Die beste aller schlechten Parteien – Teil II

Nach längerer Zeit habe ich mich wieder mal aufgerafft über das ärgerliche Thema Politik zu bloggen und habe als Gastbloggerin von Neuwal eine kleine Entscheidungshilfe für die NR-Wahlen am 29. September verfasst.

Nicht dabei ≠ Super

Nachdem es den einen oder anderen Kommentar dazu gegeben hat, insbesondere weil manche nicht auf der Liste befindlichen Parteien offenbar auch gerne ein paar Zeilen über sich gelesen hätten, möchte ich meinen Blogeintrag hiermit ergänzen.

Generell darf ja jeder den absurden Schluss für sich ziehen, dass seine Lieblingspartei, so sie sich nicht auf meiner Liste befindet, ursuper ist. In meinem Fall jedoch heißt es bloß: Alle Parteien, die sich nicht auf der originalen Ungustl-Liste befinden, sind meiner Einschätzung nach nicht automatisch super. Im Gegenteil der Ausschluss aus der Liste ist bestenfalls so zu interpretieren, dass mir diese Parteien entweder völlig egal sind, ich kein weiteres Wort über sie verlieren wollte, oder ihnen einfach keine Chance auf einen Einzug in den Nationalrat zubillige.

Hier also der kleine Zusatz für alle, die eine noch umfassendere Entscheidungshilfe benötigen (wie gehabt die Unsympathischsten zuerst):

Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ)

BZÖ, FPK, Tralali, Tralala… eigentlich wollte ich über diese Partei(en) wirklich kein Wort mehr verlieren. Nunmehr aber ist mir eingefallen, dass es ja immer noch die Möglichkeit eines sogenannten Grundmandates gibt und wie wir alle wissen, ist Kärnten ein österreichischer Sonderfall. In dieser Hinsicht könnte das BZÖ sich über aktive Haider-Gedenkveranstaltungen eventuell doch noch mal in den Nationalrat stemmen. Wir werden es ja sehen. Grundsätzlich kenne ich mich bei den vielen Neugründungen, Zusammenschlüssen, Aus- und Einschlüssen dieser politischen Gruppierung nicht mehr aus, assoziiere aber die meisten Mitglieder mit irgendeiner Form der FPÖ oder ex-Haiderpartie. Politisch gesehen halte ich sie also generell für unwählbar.

Die Piraten

Was soll ich zu den Piraten sagen? Es gab 1 – 2 Twitterer die eher enttäuscht waren, dass ich sie nicht wahrgenommen habe, ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass die österreichischen Piraten immer noch ein völliges Randphänomen sind. Sich auf der Welle einiger Erfolge internationaler Kollegen auszuruhen reicht nicht. Und selbst wenn ich zugebe, dass ich mich aus politischen Diskussionen weitestgehend raushalte (insb. auf Twitter!), so muss ich einerseits sagen, dass ich monothematisch ausgerichtete Parteien für nicht wählbar halte, andererseits habe ich die Netzkompetenz der österreichischen Piraten bis dato nicht wahrgenommen.

Ein Blick auf die Homepage zeigt zwar die Abdeckung weiterer Themen (Bildung, etc.), stichhaltige Argumente aber, warum ich ausgerechnet die Piraten, statt z. B. die Grünen, wählen sollte, fehlen mir.

Die KPÖ

Ach die Kommunisten. Es gab und gibt in Graz einige leuchtende Beispiele, wie man gute Politik macht (Kaltenegger!), für mich ist diese Partei aber allein dadurch nicht wählbar, weil sie sich noch immer nicht dazu aufraffen kann, sich endlich einen Namen zu geben, der sich nicht auf ein weltweit gescheitertes Politikexperiment bezieht. Kommunisten. Tut mir leid, kann ich nicht wählen. Punkt.

Zum jetzigen Zeitpunkt fallen mir nun wirklich keine weiteren erwähnenswerten Parteien ein. Alle die sonst noch so herumkrebsen haben bestenfalls die Gemeinsamkeit, dass es sich um kuriose bzw. sehr seltsame Außenseiter handelt.

