I ♥ NY

Diesmal gibt es keinen ausführlichen Reisebericht, eigentlich wollte ich ganz darauf verzichten, aber nachdem wir heute den 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begehen, wird dies eine kleine Hommage in Bildern. An mein persönliches New York – „the greatest city in the world“ wie David Letterman kurz nach den Anschlägen bewegt feststellte.

Ich kann ihm nur voll und ganz zustimmen.

I wasn’t going to write another travel report this time around. But since we’re commemorating the attacks on the World Trade Center, 10 years ago today, I decided to publish an hommage to my New York. The city, which is, as David Letterman asserts in his moving speech shortly after the attacks, „the greatest city in the world„.

I couldn’t agree more.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Susanne, 11. September 2011

Bonne Dégustation – oder die vergessene Kunst des Nichtstuns

In Anbetracht der Tatsache, dass sich in den Wintermonaten im Raum Wien oft wochenlang keine Sonne zeigt und aufgrund der persönlichen Disposition, die Abwesenheit eines Meeres im eigenen Land nur schwer ertragen zu können, war es mir vor kurzem de facto unmöglich eine Reise in den Süden noch länger aufzuschieben.

Die Meeres- und Sonnensehnsuchtssymptomatik war mir natürlich bekannt, gleichermaßen wusste ich, dass das Surfen auf diversen Destinations- und Airlinewebseiten absolut nichts zur Linderung beiträgt, im Gegenteil der Finger auf der Maus saß bereits locker, als ich mit einem Blick auf die Wetterkarte von Südfrankreich jede Hemmung verlor und kurzerhand einen Flug nach Nizza buchte, zwei Minuten später ein Hotelzimmer im angrenzenden Villefranche Sur Mer auf meinen Namen reservierte.

Der kleine Ort, der nur wenige Kilometer östlich von Nizza liegt, hatte bereits vergangenen Sommer meine Aufmerksamkeit geweckt, herrliches Wetter und ausgezeichnetes Service am Strand haben es mir damals jedoch verunmöglicht die kurze Distanz dorthin zurückzulegen, um mir ein Bild davon zu machen.

Da ich es aber generell so halte, dass ich neben der Grundregel einmal im Jahr wohin zu fahren, wo ich noch niemals zuvor im Leben war (Copyright Dalai Lama), gerne auch sehr spontan aufbreche, um dem alltäglichen Trott zu entkommen, selbst wenn es sich bloß um ein paar Tage handelt, hatte ich vergangenes Jahr kein Problem damit, Villefranche einfach links liegen zu lassen, denn ich wusste, es würde auch beim nächsten Besuch noch da sein.

Da es mir die südfranzösische Küste nun besonders angetan hat und nachdem man dort vor einigen Wochen bereits Sonnenschein und 15 Grad Celsius meldete, die Flugpreise akzeptabel und Hotelzimmer aufgrund der Jahreszeit mit Sonderpreisen ausgestattet waren, traf sich die Entscheidung wieder dorthin zu fahren quasi von selbst. Diesmal eben direkt nach Villefranche.

In Nizza gelandet – die Wahl des Frühfluges war in dem Fall die Richtige – stellte sich beim Warten auf den Bus sogleich die übliche, durch den Anblick der palmengesäumten Küste und das einzigartige salzigfeuchte Klima ausgelöste, innere Ruhe ein, die in nahezu ekstatische Freude umschlug, als ich sogleich einen Bus ins Stadtzentrum vorfand, und nicht wie letztes Mal aufgrund der französischen Streikfreude stundenlang warten musste.

Die Verbindung nach Villefranche ist übrigens hervorragend, beim Busbahnhof im Stadtzentrum steigt man einmal um – die freundliche Buschauffeurin brachte den Anschlussbus durch Hupen dazu, auf mich zu warten (ein Wunder?!), knappe 15 Minuten später stieg ich in Villefranche aus, rollte meinen Koffer den recht steilen Abhang durch die hübsche Altstadt zum Hafen und stand wieder einige Minuten später vor dem schönsten Hotel in Villefranche, wo sich durch meine hervorragende Planung für die nächsten Tage mein Hotelzimmer befand.

Schwer war die Wahl nicht gewesen, schließlich ist es das einzige Hotel am Hafen, direkt am Meer und es genießt auch einen entsprechenden Ruf. Seit Jahrzehnten geben sich dort diverse Berühmtheiten die Türklinke in die Hand, Jean Cocteau hat immer wieder dort gewohnt, die üblichen Verdächtigen aus der Kunstszene Mitte des 20. Jahrhunderts (Picasso, Chagall und Co.) trieben sich ebenfalls gern in der Gegend herum. Warum, versteht man spätestens, wenn man am Zimmerbalkon steht, auf den kleinen alten Hafen, die dort schaukelnden Boote und die dahinter liegende Bucht blickt.

Womit ich zum auch zum angekündigten Thema dieses Eintrages komme, nämlich der vergessenen Kunst des Nichtstuns. Ich bin seit Kindheitstagen geübte Meisterin in dieser Disziplin, die in Zeiten von Smartphones und Co., Dauerverbundenheit mit dem Web und Ähnlichem von einer scheinbar immer kleiner werdenden Zahl von Menschen beherrscht wird.

Wer sich darin üben möchte, der ist am besten beraten ans Meer zu fahren. Dort nämlich ist auch mir wieder klar geworden, warum ich eine unheilbare innere Sucht danach in mir trage, weshalb ich einige Monate des Wegseins kaum aushalte und wieso ich beim ersten Anblick des Wassers in eine fast meditationsgleiche Ruhe verfalle. Es ist wie ein Wunder, aber das Sitzen am Meer, das rhythmische Rauschen oder Plätschern, Brausen oder Tosen, je nachdem, wo man sich befindet, das Glitzern und die Reflexionen der Sonne auf der Wasseroberfläche, bewirken ein sofortiges sich Leeren des Kopfes.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen stellt sich eine Freiheit von Gedanken, eine Gedankenlosigkeit im besten Sinne ein, was einen noch vor kurzem nicht losließ, oder ständig wiederkehrte, wird im wahrsten Sinne des Wortes weggespült. Einzelne Gedankenfetzen bleiben zwar präsent, aber sie werden leicht und ziehen dahin, wie die Wolken am Himmel.

So lassen sich Stunden damit verbringen, irgendwo in einem Café mit einem Glas Rosé zu sitze, am Hotelbalkon, oder wenn man so wie ich das große Glück hat, Mitte Februar auf frühlingshaftes Wetter zu treffen, mit den Füßen im feinen Kieselstrand vergraben, vor sich hindösend am Strand.

Für alle die keine großen Prokrastinationsexperten sind, bietet Villefranche natürlich auch Geschichte, samt einer wunderschönen Altstadt, die sich an die südfranzösische Steilküste schmiegt, so kann man bei schönem Wetter auch spazierend seinen Gedanken freien Lauf lassen. Kann die von Jean Cocteau bemalte Chapelle Saint-Pierre (direkt gegenüber vom Hotel) besuchen, die im Ort befindliche Église Saint-Michel, oder durch die Rue Obscure (dunkle Gasse) wandeln.

Eine Zitadelle gibt es, die eine herrliche Gartenanlage und ein Gratismuseum, mit sehr an die Skulpturen Modiglianis erinnernden Arbeiten eines Künstlers Namens Antoniucci Volti beherbergt.

Auf einem befestigten Steinpfad entlang der Küste kann man unterhalb der Zitadelle bis zum neuen Hafen spazieren, die Möglichkeiten die Wege durch den Ort zu variieren sind nahezu unendlich, so lässt sich auch in einer Kleinstadt wie Villefranche herrlich die Zeit vertreiben.

All jene, die mit dem im Februar spärlich besuchten Ort und dem Überangebot an Ruhe nicht zurechtkommen – mit dem Bus ist man zum wohlfeilen Preis von 1 Euro in weniger als einer Viertelstunde in Nizza.

Am dortigen Marché aux Fleurs herrscht auch in den Wintermonaten reges Treiben, ja, als ich dort vorbeischaute – ich hatte seit dem letzten Aufenthalt besuchstechnisch sozusagen noch eine Rechnung namens „Nietzsche Terrasse“ offen, welche mit einem ausgedehnten Spaziergang am Colline de Cheateau, auf dem sich diese vom deutschen Philosophen frequentierte Aussichtsplattform befindet, endlich beglichen wurde – waren sämtliche Restaurants am Platz so vollgestopft mit Leuten, dass ich nach einem kleinen Imbiss, sofort wieder nach Villefranche zurückkehrte und froh war wieder meine Ruhe zu haben.

Trotz des Trubels ist man aber auch in Nizza zu Touristen freundlich, eine für den Hotelbalkon angedachte flüssige Kontemplationsunterstützung namens Côtes de Provence wurde mir mit den freundlichen Worten: „Bonne Dégustation“ (Gute Verkostung) überreicht, bei der Rückkreise zum Flughafen bot mir ein im Bus stehender zweiter Chauffeur scherzhaft an, er würde dem eben abfahrenden Flughafenbus nachlaufen, wenn ich es eilig hätte.

So rinnen bei einer derartigen Reise die wenigen Tage dahin und ehe man sich versieht, sitzt man wieder im Flugzeug und befindet sich auf der Heimreise. Trotz allem aber kommt man verändert nach Hause, der graue Himmel ist weniger bedrückend, die Wintertemperaturen leichter erträglich, nicht weil man das eben verlassene Meer nicht bereits wieder ganz schmerzlich vermisst, sondern weil die Freiheit von den, an der Küste zurückgelassenen, aus dem Kopf gespülten schwermütigen Gedanken, das Dasein so sehr erleichtern, dass es sich bis zur nächsten Reise spielend aushalten lässt.

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Austrian Airlines fliegen direkt von Wien nach Nizza und bieten immer wieder günstige Aktionspreise an. Vom Flughafen fährt man mit dem Bus Nr. 98 bis zum Busbahnhof (Gare routière), dort steigt man um auf die Nr. 81, die Haltestelle in Villefranche heißt „Octroi“. Tagestickets für das Bussystem kosten 4 Euro, zwischen Villefranche und Nizza hat man mit den Linien 81 und 100 eine regelmäßige Verbindung. Eine einfache Fahrt kostet 1 Euro.

Unterkunft: Kein anderes Hotel in Villefranche ist besser gelegen als das Hotel Welcome. In den Nebensaisonen lassen sich bei kurzfristiger Buchung Rabatte bis zu -30% finden. Buchung am besten direkt über das Hotel, welches, für alle Fälle, über gratis WLan verfügt. Das Hotel ist absolut empfehlenswert, große Zimmer mit Balkonen, sehr sauber, das schönste Bad, das ich je in einem Hotel gesehen habe, samt ausnehmend höflichem und hilfsbereitem Personal.

