger (Hin und Retour bereits ab 10 Pfund).

Alle Informationen zu den Bustouren, die von Salisbury aus Stonehenge und Old Sarum anfahren finden sich hier.

Übernachtungsmöglichkeiten in Salisbury sind zahlreich und können über die örtliche Touristen-Information ausfindig gemacht werden. Ich persönlich kann, als ausgesprochen angenehme und im Verhältnis zum Komfort preisgünstige Unterkunft, das B&B von Stephanie Paul, 50 Trinity Street, nur allerwärmstens empfehlen!

Susanne, 17. Juli 2009

The Sandworm als Mobile Blogger

The Sandworm - artwork zoer

Ab 20. Juli wird sich der Sandwurm ausgiebig mit dem neuen iPhone 3GS beschäftigen. Nicht dass ich den Unterschied zum „alten“ kennen würde, ich habe ja keines. Hatte noch nie eines, nicht mal ein sogenanntes Smartphone ist bis dato in meinem Besitz gewesen. Das macht aber nichts, denn in meinem Fall geht es um etwas ganz anderes. Ich blogge seit mehr als einem Jahr zum Themenkreis Kultur und Politik und sehe mich irgendwie maximal als halber Geek, dennoch interessiere ich mich für neue Technologien und möchte sie nicht als störende, piepsende Nervensägen abtun, sondern mich auf einer etwas anderen Ebene mit ihnen auseinandersetzen. Der Frage nachgehen, was ist der Mehrwert eines iPhones, worin ist es normalen Mobiltelefonen überlegen und wie lässt es sich am besten für das nutzen, was ich unter einer ausgewogenen Mischung aus analogem und digitalem Leben verstehe.

The Sandworm beschäftigt sich mit unkonventionellen Blickwinkeln in Bezug auf die Themen Kunst, Musik, Literatur &c., in diesem Sinne möchte ich als Ausgangspunkt meines 3-wöchigen iPhone Tests Umberto Eco aus einer im vergangenen Jahr in New York zum Thema Fiktion und Realität gehaltenen Lesung zitieren:

„Die Moskauer Prawda zur Zeiten der UdSSR ist in vieler Hinsicht der sonntäglichen New York Times ähnlich. In der Prawda gab es keine Informationen, in der NYT gibt es viel zu viele“.

Genau darum wird es bei meinem dreiwöchigen Testexperiment gehen: wie nutzt jemand der nicht 24 Stunden am Tag im Web verbringen will ein Smartphone? Auf sinnvolle und ökonomische Weise. Ich bin selbst schon sehr gespannt darauf…

Susanne, 15. Juli 2009

On the road in England – Part III: Brighton, East Sussex

Flying Sandworm - artwork zoer

It was time to say goodbye to my friendly hosts in Whitstable and head out on the road to explore southern England. The first stop on my itinerary was going to be Brighton, which became yet another victim of my overzealous travel-planning. I had only allocated one overnight stay and thus my time is Brighton was going to be rather short. A mistake I wouldn’t make again on this trip.

I had debated with my friend over what I really have to go see in Brighton and after going over a list of things that might be pleasant and others which were a must, my friend simply said to me: „When you’re going to Brighton all you have to remember is PPL“. This acronym came in handy, because it contained the vital sights of Brighton and it was easy to remember: PPL meaning Pier, Pavilion and Lanes. So I said farewell and got myself on the road.

Kent - East Sussex

I took the bus from Whitstable to Canterbury and then another bus from Canterbury to Ashford, where I got on the train to Brighton. During this trip I realized that southern England would always remain as one word in my memory: green. Southern England in June was green as can get. I had never seen so many shades of the colour in combination with such a beautiful landscape. As the rolling hills of Kent and then East Sussex flew by, I found myself inside a colour chart that left me in awe: Every possible hue of green was there – light green, dark green, bluegreen, mudgreen, brightgreen, olivegreen and thousands more, which hypnotized me until my eyes finally met with the darkblue of the sea and I knew that Brighton couldn’t be much farther.

