Das Konzertjahr 2010

Sah es zu Beginn des Jahres noch mau aus mit interessanten Konzerten, kamen im Frühjahr endlich die ersten Termine daher, bis zum Sommerende sollten sich zum Glück noch ein paar interessante Gigs dazugesellen, der Spätherbst hat dann musiktechnisch doch eher enttäuscht. Trotz allem kann ich in Anbetracht der Konzerte, die ich schließlich besucht haben, nicht von einem schlechten Musikjahr sprechen, im Gegenteil, es waren ein paar ganz große Highlights dabei, untenstehend eine kurze Nachbetrachtung und Bewertung:

Bob Dylan – Linz, 9. Juni 2010

Nach einer Ewigkeit war es heuer so weit und ich konnte Bob Dylan endlich wieder einmal live erleben. Das hat sich voll und ganz ausgezahlt. Zwar war die Location unter jeder Kritik, die Tatsache jedoch, dass ich den von mir so bewunderten Musikhelden ganz vorne an der Bühne erleben durfte, hat dies mehr als wett gemacht. Dylan ist und bleibt eine Koryphäe und gerade die Verweigerung seine Klassiker so zu spielen, wie er sie vor 30+ Jahren interpretiert hat, macht ihn zu einem aktuell noch immer spannenden, nachhaltig beeindruckenden Musiker. Ich würde jederzeit wieder in eines seiner Konzerte gehen.

Willie Nelson – Wien, 20. Juni

Dass Outlawcountry-Legende und Marijuanaexperte Willie Nelson noch nach Wien kommt, hätte ich fast nicht mehr für möglich gehalten, umso mehr hat es mich gefreut, dass ich ihn im Juni live sehen konnte. Und trotz seiner mittlerweile 77 Jahre, beeindruckte Nelson mit einer großartigen Stimme und einer ebenso großartigen Show.

Eels – Wien, 12. September

Die last-minute Entscheidung mir die Eels doch anzusehen, hat sich als großer Glücksfall entpuppt, die im Rock-Taliban-Outfit auftretende Band, samt charismatischem Frontman E. spielte in der Arena bei mildem spätsommerlichen Wetter ein phänomenales Konzert, und verpasst damit nur knapp den Titel „Konzerthighlight des Jahres 2010“.

Wilco – Wien, 23. September

Der Truppe aus Chicago, rund um Frontman Jeff Tweedy, und ihrem Wien-Debüt gebührt dieses Jahr der Titel „absolutes Konzerthighlight“. Und das trotz der Tatsache, dass ich zwei, drei Songs brauchte um sozusagen den Vibe zu fühlen, und trotz der Katastrophenlocation Gasometer, war es insgesamt ein pures Vergnügen dieser Band bei der „Arbeit“ zuzusehen. Tweedy war bester Laune und großartig bei Stimme, konferierte mit dem Publikum, die Bandkollegen toppten das Ganze mit phänomenaler Musik – insgesamt ein Konzert bei dem einem, wenn man sich zurückerinnert, heute noch ein Glitzern in die Augen steigt. Hoffentlich kommen sie sehr bald wieder nach Wien.

Badly Drawn Boy, 16. November

Mehr aus Mangel an Alternativen begab ich mich im November zum Konzert von Badly Drawn Boy, immerhin hatte er vor einigen Jahren in der Arena ein gutes Konzert abgeliefert, der Abend im Wuk kam aber über das Attribut „nett“ leider nicht hinaus. Nicht mehr und nicht weniger.

Insgesamt also wohl ein Konzertjahr dessen Höhepunkte sich zwischen Juni und September abspielten, erstaunlich, denn generell bin ich es gewöhnt, dass sich zumindest das eine oder andere Highlight auch irgendwann im November/Dezember bzw. Februar/März finden lässt. Egal, 2010 war das zwar leider nicht der Fall, die Konzerte in der Jahresmitte haben mich voll und ganz zufrieden gestellt, bleibt nun noch die Wunschliste für 2011.