Essen: Bei der Hotelbuchung sollte man darauf verzichten das Frühstück mitzubestellen, man sollte sich je nach Wetter vor Ort entscheiden. Am Platz hinter dem Hotel bietet sich mit LesPalmiers z.B. eine nette und sehr gute Essgelegenheit für alle Tageszeiten, mit Blick auf die Cocteau-Kapelle und das Meer dahinter. Auch an der Strandpromenade kann man bei gutem Wetter sehr gut frühstücken, das Hotel selbst hat einen für kühlere Temperaturen bestens geeigneten Wintergarten, der ebenfalls einen Blick aufs Meer, allerdings in geschützter Atmosphäre erlaubt. Das Hotelfrühstück ist zumindest in der einfachen Variante á 7 Euro empfehlenswert. Herausragende Küche habe ich bei meinem Aufenthalt keine vorgefunden, habe jedoch in allen gewählten Restaurants gut gegessen. Persönlicher Favorit war das LesPalmiers, weil es am wohl schönsten Platz in Villefranche liegt und bestens geeignet ist zum Leutebeobachten oder Nichtstun. Die Restaurants an der Strandpromenade haben teilweise unnötig hohe Preise, ein Blick in die Karte empfiehlt sich bevor man z.B. unachtsam ein Glas Wein für 7 Euro bestellt…

Mehr Informationen über Villefranche finden sich auf der offiziellen Tourismusseite (engl.) oder z.B. auf Wikipedia.

Susanne, 12. März 2011

Teşekkür ederim – oder die Schwierigkeit für das Türkische passende Eselsbrücken zu finden

Kurz vor dem Aufbruch nach Istanbul hatte ich mich mit einer Freundin darüber unterhalten, dass dies die weiteste Reise in den Osten sein würde, die ich je unternommen habe. Zur Untermauerung meiner These meinte ich, dass ich bis dato nicht weiter östlich als Prag gewesen wäre, woraufhin Freundin N. vernünftigerweise einwandte, dass Wien östlicher liege als Prag und mir somit auch gleich aufzeigte, dass die Grenzen zwischen Ost und West eher im Kopf verortet sind, als auf der Landkarte.

Zum Glück fiel mir dann noch ein, dass ich mit Tallin doch noch weiter östlich auf dem Globus gereist war, als nach Wien, was schließlich auch belanglos war, da die Reise in die Türkei ohnehin vor der Tür stand und mein kosmopolitisches Ego nicht länger unter der reisetechnischen Kränkung leiden musste, es noch nicht besonders weit in den Osten geschafft zu haben.

Gemeinsam mit einer Gruppe von Twitteranten und Bloggern ging es vergangenen Mittwoch schließlich los, am frühen Nachmittag traf man im Hotel in der Altstadt Istanbuls ein, für die nächsten zwei Tage war katastrophales Schlechtwetter angesagt.

Nichtsdestotrotz wurde bei leichtem Nieselregen gleich eine Tour in die Altstadt gestartet und nach dem ersten obligaten türkischen Kaffee landete man im Großen Bazar, der dermaßen unübersichtlich war, dass wir nach ziellosem Bummel durch die, in der überdachten Anlage kreuz und quer laufenden Geschäftsgassen, nach dem Weg fragen mussten, um mit möglichst wenig Umweg in Richtung Hafen bzw. Eminönü zu gelangen, wo das erste gemeinsame Abendessen im Restaurant Hamdi reserviert war.

Man wendet sich also an einen der Händler und, wie sich in den nächsten Tagen herausstellt, haben nicht wenige darunter Zeit in Österreich oder Deutschland verbracht, der gefragte junge Mann outete sich mit passendem Akzent als kurzfristiger Einwohner von Bayern, schickte uns in die richtige Richtung und verabschiedete sich stimmungsvoll mit „Pfiat’di“.


Von diesen immer wieder gehörten deutschsprachigen Einsprengseln abgesehen, gestaltete sich die Anneignung von zumindest einigen wichtigen türkischen Floskeln als ziemliche Herausforderung. Zum Einen, weil die Sprache so gut wie keine Möglichkeit bot, sich mit irgendwelchen Lateinkenntnissen an Wortstämmen oder -wurzeln zu orientieren, zum anderen weil durch diese völlige Fremdartigkeit auch die Einprägung selbst kurzer Worte nahezu unmöglich war.

Darüber hinaus boten sich wenig Möglichkeiten für Eselsbrücken und wenn, dann hatten sie nicht den gewünschten Effekt, sondern erwiesen sich eher als Hemmnis. Als Beispiel dafür seien die zwei Bedeutungen von „Danke“ angeführt. Nummer Eins schreibt sich sağol wird aber so ähnlich wie „Sau“ ausgesprochen, Nummer zwei heißt teşekkür ederim, wobei der erste Teil der Phrase ähnlich klingt wie die wenig charmante Wiener Bezeichnung „Teschek“. Man will sich also bedanken, hat aber bloß Assoziationen zu Beleidigungen im Kopf. Nicht wirklich förderlich für die Anbahnung von Kommunikation.

Als Ausgleich dafür sei die dumm-rassistische FPÖ Kampagne gegen die türkische Beschriftung von Milchpackungen erwähnt, ich kann nämlich diesbezüglich über den ersten positiven Lerneffekt hetzerischer Propaganda berichten. Ich wusste bereits vor meinem ersten Aufenthalt in der Türkei, dass Milch dort Süt heißt. Haha!

Auf dem Weg zum Hafen nahmen wir gleich auch noch den um einiges sympathischeren Gewürzbazar mit, wobei sich der Sympathiefaktor nicht bloß auf die Nützlichkeit der feilgebotenen Waren (Gewürze, Süßigkeiten, Tee u.Ä.) bezog – im großen Bazar findet sich meines Erachtens nach hauptsächlich Ramsch in allen möglichen Ausgestaltungen, die Besichtigung lohnt sich auch nur um des Besichtigens einer Touristenattraktion Willen – auch die, wie soll ich sagen, interkulturelle Kommunikation gestaltete sich in letzterem um einiges schwieriger. Dabei ist zwar der Faktor miteinzurechnen, dass ich ohne männliche Begleitung unterwegs war, aber die „Zuwendung“ der diversen Verkäufer an den Ständen nahm mitunter kastrationsfantasienauslösende Qualitäten an, welche nur durch große zen-buddhistische Anstrengungen und mantraartige mit Dauerlächeln versehene „No thank you“ Entgegnungen meinerseits in Zaum zu halten waren. Überbordende Aufdringlichkeit wurde aber auch von männerbegleiteten Reisekolleginnen berichtet.

Trotz dieser leicht irritierenden, nennen wir sie Kommunikationsschwierigkeiten, zwischen den Geschlechtern, war der erste Eindruck von Istanbul ein durch und durch positiver. Die Stadt präsentiert sich als typische Großstadt, mit einer bunten Mischung aus Einheimischen und Besuchern und wer, so wie ich, gern in Großstädten ist, der fühlt sich auch in Istanbul auf Anhieb wohl.

Erwähnenswert sind die kulinarischen Köstlichkeiten, die man dort vorgesetzt bekommt und die unsere Gruppe in nicht bescheidenem Ausmaß auch konsumiert hat. Die türkische Spezialvariante des Essengehens bedeutet ein Dauerauftragen diversester großartig schmeckender Vor- Haupt- und Nachspeisen, das mitunter bedenkliche Ausmaße annimmt, vor allem wenn man sich bereits an den Vorspeisen satt gegessen hat, die nachfolgenden Speisen aber ebenso appetitlich aussehen, dass man sich aus Angst etwas zu versäumen, trotzdem nötigt zumindest noch einen Bissen zu kosten.

Was die touristische Erkundung der Stadt betrifft, so kann man rund um die Altstadt, über die Galata-Brücke bis ins Beyoğlu -Viertel das Meiste zu Fuß erledigen. Das ist auch die beste Variante, es sei denn, es gibt wie am vergangenen Donnerstag der Fall, sintflutartige Regenfälle.

Das meiste vom touristischen Programm habe ich an dem Tag auch absolviert – Hagia Sophia, Blaue Moschee (eigentlich Sultanahmed Moschee), Zisterne – bis ich vor dem Besuch des Topkapi-Palastes w.o. gab, weil ich nicht nur völlig durchnässt, sondern auch etwas unterkühlt war. Topkapi musste warten, dafür gab es eine warme Dusche bevor es später am Nachmittag doch noch einmal nach draußen ging.

Dort regnete es immer noch in Strömen und ich fühlte mich durch die sturzbachartigen Wassermassen, die über die Straßen Istanbuls flossen kurzfristig an Passagen aus Schillers Bürgschaft erinnert, das Gute daran war aber der kurzfristige Entschluss am nächsten Tag einen klassischen Hammam aufzusuchen, schließlich war die Wettervorhersage ähnlich dem Donnerstag und als Saunafreundin konnte ich mir dieses Erlebnis kaum entgehen lassen. Der Zufall wollte es zudem, dass wir beim Spaziergang durch den Regen auf einen überaus einladenden Hammamkandidaten gestoßen waren.

Der nächste Tag war dann doch etwas freundlicher und gestattete einen Spaziergang über die Galatabrücke und nachfolgende Erkundung des Beyoğlu-Viertels, samt durch das Vorhandensein eines Liftes erleichterte „Erklimmung“ des Galata-Turms, welcher eine hervorragende Aussicht über ganz Instanbul bot.

Am Nachmittag ging es schließlich wie geplant in den Hammam, ein Erlebnis, das jeden Cent, des nicht gerade billigen Vergnügens wert war. Freunde des Saunierens dürfen sich darunter eine Art Personenwaschmaschine im besten Sinne des Wortes vorstellen. Männer und Frauen werden getrennt gewaschen, im Frauenbereich herrscht zwar ein einigermaßen hoher Lärmpegel, schließlich werden die zu waschenden Kandidatinnen in einer Art Rondo in der Mitte einer großen runden, ganz in Marmor gehaltenen, Halle, samt kuppelartigem Dach, im Kreise aufgelegt und hernach von den jeweiligen Wäscherinnen – sprich Masseurinnen – geschrubbt, gewalkt und massiert. Den Abschluss bildet eine herzhafte Kopfwäsche, gereinigt und glücklich verlässt man schließlich die kommunale Waschanlage.

