Konzertbericht – Lambchop, Konzerthaus Wien, 2012

Bevor es noch zum Schnee von gestern wird, schnell ein paar Worte zum Lambchop Gig im Wiener Konzerthaus. Was soll ich sagen, Kurt Wagner, Mastermind von Lambchop, ist, soweit ich seine Konzerte gesehen habe, stets ein Garant für gute Live-Musik. Insbesondere, wie es sich zeigte, wenn das Ganze in einer Location stattfindet, die für hervorragende Akustik steht.

Den Opener machte Courtney Tidwell, über die ich nicht viele Worte verlieren möchte, weil sie mit ihren Eigenproduktionen einfach nicht meinen Musikgeschmack getroffen hat. Und im Rahmen des Lambchop-Auftritts verschwand sie als Backing- und Harmonyvocalistin trotz guter Stimme, einfach hinter etwas zu vielen „iiihhs“ und „uuuhs“.

Endlich betrat Wagner die Bühne – er hatte sich schon in der Pause ganz unaffektiert zum Einstimmen seiner Gitarre begeben – ein Typ der grundsympathisch und ohne Allüren scheint und legte mit einem Sprechgesang los, der in die erste Nummer des neuen Albums mündete.

Die Umgebung im Konzerthaus schien ihn sichtlich zu beeindrucken und er meinte nach der ersten Begrüßung auch ganz bescheiden, dass er sich sehr geehrt fühlte in diesem Rahmen aufzutreten und fügte hinzu: „let’s hope we don’t screw up„. Haben sie nicht.

Im ersten Teil spielte man sich, soweit ich das beurteilen kann, durch das gesamte neue Album „Mr. M“. Eine etwas abgespecktere Version davon, vorgetragen von einer Truppe aus insgesamt 5 Personen (Bass, Keyboards, Backingvocals, Drums, Piano), und natürlich Wagner, der selbst an der Gitarre werkte und sang.

Mein persönlicher Höhepunkt war die Nummer „Nice Without Mercy“ bei der die gesamte Band das erste Mal musikalisch so richtig zusammen zu kommen schien. Schließlich hatte man sich durch „Mr. M“ durchgespielt und man hatte tatsächlich den Eindruck, dass Wagner mehr als zufrieden mit der Darbietung war. Zu Recht.

Zum Abschluss und mit zwei Zugaben brachte man dann noch ein paar ältere Nummern. Wagner holte endlich auch den Steel Pedal Gitarristen auf die Bühne, der, wenn es nach mir gegangen wäre, durchaus auch im ersten Teil hätte dabei sein können. Dazwischen hatte sich während der einzelnen Nummern eine humorige Bühnendiskussion zwischen Wagner und dem Pianisten, der dabei den Pausenclown gab, entwickelt. Es schien als wäre die Spannung von der Truppe abgefallen und man musizierte jetzt bloß noch aus reinem Vergügen.

So kam es schließlich dazu, dass die Eingangsnummer zum Ende – unter dem Motto „end it like you start it“ – in einer für Lambchop-Verhältnisse kaum fassbar rockigen Stimmung noch mal dargeboten wurde. Ein trefflicher Ausklang. Ein großartiges Konzert.

Susanne, 29. Februar 2012

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The Sandworm empfiehlt – Lambchop „Mr. M“

Es ist eine Weile her seit der letzen Rezension eines Albums, aber wie’s der Zufall will, trat man an mich heran und fragte höflich nach, ob ich Interesse hätte das neue Oeuvre von Kurt Wagner aka Lambchop mal anzuhören und meine Meinung kund zu tun. Zufällig ist Lambchop auch eine jener Bands die ich zu fast jeder Zeit gerne höre. Bis dato hab ich Wagners Truppe einmal im Wuk und einmal im Gasometer live erlebt und bis auf die bekannten akustischen Probleme in letzterem Venue, war das jedes Mal ein Genuss.

Was gibt es nun zu sagen zu „Mr. M“? Was mir beim erstmaligen Anhören spontan in den Sinn kam, ist, dass es ein optimales „Frühstücks-Album“ ist. Das ist keineswegs ein geringschätziges Urteil, im Gegenteil, insbesondere nach dem Aufstehen lege ich besonderen Wert auf Musik, die mich in angemessener Weise in den Tag holt. Das Gehör ist noch ausgeruht und empfindlich, ich schätze in diesem Zustand nichts kompliziertes oder anstrengendes. Gewisse Spielarten der Klassik, oder zum Beispiel Guy Clarke oder Joe Henry. In dieser Hinsicht ist „Mr. M“ geradezu optimal.

Nachdem ich mir die Songs aber nun auch über den Tag verteilt angehört habe, muss ich meine spontane Kategorisierung auch schon wieder in den Wind schreiben. Lambchops „Mr. M“ ist ein Album, dass man sich in diversen Situationen, in denen man besonders entspannt und milde gestimmt ist, zu jeder Tageszeit anhören kann.

Ob beim Spaziergang durch die Stadt, bei dem man geneigt ist, der grantigen Sorte von Wienern die Songzeilen „Don’t know what the fuck they’re talking about“ etwas lauter zuzusingen. Oder beim Gang durchs Museum. Lambchop verträgt sich zum Beispiel hervorragend mit den gängigen Impressionisten. Zum Glas Rotwein im Café, oder dem gemütlichen „lounging“ zu Hause passt es ebenfalls ausgezeichnet.

Besonders gut geeignet sind da zum Beispiel die instrumentale Eingangsnummer „Betty’s Overture“. Oder das jazzige „Kind Of“. Alles in allem ein sehr gelungenes Album.

