Artwork auf The Sandworm

Ausnahmsweise findet sich heute mal kein Sandwurm im Einstiegsbild, sondern das jüngste Werk jenes Künstlers, der für die Sandwurmzeichnungen generell verantwortlich ist und der darüber hinaus glücklicherweise mein Vater ist.

Ein wahres Meisterwerk und nachdem es jetzt endlich in meinen vier Wänden hängt, soll auch die Sandwurm-Leserschaft etwas davon haben. Zumindest virtuell.

Susanne, 27. Juli 2011

Google+ und seine Funktion als Horizonterweiterer

Ganz zu Beginn des Launches von Google+ wurde ich vom Bloggerkollegen Richard K. Breuer auf Facebook gefragt, wann ich denn einen Artikel dazu schreiben würde. Meine Antwort darauf war: „Tja, wenn ich das wüsste…“

Zu dem Zeitpunkt war Google+ ganz neu, jeder wollte dabei sein, es gab auch schon erste Erfahrungsberichte, mittlerweile gibt es einige gute Analysen dazu z.B. diejenige von Sascha Lobo, die ich sehr treffend finde, oder jene von Location Marketing, die sich mit einigen speziellen Funktionalitäten von Google+ sehr gut auseinandersetzt.

Als „Slow-Blogger“ war mir natürlich klar, dass ich mir das Ganze erst Mal ansehen würde, nach drei Tagen bereits eine Wertung abzugeben, schien mir viel zu früh. Nun sind ein paar Wochen vergangen, auf der neuen Plattform tummeln sich bereits erste „Google+ Berater“ (3 Wochen Erfahrung!) und selbst mir ist mittlerweile klar geworden, was mir an Google+ gefällt.

Ich habe schon vor längerer Zeit über das Phänomen der sog. tendenziösen Apperzeption geschrieben. Es handelt sich dabei um die Neigung, Dinge, die man liest, hört oder sieht nach seinen persönlichen Präferenzen zu filtern, erstmals beschrieben wurde sie vor rund 100 Jahren von Alfred Adler.

Die heutigen sozialen Netzwerke stechen diesbezüglich sozusagen in ein Wespennest, indem sie es den Benutzern diverser Plattformen noch viel leichter machen, sich ihr eigenes Weltbild zu basteln.

Ich lese nur das was mich interessiert, grenze meinen Stream auf Facebook oder Twitter darauf ein was ich für relevant oder tauglich halte, ungenehme Meinungen kann man leicht ausblenden oder entfolgen.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: sich anderen Meinungen oder Weltbildern auszusetzen ist anstrengend, es stellt die eigene Toleranz auf die Probe, fordert einen heraus, ärgert und irritiert mitunter. Um kritikfähig und offen zu bleiben ist es aber notwendig, sich auf Andere einzulassen, es führt kein Weg daran vorbei.

In den vergangenen Wochen, in denen Google+ also so richtig los legte, war ich zu Beginn amüsiert und etwas später irritiert. Nicht nur ich, viele andere in meinem Stream stellten sich die Frage: Wer zum Teufel fügt mich da zu seinen Circles? Statuspostings à la: „A: do I know you? B: If you do not know, if you know me, how should I know, if you know me?“ fanden sich da, oder ganz simple Fragen wie „Ihr Unbekannte aus aller Welt, die ihr mich so zahlreich einzirkelt: Wer seid ihr? Warum?“.

Diese Eigenschaft von Google+ ist meiner Meinung nach das Postivste was dieses soziale Netzwerk bisher geleistet hat. Es füttert mich mit einem gigantischen Stream von Informationen, der von Leuten gepostet wurde, die mir völlig unbekannt sind.

Mehr noch, im Gegensatz zu Twitter, wo sich mittlerweile durch die Routine der Benutzung gewisse Verhaltensmuster verfestigt haben, steht Google+ im Moment als völlig neu da und bricht alles wieder auf. Irritiert einen durch Fremde, die einen ungefragt einkreisen und sprengt gerade dadurch die brav eingeübte Web-Routine. Ermöglicht einen Blick auf Neues, Fremdes. Insbesondere weil es im Gegensatz zu Twitter viel visueller aufgebaut ist, Bilder und Videovorschauen, Graphiken und Diagramme bereits im Stream enthält und nicht erst beim Klick auf einen Link oder ein Vorschaufenster enthüllt.

Google+ wird nicht der Heilsbringer in der Social Media Welt sein, ich sehe es auch nicht als direkten Konkurrenten zu Facebook, aber es wirbelt Althergebrachtes wieder mal gehörig durcheinander und führt somit, zumindest bei mir, dazu, eingeschliffene Muster zu erkennen und sie zur Abwechslung auch mal wieder zu ändern. Schon allein dafür zahlt sich ein Blick darauf aus.

Susanne, 23. Juli 2011

Konzertbericht – Lyle Lovett and his Acoustic Group, Wien 2011

Wieder mal eines dieser Konzerte, die man auf Anraten besucht und die sich letztlich als hervorragende Wahl erweisen, obwohl man außer dem Namen und ein paar Celebrity-Facts so gut wie nichts über den Künstler weiß. So auch vergangenen Montag, als Lyle Lovett and his Acoustic Group im Wuk Station machten und ich mich allein auf die Empfehlung „das wird super werden“ verlassen hatte.