Ich hatte bereits 2010 auf Conor Oberst und Okkervil River gehofft, ersterer wird Wien hoffentlich im neuen Jahr mit seiner Formation „Bright Eyes“ einen Besuch abstatten. Bright Eyes bringen im Februar ein neues Album auf den Markt, erste Tourdaten gibt es bereits. Okkervil River produzierten zwar 2010 das Album eines gewissen Roky Erickson („True Love Cast Out All Evil“), auf ein eigenes Album lassen sie hingegen schon länger warten, ebenso wie auf eine Europa-Tour. Nun, wir werden ja sehen, wer sich 2011 nach Wien verirrt, ich hoffe zumindest dass es sich um ähnliche Kaliber wie Nelson, Dylan, Wilco und Co handelt.

Susanne 17. Dezember 2010

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Konzertbericht – Willie Nelson, Wien 2010

Eines stand bereits beim Betreten der Halle F fest, das Publikum, das sich Willie Nelson ansehen wollte, war bei weitem countryesker als jenes, welches sich vergangenes Jahr zum Gig von Kris Kristofferson eingefunden hatte. Da waren einige bestickte Westernhemden auszumachen, nicht wenige sogenannte Fringe Jackets (die Rauhlederklassiker mit den Fransen auf der Rückenpartie und an den Ärmeln) und selbst die Stetson-Dichte war auffällig. Zwei Merchandise-Verkäufer, von denen der eine in breitem (aufgesetztem?) Texas-Akzent „Get your Willie Nelson shirt…“ proklamierte, schufen eine Rodeo-ähnliche Atmosphäre. Die Halle würde wohl voll werden.

Genau so war es auch. Bis auf wenige Plätze weiter hinten war der Saal gut gefüllt. Die Bühnendekoration war mit einer Flagge im Hintergrund etwas weniger spartanisch als bei Kristofferson, zudem war auch Bandgear aufgebaut. Ein Klavier, Schlagzeug – beschränkt auf ein mit Besen bedientes Tom – Percussions und im Vordergrund die liebevoll plazierte legendäre Gitarre Willie Nelsons. „Trigger“ nennt er sie und spielt bereits so lange drauf, dass sie am Klangkörper ein gar nicht so kleines Loch aufweist.

Fast pünktlich begann schließlich das Konzert, Nelson betrat die Bühne und startete mit dem Klassiker „Whiskey River“. Gut gelaunt und in erstaunlich guter Form absolvierte der mittlerweile 77-Jährige schließlich ein nicht ganz zweistündiges Konzert, in dem er nicht nur eine Vielzahl seiner eigenen Songs zum Besten gab, sondern auch auf diverseste Widmungen an Vorbilder oder Wegbegleiter nicht vergaß.

Stilistisch spannte er mit seiner Band, aus der ein hervorragender Mundharmonikaspieler herausstach, einen Bogen vom Blues, über Rock und Country bis zum Jazz und wieder retour. So bekam man ein Medley aus „Funny How Time Slips Away/Crazy/Nightlife“  ebenso zu hören wie die Klassiker „On The Road Again“ „Angel Flying Too Close To The Ground“ oder „Blue Eyes Crying In The Rain“. Tributes gab es an Waylon Jennings („Good Hearted Woman“) und Hank Williams („Jambalaya“, „Hey Good Lookin’“) dazu noch jede Menge anderer Songs aus eigener oder fremder Feder. Zum Beispiel „You Were Always On My Mind“, „I’m The Man With The Blues“, „Me And Paul“, oder „To All The Girls I’ve Loved Before“.

Willie Nelson befand sich, wie erwähnt, in bester Stimmung, seine Gitarre schien mit ihm verwachsen zu sein und so spielte er sich trotz, oder vielleicht wegen, seines fortgeschrittenen Alters nicht nur durch großartige Soli, egal ob Jazz, Blues oder Country – komplimentiert vom Mann an der Mundharmonika – sondern beeindruckte auch nachhaltig mit seiner immer noch erstaunlich kräftigen Stimme, die er von ruhigen, tieferen Tönen bis zu den für ihn typischen nasal-schnarrenden, höheren Lagen ausreizte. Ganz nebenbei schreckte er auch nicht davor zurück, den Mitsingdrang des Publikums zu befriedigen.

Jeder schöne Abend muss ein Ende haben – oder wie Willie sagen würde „the party’s over“ – und so erleuchtete der charismatische Countryboy mit „I Saw The Light“ noch einmal Saal und Publikum. Ein paar Autogramme gab’s noch, ein beherzter Fan, der sein allerschönstes Western-Pailletten-Outfit trug, sprang beherzt auf die Bühne und durfte die Hände seines Idols schütteln, der Rest klatschte und sang sich durch das letzte Lied, schließlich verabschiedete sich Nelson und verschwand hinter die Bühne.

