Skizzen aus Wien – Nr. 48

Was macht man in Wien, wenn die Temperaturen die 30 Grad-Grenze überschreiten? Man geht ins Bad oder fährt an die alte Donau, zum Beispiel. Nachdem für mich beide Optionen wenig attraktiv sind – meine Sympathie für öffentliche Bäder hält sich in Grenzen, ebenso wie für das Baden in der Donau – gilt es Alternativen zu finden. Eine ganz hervorragende heißt „Museum“.

Ein Museum in der Sommerhitze ist nach einem Sprung ins Wasser wohl die nächstbeste Alternative zum Hitzschlag, dazu kommt schließlich noch der Zusatznutzen sich auf diesem Weg auch ein wenig zu bilden. Nachdem die Nationalbibliothek mit ihrer Ausstellung „Juden, Christen und Muslime – Interkultureller Dialog in alten Schriften“ ausfiel  – Montags geschlossen – wählten Freundin C. und ich das Museum für Völkerkunde, welches sich bloß ein paar Schritte weiter, ebenfalls in der Hofburg befindet. Zu diesem Zeitpunkt stand auch bereits mein Entschluss fest, mir eine Jahreskarte für das Kunsthistorische Museum zu kaufen, schließlich hatte ich es, als es in die Bernhard-Ausstellung im Theatermuseum ging, verabsäumt das zu tun, und nachdem auch das Völkerkundemuseum zum Komplex des KHM zählt, man es mit besagter Jahreskarte also auch mitbesuchen würde können, wollte ich mir eine weitere Kaufgelegenheit nicht entgehen lassen.

Über die Ausstellungen, die im Museum für Völkerkunde aktuell liefen, haben C. und ich uns nicht großartig informiert, Hauptanliegen war es, aus der völlig überhitzten Wohnung hinaus, in die erhoffte Kühle des Museums hinein zu kommen, außerdem war keine von uns beiden zuvor dort gewesen und schließlich versprach es auch ein kinderfreundlicher Ort zu sein, denn die temporären Hitzeferien wollten so gestaltet sein, dass auch C.s noch nicht ganz einjährige Tochter mit von der Partie sein konnte.

Bei mehr als 30 Grad Celsius fanden wir uns schließlich vorm Museum ein, der kurz zuvor getätigte Blick auf die Webseite hatte blasse Erinnerungen an eine Ausstellung über James Cook zurückgelassen, eine Rampe für den Kinderwagen gab es, bevor man noch nach einem Lift suchte, waren die paar zusätzlichen Stufen zur Museumskassa kinderwagentragenderweise bewältigt und wir standen schließlich vor einer ausnehmend höflichen Museumsangestellten.

Wie in Österreich gemeinhin üblich, verpackt man Sommeraktionen immer in lustige „Mit der Kirche ums Kreuz“-Kombos und als ich mir freudig gleich die Jahreskarte (29 Euro) kaufen wollte, schlug mir die nette Dame das Special vor, welches in der Zusatzaufgabe bestand, zunächst ein Ticket fürs Museum zu lösen und beim Hinausgehen dieses, gut aufzubewahrende Ticket, in eine Jahreskarte umzutauschen, der Endpreis würde schließlich bloß 27 Euro ausmachen. Trotz hitzebedingter Ausfallerscheinungen, sah ich mich in der Lage diesen Jahreskartenkaufparcours zu absolvieren.

Dann präsentierte Freundin C. noch ihre im letzten Waschgang gereinigte, leicht lädierte Jahreskarte – sie hatte sich das Ding bereits ein paar Monate vorher zugelegt – auch hier war die Angestellte äußerst freundlich, meinte nicht nur, ja es wäre schon ok, sie könne die Karte noch identifizieren, versprach aber darüber hinaus auch, sich kundig zu machen, wie man sie denn gegen eine Neue eintauschen könne. Alles würden wir beim Hinausgehen erfahren.

Los ging es also in die James Cook Ausstellung, die sich über die unterste Ebene erstreckte, das Museum war im Vergleich zu draußen angenehm temperiert und ruhig, da nur eine Handvoll anderer Leute dieselbe Idee wie wir hatten.