Und selbst wenn die Prozedur etwas ruppig klingt, so ist sie durch und durch angenehm, nicht nur, aber auch, hervorgerufen durch die große Herzlichkeit der Masseurinnen, die beim Waschen und Massieren Erinnerungen an Bäder, die man in der Kindheit genommen hat, wecken, verfeinert durch den angenehmen, aber nicht aufdringlichen, Geruch der verwendeten Seifen. Wer vernünftig ist, wählt, so wie ich, das Vollwaschprogramm, das sich „kompletter orientalischer Luxus-Service“ nennt und ein „original osmanisches Sultan Bade-Servis“ inkludiert und nicht unberechtigterweise verspricht, dass man sich hernach wie neu geboren fühlt. Kostet 50 Euro, ist aber wie gesagt, jeden Cent wert.

Ganz nebenbei bemerkt war der Freitag auch der türkische Nationalfeiertag, wobei man erstaunliche Flexibilität bewies und die angesetzte Parade wegen Schlechtwetters ganz einfach auf den Sonntag verschob, das kurzfristig abgesagte Feuerwerk fand schließlich doch noch am Freitag Abend statt und soll, ich saß wieder einmal beim Essen, grandios gewesen sein.

Am Samstag hatte sich die Schlechtwetterfront endlich verzogen und der Tag stand einerseits im Zeichen des noch nachzuholenden Besuches des Topkapi Palastes, der zweite Programmpunkt des Tages war eine Schifffahrt auf die asiatische Seite, schließlich hätte ich es nicht verkraftet, meine Füße nicht auf einen anderen Kontinent zu setzen, nachdem dieser nur wenige Kilometer entfernt lag.

Die Wanderung durch den Topkapi Palast rechtfertigte auch den Verzicht darauf am Donnerstag, denn diesmal war der Himmel blau, die Sonne schien und der Blick auf das Marmara Meer oder in Richtung Galata Brücke war schlicht und einfach ergreifend schön. Das war auch die Schifffahrt nach Üsküdür – auf die asiatische Seite – Fährenschiffe verkehren von Eminönü zu den jeweiligen Stationen in atemberaubendem Takt, die Kosten sind mit ca. 75 Eurocent schwindelerregend niedrig.

Asien entpuppte sich schließlich als annähernd ähnlich dem europäischen Teil Istanbuls, wobei die Erfahrung wohl in Abhängigkeit der Ausstiegsstelle variierte, ich befand mich in einem etwas trashigerem Teil, Reisekollegen berichteten von gehobeneren Vierteln. Sehenswert ist das ganze wohl in jedem Fall, vor allem der Besuch eines hiesigen Marktes war ein Erlebnis.

Der letzte Abend stand wieder im Zeichen der traditionellen türkischen Küche – ein Restaurant im Beyoğlu-Viertel war ausgewählt worden, die Konsumation von unfassbar guten Speisen endete nur aufgrund anwesender türkischer Farsi Live-Musik und körperlicher Bewegung in Form von Tanzen nicht in einem kapitalen Essens-Overkill, die bewegungsfreudige Minderheit schließlich wagte sich nachher sogar noch in das Istanbuler Nachtleben, welches soweit überblickbar unglaublich viele Leute beherbergt.

Am letzten Tag fand sich noch Zeit für einen abschließenden Besuch des Gewürzmarktes und sich Eindecken mit sämtlichen nötigen und unnötigen Mitbringseln, die Sonne schien, die Temperaturen waren herrlich warm, es fiel ziemlich schwer sich in den Bus zu setzen und abzureisen. Istanbul wird mir in positiver Erinnerung bleiben. Nicht nur weil sich mein Bild vom sog. Orient, mit allen Vor- und Nachteilen, nunmehr etwas realistischer zeichnet, selbst ein Selbstmordanschlag am Abreisetag trübt diesen Eindruck nicht, sondern weil die Reise innerhalb einer sehr sympathischen Gruppe von Leuten stattgefunden hat und von einer liebenswerten Gastgeberin und Organisatorin zu einem unvergesslichen Erlebnis gestaltet wurde.

Hilfreiche Informationen

Veranstaltungsinfos: Die Reise nach Istanbul wurde unter dem Titel #Twistanbul von Meral Akin-Hecke veranstaltet und organisiert, es sind weitere #Twistanbul-Reisen geplant, eine Teilnahme daran kann ich nur allerwärmstens empfehlen, Informationen darüber finden sich entweder auf der FB-Seite bzw. erfährt man am besten, wenn man @kigo auf Twitter folgt.

Unterbringung: Unsere Reisegruppe war im Hotel Erboy in der Istanbuler Altstadt untergebracht. Es handelte sich um ein nettes kleines Hotel, mit gratis Wi-Fi in allen Zimmern (unerlässlich für webaffine Reisegruppen), welches sich in Gehweite zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Hagia Sophia, Blaue Moschee, Topkapi) befand.

Hammam: Der von mir besuchte Cağaloğlu Hammam befand sich in der Istanbuler Altstadt und wird von einem New York Times Bestseller als einer von 1000 Orten bezeichnet, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt. Nachdem ich noch keinen anderen Hammam besucht habe, kann ich nicht beurteilen, inwiefern es sich in einem weniger beworbenen, touristischen Hammam gemütlicher badet, gut möglich, dass es sich lohnt einen weniger stark frequentierten aufzusuchen.

Restaurants: Sämtliche von der Gruppe besuchte Restaurants kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Restaurant Hamdi liegt nahe am Hafen in Eminönü und bietet so wie das am letzten Abend besuchte Mekan in Beyoğlu traditionelle türkische Küche. Beide sind einen Besuch wert. Das ebenfalls im Beyoğlu-Viertel gelegene Restaurant Otto ist eine hippere Restaurantvariante mit eklektischer Speisenkarte, die von Burgern und Pasta bis hin zu türkischen Speisen eine bunte Auswahl bietet. Daneben gibt es dort kreative Cocktails, die Namen wie „Kiss my Otto“ tragen.

 

Susanne, 5. November 2010

 

Der einfache Mönch ist arm, aber froh

Für die Unternehmung diverser touristischer Aktivitäten im eigenen Land ist man zumeist vom Zusammentreffen zweier Bedingungen abhängig. Zum einen vom Besuch ausländischer Gäste, denen man einen Ausflug zu bestimmten Zielen, die man alleine nicht aufsuchen würde, als hochinteressant nahe bringen kann, zum anderen, auch aufgrund der entmutigenden Lage in Sachen öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere der ÖBB, auf die Verfügbarkeit eines Autos.

Vergangene Woche trafen glücklicherweise beide Zustände gleichzeitig ein und ein Ausflug ins Stift Melk war in Windeseile vereinbart, schließlich wollte ich schon seit längerer Zeit einmal dort vorbei schauen, nicht nur wegen meiner Vorliebe für Umberto Eco (wer sich an Der Name der Rose erinnert, weiß dass der junge Adlatus von dort stammt), sondern weil ich mich generell für Architektur und Geschichte interessiere.

Zwei Freunde haben mich begleitet und bei stetem Regen ging es von Wien aus los in Richtung Melk. Wettertechnisch also beste Voraussetzungen, um sich innerhalb des Stiftes gemütlich umzusehen.

Das beeindruckende Barockensemble, welches über Melk thront, war in einer knappen Stunde erreicht, 2000 wurde es von der UNESCO samt umliegender Wachau, dem Stift Göttweig und der Altstadt von Krems zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Blick auf das Stift schließlich bestätigt die Verleihung diverser internationaler Zertifikate, auch wenn man sich über deren Nutzen nicht wirklich sicher ist, architektonisch stellt das Gebäude auf jeden Fall eine herausragende Leistung dar und weckt große Vorfreude, sich das Ensemble auch von innen genauer anzusehen.

7.70 Euro Eintritt für Erwachsene, 4.50 für Studenten ist ein akzeptabler Preis und man machte sich sogleich, wenn auch etwas gebremst von einem gleichzeitig vor Ort abgesetzten Schwall hauptsächlich japanischer Touristen, erwartungsvoll auf den Weg ins Stiftsmuseum. Ich hatte mich zuvor, außer in Bezug auf die Anreise, kaum darüber informiert, die Webseite des Stiftes ist im Chic des 20. Jahrhunderts erstellt, wo man das Geld für diverse Modernisierungen gelassen hatte, wurde einem jedoch beim Eintritt ins Museum mehr als deutlich vor Augen geführt.

Leider haben sich die Verantwortlichen in Melk offenbar dafür entschieden, die architektonische Innenausstattung einem Diskothekendesigner zu überlassen. Die Räumlichkeiten, die man durchschreitet, brüllen einen wahlweise in grünem oder blauem Neonlicht an, es dominiert ein Make-Over-Stil der Marke „Clubbing-Lounge“ bzw. „das ist echt super modern“, oder man hält sich ans Swingerclubflair à la „Spiegelkabinett samt kitschige Barockengeln“. Getoppt wurde das Ganze von hässlichem Kunsthandwerk und einer Raumgestaltung, welche den Eindruck vermittelt, man hätte sie jener Sorte von Leuten übertragen, die gemeinhin in Heimarbeit Dinge produzieren, die sie dann auf örtlichen Zeltfesten oder Flohmärkten als „Kunst“ verkaufen.

Insgesamt wird durch diese völlig daneben gegangene Modernisierung wieder einmal offenbar was passiert, wenn man völlig ungeeigneten Leuten zu viel Geld in die Hand drückt. Ein typisch österreichisches Problem, wie mir scheint.

Die Tatsache, dass man hierzulande die Begriffe Modernisierung, Renovierung und Restaurierung verwechselt, hat schließlich dazu geführt, dass man im Stift Melk wunderschöne Barockräume zu einem völlig unpassenden „Erlebnisparcours“ verunstaltet hat. Eine Restaurierungkatastrophe, die mir noch heute den Magen umdreht und mich dafür plädieren lässt, den oder die Verantwortlichen für den Rest ihres Lebens wahlweise im neongrünen oder neonblauen Kitschdesasterraum einzusperren.

Die optische Verunstaltung war jedoch noch nicht das Ende der Geschichte. Leider. Neben den eher spärlichen und kaum ein Gesamtbild vermittelnden historischen Informationen, hat man sich bei der inhaltlichen Kuratierung im Museum ganz und gar der katholischen Indoktrination verschrieben. Da findet man dann an die Wand gemalte Glaubensbekenntnisse, die Krönung wird dem ganzen Hokuspokus schließlich in der Form von „Informationsschildern“ in vier Sprachen aufgesetzt.

In Bezug auf Geschichtsverfälschung hat man sich dort selbst übertroffen, indem man auf Texten, die in einem als sachlich verkleideten Informationsstil verfasst sind, mehr oder minder Missionierung betreibt. So las man also Phrasen wie „Diese neue geistige Strömung (gemeint ist die Aufklärung) beachtete manche menschliche Werte nicht, brachte aber auch viel Licht in manches Dunkel. Viele positive Werte dieser Entwicklung brachten große Fortschritte, manches jedoch ließ wichtige Bereiche verarmen“.  Oder: „Wieder einmal sollte eine Einseitigkeit, die Betonung menschlicher Vernunft, Prozesse einleiten, die etwas Ganzes auseinander teilen sollte“.