Wer Kurt Wagner übrigens live erleben möchte – was ich aufgrund der beiden bereits besuchten Konzerte nur dringlich empfehlen kann – dem bietet sich am 27. Februar im Wiener Konzerthaus eine hervorragende Gelegenheit. Den Opener macht an dem Abend Cortney Tidwell, die einige vom Kooperationsalbum mit Wagner (Kort, „Invariable Heartache“) kennen. Es sollte ein lohnenswerter Konzertabend werden.

Zur Einstimmung findet sich hier noch das erste offizielle Video „Gone Tomorrow„. Weitere Infos zum Konzerthaus gibt’s auf Facebook und Twitter. Enjoy.

Susanne, 18. Februar 2012

Skizzen aus Wien – Nr. 8

sandworm

 

Wir befinden uns fast mitten im Dezember und das Jahr geht langsam aber sicher seinem Ende zu. Im Kalender fehlen zwar noch ein paar Tage, trotzdem Grund genug einen Rückblick auf das heurige Konzertjahr zu tun. Denn, auch wenn es kaum jemand glauben mag, für mich ist die heurige Saison beendet, mein Konzertkalender 2008 ist voll. Und – es war ein gutes Jahr was die Ausbeute an Konzerten betrifft, selbst die Tatsache, dass ich mehr als vier Monate dieses Jahres nicht in Wien verbracht habe, hat sich, bis auf die persönliche Katastrophe einen der spärlich gesäten Auftritte des Herrn Dylan versäumt zu haben, nicht negativ auf meine Bilanz ausgewirkt.

Einen fulminanten Auftakt fand 2008 bereits im Februar. Altmeister Neil Young gab sich ein Stelldichein im Austria Center Vienna und legte einen Auftritt hin, von dem sich viele 20-jährige noch einiges abschauen könnten. Musikalische Virtuosität, samt beeindruckender Agilität – gerockt wurde bis die Saiten der Gitarre rissen – ließen die Besucher selbst die uncharmante Atmosphäre des Austria Center vergessen, dass die Wiener Linien wieder mal nicht mehr fuhren und mehrere hundert Konzertbesucher schließlich zu Fuß über die Reichsbrücke in die Stadt zurücksuchten, konnte die Stimmung ebenfalls nicht trüben. Mehr dazu im Konzertbericht von meinem werten Blog-Kollegen Martin (Februar 2008).

Die danach folgende Wien-Pause wurde meinerseits kaum wahrgenommen, bis auf die oben erwähnte schmerzhafte Nachricht, dass Bob Dylan, nach mittlerweile gefühlten 100 Jahren endlich wieder mal nach Wien kommt, ausgerechnet wenn ich nicht dort bin. Aber NY hat mehr als entschädigt (siehe dazu die jeweiligen Einträge) und mit dem Auftritt von Conor Oberst und seiner Mystic Valley Band war im September wieder alles gut. Die Band hatte die Wiener Arena für ihr Gastspiel gewählt, noch dazu einen der letzten lauen Spätsommerabende, an denen man auch noch draußen sitzen konnte und so tat die etwa einstündige Verspätung mit der Mr. Oberst die Bühne betrat kaum weh. Der junge Mann bot dann trotz fortgeschrittener Illuminierung ein wunderbares Konzert, das neue Album („Conor Oberst“) kann ich jedermann nur wärmstens ans Herz legen.

Das nächste Highlight bildete der Double-Header Lambchop/Calexico, der beherzt der katastrophalen Akustik im Gasometer trotzte. Das besagte Akustikproblem war mir schon vor meinem ersten Besuch in der Konzertlocation zu Ohren (!) gekommen, es hat sich bestätigt und lässt sich treffenderweise mit „Bahnhofshallenatmosphäre“ beschreiben. Wie dem auch sei – beide Bands überzeugten – stellenweise kam dann doch noch eine Stimmung auf, als säße man auf der Veranda, blicke über die Weiten Arizonas und nähme genüsslich einen Schluck vom eisgekühlten Corona (mit Limettenscheibe!).  Da konnte einem selbst die Oktoberkälte nichts mehr anhaben.

Der November bot schließlich sage und schreibe zwei Höhepunkte. Nummer eins: Okkervil River, die leidergottes im Rahmen des Blue Bird Festivals im Porgy&Bess auftraten (Please Mr. Sheff – solo show next time!), die dilletantische Technik (der Lichttechniker versteht offenbar kein Englisch) und ein sitzendes Publikum aber ganz einfach links liegen ließen und ein phänomenales Konzert boten. Für Okkervil River („The Stand Ins“), wie auch für die beiden oben erwähnten Bands (Calexico mit „Carried To Dust“ und Lambchop mit „Oh (Ohio)“), gelten ebenfalls dringendste Albenempfehlungen.

Nummer zwei: Wovenhand. Bandleader David Eugene Edwards trieb mit seinen Mannen die apokalyptischen Reiter durchs WUK und hätte thematisch gerne auch am Krampustag auftreten können. Nichts desto trotz auch am 27. November eine energiegeladene Performance, die uns Zuhörern kräftig die Leviten las und uns präventiv gleich fürs kommende Jahr für alle noch nicht begangenen Sünden büßen ließ.

Und da sagt sich das vor Glück überströmende Herz der Musikliebhaberin schließlich „mehr brauchst du nicht, um bis zum Ende dieses Jahres von einem voll und ganz gelungenen Konzertjahr zu sprechen!“. Möge auch 2009 dem in nichts nachstehen, für alle, die schon jetzt über geheime Insiderinformationen verfügen – immer gerne an The Sandworm!

 

Wer die oben bejubelten Bands noch nicht kennt, hier die Links zu den jeweiligen MySpace Seiten:

Neil Young

 

Conor Oberst

 

Lambchop

 

Calexico

 

Okkervil River

 

Wovenhand

 

Artwork „Sandworm“: zoer

 

Susanne, 8. Dezember 2008