Ich werde übrigens am 22. September gemeinsam mit anderen Blogger- und Twitterkollegen das ATV Meine Wahl Special auf Twitter begleiten. Da versammeln sich alle Spitzenkandidaten. Es wird sicher lustig werden. Wer sich in den Thread reinhängen und mitkommentieren will, sollte spätestens ab 20:15 den offiziellen Hashtag #meinewahl verfolgen.

Susanne, 8. September 2013

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Shitstorm Infographic

I’ve taken the liberty to share with you the visualization of potential modes of reaction to a so-called social media „shitstorm“.

All of us who work in the field have encountered the onslaught of digital feces and have spent some hours wondering whether we could have reacted in a better way.

Well, here’s a lighthearted chain of reaction for the average community manager and those aspiring to enter into the profession. Mind you though, it’s a work of progress and I’m not to be held responsible for any unwanted repercussion. After all, when push comes to shove, you’re out there on your own. Enjoy the ride.

Susanne, July 6 2012

The Sandworm auf der re:publica

re:publica 12
Meine werte Bloggerkollegin Jana und ich sind morgen auf der re:publica zu Gast. Wir werden um 12:15 einen hübschen Vortrag zum Thema „Der wandelnde Computer-User“ halten und dann auch gleich ein sehr cooles Gimmick präsentieren. Dazu hat übrigens der nette Kollege Matthias ebenfalls sehr viel beigetragen.

Mehr sei dazu jetzt nicht verraten. Wer mich kennt und hallo sagen möchte, möge mich bitte unter @thesandworm antwittern oder einfach nach dem Vortrag ansprechen. Wer mich nicht kennt…selbes Procedere. Ich beiße nicht.

Hier in Berlin ist aufgrund des 1. Mai bereits der Teufel los. Massives Polizeiaufgebot. Möge der Feiertag friedlich verlaufen, ich freue mich auf morgen.

Update 2. Mai: Unser Gimmick ist offiziell vorgestellt, die Futurezone berichtet auch bereits darüber. Das Ganze nennt sich Tweet Cemetery und bescheiden wie ich bin, finde ich es genial. Am besten ihr probiert es gleich aus!

Susanne, 1. Mai 2012

The Sandworm empfiehlt – William Kennedy

Schon längst möchte ich einen Autor empfehlen, der in den USA nicht die Bekanntheit erlangt hat, die er eigentlich verdient hätte und der hierzulande so gut wie unbekannt ist. Es handelt sich um William Kennedy. Der Amerikaner hat sich in den vergangenen Jahren, in denen ich seine Bücher gelesen habe, einen Fixplatz in meinen ewig sich wandelnden Literatur-Top 10 erschrieben.

Kennedy ist vor allem durch seinen Albany-Zyklus bekannt. Für sein Buch „Ironweed“, das auch verfilmt wurde, ist er verdientermaßen mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden. Ich selbst habe ihn, obwohl ich ein ganzes Jahr meines Lebens in Albany verbracht habe, erst durch eine Empfehlung eines anderen amerikanischen Autors entdeckt. „Ironweed“ war schließlich auch das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe – es hat mich sofort begeistert und diese Begeisterung hat sich über die Lektüre des restlichen Zyklus stetig verstärkt.

Kennedy hat sich de facto von Buch zu Buch gesteigert, sein Zyklus stellt sich mir nach der Lektüre nun als ein Gesamtwerk dar, das nur wenige Entsprechungen in der Literaturgeschichte findet. Der Autor überzeugt durch einen herausragenden Stil, der in vielerlei Hinsicht an James Joyce erinnert, der aber weniger kompliziert, weniger verkopft wirkt. Seine Sprache ist, so wie sie in einem der Klappentexte bezeichnet wird, eine poetische Prosa, die nahe am Leben der von ihm beschriebenen Protagonisten bleibt, trotz allem aber nie ordinär oder banal wirkt.

In seinen Albany Büchern kreisen die Geschichten um eine ganze Gruppe von Menschen, die entweder verwandt oder bekannt sind und deren Lebenswege sich immer wieder kreuzen. Kennedy zeichnet ein ganz plastisches Bild davon, wie die Schicksale seiner Protagonisten von jenen ihrer Vorfahren beeinflusst werden und gleichzeitig die ihrer Nachkommen mitbestimmen.