So wanderten wir schließlich knappe 2 Stunden durch die Ausstellung, über die ich nicht wirklich viel Positives sagen kann. Leider. Ich weiß nicht, was der Kurator, oder die Kuratorin, mit dieser James Cook Ausstellung bezwecken wollte, viel war es jedenfalls nicht. Es ging um Cooks drei Forschungsreisen in die südliche Hemisphäre und hätte in Bezug auf Kunst, Völkerkunde und Forschung sehr viel Potential geboten. Allein, man hatte die Objekte, z.B. Werkzeuge und Artefakte aus der Südsee, Masken, Stoffe, etc. einfach in die Schaukästen gestellt, ein paar Wandtexte erklärten zumindest wann man wo gewesen war, aber einen übergreifenden Konnex zwischen Forschung, Entdeckungsreisen, Ethnologie und Kunst herzustellen, war absolut nicht gelungen.

Am Eingang zur Ausstellung fehlte zunächst eine wirklich kompakte Einführung in die Thematik, auch eine umfangreichere Biographie von Cook, schließlich war ich mir bis zum Ende der Ausstellung nicht sicher, ob das jener Entdecker war, der auf seinen Reisen auch den Tod fand.

Zwar hatte man zaghaft zu didaktischen Mitteln des 20. Jahrhunderts gegriffen, es gab ein paar Videos, aber bereits das erste davon war eine Enttäuschung. Man hatte versucht, die damaligen Berechnungsmethoden für Längen- und Breitengrade anschaulich darzustellen, aber man scheiterte katastrophal, weil man zwar ein Beispiel für die Berechnung gab, dieses aber nicht in den Zusammenhang einer Formel stellte, ich also auch heute nicht meine Position berechnen würde können, für den Fall des Falles, dass man mich einmal auf dem offenen Meer aussetzt.

Bei den Schaustücken wiederum hatte man vergessen die Nummern ihrer Beschreibung auch neben die Stücke zu plazieren und selbst wenn die Erklärungen meist direkt darunter standen, war man sich bei Kästen mit mehr als 10 Exponaten nicht sicher, ob man nun einen Halsschmuck oder ein Werkzeug vor Augen hatte.

Und die Erklärungen schließlich richteten sich wohl wahlweise an Ethnologen, Seebären, oder sonstiges Fachpersonal, denn trotz Abschluss akademischer Studien waren weder C., noch ich in der Lage herauszufinden wozu man z.B. „Ösfässer“ benötigt. Die dazugehörige Tafel führte lediglich aus, dass sie auch in der Südsee gewöhnlich zum „Lenzen von Booten“ verwendet würden. Aha. Ja. Ok.

Das alles hat uns aber überhaupt nicht davon abgehalten diesen Museumsbesuch sehr zu genießen. Es war relativ kühl, das Personal war ausnehmend freundlich, selbst ein am Boden krabbelndes, zeitweise laut kicherndes Baby, schien niemanden zu stören und so wandelten wir von Saal zu Saal, amüsierten uns wahlweise über die Beschreibungen, die Gegenstände, oder zum Beispiel das große Talent der FPÖ immer wieder neue Niederungen der Dummheit auszuloten, wenn man sich dort z.B. beschwert was für ein Skandal es nicht wäre, Volkskunde- mit Völkerkundemuseum zusammenzulegen. Lustig war’s.

Schließlich wurden wir via Lautsprecheransage daran erinnert, dass das Museum in 10 Minuten schließen würde, wir begaben uns zum Ausgang, wo ich einerseits meine Jahrskarte endlich erwerben durfte, die nette Mitarbeiterin andererseits auch nicht darauf vergessen hatte, C. die nötigen Informationen für den Austausch ihrer Karte zu geben.

Fazit? Von kuratorischer Seite aus hätte man mehr machen können, viel mehr eigentlich, aber insgesamt war es ein abwechslungsreicher Besuch, der sich im kommenden Jahr durchaus wiederholen könnte. Schließlich darf ich jetzt mit meiner Jahreskarte rein. Als nächstes jedoch stehen ein lang geplanter Besuch der Bordonesaalsitzbank im Kunsthistorischen und die Mahlerausstellung im Theatermuseum am Programm. Ich werde mich beeilen müssen, schließlich habe ich nur ein Jahr Zeit.

Susanne, 18. Juli 2010

On the road in Belgium – Brussels

I have always told anybody, whether they asked me or not, that Brussels is a city which doesn’t merit being visited for its own sake. My last trip to Belgium’s capital didn’t change my mind regarding that assertion, but I’ve discovered, that the city does have its rightful attractions. I’m talking about food and drink, or to be precise, beer.