Praise the Lord, I’ve seen the light“. Möge ihn der tägliche Marihuanakonsum noch für ein paar weitere Konzerte hierzulande konservieren.

Susanne, 21. Juni 2010

Musik für alle Lebenslagen – Reisesongs

Immer dann, wenn man sich aufmacht die eigene Wohnung, die Stadt oder gar das Land zu verlassen, kann man das meiner Meinung nach als Reise interpretieren. Schließlich kann es durchaus aufregend sein, halb Wien im 13A zu durchqueren und wer jemals in die Graz-Köflacher-Bahn gestiegen ist, der weiß, man muss nicht ins wilde Kurdistan reisen, um ein Abenteuer zu erleben.

Nachdem auch die so genannte „Urlaubszeit“ näher rückt, habe ich mir heute ein paar Gedanken zum Thema Reisemusik gemacht. „Traveling Songs“ klingt etwas mehr nach dem, was ich beschreiben will und bezeichnet eine gewisse Art von Musik, die, egal ob man mit dem Auto, im Flugzeug, zu Fuß, per Schiff, Bahn oder mit sonstigen Verkehrsmitteln unterwegs ist, die Reise von A nach B unterhaltsamer gestaltet. Das impliziert eine gewisse Leichtigkeit, einen mittelschnellen Rhythymus, hin und wieder auch dezidiert mit Reisen verbundenen Liedtext und soll insgesamt eine entspannte, zurückgelehnte Stimmung erzeugen – mein englischer Lieblingsbegriff umschreibt das ganze am treffendsten mit „laid back“. Im Folgenden also eine Auswahl meiner Lieblingsreiselieder, samt den auf Youtube auffindbaren Clips.

1. Willie Nelson „On the road again“ (u.A. auf On the Road Again/2002): Der Klassiker unter den Reiseliedern, vor allem weil es darin auch einzig und allein um die Freude am Unterwegssein – in Nelsons Fall am Touren – geht. Die Lyrics treffen dann auch den Kern der Sache, den Grund warum sich die meisten von uns gern auf Reisen begeben: „On the road again. Goin‘ places that I’ve never been.
Seein‘ things that I may never see again. And I can’t wait to get on the road again“.

2. Bright Eyes/Conor Oberst „Another Travelin’ Song“ (I’m wide awake it’s morning/2005), „Sausalito“ (Conor Oberst/2008). Nachdem auch hinter Bright Eyes hauptsächlich Conor Oberst steckt und ich mich absolut nicht entscheiden konnte, welches der beiden Lieder ich bevorzuge, empfehle ich einfach beide. Ersteres ist noch eher im klassischen Bright Eyes-Stil gehalten, die rhythmischen Drums lassen aber bereits anklingen, dass sich Oberst langsam in Richtung Süden bewegt.

Dort kommt er über den Umweg „Cassadaga“ (2007) samt Band auch an. Und zwar gleich South of the Border in Mexico, wo „Sausalito“ entstand, ein Song, der mit großartigem Vintage-Gitarren-Sound versehen, zu gemütlichem Fußwippen einlädt.

3. Grateful Dead „Truckin’“ (Skeletons From The Closet: The Best Of The Grateful Dead/1990): The Grateful Dead würde ich gut und gerne als Meister des „laid back“ bezeichnen. Unabhängig davon, ob sie sich ihren Namen eher durch potentere chemische Hilfsmittel gemacht haben – ein Umstand der dazu führte, dass man ihre Anhänger nicht nur aufgrund des Bandnamens als „Deadheads“ bezeichnete – braucht man meines Erachtens weder legale noch illegale Drogen, um die entspannungsinduzierende Wirkung ihrer Musik genießen zu können. „Truckin’“ ist darüber hinaus mehr als ein bloßes Lied für Unterwegs, es befasst sich in seinem Fazit mit dem ganzen Leben, das ja nichts anderes als eine Reise ist, und bilanziert mit einem Spruch, den man sich merken sollte: „Sometimes the light’s all shinin‘ on me; Other times I can barely see. Lately it occurs to me, What a long, strange trip it’s been“.