Chronologisch, nach dem jeweiligen Erscheinungsdatum betrachtet, startet der Zyklus mit „Legs“, einer klassischen Gangsterballade, die in den 1920ern und -30ern angesiedelt ist und die Geschichte des Ganoven Jack „Legs“ Diamond erzählt. Es folgt „Billy Phelan’s Greatest Game“, das ebenfalls in der Zeit der großen Depression bzw. der Prohibition spielt und der Verstrickung eines kleinen Hustlers in einem Entführungsfall nachspürt. „Ironweed“ wiederum beschreibt das Leben aus der Sicht von Francis Phelan, dem Vater von Billy, der als abgestürzter Trinker und vermeintlicher Verursacher eines tragischen Todesfalles in seiner Familie nach Sühne sucht. „Quinn’s Book“ setzt viel früher an und begibt sich zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben einer Liebesgeschichte, die der Protagonist Daniel Quinn in Rückblicken erzählt, geht es auch um Einwandererschicksale, um gesellschaftlichen Status, um Streiks und Klassenkämpfe. Das alles findet sich eingebettet in einen fantastischen Stil, der hin und wieder an die südamerikanische Erzähltradition eines Garcia Marquez erinnert.

In „Very old Bones“ kehrt Kennedy wieder zu den Phelans zurück und versucht deren Familiengeschichte aufzuarbeiten. Es folgen „The Flaming Corsage“, das sich den Phelans schließlich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts widmet, „Roscoe“ wiederum zeichnet die Geschichte eines  politischen Aufstiegs und Falles. Zuguterletzt gibt es jetzt auch noch „Chango’s Beads and Two-Tone Shoes“, das 2011 erschienen ist und welches ich, wie ich zu meiner Freude realisiert habe, noch nicht kenne.

William Kennedy besitzt in seiner Ausdrucksweise eine Brillianz, die ich selten zuvor in ähnlich konsistenter Weise bei einem Autor wiedergefunden habe. Jedes seiner Bücher glänzt durch eine sprachliche Finesse, die einerseits dadurch charakterisiert ist, dass sie ein weitverzweigtes Familiennetz mit einer Leichtigkeit verwebt, die einem die porträtierten Charaktere wie Mitglieder der eigenen Familie erscheinen lässt, welche hier und dort auftauchen, ihre Handschrift in der Familienchronik hinterlassen, um dann wieder im Dunkel der Geschichte abzutauchen. Andererseits schafft er es, sämtliche Protagonisten mit ihrer eigenen Geschichte und Idiosynkrasien auszustatten, und zwar so, dass weder hochnäsige High-Rollers weltfremd erscheinen, noch völlig zerstörte Trinker und Landstreicher abgewertet oder entmenschlicht werden.

Kennedy findet für jede seiner Figuren die richtige Sprache und was noch viel mehr beeindruckt, er erzählt seine Geschichten mit einer melodischen Lyrik, die die Leserin in Bezug auf jede Situation und alle Protagonisten zutiefst zu berühren im Stande war.

Wer also eine Lektüre sucht, die Einblick in die Einwanderungsgeschichte der USA gibt, die von politischen Verstrickungen und Machenschaften erzählt, die menschliche Schicksale und Familienbande über Jahrzehnte auf beeindruckende und berührende Weise schildert, der sollte sich den Albany-Zyklus von William Kennedy schleunigst zulegen. Von mir gibt es allerwärmste Empfehlungen dafür. (Für die englischen Originalfassungen, wohlgemerkt).

 Susanne, 1. Mai 2012

Das Nokia Lumia

Es ist zwar schon wieder eine Weile her, da ich die Gelegenheit hatte das neue Windows Phone von Nokia zu testen, meine Erfahrungen damit möchte ich aber trotz allem noch in ein paar Absätzen anmerken.

Lumia (800) nennt sich das Teil und ist vom Design her absolut gelungen. Mir gefällt es um einiges besser als die 4er Version des iPhone.

Das Setup gestaltete sich schon etwas komplizierter als beim Konkurrenten von Apple. Ich gestehe zwar, dass ich seit Jahren nur mehr am Mac arbeite und es daher logisch ist, dass ein Produkt von Microsoft sich nicht von selbst bedient. Ebenso ist es vermutlich anders herum. Trotz allem schien mit bei der Erstkonfiguration der Ablauf der Installation von z.B. Social Media Applikationen umständlich und zum Teil nicht logisch aufgebaut.