Which leads me to the conclusion, that to best enjoy Brussels, one should combine a valid purpose for making the journey – business for example – or make it a  station on one’s trip between cities which are in fact worth a visit just for their own sake.

It was my second trip to Brussels, which as explained above, occurred because I had something else to do in the city. This time it was a „blogger’s excursion“ to learn more about the institutions of the European Union. I was in a group of about 20 people and we all had a rather tight schedule, luckily though there was still plenty of time to do some sight-seeing, eating and drinking.

When it comes to sights in Brussels, a day suffices to see most of the things that guide-books usually sell you as a „must see“. Since I have cultivated my own traveling philosophy, which can be described as a mixture of 19th century „to travel for traveling’s sake“ and taoistic tranquility („the path is the goal“), I usually care little for what guide-books tell me I must see, so even on the second time around I haven’t managed to go and look at the famed Atomium. Maybe next time.

I did walk around the historic parts of Brussels, which are well worth the time. The city has a beautifully restored center, which gravitates around the Grand Place, the heart of historic Brussels and in itself a piece of architectural art. Rebuilt after its destruction in 1695 it is, in my opinion, one of the most harmoniously styled places in Europe, with a perfect assembly of baroque and neo-gothic buildings.

When wandering around the lanes which surround the Grand Place, you will sooner or later stumble over Brussel’s symbol, the very tiny statue of a peeing boy. Or I should say, you’ll stumble over a crowd of tourists looking at the very tiny statue of a peeing boy. He’s called Maneken Pis and whether you like watching someone relieve himself endlessly is up to you, I always found it quite amusing to watch those who gather around to do just that.

When you’re done with sight-seeing I suggest you turn your mind to what’s really worth the time in Brussels. As mentioned above, that would be food and beer. Foodwise there’s lots to be enjoyed in the city, they unarguably have the best chocolate in the world – my favorite turned out to be Neuhaus – some very fine cheeses and if you care for sea-food, there’s outstanding mussels. Those are usually served with fries, the dish is called „Moules Frites“.

The best place to eat Moules Frites is a restaurant called „Chez Léon“. They’re specialized in all kinds of dishes with mussels in them and through lunch time you can get a nice combo, which includes the usual pot of steamed mussels in a very tasty broth, a small dish with fries and a beer.

In case one gets tired of mussels and fries, there’s a worthy alternative. Just fries. After all, the Belgians invented them, and neither the French, who have branded them in the American-English version, nor the Americans, who tried to „liberate“ them a few years back (remember freedom fries…), can ever take that away from them. So when you happen to be in the capital of potatoe-fries, I advise you to eat them at „Friterie chez Antoine“, which is a sort of hut right in the center of Place Jourdan.

To best enjoy the best fries of Brussels, it’s sensible to avoid the usually very crowded lunch or after-work times, when you will find yourself in a long, long line with hungry EU folk. One last piece of fry-related information: have them with mayonnaise, because that’s what you do in Brussels and you won’t regret it.

After having taken care of solid foods, it’s best to turn one’s mind to the liquid intake of calories. Belgium is famous for its great variety of beers. If ever there was a beer one never thought could possibly be brewed, it will most likely be found here. There’s white beer, dark beer, Lager, Ale and fruit beer. The latter can be found in a variety of tastes such as Banana, Mango, Cherry or Rasperry. Personally I found the first two apalling, Cherry was quite alright – I recommend Kriek in that category – Raspberry would be my favorite of the fruit beers.

Of all the other types I’ve tasted my top choice was a beer called „La Chouffe“, which is smooth, not too bitter and very, very pleasant. And what’s really important in this business of Belgian beer tasting, it’s easy to pronounce („shoof“) which facilitates ordering the right beer, even when you’ve had one too many.

What remains after my second journey to Brussels? Well, I still won’t visit the city for its own sake, but this time around I’m far from saying I wouldn’t go back. Quite the opposite actually, I would argue that Brussels grows on you, and who knows, next time that additional reason necessary to visit might not be business, but simply good food and drink.

Useful information:

Getting to Brussels: With Brussels being not only the capital of Belgium but also of the European Union, there are plenty of flights going to the city from wherever one may choose to travel. The train from the airport into the city center costs around 5 Euros, a three day pass for public transportation is currently 9,50 Euros.

Accommodation: I stayed in a hotel near the train-station, which is a decent hotel, but I wouldn’t advise to stay in that particular area. It’s not the best one in the city, staying somewhere near the historic center is probably the better choice.