East Sussex

After a little more than 3 hours I finally exited the train and headed to my hotel, which was quite a walk from the train station in the district of Kemptown. After recovering from the first encounter with the weight of my backback, which would turn out to be even more unpleasant the next day, when the downhill walk from the station turned into an uphill climb to the station, I was ready to head out to explore Brighton and the deeper meaning of PPL.

Brighton Pier

The first P on the list was the pier. Not far from my hotel, after a short walk on the Marine Parade it turned out to be what piers usually are: centers of entertainment and supposed fun. I wasn’t very interested in the specific fun that was offered on Brighton Pier, a craggy iron construction further to the west grabbed a much stronger hold of my attention. The spidery monument, which exuded a melancholic charm, turned out the be the remains of Brightons once famous Westpier. A glorious example of English seaside architecture, it was constructed by the architect Eugenius Birch and opened in 1866. For quite a while it was the center of the then upper-class seaside entertainment, drawing the rich and famous to perform or watch, however, with time and two world wars the pier’s importance waned. Officially closed to the public in 1975 it began to fall apart, an enormous fire in 2003 destroyed the remaining structures, what is left today is a slowly deteriorating iron skeleton. A skeleton that nevertheless fits Brighton,  because it rests there right in front of the party people as an almost stubborn reminder of the ephemeral. What could be more sobering after a night out, than to wake up on the beach, hung over, and to cast the first look onto the rusting ruins of Brighton’s Westpier?

Brighton Westpier

I didn’t have long to reflect on issues such as mortality and transitoriness, it had begun to rain and ironically I found myself inside a most comfortable pub. The Victory Inn was hospitable, warm and on top of all offered free wifi access. I was lucky though, and after a brief shower, the sun was out again and it was time for the second P on the list.

The Pavilion, or Royal Pavilion, is definitely the most exotic monument in Brighton, possibly in England. King George IV (1762-1830), then Prince Regent and known to be a man of taste, loved Brighton and its parties, all that was missing, in his opinion, was a place worthy of housing the future King of England. So he commissioned architect John Nash to build what can be seen today: an exotic palace, which combines elements of Mughal and Islamic architecture, with a richly decorated interior influenced by Chinese and Indian styles. Spartanic Queen Victoria didn’t like the Pavilion as much and sold it to the city, after removing the interior fittings to either Buckingham Palace and Windsor – most of what can be seen in the palace today are replicas of the originals.

Royal Pavilion, Brighton

Whether the glamorous inside of Brighton Pavilion is actually worth the 8.80 Pounds, which are currently charged to get in, I couldn’t tell – I chose to walk around Brighton in the evening sun, which was not only pleasant, but free of charge as well.

The next morning I was left with the last letter of my Brighton acronym, the L, which stands for Lanes and which luckily were on the way to the train station. There’s not much to be said about the Lanes, except that they’re a small web of charming little streets and alleys, the only ones that survived the great fire, that was set during a French raid in 1514. They might invite you to stroll around and look at the antique shops or take a break in one of the cafés, not me however, I had to catch a train. But I left Brighton with most pleasant memories and a decision for the next stops on my intinerary, effective immediately: Never to stay at another place less than two nights. After all, I remembered that my friend from Whitstable had made an extra remark to the three letter sightsseeing acronym. Do go for the Afternoon Tea in the Grand Hotel, if you get a chance. Well, I’ll just have to postpone that until the next time I shall visit Brighton.

Next stop: Salisbury

Useful Information:

Travel to Brighton from London: With Nationalrail or Nationalexpress, the coach being the considerably cheaper option.

There are plenty of Hostels, Hotels and similar accommodation in Brighton. I stayed at the Brighton Breeze Hotel, which is quite a distance from the trainstation. It turned out to be a clean hotel with great rates (around 30 Pounds per night), the atmosphere could have been a little more charming.

More information on Brighton and its various sights can be found on the official website of the city or via Wikipedia (as well as on many other related websites).