Die Kontakte habe ich versehentlich von Facebook importiert, während ich eine Woche brauchte um zu realisieren, dass ich damit nicht die eigentliche Facebook App installiert habe. Bei der Suche nach jener von Twitter musste mir der Kollege helfen, weil mir der Geduldsfaden riss.

Ich gestehe, ich bin diesbezüglich die idiotensichere Installation sämtlicher Mac Produkte gewöhnt, bin aber der Meinung, dass ein modernes Smartphone mit seinen Anwenderfeatures und mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche genau das leisten muss, wenn es irgendwann in der Oberliga mitspielen will.

Die für mich interessanteste Funktion lag in der Kamera (siehe die Fotos hier am Blog). Nokia hat diesbezüglich einen hervorragenden Ruf, das Lumia ist mit Carl Zeiss Optik ausgerüstet, meine Erwartungen waren sehr hoch. Letztlich musste ich jedoch feststellen, dass mich gerade die Kamera nicht überzeugt hat.

Bei Tageslicht und einigermaßen ausreichender Beleuchtung schafft das Lumia zwar durchaus ordentliche Bilder. Es gibt auch noch eine kleine Zauberstabfunktion, direkt im Kameramenü, die kleinere Unsauberkeiten ausbessert, was aber schmerzlich abgeht ist eine Crop-Funktion, die ohne Download zusätzlicher Foto-Apps gleich in der Kamerafunktion mitintegriert wäre.

Fehlt ausreichendes Licht, so macht das Lumia noch immer taugliche Schnappschüsse, für bessere Fotos greift man aber doch lieber auf eine halbwegs vernünftige Digitalkamera zurück.

Was außerdem noch sehr positiv auffiel, war die hervorragende Qualität des Musicplayers. Mag sein, dass der kurzfristige Wechsel von meinem alten (alten, alten, alten) MP3 Player derart eingeschlagen hat – vom Musikhören am Lumia war ich jedenfalls begeistert.

Zu guter Letzt noch ein paar Infos zu herkömmlichen Eigenschaften: Die Sprachqualität ist gut. Twittern mit Foto hat selten funktioniert, lag aber vermutlich am Provider. Der Akku hält bei nicht allzu starker Beanspruchung einen ganzen Tag locker durch und die allgemeine Bedienung ist ebenfalls relativ angenehm.

Fazit: Das Nokia Lumia ist ein hübsches Smartphone geworden, das durchaus seine Vorteile hat, als ernstzunehmender Konkurrent des iPhone hat es aber nicht überzeugt. Da ich keine Android-Erfahrungen habe, kann ich diesbezüglich keine Vergleiche anstellen.

Susanne, 14. März 2012

Konzertbericht – Lambchop, Konzerthaus Wien, 2012

Bevor es noch zum Schnee von gestern wird, schnell ein paar Worte zum Lambchop Gig im Wiener Konzerthaus. Was soll ich sagen, Kurt Wagner, Mastermind von Lambchop, ist, soweit ich seine Konzerte gesehen habe, stets ein Garant für gute Live-Musik. Insbesondere, wie es sich zeigte, wenn das Ganze in einer Location stattfindet, die für hervorragende Akustik steht.

Den Opener machte Courtney Tidwell, über die ich nicht viele Worte verlieren möchte, weil sie mit ihren Eigenproduktionen einfach nicht meinen Musikgeschmack getroffen hat. Und im Rahmen des Lambchop-Auftritts verschwand sie als Backing- und Harmonyvocalistin trotz guter Stimme, einfach hinter etwas zu vielen „iiihhs“ und „uuuhs“.

Endlich betrat Wagner die Bühne – er hatte sich schon in der Pause ganz unaffektiert zum Einstimmen seiner Gitarre begeben – ein Typ der grundsympathisch und ohne Allüren scheint und legte mit einem Sprechgesang los, der in die erste Nummer des neuen Albums mündete.

Die Umgebung im Konzerthaus schien ihn sichtlich zu beeindrucken und er meinte nach der ersten Begrüßung auch ganz bescheiden, dass er sich sehr geehrt fühlte in diesem Rahmen aufzutreten und fügte hinzu: „let’s hope we don’t screw up„. Haben sie nicht.