Food: Chez Léon: 18, Rue de Boucher, Friterie chez Antoine: 1, Place Jourdan. Beer pubs are easily found all over the center of Brussels, I don’t have any particular recommendations, just follow your taste. The same goes for Chocolate.

Susanne, July 11, 2010

Avec plaisir!

Sage und schreibe fünf Jahre sind vergangen, seit ich das letzte (und in dem Fall das erste) Mal in Nizza war. Höchste Zeit also die südfranzösische Küste wieder einmal aufzusuchen. Die Sehnsucht hatte mich schon im April gepackt und kollidierte erfreulicherweise mit einer Preissenkung beim sog. Red Ticket der Austrian Airlines. Da wurde dann auch nicht lange gezögert, in Freundin S. fand sich eine ebenfalls unter Fernweh leidende Reiseverbündete, es wurde sofort gebucht.

Kurze Zeit später fand sich auch ein passendes Hotel, die Wahl fiel auf das Beau Rivage, welches mehr oder weniger direkt an der Promenade des Anglais liegt, die Entscheidung hat sich, mit kleineren Einschränkungen (siehe hilfreiche Informationen) als sehr gute erwiesen, schließlich war die Lage des Hotels optimal, der dazugehörige Privatstrand in bestem Zustand und die frühe Buchung, wegen des am selben Wochenende abgehaltenen Iron-Man-Wettbewerbs geradezu hellsichtig (für Menschen wie mich, die sich bei Hotelbuchungen bis dato nicht an Massensportereignissen orientiert haben…).

Vorletzten Donnerstag schließlich war es soweit, Abflug Wien kurz nach 20 Uhr, pünktliche Landung in Nizza um kurz nach 22 Uhr. Gepäck abgeholt, raus zum Bus ins Stadtzentrum, kurz am Schalter nachgefragt, ja, ja, kommt in 25 Minuten, der Bus.

Wenn man schließlich wartet und wartet und so wie ich über ausreichend Frankreicherfahrung verfügt, dann bleibt man entspannt und beginnt intensiv über das Wort „Streik“ nachzudenken. So lange, bis nach mehr als einer Stunde der Bus dann doch noch auftaucht und man behält als frankophile Revolutionssympathisantin auch dann noch die Nerven, wenn man mit gefühlten 200 anderen Leuten wie Sardinen in den Bus geschichtet, ins Stadtzentrum gebracht wird. „Was? Ein Streik? Jawohl! Die haben schon recht! Bon Manif!“ So oder ähnlich begegnet man in Frankreich Leuten, die für ihre Rechte eintreten.

Wie dem auch sei, die Nerven wurden schließlich auch durch eine herrlich lauwarme Sommernacht beruhigt, feucht-salzige Meeresluft als mediterrane Aromatherapie. Schließlich checkt man im Hotel ein, die aus Finnland früher angereiste S. hat sich tagsüber bereits in Sachen Strandbesuch schlau gemacht, ein später Drink noch in einem der vielen Straßencafés am Marché aux Fleurs im historischen Viertel (Vieux Nice) von Nizza. Côtes de Provence, Rosé, ist Teil des Pflichtprogramms.

Die folgenden Tage schließlich wurden, auch und insbesondere aufgrund des hervorragenden Wetters, mehr zu einer Art Alternativtriathlon, der sich aus den Diziplinen „am Strand liegen“ „Essen&Trinken“ sowie „durch die Altstadt wandeln“ zusammensetzte. Daran werden sich auch die nachfolgenden Empfehlungen orientieren. Zumal es in erster Linie ohnehin darum geht, das Reisen um des Reisens willen zu betreiben und sich hauptsächlich danach zu richten, was einem vor Ort spontan in den Sinn kommt, als einem irgendwie gestalteten Reiseführer zu folgen.

Wer also nach Südfrankreich fährt, der kann dort ausgezeichnet essen, hervorragenden Wein trinken und wenn das Wetter mitspielt die Seele am Strand baumeln lassen.

Frühstückstechnisch haben S. und ich das sündteure nichtinkludierte Hotelbuffet links liegen gelassen und fanden im „Le Pain Quotidien“ ein hervorragendes Lokal, wo man aus verschiedensten Petit-Dejeuner-Variationen auswählen konnte, im Standardprogramm dabei, ein Korb voll mit verschiedensten frischen Brotköstlichkeiten, die vom Baguette bis zum Vollkornbrot reichten. Mein persönlicher Favorit: die Frühstücksvariante mit Müsli. Frankreichtypisch bekommt man den dazubestellten Milchkaffee (nennt sich dort „café crème“) in einer hübschen, adäquat dimensionierten Schale.