Gemeinsam mit gefühlten 5 Personen standen meine Konzertbegleiter und ich zu Beginn in einem Publikum, welches hierzulande beim sogenannten Americana-Genre wie gewohnt eine seltsame Mischung aus allerlei Charakteren war. Vom jüngeren Fan, der sein bestes Country-Western/Gothic-Charm Hemd (Totenköpfe und Rosen) ausführte, über den älteren untersetzen Typen, der den Kopf seiner Frau als Kamera-Stativ zu verwenden wusste, bis zum Hobby-Fotografen, der mir zunächst den Weg in die erste Reihe versperrte und trotz 1-A Kameraausrüstung jedes Foto, wie ich hinter ihm stehend bezeugen konnte, vergeigte.

Das war aber letztlich Nebensache, denn Lyle Lovett und seine Bandkollegen legten gleich in bester Country Manier los und boten etwas mehr als zwei Stunden ein phänomenales Konzert, das von klassischem Country über Country-Rock, bis zu Jazz und Blues reichte. Nach ungefähr der Hälfte des Konzertes gab der Hobby Fotograf endlich W.O. und machte Platz in der ersten Reihe, der Rest war pures Vergnügen.

Lovett war ebenfalls bester Laune, ausgezeichnet bei Stimme und unterhielt die Leute im Publikum auch zwischen den Songs mit netten Anekdoten. Nicht unerwähnt soll auch die Band bleiben, insbesondere Geiger und Gitarrist erwiesen sich als hervorragende Musiker und Sänger. Die Tatsache, dass die Zahl der Zuseher sich in Grenzen hielt, bewirkte schließlich, dass sich das Ganze ein wenig wie eine Privatvorstellung gestaltete. So sollte man jedes Konzert erleben können. Ein denkwürdiger Abend in jedem Fall. Thank you Mr. Lovett!

Susanne, 22. Juli 2011

Konzertbericht – Bright Eyes, Wien 2011

Auch wenn schon wieder ein paar Tage vergangen sind, es ist Sonntag und als Konzertkritik geht die Wochenfrist noch durch. Deshalb hier ein kurzer Erlebnisbericht vom Bright Eyes Konzert des vergangenen Dienstags.

Groß war die Freude, als man vernahm, dass Conor Oberst mit seiner Bandkonstellation namens „Bright Eyes“ wieder ein Album herausbringen würde. Der in depressiver Selbstverleugnung geschulte Fan, hat sich diesbezüglich sicherlich ein stilles Lächeln erlaubt.

Anfang Februar war es dann soweit. Mit „The People’s Key“ ging das neue Oeuvre in den Verkauf. Ich selbst zähle nicht zu den aus den „Teenage Angst“- Zeiten stammenden Anhängerinnen von Oberst und war bereits vom, unter dem Titel „Conor Oberst and the Mystic Valley Band“ getätigten Ausflug ins Americana-Genre sehr angetan, fand also am entspannten Grundtenor der neuen CD großen Gefallen.

Der Konzerttermin war Pflicht, bereits der 2008 in der Arena abgehaltene Mystic Valley Gig war großartig, davon, dass Oberst auch 2011 eine gute Show bieten würde, war auszugehen.

Bei wechselhaftem Wetter versammelte sich also eine ziemlich eigenartige Mischung aus Oberst/Bright Eyes-Fans, die vom Birkenstockschlapfenträger über den mittelalterlichen Hipster bis zum vermutlich vom letzten Konzert noch übrig gebliebenen, schwer einzuordnenden, älteren Zeitgenossen reichte.

Mit noch nie dagewesener Pünktlichkeit begannen „Two Gallants“ ein rockiges Vorprogramm, das mit einem phänomenalen Wolkenbruch ausklang. Das Wetter beruhigte sich wieder und die zweite Vorband namens „Jenny&Johnny„, deren Line-up sich nur durch eine, im nachfolgenden Konzert des Headliners bestätigte , „besondere Beziehung“ zu Bright Eyes erklären ließ, spielte sich durch ein hübsches, aber uninspiriertes Set, das einer meiner Konzertbegleiter treffend mit folgenden Worten beschrieb: „Denselben Indy-Song spielen die jetzt 12 mal“.

Endlich war es dann soweit, Oberst betrat mit seiner Truppe die Bühne und legte, das kann man gut und gerne so formulieren, einen großartigen Auftritt hin. Mit dem ersten Song „Firewall“ aus dem aktuellen Album ging es los, es folgte eine schöne Mischung aus neuem und älterem Bright Eyes-Material, Conor Oberst war sichtlich gut gelaunt, die Stimmung im Publikum hervorragend, alle fanden sich in irgendeinem Song wieder, zum Mitsingen wurde genügend Auswahl geboten.

Nach einer gemeinsamen Einlage mit „Jenny & Johnny“ neigt sich das Konzert seinem Ende zu, nach der Bandvorstellung schließt man mit „Shell Games“ ebenfalls vom neuen Album, die Songzeile „here it comes that heavy love“ beschreibt wohl auch gut die erfreuliche Tatsache, dass Conor Oberst seine adoleszente Weltuntergangsstimmung hinter sich gelassen hat.

Ob er sich mit „Bright Eyes“ wieder melden wird, oder ein völlig neues Projekt in Angriff nimmt, ist nebensächlich, fest steht, dass man hier einen großartigen Musiker und Entertainer vor sich hat, auf dessen nächstes Album man gespannt sein darf. Vermutlich hat er die Rezeptur dafür bereits im Kopf.

1o. Juli 2011