Im ersten Teil spielte man sich, soweit ich das beurteilen kann, durch das gesamte neue Album „Mr. M“. Eine etwas abgespecktere Version davon, vorgetragen von einer Truppe aus insgesamt 5 Personen (Bass, Keyboards, Backingvocals, Drums, Piano), und natürlich Wagner, der selbst an der Gitarre werkte und sang.

Mein persönlicher Höhepunkt war die Nummer „Nice Without Mercy“ bei der die gesamte Band das erste Mal musikalisch so richtig zusammen zu kommen schien. Schließlich hatte man sich durch „Mr. M“ durchgespielt und man hatte tatsächlich den Eindruck, dass Wagner mehr als zufrieden mit der Darbietung war. Zu Recht.

Zum Abschluss und mit zwei Zugaben brachte man dann noch ein paar ältere Nummern. Wagner holte endlich auch den Steel Pedal Gitarristen auf die Bühne, der, wenn es nach mir gegangen wäre, durchaus auch im ersten Teil hätte dabei sein können. Dazwischen hatte sich während der einzelnen Nummern eine humorige Bühnendiskussion zwischen Wagner und dem Pianisten, der dabei den Pausenclown gab, entwickelt. Es schien als wäre die Spannung von der Truppe abgefallen und man musizierte jetzt bloß noch aus reinem Vergügen.

So kam es schließlich dazu, dass die Eingangsnummer zum Ende – unter dem Motto „end it like you start it“ – in einer für Lambchop-Verhältnisse kaum fassbar rockigen Stimmung noch mal dargeboten wurde. Ein trefflicher Ausklang. Ein großartiges Konzert.

Susanne, 29. Februar 2012

The Sandworm empfiehlt – Lambchop „Mr. M“

Es ist eine Weile her seit der letzen Rezension eines Albums, aber wie’s der Zufall will, trat man an mich heran und fragte höflich nach, ob ich Interesse hätte das neue Oeuvre von Kurt Wagner aka Lambchop mal anzuhören und meine Meinung kund zu tun. Zufällig ist Lambchop auch eine jener Bands die ich zu fast jeder Zeit gerne höre. Bis dato hab ich Wagners Truppe einmal im Wuk und einmal im Gasometer live erlebt und bis auf die bekannten akustischen Probleme in letzterem Venue, war das jedes Mal ein Genuss.

Was gibt es nun zu sagen zu „Mr. M“? Was mir beim erstmaligen Anhören spontan in den Sinn kam, ist, dass es ein optimales „Frühstücks-Album“ ist. Das ist keineswegs ein geringschätziges Urteil, im Gegenteil, insbesondere nach dem Aufstehen lege ich besonderen Wert auf Musik, die mich in angemessener Weise in den Tag holt. Das Gehör ist noch ausgeruht und empfindlich, ich schätze in diesem Zustand nichts kompliziertes oder anstrengendes. Gewisse Spielarten der Klassik, oder zum Beispiel Guy Clarke oder Joe Henry. In dieser Hinsicht ist „Mr. M“ geradezu optimal.

Nachdem ich mir die Songs aber nun auch über den Tag verteilt angehört habe, muss ich meine spontane Kategorisierung auch schon wieder in den Wind schreiben. Lambchops „Mr. M“ ist ein Album, dass man sich in diversen Situationen, in denen man besonders entspannt und milde gestimmt ist, zu jeder Tageszeit anhören kann.

Ob beim Spaziergang durch die Stadt, bei dem man geneigt ist, der grantigen Sorte von Wienern die Songzeilen „Don’t know what the fuck they’re talking about“ etwas lauter zuzusingen. Oder beim Gang durchs Museum. Lambchop verträgt sich zum Beispiel hervorragend mit den gängigen Impressionisten. Zum Glas Rotwein im Café, oder dem gemütlichen „lounging“ zu Hause passt es ebenfalls ausgezeichnet.

Besonders gut geeignet sind da zum Beispiel die instrumentale Eingangsnummer „Betty’s Overture“. Oder das jazzige „Kind Of“. Alles in allem ein sehr gelungenes Album.