Susanne, July 12 2009

When you’re going to Brighton, all you have to remember is PPL

Traveling Sandworm

Freundin C. hatte mich mit einem handlichen Akronym auf die Reise geschickt. Wir hatten darüber gesprochen, was es in Brighton alles zu sehen gäbe und was davon wirklich zum Pflichtprogramm gehören möge. Ich befand mich noch immer in der anfänglich etwas hektischeren Reiseplanung und hatte nur eine Nacht in Brighton eingerechnet, ein Fehler, der mir danach nicht wieder unterlief. C. meinte schließlich, alles was ich über Brighton wissen müsse und was es wert wäre, gesehen zu werden, ließe sich mit den Buchstaben PPL zusammenfassen, würde ich mir diese Kombination aus Anfangsbuchstaben merken, könne mir in Brighton wirklich nichts passieren. Die Buchstaben standen für „Pavilion, Pier and Lanes“ und würden die allerwichtigsten Sehenswürdigkeiten von Brighton beschreiben. Wenn ich dafür empfänglich wäre und noch extra Zeit hätte, sollte ich darüber hinaus auch den Afternoon Tea im Grand Hotel nutzen. Ein etwas teureres Vergnügen, welches aber zu Brighton passen würde und in Anbetracht der großen Mengen an Speisen, die man dort serviert bekäme auch ökonomisch nicht unklug wäre, da man sich mit Sicherheit das Abendessen ersparen würde.

Also verabschiedete ich mich schließlich von C. und brach endlich auf, um Südengland zu bereisen. Mit dem Bus ging es von Whitstable nach Canterbury, wo ich in den Zug umsteigen wollte, der jedoch wegen Arbeiten am Gleiskörper durch einen weiteren Bus ersetzt wurde, welcher mich nach Ashford brachte – als generell ÖBB Geschädigte war es fast beruhigend zu sehen, dass auch in England so etwas wie Schienenersatzverkehr existierte.

Bereits auf der Fahrt nach Ashford wurde ich das erste Mal auf die wunderschöne Landschaft Südenglands aufmerksam. Im Kleinen hatte ich sie schon in Whitstable und Canterbury wahrgenommen, als mir die gepflegten Gärten und eine nicht zu übersehende Leidenschaft für Landschaftsgestaltung ins Auge stachen. Nun im Bus nach Ashford wurde mir, hinter schmutzigen Fenstern, die kaum den Eindruck schmälerten, klar, dass auch im Großen betrachtet Südengland mit beeindruckender Schönheit gesegnet war. Da zogen Wiesen vorbei, auf denen Schafe grasten, hin und wieder durchschnitten von kleineren Flüsschen, eine liebliche Hügellandschaft, die sich insgesamt mit einem Wort beschreiben ließ: Grün.

England, East Sussex

England ist grün, dieser Eindruck hat sich auf meiner gesamten Reise gefestigt; nie habe ich so viele verschiedene Grüntöne auf einem Flecken Erde gesehen. Grasgrün, dunkelgrün, blaugrün, graugün, braungrün, gelbgrün, hellgrün, smaragdgrün, olivgrün, blassgrün, neongrün, schlammgrün…endlos war die Farbpalette, die an mir vorbeizog, bis nach dem Umsteigen auf die Bahn in Ashford und auf dem Weg nach Brighton, sich das viele Grün im Süden endlich mit dem blassbraunen Sandstrand und dem dahinterliegenden blau des Ärmelkanals kontrastierte.

England, East Sussex

Knapp 3 Stunden nach meiner Abreise, stieg ich in Brighton, welches seit Ende der 1990er etwas uncharmant Brighton and Hove heißt (die beiden benachbarten Städte wurden zu einem Stadtkreis zusammengefasst) aus dem Zug und fand mich erst eine relativ anstrengende dreiviertel Stunde später im gewählten Hotel wieder, welches sich im Stadtteil Kemptown, nicht unweit von der Strandpromenade befand, aber vom Bahnhof gesehen doch etwas mühsam zu erreichen war. Das Gefälle vom Bahnhof bis zur Strandpromenade würde ich am nächsten Tag noch verfluchen, da wandelte es sich nämlich in eine gnadenlose Steigung und führte mir erstmals das Gewicht meines Rucksackes vor Augen. Trotz allem ging sich nach einer kurzen Verschnaufpause doch noch eine gemütliche Erkundungstour durch Brighton aus, und die inkludierte auch die Pflichtpunkte aus Cs Akronym, nämlich zunächst den Pier, später ein Spaziergang rund um den Pavilion und am nächsten Tag beim Rückweg zum Bahnhof noch einen Abstecher durch die Lanes.