Die Liste ließe sich wohl endlos fortsetzen, ich habe aber beschlossen, sie kurz zu halten, vor allem weil sich Reiselieder kaum auf einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Musikrichtung beschränken lassen. Das Hauptmerkmal, an dem man einen „Traveling Song“ erkennt, ist meines Erachtens nach seine Wirkung auf den Zuhörer. Wenn er in der Lage ist, nach den ersten paar Takten ein entspanntes Lächeln, eine Art losgelöste Heiterkeit, wie man sie eben beim Reisen verspüren sollte, zu erzeugen, dann ist er ein Reisesong. Wer sich übrigens über die schlechte Soundqualität auf Youtube ärgert – ich kann ohne Einschränkung empfehlen, sich die oben genannten Alben zuzulegen.

Susanne, 29. Mai 2010

Musik für alle Lebenslagen – Teil I: Herzschmerz

Nach dem Start der gleichnamigen Serie in Sachen Literatur, schien es mehr als naheliegend mich auch in Bezug auf die Musik bestimmten Themengebieten zu widmen und eine Auswahl meiner, in den jeweiligen Kategorien führenden, Songs vorzustellen. Insbesondere, weil ich mich in letzter Zeit wieder verstärkt mit musikalischen Themen beschäftige und mich auf diverse ins Haus stehende Konzerte freue. Außerdem liegt der letzte hier getätigte musikalische Eintrag auch schon eine Weile zurück, höchste Zeit also wieder etwas stärkere thematische Variabilität einzuführen.

Was nun den heutigen Themenbereich angeht, so habe ich im Unterschied zur Literaturserie bewusst nicht das Thema Liebe per se gewählt, sondern mich gleich dem verzweifelten Bruder der Kategorie, dem Herzschmerz, gewidmet. Der Grund dafür ist, dass man sich, meiner persönlichen Meinung nach, in Hochzeiten der Liebe wohl weniger dem Musikhören, als anderen Beschäftigungen widmet, ich halte auch nicht viel von kitschigen Deklarationen à la „unser Lied“, viel mehr hat man von der Musik, wenn die Liebe erst einmal am Ende angelangt ist und man tröstlich festellt, dass man sein Leid, gerne auch in fast masochistischer Art und Weise, mit der einen oder anderen musikalischen Größe teilen kann.

Und selbst wenn Musikpräferenzen, wie ich meine, mit der Zeit viel stärker variieren, als das in der Literatur der Fall ist, so will ich zumindest einen relativ aktuellen Ausschnitt aus meinen persönlichen Herzschmerz-Favoriten hier vorstellen. In den meisten Fällen fand sich auch ein entsprechendes YouTube-Video, die nachfolgende Reihung ist weder chronologisch noch nach Präferenz geordnet:

1. Willie Nelson „Blue Eyes Crying In The Rain“ (The Essential Willie Nelson/2003): dieses Lied ist eigentlich schuld an der Schaffung dieser Serie, denn erst gestern habe ich es entdeckt und mich sogleich in die darin ausgedrückte Wehmut verhört. Der Song wurde zwar nicht von Nelson selbst geschrieben, sondern von einem Songwriter namens Fred Rose und wurde auch von Größen wie Hank Williams oder Elvis Presley gesungen, mir persönlich aber gefällt Nelsons Version am besten. Allein Textzeilen wie „Love is like a dying ember, only memories remain“ verleiten zum hörbaren Seufzen. Der YouTube Clip ist eine sehr nette Live-Version. Er lässt auch die Vorfreude auf das kommende Wien Konzert Willie Nelsons rapide steigen.

2.  Okkervil River „Girl in Port“ (The Stage Names/2007): ein wunderschönes Lied, das nicht nur die Leiden des gemeinen Rock- und Popstars ausführlich illustriert, sondern eines jeden, der sich öfter auf längere Reisen begibt. In jedem Hafen ein Mädchen (wahlweise ein junger Mann), aber trotzdem irgendwie verloren, dauernd unterwegs und beschäftigt mit der endlose Suche nach der richtigen, echten, Liebe: „I’m just a guest, I’m not a part, my tender head, with my easy heart, these several years out on the sea, made me empty, cold, and clear, pour yourself into me“. (Der Clip ist kein offizieller Okkervil River Clip, es findet sich aber sonst keine passende Version im Web).