Wer Kurt Wagner übrigens live erleben möchte – was ich aufgrund der beiden bereits besuchten Konzerte nur dringlich empfehlen kann – dem bietet sich am 27. Februar im Wiener Konzerthaus eine hervorragende Gelegenheit. Den Opener macht an dem Abend Cortney Tidwell, die einige vom Kooperationsalbum mit Wagner (Kort, „Invariable Heartache“) kennen. Es sollte ein lohnenswerter Konzertabend werden.

Zur Einstimmung findet sich hier noch das erste offizielle Video „Gone Tomorrow„. Weitere Infos zum Konzerthaus gibt’s auf Facebook und Twitter. Enjoy.

Susanne, 18. Februar 2012

The Sandworm empfiehlt – Christoph Chorherr „Verändert!“

Worin liegt der Unterschied zwischen Madonna und Christoph Chorherr? Was kann eine Kilowattstunde? Wer verbraucht auf 100 km ein Äquivalent von 0.04l Sprit? Und welches sind die zwei wichtigsten Gründe Lehrer zu werden? Dies uns vieles mehr fragt sich Christoph Chorherr in seinem ersten Buch „Verändert!“ und wenn man ihn kennt, weiß man, dass er handfeste Antworten darauf liefert.

Zugegeben, die letzte Frage ist eigentlich ein Lehrerwitz, sie fügt sich aber perfekt in das von Chorherr aufgebaute Konzept eines Sachbuches, das nicht nur lehrreich ist, sondern auch ungemein unterhaltsam. Ich habe es gestern innerhalb von knapp drei Stunden ausgelesen und möchte es auch meiner Leserschaft allerwärmstens ans Herz legen.

Ich habe Christoph Chorherr als durch und durch engagierten Menschen kennen gelernt, als geradezu idealtypischen Politiker, der umsetzt und tut, und ganz nebenbei auch noch von seiner Arbeit begeistert ist. All das ist in seinem Erstlingswerk, in dem er sehr persönlich von den Dingen spricht die ihm für Wien, Österreich und die Welt wichtig sind, in jeder Zeile spürbar. Das Buch ist insgesamt auch das was man sich von einer Mischung aus Sachbuch und Biographie erwartet. Es liefert persönliche Einblicke in das Tun des Autors, es ist anschaulich und bewegt sich selten auf der sogenannten Metaebene, sondern bietet eine Vielzahl von Antwortmöglichkeiten auf einige der drängensten Fragen unserer Gesellschaft.

Zum Inhalt: In Form von sieben Kapitel arbeitet sich Chorherr, immer eingeleitet durch persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, durch die Themen Entwicklungshilfe, Lernen, Demokratie, ökologische Wende, Solarenergie, Radfahren und urbanes Leben. Dabei verliert er sich weder im Detail, noch bleibt er jemals zu allgemein. Immer geht es ihm um Gestaltungsmöglichkeiten, die tatsächlich umsetzbar, die machbar und möglich sind. Wer ihn als Redner erlebt hat, kann sich den Autor dann auch bildlich vorstellen und spürt förmlich wieviel Herzblut in die einzelnen Projekte fließt.

So legt er glaubwürdig dar, dass im gemeinschaftlichen Tun, die größte Gestaltungskraft liegt. Sein Schulprojekt „Ithuba“ in Südafrika floriert nicht nur dank seiner Tatkraft und Initiative, sondern weil er auf seinem Weg jede Menge aktive, meist kostenlos zu Verfügung gestellte, Unterstützung von allerlei Weggefährten erhält. Und während „Ithuba“ Realität ist, wurde mit einem gigantisch höheren Geldbetrag von Popstar Madonna in Malawi noch kein einziger Ziegel gebrannt. (Soviel zur ersten Frage).

Es versteht sich von selbst, dass auch das hiesige Bildungssystem eine Herzensangelegenheit von Chorherr ist. Er fordert zurecht eine Entbürokratisierung und Entnormierung. Er fordert Lehrer, die mit den Kindern gemeinsam Lernstoff erarbeiten, umsetzen und erdenken dürfen. Dabei geißelt er die Einschränkungen in Form von allzu rigiden Gesetzen und Vorschriften und verlangt eine Befreiung des mittlerweile fast zum hermetisch abgeschlossenen System mutierten Gebildes namens Schule. Weder A: Juli, noch B: August sollten die wichtigsten Gründe sein Lehrer zu werden (nicht schlecht der Witz und die Antwort auf Frage vier), sondern die Möglichkeit der nächsten Generation die Türen zu Bildung und Wissen zu öffnen, meint er dann mit einem Augenzwinkern und dem berechtigten Einwand, dass seine Kritik weniger den Lehrern gilt, als viel mehr der Politik, die sich im Bezug auf eine nachhaltige Bildungsreform seit Jahrzehnten im Kreis bewegt.