Brighton Pier

Der Pier ist kaum zu übersehen, befindet er sich doch zentral an der Strandpromenade gelegen und ist das was man im angloamerikanischen Raum gemeinhin unter einem Pier versteht, nämlich hauptsächlich Vergnügungszentrum mit allen möglichen Attraktionen, die angeblich Spaß machen. Nachdem ich mich dafür kaum erwärmen konnte, ließ ich eine genauere Erkundung bleiben, viel interessanter schien mir der nur wenige hundert Meter weiter westlich gelegene West Pier. Oder das was vom West Pier übrig war, denn aus dem Wasser ragte bloß noch das rostige Skelett des Bauwerks, welches 1866 in Glanz und Glorie vom Architekten Eugenius Birch als herausragendes Exempel viktorianischer „seaside architecture“ konstruiert und aufgestellt wurde. Bereits 1975 wurde der Pier geschlossen und dem Verfall überlassen. Stürme und ein gewaltiger Brand 2003 machten jegliche Renovierungspläne zunichte, die verbliebenen Überreste des West Pier lassen nur noch ganz entfernt auf die einstigen Hochzeiten schließen, das traurige Gerippe jedoch mag Brightons vergnügungssüchtigen Besuchern, die sich wochenends von einer Bar zur nächsten drängen, vielleicht den nötigen Schuss Vergänglichkeit in den Drink mischen. Ich stelle mir kaum Ernüchternderes vor als nach einer durchzechten Nacht am Strand aufzuwachen und den ersten Blick auf das verrottende Gerüst des ehemaligen West Piers zu werfen.

Brighton Westpier

Derlei Gedanken hielten nicht lange und ich suchte alsbaldig selbst ein Pub auf, denn es hatte mittlerweile zu regnen begonnen. The Victory Inn, welches sich für die Regenpause anbot, war dann auch gut besucht, sehr gastfreundlich und verfügte sogar über einen gratis Wifi-Zugang. Nachdem der Regen nachgelassen hatte und sich auch die Abendsonne noch durchsetzen konnte, setzte ich meinen Spaziergang durch Brighton fort und kam schließlich zum zweiten P. dem Pavilion oder Royal Pavilion, der mit Sicherheit die herausragendste und exotischste Sehenswürdigkeit in Brighton, vermutlich ganz England, darstellt. König George IV. (1762-1830), damals noch Prinz und ein genauso kunstliebender wie unterhaltungsfreudiger Mann, hatte sich Brighton als seinen bevorzugten Aufenthaltsort auserkoren und sich mit diesem architektonischen Exoten ein Denkmal gesetzt. Ein Prunkbau im Stile von indischen Mogulbauten, mit Einflüssen aus der islamischen Architektur und einer Inneneinrichtung in chinesisch-indischem Stil, allesamt umgesetzt und verwirklicht vom Architekten John Nash (zwischen 1812 und 1822). Nachdem das Gebäude Mitte des 19. Jahrhunderts an die Stadt verkauft wurde und ein Großteil der Inneneinrichtung im Buckingham Palace und in Windsor landete, ist der Gutteil der aktuell im Inneren befindlichen Ausstattung nachgebaut.

Ich selbst habe mir das Innere des Pavilion nicht angesehen, ich kann deshalb auch keinerlei Auskunft darüber geben, ob die aktuell 8,80 Pfund Eintritt lohnenswert sind oder nicht. Ich hatte mich für die Abendsonne entschieden und in dieser Hinsicht war die Entscheidung noch ein wenig entlang der Strandpromenade zu wandeln nicht nur lohnenswert sondern auch gratis.