Die Interpretation derartiger Ungeheuerlichkeiten überlasse ich den Lesern selbst, mir wird beim Überdenken solcher Formulierungen auch nicht deshalb übel, weil ich gegen persönliche Glaubensbekenntnisse wäre. Jeder Mensch soll sich seines oder keines aussuchen, was aber erschütternd ist, ist die Tatsache, dass man hierzulande, zumindest was das Stift Melk betrifft, also in der katholischen Kirche, noch immer nicht die Bedeutung von historisch-wissenschaftlicher Dokumentation begriffen hat, sondern sich dafür entschieden hat, die Informationen über das Stift und seine Rolle in der Geschichte in einer Art Predigt über die Besucher zu stülpen. Man geht also wieder einmal davon aus, dass man selbst besser weiß, was für die Menschen wichtig und richtig ist, anstatt die am Stift interessierten Leute als mündige Individuen zu begreifen, die selbst in der Lage sind sich eine Meinung zu bilden.

Dazu ist anzumerken, dass ich vergangenes Jahr mehrere Tage in Südengland unterwegs war (die Berichte dazu finden sich in der Kategorie „Reise“) und dort nicht wenig Zeit in diversen Kathedralen zugebracht habe. Im Gegensatz zu Melk jedoch war man an all diesen Orten, die ihre Führungen noch dazu gratis anboten, in der Lage historisch akkurate Informationen zu vermitteln. Die Guides waren zumeist freiwillige Senioren und Seniorinnen, die über wirklich beeindruckende Sachkenntnis verfügten, kein einziges Mal fand sich irgendwo, egal ob auf Schildern oder bei diversen Führungen, auch nur ein klitzekleiner Versuch, mir als Besucherin, irgendeinen Glauben schmackhaft zu machen.

Als geringer Trost für die im Stift Melk dargebotene Travestie, kann ich wohl bloß anführen, dass man die verantwortlichen Clubbingdesigner wenigstens aus der Bibliothek fern gehalten hat – ich wäre vermutlich an Ort und Stelle in Tränen ausgebrochen, hätte man dort irgendwelche Leuchtröhren plaziert, einigermaßen beruhigt hatte ich mich erst nach dem Besuch des ausgezeichneten Rathauskellers in Melk, sowie nach dem daran angehängten Spaziergang durch den Klosterpark, der bis auf die Innengestaltung des Pavillons (Achtung Transzendenz!) Balsam für die aufgeklärte Seele war.

Susanne, 8. August 2010

Avec plaisir!

Sage und schreibe fünf Jahre sind vergangen, seit ich das letzte (und in dem Fall das erste) Mal in Nizza war. Höchste Zeit also die südfranzösische Küste wieder einmal aufzusuchen. Die Sehnsucht hatte mich schon im April gepackt und kollidierte erfreulicherweise mit einer Preissenkung beim sog. Red Ticket der Austrian Airlines. Da wurde dann auch nicht lange gezögert, in Freundin S. fand sich eine ebenfalls unter Fernweh leidende Reiseverbündete, es wurde sofort gebucht.

Kurze Zeit später fand sich auch ein passendes Hotel, die Wahl fiel auf das Beau Rivage, welches mehr oder weniger direkt an der Promenade des Anglais liegt, die Entscheidung hat sich, mit kleineren Einschränkungen (siehe hilfreiche Informationen) als sehr gute erwiesen, schließlich war die Lage des Hotels optimal, der dazugehörige Privatstrand in bestem Zustand und die frühe Buchung, wegen des am selben Wochenende abgehaltenen Iron-Man-Wettbewerbs geradezu hellsichtig (für Menschen wie mich, die sich bei Hotelbuchungen bis dato nicht an Massensportereignissen orientiert haben…).

Vorletzten Donnerstag schließlich war es soweit, Abflug Wien kurz nach 20 Uhr, pünktliche Landung in Nizza um kurz nach 22 Uhr. Gepäck abgeholt, raus zum Bus ins Stadtzentrum, kurz am Schalter nachgefragt, ja, ja, kommt in 25 Minuten, der Bus.

Wenn man schließlich wartet und wartet und so wie ich über ausreichend Frankreicherfahrung verfügt, dann bleibt man entspannt und beginnt intensiv über das Wort „Streik“ nachzudenken. So lange, bis nach mehr als einer Stunde der Bus dann doch noch auftaucht und man behält als frankophile Revolutionssympathisantin auch dann noch die Nerven, wenn man mit gefühlten 200 anderen Leuten wie Sardinen in den Bus geschichtet, ins Stadtzentrum gebracht wird. „Was? Ein Streik? Jawohl! Die haben schon recht! Bon Manif!“ So oder ähnlich begegnet man in Frankreich Leuten, die für ihre Rechte eintreten.

Wie dem auch sei, die Nerven wurden schließlich auch durch eine herrlich lauwarme Sommernacht beruhigt, feucht-salzige Meeresluft als mediterrane Aromatherapie. Schließlich checkt man im Hotel ein, die aus Finnland früher angereiste S. hat sich tagsüber bereits in Sachen Strandbesuch schlau gemacht, ein später Drink noch in einem der vielen Straßencafés am Marché aux Fleurs im historischen Viertel (Vieux Nice) von Nizza. Côtes de Provence, Rosé, ist Teil des Pflichtprogramms.

Die folgenden Tage schließlich wurden, auch und insbesondere aufgrund des hervorragenden Wetters, mehr zu einer Art Alternativtriathlon, der sich aus den Diziplinen „am Strand liegen“ „Essen&Trinken“ sowie „durch die Altstadt wandeln“ zusammensetzte. Daran werden sich auch die nachfolgenden Empfehlungen orientieren. Zumal es in erster Linie ohnehin darum geht, das Reisen um des Reisens willen zu betreiben und sich hauptsächlich danach zu richten, was einem vor Ort spontan in den Sinn kommt, als einem irgendwie gestalteten Reiseführer zu folgen.

Wer also nach Südfrankreich fährt, der kann dort ausgezeichnet essen, hervorragenden Wein trinken und wenn das Wetter mitspielt die Seele am Strand baumeln lassen.

Frühstückstechnisch haben S. und ich das sündteure nichtinkludierte Hotelbuffet links liegen gelassen und fanden im „Le Pain Quotidien“ ein hervorragendes Lokal, wo man aus verschiedensten Petit-Dejeuner-Variationen auswählen konnte, im Standardprogramm dabei, ein Korb voll mit verschiedensten frischen Brotköstlichkeiten, die vom Baguette bis zum Vollkornbrot reichten. Mein persönlicher Favorit: die Frühstücksvariante mit Müsli. Frankreichtypisch bekommt man den dazubestellten Milchkaffee (nennt sich dort „café crème“) in einer hübschen, adäquat dimensionierten Schale.

Nach dem Bummel durch die Altstadt, die mit dem Markt, der sich über den Cours Saleya – gemeinhin bekannt als Marché aux Fleurs – zieht und den dahinter liegenden Gässchen, über ausreichende Möglichkeiten sich mit touristischem Klimbim einzudecken bzw. herrliches Obst, Gemüse oder Gewürze zu kaufen, bot, ging es kurz nach Mittag direkt an den Privatstrand des Hotels. Privat heißt in dieser Hinsicht leider nicht gratis, auch nicht als Hotelgast, aber wer nicht auf einem unbequemen Kieselstrand leiden will, und wer darüber hinaus sein Geld nicht in den teuren Boutiquen hinter dem Place Masséna (Rue Paradis, Avenue de Suède…) ausgibt, der kann und sollte sich an einem der Privatstrände einquartieren und dort austesten, was es heißt wie Gott in Frankreich zu leben.

Man verfügt dort über eine bequeme gepolsterte Liege, zumindest einen Sonnenschirm, einen eigenen Rettungsschwimmer und vor allem über eine überaus aufmerksame Mannschaft an Servierpersonal, die wahlweise Essen oder Getränke auf die zwischen den Liegen optimal platzierten Abstelltischchen liefert. Auf diese Weise lässt sich bis zum Schließen des Gastrobereiches (meist gegen 17.30) herrlich die Zeit vertrödeln. Man liest, schläft oder geht drei Schritte und erfrischt sich im perfekt temperierten Mittelmeer. Am frühen Nachmittag liefert man dann die Bestellung für das erste Glas Roséwein ab, wartet ein wenig – kann manchmal auch länger dauern, aber man hat ja schließlich Zeit – und bekommt sein Getränk schließlich von einem lächelnden Kellner mit den Worten „Avec plaisir“ vor die Nase gestellt. Das Leben kann so schön sein.

Am Abend schließlich stand die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, schließlich ist so ein Tag am Strand verdammt anstrengend, vor allem wenn man den Athleten und Athletinnen des parallel stattfindenden Iron-Man-Bewerbs zusehen muss. Naja, selber schuld, kann man da nur sagen, oder um es mit den Worten des Taxifahrers, der uns zum Hafen brachte und die für den Bewerb aufgebauten Sperren kommentierte, zu sagen: „L’Ironman? C’est le bordel!“

Essenstechnisch jedenfalls bietet sich die Altstadt von Nizza an und selbst wenn die dort sehr touristischen Restaurants den Verdacht aufkommen lassen, dass man da oder dort möglicherweise alles andere als Qualitätsware serviert bekommt, kann ich persönlich, auch vom vorigen Aufenthalt in der Stadt, von keinem einzigen Fall eines uninspirierten Touristennepps berichten.

Direkt am Marché aux Fleurs gelegen, kann ich das Lokal „La Cambuse“ empfehlen, dort ist man pizza- und salattechnisch bestens versorgt, die Speisekarte weist aber auch regionale Gerichte wie z.B. das von Innereienspezialisten geschätzte „Tripes à la provençale“ auf, wobei ich letzteres nicht bestellt habe und somit über dessen Qualität leider keine Auskunft geben kann. Ein zweites Restaurant am Platz, welches sich in Sachen Meeresfrüchte verdient macht, ist das „Chez Freddy“, wo man ausgezeichnete Paellas zubereitet.