Dem Umweltschutz widmet er wesentliche Kapitel und macht erst Mal verständlich, was eine Kilowattstunde eigentlich bedeutet. Das was wir tagtäglich gedankenlos verbrauchen, in dem wir Lichter brennen lassen oder unsere Wohnungen nicht wärmedämmen. Es zeigt sich nämlich, dass man mit einer Kraft von einer Kilowattstunde ein Gewicht von einer Tonne 365 Meter hoch heben kann. Erst dann wird deutlich worum es sich dabei eigentlich handelt und wofür wir gegenwärtig den Spottpreis von rund 20 Cent zahlen. Mit dieser Art von Beispielen gelingt es Christoph Chorherr plastisch zu beschreiben, was im Bezug auf eine Energiewende in erster Linie nötig ist, nämlich ein grundlegendes Verständnis von den Produkten, die wir tagtäglich verwenden und der Energie, der es bedarf um sie herzustellen.

So ist es auch keine Überraschung, dass er fürs Radfahren eine Liebeserklärung ausbreitet, dass einem ums Herz warm wird. Dass sich das Äquivalent, das ein Radfahrer auf 100 km schließlich an Sprit (Achtung Antwort auf Frage 2!) verbraucht, nämlich 0.04 l, gemeinhin nicht aus Erdöl sondern Wurstsemmeln, Gemüse, Salat oder Nudeln zusammen setzt, ist dann auch wieder so eine sympathische Gleichung, die Chorherr verwendet, um uns vor Augen zu führen, dass es besonders im urbanen Raum geradezu kriminell ist, sich für Distanzen von wenigen km in ein tonnenschweres Vehikel zu setzen und, meist auch noch allein, durch die Stadt zu stauen. Dass der Autor selbst bei Wind und Wetter auf seinem stylischen Klapprad anzutreffen ist, versteht sich von selbst. Chorherrs Liebe zum Drahtesel ist so direkt und spürbar, das Fahrradkapitel enthält die schönsten Passagen des Buches.

 „Verändert!“ von Christoph Chorherr ist eine absolut lesenswerte, lehrreiche und unterhaltsame Lektüre, die ich hiermit wärmstens empfehle. Wer sich die Kosten für das Buch ersparen will, der hinterlasse einen Kommentar mit ein paar Zeilen, die darlegen, was man gerne selbst verändern möchte. Als Belohnung gibt es für zwei Sandwormleser oder -leserinnen ein signiertes Exemplar frei Haus.

Susanne, 30. Oktober 2011

I ♥ NY

Diesmal gibt es keinen ausführlichen Reisebericht, eigentlich wollte ich ganz darauf verzichten, aber nachdem wir heute den 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begehen, wird dies eine kleine Hommage in Bildern. An mein persönliches New York – „the greatest city in the world“ wie David Letterman kurz nach den Anschlägen bewegt feststellte.

Ich kann ihm nur voll und ganz zustimmen.

I wasn’t going to write another travel report this time around. But since we’re commemorating the attacks on the World Trade Center, 10 years ago today, I decided to publish an hommage to my New York. The city, which is, as David Letterman asserts in his moving speech shortly after the attacks, „the greatest city in the world„.

I couldn’t agree more.

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Susanne, 11. September 2011

Kriminacht 2011 – Simon Urban „Plan D“

Seit 2005 findet die Kriminacht jährlich in Wien statt. In verschiedenen Kaffeehäusern frönt man der Leidenschaft Vieler und lässt Autoren aus ihren diversen Kriminalromanen vorlesen.

Anlässlich der heurigen Veranstaltung hat man mir netterweise ein Rezensionsexemplar von einem der eingeladenen Autoren zukommen lassen und mich gebeten, meine Meinung dazu kund zu tun. Diesmal gibt’s hier auch was zu gewinnen, mehr Infos dazu ganz unten.