Royal Pavilion, Brighton

Der nächste Morgen brachte nicht nur das Auschecken aus dem Hotel und die Bewältigung des einigermaßen anstrengenden Anstiegs bis zum Bahnhof, sondern auch noch eine kurze Frühstückspause im letzten Pflichtprogrammpunkt, in den sogenannten Lanes, die günstigerweise am Weg zum Bahnhof lagen. Viel gibt es dazu nicht zu sagen, außer dass es sich um ein kleineres Netz von hübschen Straßen handelt, welche als einzige den großen Brand, den die Franzosen bei einem Angriff auf Brighton 1514 gelegt hatten, unbeschadet überstanden haben. Dort finden sich dann kleinere Shops und Antiquitätengeschäfte und es hätte sich dort wunderbar entlang schlendern lassen, hätte ich nicht die nächste Station meiner Reise erreichen wollen. So aber musste ich Brighton schließlich verlassen, ich machte mich auf die Weiterreise und nahm nicht nur einen herrlichen Ort an der Südküste Englands in die Erinnerung auf, ich hatte auch beschlossen künftig keinem Halt entlang der Route weniger als 2 Übernachtungen zu widmen. Irgendwie war mir das dann alles etwas zu schnell gegangen, schließlich habe ich zwar die Punkte PPL im Reiseplaner abhaken können, aber der Afternoon Tea im Grand Hotel harrt noch immer meines Besuches.

Nächster Stopp: Salisbury

Hilfreiche Infos:

Die Anreiseplanung mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten via Nationalrail oder Nationalexpress, wobei die Bus-Variante wesentlich preisgünstiger ist.

Brighton bietet jede Menge Übernachtungsmöglichkeiten, das von mir gewählte Hotel Brighton Breeze, erwies sich als günstige (30 Pfund/Nacht) und saubere, aber etwas uncharmante und relativ weit vom Zentrum entfernte Option. Diverse Hotelsuchmaschinen bieten eine insgesamt sehr große Auswahl, es sollte sich in jeder Preisklasse und Lokalität Passendes finden lassen.

Zusätzliche Informationen über Brighton finden sich auf Wikipedia sowie auf diversen weiteren (meist englischsprachigen) Webseiten.

Susanne, 9. Juli 2009

On the road in England – Part II: Canterbury, Kent

Flying andworm

 

When one steps through Canterbury’s Westgate, the last remainder of several gates that adorned the medieval city wall, one feels like taking a trip back in time. Along St. Peter’s Street, High Street, the Parade and lastly St. George’s Street – a stretch of pavement that cuts through the old town centre from north-west to south-east – you’ll find yourself in the midst of a pretty ensemble of medieval houses and bridges, which transport you back into the olden days, regardless of what the likewise beauty-struck passengers, that wander in flocks next to you, may look like.

 

Canterbury Westgate

 

Canterbury is one of the most beautiful cities of southern England and well worth a lenghty stay, especially since its walls and buildings ooze history on every corner. Centerpiece and gem of the town is Canterbury Cathedral. It can easily be reached when you turn from High Street into Butcher’s Lane and enter Buttermarket Square. That’s when you’ll stop short in front of the marvellous Christchurch Gate, which marks the entrance into Cathedral territory. You won’t get by unless you’re willing to pay the entrance fee of 7,50 Pounds, but even though that’s far from cheap, the investment is well worth it.

Step through the gate and behold the first stunning view of a gothic cathedral, its green surroundings and additional buildings that embrace the church. The cathedral, like many other places of prayer in Europe stands on the remains of buildings that served older cultures for rites and rituals. The construction of the building that can be seen today, commenced in the late 11th century, and it is certainly one of the most beautiful gothic churches in Europe.

 

Canterbury Cathedral

 

I admit that time constraints, which resulted from only 12 days allocated for travels around parts of southern England left me with only one afternoon dedicated to exploring Canterbury, but having the benefit of insider knowledge from my generous hosts, little escaped my city-search, though it was easily agreed on that I shall have to return to Canterbury.