3. Bob Dylan „Red River Shore“ (Tell Tale Signs: The Bootleg Series Vol. 8, Rare and Unreleased 1989 – 2006/2008): Was Willy Nelson in wenigen Worten singt, beschreibt Bob Dylan, den ich persönlich für den besten Songwriter aller Zeiten halte, ausführlichst im 7:36 Minuten langen Song „Red River Shore“ – die verlorene Liebe. Während sich der Song musikalisch mit diversesten hinzutretenden Instrumenten – besonders schön die Harmonika – langsam aufbaut, nimmt auch die Aussichtslosigkeit im Text immer verzweifeltere Ausmaße an. Eine meiner Lieblingspassagen: „Now I’m wearing the cloak of misery, and I’ve tasted jilted love,
and the frozen smile upon my face, fits me like a glove. But I can’t escape from the memory, of the one that I’ll always adore, all those nights when I lay in the arms, of the girl from the Red River shore.“ Nachdem der Meister seine Kinder streng bewacht, gibt es zu diesem Lied leider nur Cover-Versionen auf Youtube, die ich wirklich niemandem zumuten möchte, das Album, auf welchem sich der Song befindet, ist aber in jeder Hinsicht sehr empfehlenswert.

4. Black Crowes „Seeing Things“ (Shake Your Money Maker/1990): Bluesiger Southern Rock, gepaart mit der genialen Stimme von Chris Robinson und man weiß wie schmerzhaft Liebe sein kann, wenn man erkannt hat, dass man betrogen wurde: „I used to dream, of better days that never came, sorry ain’t nothin‘ to me, I’m gone and that’s the way it must be. So please I’ve done my time, lovin‘ you is such a crime, you won’t find me down on, on my knees, won’t find me over backwards baby, just to please“.

5. Candi Staton „It’s Not Easy Letting Go“ (His Hands/2006): Candi Staton zählt zu jenen Sängerinnen, denen es glücklicherweise gelungen ist, nach ihrem Karrierehoch in den 1970ern jüngst ein Comeback zu schaffen. Liebesleid scheint sie auf diesem Weg ständig begleitet zu haben und sie schafft es wie kaum eine andere, dies über ihre Stimme auszudrücken. In „It’s Not Easy Letting Go“ singt sie über die Kraft, die es kostet, eine totgelaufene Beziehung zu beenden und nach vorn zu schauen. „It might be hard but I gotta move on with my life, I can’t keep looking back at the misery and strife, I do the best I can, but my heart still needs to mend“. Das Video ist wieder ein sehr kitschiges Youtube Fan-Fabrikat, man sollte sich auf die Akustik konzentrieren.

6. Pointer Sisters „Fairytale“ (That’s A Plenty/1974): Liebesschmerz, wenn man ihn erst einmal halbwegs verkraftet hat, kann sich gern auch in zufriedene Genugtuung verwandeln, am besten beschrieben durch folgende Songzeilen: „There’s no need to explain anymore,
I tried my best to love you,
now I’m walkin‘ out the door.
You used me, you’ve deceived me, and you never seem to need me,
but I’ll bet, you won’t forget me when I go
(Oh no, no, no)“. Zum Abschluss daher mit den Pointer Sisters ein Licht am Horizont und als Draufgabe auch ein sehr vergnügliches Video aus den guten alten Zeiten.

Die Liste ließe sich sicher noch endlos fortsetzen, schließlich dreht sich nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Musik ein Gutteil der Kreationen um die Liebe, trotz allem besteht das Leben aber nicht allein daraus, weshalb es es zum Glück noch weitere Themengebiete gibt, über die ich mir in den kommenden Einträgen ausführlich Gedanken machen werde. Vorschläge und Einwände sind diesbezüglich herzlich willkommen.

Susanne, 11. April 2010

Skizzen aus Wien – Nr. 47

Nach einem unereignisreichen Jahresbeginn hatte ich zwischendurch schon fast den Eindruck, es würde ein konzertloses 2010 werden. Die Wochen vergingen und es wurde März, ohne dass ich auch nur von einem, für mich zumindest halbwegs interessanten, Termin in Sachen Live-Musik erfuhr. Gut ich gebe zu, es waren schon welche dabei, die ich mir hätte ansehen können – Lyle Lovett & John Hiatt (sollen grandios gewesen sein), oder Henry Rollins (ebenfalls). Aber erstere haben mich einfach nicht genug interessiert, letzterer ist eher so was wie ein Held aus Teenagerzeiten, die wohlgemerkt auch schon wieder lang vorbei sind. Also ging das Warten weiter.