Wer schließlich etwas weiter vom Zentrum weg will und daneben das subjektiv beste Restaurant in der Stadt aufsuchen möchte, der muss zum Hafen. Den erreicht man auch zu Fuß, wenn man auf der Promenade des Anglais einfach in Richtung Osten wandert. Besagtes Lokal nennt sich „L’Ane Rouge“ und hat sich ebenfalls auf Meeresfrüchte spezialisiert. Das dort angebotene Abendmenü kann ich ohne Einschränkungen empfehlen und wenn man sich keine sündteuren Aperitifs aufschwatzen lässt, dann verbringt man mit Sicherheit einen perfekten Abend. Gut, selbst wenn man sich den sündteuren Aperó aufschwatzen lässt, verbringt man einen perfekten Abend. Vorausgesetzt das Wetter passt, dann sitzt man nämlich draußen und schaut auf den Hafen von Nizza, genießt hervorragendes Essen, großartigen Wein, aufmerksames Service und verlässt erst dreieinhalb Stunden später glücklich lächelnd das Lokal.

Über das niçois’sche Nachtleben weiß ich leider nicht allzuviel zu berichten. Zwar war der erste Abend noch dem Fortgehen gewidmet und als selbsternannte Trendsetter hatten wir uns bei den allercoolsten, exklusivsten Quellen schlau gemacht, der dort gepriesene Club, der den bezeichnenden Namen „Le Klub“ (von den Franzosen gerne „Lö Klöb“ ausgesprochen…) trug, stellte sich aber schließlich als derartiger Geheimtipp heraus, dass außer uns zweien nur noch ein dritter Avant-Avantgardist davon wusste. Der Rest waren Drinks im Plastik-to-go-Becher, ein von seiner Auflegerei sehr begeisterter DJ und eine im oberen Raucherabteil beim letzten Durchgang noch zufällig entdeckte Gruppe von am Boden sitzenden, gelangweilt vor sich hinstarrenden Leuten, von denen man den Eindruck hatte, sie gehörten zum Inventar. Die restlichen Abende wurde auf die Trendsetterei gepfiffen, schließlich gab es immer noch eine Fußball WM.

Und was steht am Ende eines derartigen Urlaubs? Mit Sicherheit nicht das Gefühl irgendwelche kulturellen Highlights, Museen oder noch nicht gesehene Orte versäumt zu haben. Das Ziel einer Reise sollte sich immer und in erster Linie daran orientieren, was man vor Ort als das identifiziert, was man im Augenblick am dringendsten braucht. Selbst wenn es darin besteht, die gesamte Zeit im Kaffeehaus zu verbringen, oder einen großen Bogen um Must-See Sehenswürdigkeiten zu machen, weil die Besteigung eines x-beliebigen Hügels am Stadtrand um ein Vielfaches interessanter scheint. An diese simplen, sagen wir taoistischen, Reiseregeln, halte ich mich nunmehr seit Jahren und ich habe es bis jetzt noch nie bereut. Au contraire!

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Austrian Airlines haben vor kurzem die Preise für das Red Ticket gesenkt, wenn man frühzeitig (!) bucht, kann man zu günstigen Tarifen direkt von Wien nach Nizza fliegen. Die AUA scheint sich derzeit auch verstärkt um soetwas wie Kundenzufriedenheit zu kümmern. 2 Tage vor dem Abflug erhielt ich ein kurzes Email mit den wichtigsten Informationen zu meinem Flug (z.B. Web check-in) und dem Reiseziel. Nicht überlebensnotwendig, aber nett.

Unterbringung: Das Hotel Beau Rivage liegt optimal direkt hinter der Promenade des Anglais und ca. 2  Gehminuten vom Marché aux Fleurs entfernt am Rande der Altstadt von Nizza. Wer früh (!) bucht, kommt in den Genuss von leistbaren Zimmerpreisen. Die hoteleigenen Frühbuchertarife haben in meinem Fall alle auf diversen Hotelbuchmaschinen ausgeworfenen Preise unterboten. Das Hotel selbst ist neu renoviert, die Zimmer sind aber nicht besonders groß und weil man sich sosehr auf ein stylisches Design konzentriert hat, hat man z.B. im Badezimmer mancherorts auf die Funktionalität vergessen (klitzekleine Ablageflächen, zu wenige Handtuchhalter, etc.). Im Großen und Ganzen aber empfehlenswert, vor allem wegen der Lage und unter der Voraussetzung, dass man nicht den vollen Zimmerpreis zahlt!

Essen: Le Pain Quotidien, 1 Rue Saint-François de Paule. Ausgezeichnetes Brot, zum langen Frühstücken bzw. zum Brunch bestens geeignet. L’Ane Rouge , 7 Quai des Deux Emmanuel, liegt direkt am Hafen, spezialisiert auf Fischgerichte, kulinarisches Highlight von Nizza. La Cambuse, 5 Cours Saleya, Pizza, Salate und regionale Spezialitäten. Chez Freddy: 20 Cours Saleya, spezialisiert auf Meeresfrüchte und Fisch, sehr gute Paellas.

Susanne, 4. Juli 2010

Chouffe, Chouffe, Chouffe

Brüssel ist eine Stadt, die man nicht um ihrer selbst willen besucht. Ich zumindest nicht. Brüssel ist viel mehr eine Stadt in die man fährt, wenn man dort etwas zu erledigen hat, oder eingeladen wurde. Wie ich zum Beispiel.

Nicht, dass ich Brüssel als Stadt unbedingt klein reden möchte. Vor Jahren, damals lebte ich in Paris, hatte ich herausgefunden, dass man mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV nur etwa eine Stunde dorthin benötigte und wäre fast hingefahren. Dann hab ich’s mir überlegt und fuhr nach Marseille, eine Stadt, in die man unbedingt um ihrer selbst willen fahren sollte. Ich habe damals beschlossen, ich würde erst nach Brüssel fahren, wenn man mich dorthin einlädt.

Zwei Jahre später war es soweit und die EU höchstpersönlich bezahlte die Reise. Also fuhr ich hin. Einen ganzen Tag lang habe ich mich dann umgesehen und festgestellt, dass ich mit meiner Voreingenommenheit zum Teil recht gehabt hatte. Brüssel ist tatsächlich nicht besonders aufregend. Es gibt einen kleinen, sehr schönen historischen Kern, der im Grand Place sein Zentrum findet, durch die Gässchen rund herum kann man gut und gerne ein paar Stunden sehr gemütlich flanieren, das berühmte Manneken Pis entdeckt man meist erst deswegen, weil sich zu jeder Tageszeit dort eine Traube von Touristen gebildet hat, die ihm bei seinem endlosen Wasserlassen zusieht.

Vor kurzem war es wieder so weit und ich bin als Teil einer österreichischen Blogger- und Bloggerinnen-Gemeinschaft, wieder gefördert von der Europäischen Union in Form eines Reisezuschusses, initiiert durch den Wiener Gemeinderat Marco Schreuder und auf Einladung der  Grünabgeordneten Ulrike Lunacek und Eva Lichtenberger erneut nach Brüssel gereist. Viel Zeit blieb auch diesmal nicht – ein ziemlich dichter Parcours durch europäische und österreichische Institutionen stand am Programm (mehr darüber kommende Woche in meiner Kolumne auf zurPolitik.com), lediglich der Anreisetag sowie die Abende standen zur touristischen Disposition.

Nachdem ich nun der Stadt bereits einiges an touristischer Wertigkeit abgesprochen habe, muss ich mich doch um eine gewisse Ehrenrettung bemühen. Brüssel ist, auch wenn man nicht eingeladen ist, allemal eine Durchreise wert. Und zwar vor allem wegen seiner kulinarischen Reize.

Bereits beim ersten Aufenthalt galt mein Hauptaugenmerk der Suche nach einem gewissen „Léon de Bruxelles“. So nennt sich eine Lokalkette, die ich in Paris gerne wegen eines bestimmten Gerichts frequentiert hatte: „Moules Frites“ – zu deutsch Muscheln mit Pommes. Dass ich das Brüsseler Restaurant nicht sofort fand, lag einzig und allein daran, dass ich nicht klug genug war, zu erkennen, dass der topographische Namenszusatz in Brüssel selbst völlig unützes Beiwerk war, das Lokal hieß dort logischerweise schlicht und einfach „Chez Léon“.

Bei der vor kurzem erfolgten Reise hat es sich nun auf wundersame Weise ergeben, dass am ersten Tag, in kleinere Grüppchen aufgesplittert und auf der Suche nach Essbarem, ausgerechnet meine Gruppe plötzlich vor dem Lokal stand. Besser hätte ich es nicht planen können. Moules Frites – erledigt. Passenderweise gab es ein Mittagsmenü samt jenem Getränk, welches auch gleich den zweiten kulinarischen Fokus der Reise bildete: Bier.

Wer nach Brüssel kommt sollte sich auch bei den unzähligen Biersorten kundig machen. Mitunter lohnt sich das. Zum Glück hatte ich einige gerstensaftaffine Bloggerkollegen und -kolleginnen an meiner Seite, während der viertägigen Reise gab es also genug Gelegenheiten, da und dort einen Schluck zu kosten und so gröbere Leberschäden zu vermeiden.

Zum Bier ist folgendes zu sagen. Es gibt in Belgien vermutlich so viele Biersorten, dass man sie kaum in einem Jahresaufenthalt in Brüssel durchtesten würde können. Es gibt dunkle und helle, leichte und sehr, sehr starke, es gibt Weißbiere und Pilse und es gibt die notorischen Fruchtbiere. Dorn in den Augen so mancher Reinheitsgebotsapostel, Suchtfaktor für wieder andere. Ich persönlich konnte weder dem Bananen-, noch dem Mangobier viel abgewinnen, Kirschbier (Kriek) ging gerade so, mein Favorit eindeutig Himbeerbier. Unter den restlichen Bieren erinnere ich mich noch mit Schaudern an ein Starkbier (10+Vol.%), welches hauptsächlich nach Ethanol schmeckte und dankenswerterweise von meinem biertechnisch unerschütterlichen Mittester ausgetrunken wurde. Der Name dieses Bieres ist mir entfallen, ob das bereits diversen Ausfallserscheindungen geschuldet war, will und kann ich nicht beurteilen.

Zwischendurch muss gegessen werden und diesbezüglich gibt es in Brüssel noch mehr im Angebot als Muscheln mit Pommes. Pommes alleine zum Beispiel. Erfunden von den Belgiern, von den Amerikanern frankophoniert und dann auch noch befreit, heißen sie in Brüssel immer noch Frites. Und die allerbesten gibt es bei Antoines Frittenbude am Place Jourdan, mitten im EU-Viertel. EU-Volk und Einheimische schwärmen in den jeweiligen Pausen gern zum Platz und holen sich die eine oder andere Tüte, klassisch belgisch natürlich mit sehr viel Mayonnaise. Schließlich brauchte man für die abendliche Biertesterei auch eine ordentliche Unterlage.

Der Sieger dieses Tests wurde schließlich am letzten Abend gekürt und nennt sich Chouffe. Ein hervorragender Name, der sich auch nach mehreren Gläsern noch verständlich aussprechen lässt, und dessen phonetische Eigenschaft so einprägsam war, dass noch mindestens eine Mittesterin dem Chouffe-Effekt erlag. Wie der aussieht? Man bestellt einfach. Ein Chouffe und noch ein Chouffe. Chouffe, Chouffe, Chouffe.