All medieval history comes with its share of tales around treason, murder and penance and due to my own propensity torward dramatic literature and poetry I cannot deny that my venturing into the cathedral wasn’t at least in part owing to the search for traces of bloodshed, even centuries after the crime. For, after all, no modern crime serial or movie even comes close to the drama that took place in some of those dark alleys, damp crypts or gloomy backwoods that medieval times provided ample space for.

 

Tomb in Canterbury Cathedral

 

When it comes to Canterbury, Thomas Becket’s murder is a story that cries out for telling and after a leisurely stroll through the vast complex of the cathedral, I found myself searching for the scene of the crime. For those of you who are not familiar with the drama, I’ll try to give a brief narrative of the facts (or hearsay, myth and legend respectively): Thomas Becket (c.1120-1170) was a friend and confidant of Henry II., king of England at the time. Henry (1154-1189) cunningly sought to strengthen his position within the, then catholic, church, which led him to conclude it would be best to promote his buddy Thomas to Archbishop of Canterbury. Only he miscalculated and instead of following Henry’s orders, Thomas Becket engaged in a series of legal bouts over the position and power of the catholic church in England. After a particularly aggravating argument, Henry is supposed to have exclaimed the following sentence: “Will no one rid me of this turbulent priest?“ (or at least a variation thereof), which quickly found a following of four fearless fellows (I would have written ruthless, if it wasn’t for the beautiful alliteration…) or honorable knights – whichever way one wants to look at it – who were more than ready to excecute Henry’s will.

So on December 29th 1170 the qualified quartet ventured into Canterbury Cathedral and confronted the bishop, who was getting ready for evening prayers. Thomas wouldn’t budge, which led the four brutes to brutally bludgeon him, finally splitting his scull with their swords’ blows (whoever wants the even bloodier details, head on over to Wikipedia).

After a very speedy canonisation of Thomas Becket in 1173 and an increasing flow of pilgrims visiting his relics, Henry found himself tormented by guilt and finally had to do penance in 1174. Back then rituals like these definitely had more of a demonstrative character, which is why Henry found himself naked except for a sinner’s shirt, walking barefoot all the way to the cathedral where he then had to beg forgiveness on his knees and to make things a little more memorable was afterwards flogged by the entire group of monks (some 80), bishops and abbots, who were present to bear witness to Henry’s remorse. He was then allowed to spend the night in the crypt, praying and fasting (more information can be found here).

Another Henry finally did away with the increasing stream of pilgrims, the 8th in the order of Henrys – due to some „private troubles“ – had decided to end catholic domination in England and simply pronounced himself head of the church of England. He had Thomas’ shrine and remains destroyed, the place where they once rested is now marked by a simple candle.

If anyone by this time needs peace and quiet I would recommend taking part in one of the informative Historic River Tours, that take you and your rowing guide along the river Stour and will complete the day of exploring Canterbury in a relaxing, humorous mood.

 

Canterbury

 

Of course all these events couldn’t but inspire the literary talents of the country, of which England has so many to offer, and who were one of the main reasons I decided to travel to England. As for Canterbury there’s certainly Geoffrey Chaucer, who – though born in London – immortalised the town in his Canterbury Tales. Its greatest son is probably poet and spy Christopher Marlowe, who found his life involuntarily ended in London (another grisly tale…).

Not much more remains to be said, after all I only spent an afternoon in Canterbury, but in the few hours that I found myself wandering the town, it didn’t take long for me to decide, that I shall quite like to return, some day.

 

Next Stop: Brighton

 

Useful Information

Getting there from London: by train search via Nationalrail, round-trip will cost around 40 Pounds or more, the cheaper version is taking the bus which can get you to Canterbury and back to London for 10 Pounds (search Nationalexpress for fares)

Helpful information about Canterbury can be found on the official website of the city, which will also provide advice on accommodation, sights &c.

Historic River Tours of the Stour will take about 40 minutes and cost you 7 Pounds, a great deal for an entertaining alternative to the regular type of sight-seeing.

 

Susanne, July 5 2009