Ich gebe zu, ich hatte die Wahl zwischen mehreren Autoren und habe mich rein intuitiv für Simon Urban entschieden. Das Problem einer Rezension eines deutschsprachigen Kriminalromans meinerseits liegt nämlich grundsätzlich darin, dass ich so gut wie nie deutschsprachige Kriminalromane lese. Warum, das kann ich nicht erklären, ich habe ganz einfach ein Faible für amerikanische Noir Krimis und meine bisherigen Ausflüge in die hiesige Krimilandschaft, sprich österreichische Autoren, boten alle miteinander herbe Enttäuschungen. Nachdem ich niemand beleidigen will, erspare ich mir die Nennung von Namen.

Ich gebe aber zu, dass amerikanische Kriminalliteratur nicht allein das Gelbe vom Ei ist. Henning Mankell hat mich fast genauso begeistert, wie Chandler und Co.

Ich holte also mein Leseexemplar von Simon Urbans „Plan D“ ab und fiel fast aus allen Wolken, weil man mir einen Wälzer von 547 Seiten in die Hand drückte. Ich begann sofort zu lesen und hoffte sehr, dass der Roman halbwegs unterhaltsam würde.

Er war es. Zum Glück. Was mich zu einer kurzen Rezension des Oeuvres von Simon Urban bringt. Die Geschichte ist im Hier und Jetzt angesiedelt, das letzte Kapitel spielt am 29. Oktober 2011 (wer es schnell liest, wird noch ein gewisses Gefühl des Dabei-Seins haben) und breitet seinen Plot vor der Fiktion einer noch immer existierenden DDR aus. Das System hat die Umbrüche im 1989-er Jahr überlebt, Egon Krenz steht an der Spitze, der Bundeskanzler der BRD heißt Oskar Lafontaine.

Klassischer Einstieg, ein ehemaliger Berater von Krenz wird ermordet aufgefunden, alles deutet auf Stasi-Handarbeit hin. Martin Wegener, seines Zeichens abgebrühter und desillusionierter Volkspolizist darf ermitteln, weil für die niedergewirtschaftete DDR international viel auf dem Spiel steht, wird ihm ein BRD Ermittler zur Seite gestellt. Der Rest entspinnt sich nach gewisser hard-boiled Manier auf den restlichen 546 Seiten.

Ohne zu viel zu verraten ein kurzes Fazit. Der Roman liest sich gut, man steigt schnell in die Story ein, Spannung baut sich auf und auch die DDR Fiktion ist einigermaßen unterhaltsam. Stärken zeigt der Autor eindeutig in der Dialogführung. Da werden seine Figuren lebendig, da bekommt die Geschichte eine Seele und man beginnt als Leserin mitzuleben.

Auffällige Schwäche ist Urbans Hang zum Detail. Auf vielen Seiten verliert er sich in der haarkleinen Beschreibung seiner Figuren und der exzessiven verbalen Ausgestaltung seiner Szenerien. Fast hat man das Gefühl Urban hätte gerne einen „richtigen“ Roman geschrieben, hohe Literatur, dass die sich aber auch unter Krimis findet, scheint ihm entgangen zu sein, die Adelung der Stilrichtung erfolgt mit Sicherheit nicht durch exzessive Anwendung von ausgefallenen Adjektiven.

In diesem Sinne würde ich dem Autor für das nächste Buch, so er im Kriminalfach bleiben will, die Lektüre von Raymond Chandler oder James M. Cain empfehlen, beide überzeugen auch mit weniger Worten. Generell bleibt ein guter Eindruck vom Buch, das auch über 500+ Seiten nicht langweilig wird.

Wer sich selbst eine Meinung bilden will: Der Sandwurm verlost drei signierte Exemplare von Simon Urbans „Plan D“. Alles was man dafür tun muss, ist mir im Kommentar seinen Lieblingskrimi zu verraten und wenn geht auch eine Begründung warum.

Weitere Informationen:

Die Kriminacht findet am 20. September in verschiedenen Wiener Kaffeehäusern statt. Alle Informationen findet man hier, eine Facebook Seite gibt’s hier. Simon Urban wird um 18:00 im Café Drechsler lesen.

Susanne, 9. September 2011