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Günstige Direktflüge aus Wien gibt es aktuell mit Austrian Airlines oder Brussels Airlines. Die Flugzeit beträgt etwas weniger als 2 Stunden. Der Transfer vom Flughafen ins Stadtzentrum kostet aktuell um die 5 Euro. Ein Dreitagespass für die öffentlichen Verkehrsmittel in Brüssel kostet 9,50 Euro (exkl. Fahrt zum Flughafen).

Unterbringung: Diverse Hotelbörsen vermitteln günstige Zimmer, die Bloggergruppe war im Hotel Floris Ustel Midi in Bahnhofsnähe untergebracht. Diesbezüglich kann ich selbst keine Beschwerden vorbringen, außer, dass die Gegend rund um das Hotel eher als heruntergekommen zu bezeichnen ist, Mitreisende haben darüber hinaus u.A. über Probleme mit dem W-Lan in ihren Zimmern berichtet.

Chez Léon: 18 Rue de Boucher

Friterie chez Antoine: Place Jourdan

Susanne, 17. Juni 2010

On the road in Slovenia – Piran

Flying Sandworm - artwork zoer

I had alread declared vacation season as officially over and I was ready to brace myself for the fall in Vienna. For those times when it can be foggy for weeks on end, and blue skies or sunshine seem like very distant, almost unreal, memories. Seasonal depression was lurking just around the corner, when unexpectedly an old friend from school stopped by and declared that she would very much like to spend a few days at the sea. And, even better, she was looking for some company. I graciously volunteered to provide that company and just a few days later we were sitting in her mother’s car driving south. We had chosen Piran as the destination for our 3 day vacation, the weatherforecast was outstanding and the tiny Slovenian town was only a few hours drive from Vienna. To be precise just a little over 300 miles to the south-west.

Piran, Slovenia

It had all worked out perfectly. And after leisurely cruising along the Slovenian interstate, and wondering why it took so very long for the landscape to take on the usual southern appearance, watching out for pine trees and cypresses invainly until we had finally left behind the last mountain-ridge south of Ljubljana and were headed for Koper, when all of a sudden the mountains turned into soft rolling hills, the dark alpine green into smooth sandy brown of dried soutern grasses and finally our eyes met with the brilliantly sparkling Adriatic sea. We kept on following the signs for Portorož and after just about 5 hours to the minute we finally pulled up in front of the chosen hotel, Hotel Piran, rapidly unloaded the car, hurriedly got the keys to our room and after having more or less dumped our belongings there, we opened the windows and beheld the sea-view which was to be ours, exclusively for the next 3 days.

Piran, Slovenia

Piran is a tiny town on the western-most Slovenian tip of the Istrian peninsula. It had been chosen for out little excursion because friends had been there before and had recommended it. Finally viewing pictures on the web had turned pondering about where to go into certainty, because Piran looked like a beautiful small gem on the Adriatic coast.

Piran, Slovenia

And a gem it truly is, even more so, when you see it for yourself. It had been years since I had last traveled in that area, mostly in Croatia, and I had been stunned by the beauty of towns like Dubrovnik and Korčula, the latter resembling Piran quite closely. All three of them owe their similar character to the influence of the ancient Republic of Venice, the empire which reigned over the Mediterranean Sea from medieval ages up to the Renaissance.

Piran, Slovenia (Tartini Square, St. George's Cathedral)

Remnants of Venetian architecture can be seen everywhere in Piran, ranging from small houses with the typically arched windows to the Cathedral of Saint George, which sits high on the northern cliff above the city and seems to gracefully watch over the little flock of houses, that has gathered round it. Yet the attention is less on St. George’s Cathedral, with its typically Italian Campanile and Baptistery, than it seems to be on the Adriatic sea, which almost surrounds Piran.

The cape on which the town is built stretches westward, jutting out into the sea and when looking upon it the scenery gives you the impression as if the entirety of Piran’s buildings seem to have crept up onto the westernmost point in order to catch a glimpse of the azure-colored Adriatic sea. So much so that the castle-like appearance of the tiny little church at the tip of the cape, St. Clement (or Lady of Health), solely seems to be owing to the purpose of pressing against the curious little houses, so that none of them accidentally fall into the water.

When you walk eastward from St. George’s Cathedral and ascend yet another elevation, you come to the remainder of the old city wall, which – just as the Campanile of St. George’s – can be climbed for the small price of one Euro. Which is well worth the investment, because from the top of the Campanile as well as from the city walls you get an outstanding view over the town and the sea.

Piran, Slovenia

Piran itself is very small, and you’ll be able to get a good impression of what the town has to offer in about a half a day, but you can easily spend several days walking the tiny lanes and continously discover new ones, which you haven’t seen before. Yet, all those wanderings will sooner or later lead you to the social center of Piran – Tartini-Square – which is actually round, where in the evenings you will probably meet with most of the people, who either visit or live in Piran. As soon as the sun sets, the place is bustling with roller-skaters, taking advantage of the smoothly polished, gleaming-white, stone surface of the elliptical center of the plaza, with groups of citizens scattered across the square, apparently exchanging the gossip of the day, or with sun-bathers and swimmers, who have dragged their tired bodies from the beaches and are now enjoying a lazy drink in one of the many out-door cafés.

Piran, Slovenia (Hotel Piran)

Yes – there are beaches in Piran, though you won’t find sandy ones. You may put up with shingle beach, or if you’re more interested in swimming in the sea – which seems very clean, by the way – you will be perfectly happy with the cement beaches, as for example right in front of Hotel Piran. And when you’ve had enough of swimming and sun-bathing and want to grab a bite to eat, head for the promenade which leads to the western tip of the cape and is lined with restaurants, cafés and ice-cream parlors. Most of the restaurants offer similar selections of sea-food, I can personally recommend Restaurant Ivo, where you’ll not only get high quality fish-platters and excellent wine to go with it, but where you can also enjoy your meal with an almost tackily beautiful sunset.

Piran, Slovenia (Restaurant Ivo)

Three days seem to be the perfect time-span to spend in Piran. If you’re looking for sandy beaches head east to Portorož, where you’ll also find more entertainment such as casinos, if that’s what you were looking for. Another beautiful Venetian town is Izola, which too is just a few miles from Piran. If you intend to stay longer, you can make all sorts of excursions, there are for example day-trips to Venice, which can be reached in less than 2 hours with a speed boat. Or you can visit Trieste, which is on Italian territory and offers another beautiful historic city center as well as shopping opportunities.

I however didn’t care much for big excursions or extensive shopping, I was settled on soaking up as much sun as possible, swimming in the still warm Adriatic sea, enjoying a leisurly drink at Tartini-Square or just lying in my bed listening to the gentle bubbling and gurgling of the sea. All of this served one specific purpose. It was active immunization against the already threatening fall mists and winter fogs. Alas, they won’t bother me much this year – I’ll just lean back, close my eyes and picture myself in Piran.

Piran, Slovenia

Useful Information:

Getting to Piran: Cities in the vicinity of Piran, which can be reached by plane, are Venice, Trieste or Ljubljana. From Venice you can take a ferry which runs in the summer months (2.5 hours; about 53 Euros per Person), from Trieste and Ljubljana trains run to Koper, where you have to change onto a bus to get to Piran. The most comfortable way is probably a rental car from one of the airports. Using Slovenian interstates requires you to pay for toll. A sticker for your windscreen, valid for 7 days, will cost you 14 Euros. Parking in Piran is not free of charge, but you can enter the city to drop off your luggage and your first hour of parking will be free. Just outside the center, there’s long term parking, which costs 11 Euros for every 24 hours.

Accommodation: There are two Hotels in Piran. Hotel Tartini, which is located in the town-center and Hotel Piran. The latter boasts 4 stars, but is actually somewhere in the category of a 2-3 star hotel. Contrary to the indication on the web-page, there isn’t wifi access in all rooms (at least not in the one I had…), and the hotel charges outrageous amounts for the usage of it. Forget the breakfast in the hotel, it is below any standard. Do yourself a favor, cross the plaza opposite of the hotel entrance and have breakfast at the charming cafe Cakola, where they serve excellent coffee. Or march on to the beach promenade and try one of the cafés there. Apart from these minor irritations and a room that has seen its fair share of visitors nothing beats the sea-view of the Hotel Piran. And it is a clean hotel, so after all I can recommend it, with the above mentioned reservations.

Food: The beach promenade is lined with restaurants that offer basically identical choices of sea-food. An excellent place to eat at is Restaurant Ivo. Forget the town Restaurant Verdi – the food we were served there was beyond anything that I would qualify as good quality. If you like to go out and enjoy a drink after your meal, I suggest you head on over to Tartini-Square. There are lots of places that offer outdoor seating, I can recommend the Kantina Žižola, which may stay open later, if the party lasts a little longer.

Additional information on Piran can be found on the official webpage of the region, where you’ll find more details on accommodation, as well as on Wikipedia.

Susanne, 13 September 2009

Unterwegs in Slowenien – Piran

Traveling Sandworm - artwork zoer

Ich bin süchtig nach Meer. Das gebe ich gerne zu und es mag ironisch scheinen, dass gerade ich in einem Binnenland lebe, aber so etwas betrachte ich nicht als Nachteil, sondern eher als Herausforderung, gilt es doch mehrmals im Jahr Mittel und Wege zu finden, um an irgendeine Küste zu gelangen. Diesmal ist mir das Glück in den Schoß gefallen, denn gerade als ich die Reisesaison für abgeschlossen hielt, begonnen hatte mich vom Sommer zu verabschieden, meldete sich eine Freundin und meinte, sie würde wohl noch ein paar Tage in den Süden fahren, eine Reisebegleitung wäre nicht unwillkommen. Ich habe mich höflich angeboten, diese Rolle zu übernehmen. Einen Tag später ging es los. Das Ziel – Piran, Slowenien.