Bis Anfang vergangener Woche. Da hat mir meine wichtigste Konzertinformationsquelle – mein gelegentlicher Co-Blogger Martin – ein sehr erfreuliches Email geschickt. Ein paar Tage später dann ein weiteres, mit noch erfreulicheren Nachrichten. Was schließlich darin resultierte, dass ich den heutigen Eintrag für ein paar musikalische Konzertempfehlungen nutzen möchte:

Bob Dylan – 9. Juni: Bratislava – 12 Juni: Linz

Es scheint fast als ob insgeheime Bitten meinerseits erhört wurden, denn seit Jahren wünsche ich mir, Bob Dylan endlich wieder einmal live sehen zu können. Ja ich weiß, 2008 war er in Wien, aber was kann ich dafür, dass ich zu dem Zeitpunkt ausnahmsweise in New York war. Wie dem auch sei. Wir schreiben 2010 und auch wenn die Details noch nicht feststehen, so gibt es die Ankündigung, dass Dylan Mitte Juni in Linz und, in noch größerer Nähe zu Wien, in Bratislava, auftreten wird. Viel mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Dylan muss man zumindest 1x im Leben live erlebt haben. Meine Devise ist in dieser Hinsicht, je öfter, desto besser.

Willie Nelson – 20. Juni – Halle F – Wien

Manche können seinen nasalen Sing-Sang nicht ausstehen, andere wieder – darunter ich – schätzen ihn gerade deswegen. Daneben gehört er zu den lebenden Legenden des Country und nachdem er mittlerweile auch schon seine 76 Jahre am Buckel hat, sollte jeder der sich für Country/Alternative Country interessiert, die seltene Gelegenheit nutzen, sich den Mann live anzusehen. Wenn er noch ebenso viel Herz und Energie in seine Live-Auftritte steckt wie sein Weggefährte in Sachen Outlaw-Country Kris Kristofferson (die Rezension von dessen hervorragendem Konzert vergangenen November findet sich hier), dann steht einem fantastischen Abend nichts im Weg. Vor allem weil sich Nelson auch diversen Neuerungen seines Genres nicht in den Weg stellt, im Gegenteil, mit seinem 2006 erschienenen Album „Songbird“ ist ihm ein ganz großer Wurf gelungen. Nicht zuletzt weil er sich als Produzenten eines der Aushängeschilder der jüngeren amerikanischen Indie-Szene dazugeholt hat. Ryan Adams zeichnet auf diesem Album für einen modernen, rockigen Anstrich der Nummern verantwortlich und schüttelt auch allerletzte Anflüge von Verstaubtheit aus dem nicht mehr jungen Genre Country. Hingehen und mitnäseln.

Wilco – 23. September – Gasometer Wien

Obwohl ich mich nicht für die Konzertlocation erwärmen kann, tut es trotzdem gut, eine jener Bands in Wien zu erleben, die in den vergangenen Jahren immer wieder für qualitativ hochwertige Alben gesorgt hat. Wilco, die sich im sog. Alternative Rock Genre, tummeln, machen Musik, die man jederzeit gern hört, weil sie eine Qualität pflegen, die sich am besten mit den Worten „laid back“ (ungefähr als „entspannt zurückgelehnt“ zu übersetzen) beschreiben lässt. Bis September ist auch noch genügend Zeit, die Alben wieder genauer durchzuhören und wenn die Gerüchte, nach denen die Akustik im Gasometer drastisch verbessert wurde hoffentlich stimmen, dann steht einem relaxten, frühherbstlichen Konzertabend wohl nichts im Weg.

Somit sind also einige sehr erfreuliche Konzerttermine bereits im Kalender eingetragen, und weil Bescheidenheit eine Zierde ist, hoffe ich auf baldige Ergänzungen und zwar zumindest von Seiten Connor Oberst (höchste Zeit) und Okkervil River (gleichfalls). Die oben erwähnten Konzerte, sofern sie planmäßig stattfinden, werden hierorts selbstverständlich ausführlich rezensiert.

Susanne, 7. März 2010