Nach dem Bummel durch die Altstadt, die mit dem Markt, der sich über den Cours Saleya – gemeinhin bekannt als Marché aux Fleurs – zieht und den dahinter liegenden Gässchen, über ausreichende Möglichkeiten sich mit touristischem Klimbim einzudecken bzw. herrliches Obst, Gemüse oder Gewürze zu kaufen, bot, ging es kurz nach Mittag direkt an den Privatstrand des Hotels. Privat heißt in dieser Hinsicht leider nicht gratis, auch nicht als Hotelgast, aber wer nicht auf einem unbequemen Kieselstrand leiden will, und wer darüber hinaus sein Geld nicht in den teuren Boutiquen hinter dem Place Masséna (Rue Paradis, Avenue de Suède…) ausgibt, der kann und sollte sich an einem der Privatstrände einquartieren und dort austesten, was es heißt wie Gott in Frankreich zu leben.

Man verfügt dort über eine bequeme gepolsterte Liege, zumindest einen Sonnenschirm, einen eigenen Rettungsschwimmer und vor allem über eine überaus aufmerksame Mannschaft an Servierpersonal, die wahlweise Essen oder Getränke auf die zwischen den Liegen optimal platzierten Abstelltischchen liefert. Auf diese Weise lässt sich bis zum Schließen des Gastrobereiches (meist gegen 17.30) herrlich die Zeit vertrödeln. Man liest, schläft oder geht drei Schritte und erfrischt sich im perfekt temperierten Mittelmeer. Am frühen Nachmittag liefert man dann die Bestellung für das erste Glas Roséwein ab, wartet ein wenig – kann manchmal auch länger dauern, aber man hat ja schließlich Zeit – und bekommt sein Getränk schließlich von einem lächelnden Kellner mit den Worten „Avec plaisir“ vor die Nase gestellt. Das Leben kann so schön sein.

Am Abend schließlich stand die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, schließlich ist so ein Tag am Strand verdammt anstrengend, vor allem wenn man den Athleten und Athletinnen des parallel stattfindenden Iron-Man-Bewerbs zusehen muss. Naja, selber schuld, kann man da nur sagen, oder um es mit den Worten des Taxifahrers, der uns zum Hafen brachte und die für den Bewerb aufgebauten Sperren kommentierte, zu sagen: „L’Ironman? C’est le bordel!“

Essenstechnisch jedenfalls bietet sich die Altstadt von Nizza an und selbst wenn die dort sehr touristischen Restaurants den Verdacht aufkommen lassen, dass man da oder dort möglicherweise alles andere als Qualitätsware serviert bekommt, kann ich persönlich, auch vom vorigen Aufenthalt in der Stadt, von keinem einzigen Fall eines uninspirierten Touristennepps berichten.

Direkt am Marché aux Fleurs gelegen, kann ich das Lokal „La Cambuse“ empfehlen, dort ist man pizza- und salattechnisch bestens versorgt, die Speisekarte weist aber auch regionale Gerichte wie z.B. das von Innereienspezialisten geschätzte „Tripes à la provençale“ auf, wobei ich letzteres nicht bestellt habe und somit über dessen Qualität leider keine Auskunft geben kann. Ein zweites Restaurant am Platz, welches sich in Sachen Meeresfrüchte verdient macht, ist das „Chez Freddy“, wo man ausgezeichnete Paellas zubereitet.

Wer schließlich etwas weiter vom Zentrum weg will und daneben das subjektiv beste Restaurant in der Stadt aufsuchen möchte, der muss zum Hafen. Den erreicht man auch zu Fuß, wenn man auf der Promenade des Anglais einfach in Richtung Osten wandert. Besagtes Lokal nennt sich „L’Ane Rouge“ und hat sich ebenfalls auf Meeresfrüchte spezialisiert. Das dort angebotene Abendmenü kann ich ohne Einschränkungen empfehlen und wenn man sich keine sündteuren Aperitifs aufschwatzen lässt, dann verbringt man mit Sicherheit einen perfekten Abend. Gut, selbst wenn man sich den sündteuren Aperó aufschwatzen lässt, verbringt man einen perfekten Abend. Vorausgesetzt das Wetter passt, dann sitzt man nämlich draußen und schaut auf den Hafen von Nizza, genießt hervorragendes Essen, großartigen Wein, aufmerksames Service und verlässt erst dreieinhalb Stunden später glücklich lächelnd das Lokal.