Piran, Slovenia

Wir hatten ausgemacht, mich in Wr. Neustadt vom Bahnhof abzuholen und von dort mit dem Auto weiterzufahren. Das inkludierte zwar den Wermutstropfen einer, wenn auch kurzen, Bahnfahrt, aber knappe 30 Minuten Österreichische Bundesbahnen waren tolerabel. Ja, es schien fast, als hätte unser Zugbegleiter geahnt, dass ich guter Dinge war, denn die Passagiere wurden per Lautsprecher von einem gewissen „Wolfgang“ begrüßt, der nicht nur bekannt gab, dass er unser Steward auf dieser Bahnfahrt wäre, sondern uns überdies noch einen „wunderschönen guten Tag“ wünschte. Eine für österreichische Verhältnisse überschäumende Begrüßung, welche den Verdacht nach sich zog, dass sich die kleineren Angestellten dieser horrend überteuerten, miserabel verwalteten Staatsbahn bloß aus Trotz gegenüber ihren exorbitant überbezahlten und unfähigen Bossen entschlossen hatten, ihre Passagiere mit ausnehmender Höflichkeit zu behandeln. Oder es lag an einer allgemein guten Laune an diesem sonnigen Dienstag, denn als ich gegen 10 Uhr vormittags mein 6 Personen-Abteil betrat, genehmigte sich Mitreisende Nr. 1 bereits einen kräftigen Schluck aus einer Dose mit der Aufschrift „Gordon’s Dry Gin“, während Mitreisende Nr. 2 einen derart gigantischen Halbedelstein am, um ihren Hals gelegten, Silberdraht, trug und so eingefroren-trist vor sich hinstarrte, dass meine erste Assoziation jene war, sie führe vielleicht auch an die Adria, aber nicht, um dort zu urlauben, sondern um sich im Meer zu ertränken.

PIran, Slovenia (Hotel Piran)

Lange musste ich mich derlei Spekulationen nicht aussetzen, die kurze Fahrt nach Wr. Neustadt lag schnell hinter mir, Freundin S. stand bereits in der Bahnhofshalle und gut gelaunt traten wir die Fahrt ins etwa 450 km entfernte Piran an. Über Graz ging es nach Maribor, von dort nach Ljubljana und weiter in Richtung Koper. Erstaunlicherweise begann sich die Landschaft erst sehr spät dem anzupassen was man unter südlicher Vegetation versteht, begannen sich Pinien, Kiefern und Zypressen abseits der Straße auszubreiten und viel zu lange schien es uns, bis die hügelige Landschaft, die noch bis weit nach Ljubljana viel zu alpin anmutete, endlich den heiß ersehnten Blick aufs Meer freigab. Dann aber ging es bei herrlichstem Wetter die Küste entlang, vorbei an Koper und Izola in Richtung Portorož, bis uns endlich ein Straßenschild die Abzweigung nach Piran verriet.

Piran, Slovenia

Schließlich parkten wir vor dem gewählten Hotel, dem Hotel Piran, nahmen unseren Schlüssel in Empfang, trugen unser Gepäck aufs Zimmer, öffneten die Fensterbalken und sogen überglücklich den herrlichen Blick auf die Adria, welche sich direkt vor unserem Hotel im schönsten Marineblau ausbreitete, auf.

Die Wahl des Reiseziels war deshalb auf Piran gefallen, weil es einerseits ein paar Empfehlungen von Freunden gab, die schon dort gewesen waren, andererseits auch die im Internet aufgerufenen Bilder sofort davon überzeugt hatten, dass dieser Ort eine Reise wert war. Eine bildschöne kleine Stadt, am westlichsten Zipfel des slowenischen Teils von Istrien, mit venezianischer Geschichte und einem ersten Eindruck, der bei mir Erinnerungen an Korčula weckte. Der Wetterbericht schließlich hatte prophezeit, dass wir vermutlich die wirklich letzten Tage des heurigen Sommers genießen würden können. Drei Tage hatten wir uns zur Seite gelegt, eine Zeitspanne, die für die Gegend und das, was Piran zu bieten hat, perfekt war.

Piran, Slovenia

Der Ort liegt, wie bereits erwähnt, auf slowenischem Staatsgebiet und scheint am westlichen Ende fast ins Meer zu fallen, so dicht drängen die winzigen Häuser auf die Landzunge hinaus, so als wolle jedes einzelne von ihnen, einen Blick auf die glitzernde Adria erhaschen. Ganz an der Spitze schließlich kleben sie an der kleinen burgartigen Kirche St. Klement (bzw. Maria Gesundheit), die das Bollwerk gegen die Häuschen zu bilden und diese letztlich davor zu bewahren scheint, aus Neugier ins Meer zu fallen. Am nördlichen Rand erhebt sich stolz auf einer Anhöhe über der Küste der Dom des hl. Georg, Stadtpatron von Piran, samt Campanile und Baptisterium.

Piran, Slovenia

Spaziert man von dort aus weiter nach Osten, so gelangt man zum vermutlich höchstgelegenen Punkt des Ortes, wo man auf die Reste der alten Stadtmauer stößt. Um einen Euro kann man diese Mauern schließlich auch besteigen und erhält als Belohnung für die Mühe den unbezahlbaren Ausblick über ganz Piran und weiter aufs Meer. Hat man schließlich noch einen weiteren Euro zur Verfügung, kann man am Rückweg zur Spitze der Landzunge auch noch den Campanile des Georgsdoms erklimmen und von dort aus erneut auf die Stadt und das Meer schauen.

Piran, Slovenia

Schlendert man durch die kleinen Gässchen Pirans und lässt sich, so wie es sich für einen Stadtbummel gehört, einfach treiben, ohne darauf zu achten, wohin genau man wandelt, so landet man in den meisten Fällen früher oder später auf dem beachtlichen Tartini-Platz, dessen in zahnpastaweißen Stein gefasste Mitte ehemals der alte Hafen von Piran und wie man liest gleichzeitig auch Müllhalde, war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat man den Schandfleck zugeschüttet, heute bildet er das soziale Zentrum des Ortes. Verschiedenste Cafés und Bars reihen sich rundherum, gemütliche Lounge-Sesseln im Freien zum sogenannten „Chillen“, des Abends scheint sich schließlich ganz Piran dort einzufinden – Rollerskater profitieren von der glatt polierten Oberfläche der elliptisch angelegten Steinfläche in seiner Mitte, rings herum hat man Steinbänke aufgestellt, auf denen Kinder turnen oder sich hier und dort kleine Grüppchen bilden, in denen man sich möglicherweise darüber unterhält, was sich im Laufe des Tages so getan hat in Piran, hin und wieder saust ein Mopedfahrer über den Platz, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Piran, Slovenia

Gegen Süden hin öffnet sich der Platz – der übrigens nach dem berühmten Sohn der Stadt, Geiger und Komponist Giuseppe Tartini benannt wurde – zum nunmehrigen Hafen, in dem die vielen Boote gemütlich vor sich hinschaukeln.

Piran ist winzig und man braucht nicht lange, um sich einen Überblick zu schaffen, trotzdem finden sich in den verwinkelten Gassen immer wieder neue, noch nicht begangene, Wege und man entdeckt da und dort wunderschöne Beispiele venezianischer Architektur, denen Piran seinen Charakter verdankt.

Piran, Slovenia

Im Meer schwimmen kann man natürlich auch sehr gut. Piran hat zwar keine Sandstrände, die gibt es angeblich im nicht weit entfernten Portorož, aber für diejenigen, die so wie ich das Baden im Meer dem Sonnenbaden vorziehen, finden sich ausreichend Kiesel- und Betonstrände, letzteres zum Beispiel direkt vor unserem Hotel, oder man überwindet sich und springt gleich von den entlang der Strandpromenade aufgehäuften Felsblöcken in die Adria. Das übrigens kostete die drei Tage, die ich in Piran verbracht habe, keinerlei Überwindung, war das Meer doch noch immer so angenehm temperiert, dass man sich nicht zentimeterweise an kühle Temperaturen anpassen musste, sondern auch ein mutiger Kopfsprung keinerlei Kälteschock auslöste. Und wer so wie ich, das letzte mal vor Jahren im Meer geschwommen war, verbringt dann auch die meiste Zeit im Wasser und nicht auf irgendeinem Strand liegend.

Piran, Slovenia (Restaurant Ivo)

Irgendwann schließlich muss sich jede, die entweder in der Stadt herumspaziert oder sich die Zeit damit vertreibt, nach Steinen zu tauchen, auf die Suche nach einem passenden Restaurant machen. Davon gibt es entlang der Strandpromenade einige, alle scheinen sich auf Fisch spezialisiert zu haben, empfehlenswert ist das Restaurant Ivo, wo sich in den Abendstunden nicht nur gemütlich speisen, sondern auch ein atemberaubender Sonnenuntergang mit passender Weinbegleitung genießen lässt. Wer danach noch nicht nach Hause will, sollte sich zum Tartini Platz begeben, die Kantina Žižola zum Beispiel ist ein lustiges Lokal, das auch etwas länger offen hält, wenn die Stimmung gut ist.

Piran, Slovenia

Schneller als gedacht ging der Kurzurlaub zu Ende und über einen kleinen Umweg nach Triest ging es am vergangenen Freitag zurück in Richtung Heimat. Es hatte sich offenbar im drückend schwülen Triest schon angekündigt, dass es mit dem schönen Wetter bald vorbei sein würde, denn bereits auf Höhe Ljubljana tauchten wir in ein Unwetter ein, welches uns bis nach Österreich erhalten blieb. Es schien uns übrigens, als würden nicht nur wir uns gegen eine Rückreise streben, auch Slowenien versucht seine Besucher offenbar mit allen Tricks im Lande zu halten. Interessanterweise nämlich kündigt man Graz kurz vor der slowenisch-österreichischen Grenze das erste Mal in 90 km Entfernung an, um ca. 2 km später einen drohenden Sprung auf 67 km zu machen, fast um uns zu warnen, dass wir schneller als gewünscht wieder in das Land ohne Meer fahren würden, etwas später weist man 59 km Entfernung aus, danach macht man einen Sprung zurück auf 63 km. Aber es half nichts, wir mussten Slowenien verlassen, auch wenn man uns dort demonstriert hatte, dass es offenbar das geringste Problem sei, zweisprachige Ortstafeln aufzustellen, wir passierten die Grenze und waren wieder in jenem Land, welches ich in den besten Momenten als „Daheim“ bezeichne, wenn ich davon spreche.

Piran, Slovenia

Drei Tage habe ich gemeinsam mit Schulfreundin S. also das große Glück genossen, Sonne zu tanken, im Meer zu schwimmen, frischen Fisch zu essen, im Bett meines Zimmers liegend ein gutes Buch zu lesen, während das Glucksen und Rauschen der Adria sozusagen als Hintergrundmusik wie Balsam auf die Seele tropfte, im Strandcafe zu sitzen und einfach aufs Meer zu schauen, um mich vorzubreiten und zu impfen gegen die trüben Wochen, die im herbstlichen Wien bereits auf mich zu lauern scheinen.

Sollen sie kommen. Ich mache dann einfach die Augen zu und stelle mir vor ich wäre in Piran.