Über das niçois’sche Nachtleben weiß ich leider nicht allzuviel zu berichten. Zwar war der erste Abend noch dem Fortgehen gewidmet und als selbsternannte Trendsetter hatten wir uns bei den allercoolsten, exklusivsten Quellen schlau gemacht, der dort gepriesene Club, der den bezeichnenden Namen „Le Klub“ (von den Franzosen gerne „Lö Klöb“ ausgesprochen…) trug, stellte sich aber schließlich als derartiger Geheimtipp heraus, dass außer uns zweien nur noch ein dritter Avant-Avantgardist davon wusste. Der Rest waren Drinks im Plastik-to-go-Becher, ein von seiner Auflegerei sehr begeisterter DJ und eine im oberen Raucherabteil beim letzten Durchgang noch zufällig entdeckte Gruppe von am Boden sitzenden, gelangweilt vor sich hinstarrenden Leuten, von denen man den Eindruck hatte, sie gehörten zum Inventar. Die restlichen Abende wurde auf die Trendsetterei gepfiffen, schließlich gab es immer noch eine Fußball WM.

Und was steht am Ende eines derartigen Urlaubs? Mit Sicherheit nicht das Gefühl irgendwelche kulturellen Highlights, Museen oder noch nicht gesehene Orte versäumt zu haben. Das Ziel einer Reise sollte sich immer und in erster Linie daran orientieren, was man vor Ort als das identifiziert, was man im Augenblick am dringendsten braucht. Selbst wenn es darin besteht, die gesamte Zeit im Kaffeehaus zu verbringen, oder einen großen Bogen um Must-See Sehenswürdigkeiten zu machen, weil die Besteigung eines x-beliebigen Hügels am Stadtrand um ein Vielfaches interessanter scheint. An diese simplen, sagen wir taoistischen, Reiseregeln, halte ich mich nunmehr seit Jahren und ich habe es bis jetzt noch nie bereut. Au contraire!

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Austrian Airlines haben vor kurzem die Preise für das Red Ticket gesenkt, wenn man frühzeitig (!) bucht, kann man zu günstigen Tarifen direkt von Wien nach Nizza fliegen. Die AUA scheint sich derzeit auch verstärkt um soetwas wie Kundenzufriedenheit zu kümmern. 2 Tage vor dem Abflug erhielt ich ein kurzes Email mit den wichtigsten Informationen zu meinem Flug (z.B. Web check-in) und dem Reiseziel. Nicht überlebensnotwendig, aber nett.

Unterbringung: Das Hotel Beau Rivage liegt optimal direkt hinter der Promenade des Anglais und ca. 2  Gehminuten vom Marché aux Fleurs entfernt am Rande der Altstadt von Nizza. Wer früh (!) bucht, kommt in den Genuss von leistbaren Zimmerpreisen. Die hoteleigenen Frühbuchertarife haben in meinem Fall alle auf diversen Hotelbuchmaschinen ausgeworfenen Preise unterboten. Das Hotel selbst ist neu renoviert, die Zimmer sind aber nicht besonders groß und weil man sich sosehr auf ein stylisches Design konzentriert hat, hat man z.B. im Badezimmer mancherorts auf die Funktionalität vergessen (klitzekleine Ablageflächen, zu wenige Handtuchhalter, etc.). Im Großen und Ganzen aber empfehlenswert, vor allem wegen der Lage und unter der Voraussetzung, dass man nicht den vollen Zimmerpreis zahlt!

Essen: Le Pain Quotidien, 1 Rue Saint-François de Paule. Ausgezeichnetes Brot, zum langen Frühstücken bzw. zum Brunch bestens geeignet. L’Ane Rouge , 7 Quai des Deux Emmanuel, liegt direkt am Hafen, spezialisiert auf Fischgerichte, kulinarisches Highlight von Nizza. La Cambuse, 5 Cours Saleya, Pizza, Salate und regionale Spezialitäten. Chez Freddy: 20 Cours Saleya, spezialisiert auf Meeresfrüchte und Fisch, sehr gute Paellas.

Susanne, 4. Juli 2010