Hilfreiche Informationen

Anreise: Piran ist fast exakt 500 km von Wien entfernt. In Slowenien ist man verpflichtet auf Autobahnen eine Vignette zu kleben, es gibt 7-Tagesversionen, die kosten 15 Euro. Innerhalb Pirans sollte man nur kurzfristig parken, es gilt dafür Gebühren zu entrichten, die erste Stunde ist gratis und reicht gewöhnlich, um im Hotel einzuchecken. Kurz vor dem Ortskern gibt es einen öffentlichen Dauerparkplatz, die Gebühren betragen pro 24 h 11 Euro.

Unterbringung: Das Hotel Piran liegt idealerweise direkt am Strand und bietet Zimmer mit Meerblick an, ein Aufpreis, den man sich unbedingt leisten sollte. Es gibt jedoch einige Vorbehalte, die hier kurz erwähnt seien. Zum Einen preist sich das Hotel als 4-Sterne Haus an, diesen Standard erreicht es jedoch nicht. Wie auf der Webseite angepriesen, haben nicht alle Zimmer mit Meerblick auch Balkon und nicht zuletzt funktioniert auch das beworbene Wifi im Zimmer nicht. Zu meinem großen Unmut wird dafür, würde man es nutzen wollen, auch noch eine Gebühr verlangt, es scheint als würden große und sich als der gehobenen Kategorie zugehörig fühlende Hotels noch immer versuchen aus drahtlosem Internet Profit zu schlagen, eine Praxis, die ich hoffentlich nicht mehr lange auf meinen Reisen erleben muss. Erstaunlicherweise sind in dieser Hinsicht die kleinen Privatherbergen, den professionellen Herbergsbetrieben meilenweit voraus. Nebenbei sei auch noch erwähnenswert, dass das Frühstück im Hotel Piran zum Vergessen ist. Automatenkaffee etc. entsprechen ebenfalls nicht dem angepriesenen Standard. Dazu ein Tipp: Gegenüber vom Eingang gibt es am Platz ein nettes Cafe namens Cakola, das zu günstigen Preisen hervorragenden Kaffee anbietet und auch den einen oder anderen Frühstücks-Snack (Muffins, Brioche…). Trotz allem, auch wenn das Zimmer schon etwas abgewohnt war, hat sich der Aufenthalt im Hotel ausgezahlt, weil der Blick aufs Meer einfach herrlich ist. Bestenfalls ein privates Appartement könnte als Alternative dienen, dazu verfüge ich aber leider über keine adäquaten Adressen, die ich empfehlen könnte.

Essen kann man in Piran in verschiedensten Lokalen, an der Strandpromenade reiht sich ein Fischlokal ans nächste, das Restaurant Ivo hat sich als sehr gute Wahl herausgestellt. Das in der Stadt liegende Restaurant Verdi sollte man meiden, mehr möchte ich dazu nicht erwähnen.

Von Piran aus und auch vom Hotel gibt es verschiedenste Ausflugsmöglichkeiten, sogar Tagestrips nach Venedig werden angeboten, derartiges würde auch einen längeren Aufenthalt in Piran rechtfertigen. Räder kann man um 5 Euro pro Tag mieten, damit lässt sich z.B. nach Portorož radeln, sofern man Sand- oder Wiesenstrand sucht.

Weitere Informationen über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten finden sich auf der offiziellen Homepage von Piran, sowie auf Wikipedia.

Susanne, 6. September 2009

On the road in England – Part VII: Winchester, Hampshire

Flying Sandworm

Lyme Regis quickly passed out of sight as I rode on the bus towards Dorchester. The pale blue of the sea began to blend with the sky and after turning to catch a few more glimpses of the English channel it had given way to the rich green pastures of Dorset county. I was headed for Winchester, the last stop on my road trip through parts of southern England. I can’t deny that Jane Austen had played yet another part in the decision to visit this city. After all I am a great admirer of her writings and having seen Lyme Regis and traced some of her steps as well as the missteps of her literary characters it seemed appropriate that my trip should end, where Jane Austen’s life ended. After a long illness and only 41 years old she had died there on July 18 1817. But it wasn’t Jane Austen alone who influenced the decision to visit Winchester. Romantic poet John Keats was inspired by the beautiful countryside surrounding it and lastly a vicinity to Gatwick airport was a key element in the choice of the destination – my trip was almost over and after 10 days of traveling southern England, I was getting ready to go back home.

Winchester, Hampshire (Winchester Cathedral)

In Dorchester I got on the train and after just a little more than an hour and a half  I exited at Winchester station. I had found a beautiful B&B in the central, but quieter south-eastern parts of the city, not far from the cathedral and after the devout observance of the ritual cup of tea, which my friendly host had most generously invited me to partake of, I was off to my first exploratory walk through Winchester.

Winchester, High Street

Winchester is a regal city. Wherever you walk you can almost breathe its noble atmosphere. Well groomed gardens, charming houses, a beautifully restored city center with pleasant streets and lanes, that invite you to spend hours just strolling around aimlessly. Or maybe not that aimlessly after all. Everything in the city is dominated by one grand edifice: Winchester Cathedral. And after wandering around town for a bit, looking here and there, I realized that even though the cathedral may not be the geographic center of Winchester, it certainly seems to be its center of attention. No matter where I went, whether I ambled around to the south of the cathedral and marvelled at the gigantic cedars which tower over the generous courts in the close, whether I rambled on past Cheyney Court, through Kings Gate and onto College Street, where you pass private gardens with gigantic Magnolia trees in full bloom and the house where Jane Austen passed away in 1817. Whether I wandered on and took a peek at the ruins of Wolvesey Castle, which used to be the bishop’s palace in medieval times or whether I walked north again along the river Itchen and onwards to the monument of King Alfred the Great (849 – 899), who ruled over the Anglo-Saxon kingdom of Wessex, of which Winchester was the capital in those almost forgotten days. Whether I strolled along bustling High Street or whether I drifted off to explore another one of those chaming medieval lanes, again and again I found myself, almost magically, drawn back to the Cathedral. I must have walked by it several times on my first day in Winchester and I realized I wasn’t the only one who felt that way – hundreds of people just like me were gravitating around the cathedral, enjoying the great weather, dozing on the lawns of the beautiful park, which bends around the church’s grand front entrance, sitting there on the benches having lunch or inhaling the peaceful atmosphere that seemed to surround the cathedral grounds.

Winchester, The Wykeham Arms

On my first day I chose not to enter Winchester Cathedral, I enjoyed the walks around the city and after several hours I decided to shift my attention slightly towards less intellectual human interests – I was ready for a good pint of ale. I had already decided to frequent an interesting pub called the Wykeham Arms, which I had briefly visited in the afternoon, searching for some lunch, but which had its kitchen closed during those hours – as it is commonly done in English pubs. I had found my food elsewhere, on the go, but the beautiful interiors of the Wykeham Arms had convinced me to come back. Which I did and yet again I found myself pleasantly surprised by the English hospitality. The bartender, who’d had to tell me that his kitchen was closed in the afternoon, was still there, and even though I hadn’t spent more than 5 minutes in the pub that afternoon, to my great astonishment, he caringly inquired whether I had managed to find something edible that day! Paul was the name of this most hospitable barkeeper, and since it was a slow evening at the Wykeham Arms, he and his pleasant colleague Luke were generous enough to not only serve me some delicious ale, but also to share some interesting and entertaining stories about Winchester and its citizens.

Winchester Cathedral

The next day was dedicated to the cathedral and after a hearty breakfast at my B&B, which came together with the Times, personally delivered to the breakfast table by my host as well as some very interesting conversation, I was off and despite the most beautiful weather, I managed to stay inside the cathedral for more than 3 hours without the slightest signs of boredom. The reason for this was once again the marvellous guide system, this time offered by Winchester Cathedral. Together with an Australian couple I had the pleasure of being guided through the church by an extremely well-informed elderly gentlemen, who seemed to know just about everything that was somehow connected with the history of the cathedral – all nicely decorated with a bit of myth and some great anecdotes.

Winchester Cathedral, Jane Austen Commemorativ Brass Plate

We would see Jane Austen’s grave and find out that she lies buried in the cheaper western division of the church, the east being most expensive, in case you’re already planning…and we would learn that the plaque above her grave, which mentions her literary achievements was put there after her death, because at the time it wasn’t suitable for a woman to write. Jane Austen’s novels had all been published without even mentioning her name, just with the indication „by a lady“. Thankfully her brilliant style is nowadays no more a subject of dispute, she proudly holds her place amongst the worlds most renowned authors.

Winchester Cathedral

On we went through the nave, which is the longest of any European cathedral, along beautiful gothic arcitecture as well as some older remainders of the romanesque style, which can still be seen here and there. Around we walked again to the west window, which is probably the world’s greatest (unsolvable) puzzle. It had been blasted to smithereens by Oliver Cromwell’s armed forces, but the citizens of Winchester saved the pieces of broken glass, which can now be seen re-arranged in random, but nevertheless strikingly beautiful, new order – a challenge to any supercomputer to figure out their original pattern.

Winchester Cathedral, The Holy Hole

We went back again towards the east and our walk was most suitably accompanied by a small orchestra practicing medieval music, which was to be performed later. When we reached the apse, we stopped short in front of a black gaping orifice in the feretory platform, which was proudly introduced by our host with the following exclamation: „Welcome to the Holy Hole!“ I must admit, that right then and there I stopped following our guide’s explanations for a minute or two, because in my mind I was watching a succession of imaginary Monty Python skits, which were triggered by the above mentioned exclamation. Only in England is a name like this possible, as well as mentioning it without breaking down in a fit of laughter. I won’t elaborate on any other more Freudian associations. For anybody who is still interested in the facts: The above mentioned hole has been built into the feretory platform, which used to be the location of St. Swithun’s shrine, who is the patron saint of Winchester Cathedral. His shrine was destroyed during the English Reformation in the 16th century, but when it still existed, the hole which is visible now had to be built in order to make the relics of the saint accessible to the many pilgrims, who flocked to Winchester Cathedral. In medieval times pilgrimage was a lucrative business. Only, nobody was lured anywhere, unless there was the possibility to see or at least get very close to the remains of the respective saint and – which was the intended effect – to leave precious gifts. So the hole is actually the entrance to a sort of crawl space that leads around the site of the former shrine.

On we went and we passed another most curious statue in the westernmost corner of the church, which was dedicated to the diver William Walker (1869–1918). A man, who single-handedly saved the cathedral from collapsing. He did so by spending six years diving underneath the church and shoring up the construction. Mr. Walker’s heroic efforts saved the entire cathedral, which had slowly been sinking into the soft grounds beneath – sunken floors in the western corner of the building as well as some strikingly crooked walls and pillars still bear witness of it today.

Winchester Cathedral, Crypt

After finishing the first tour – our host had guided us back and forth around the church for almost two hours – I took adavantage of yet another excursion, this time to see the eerily beautiful crypt of Winchester Cathedral, where – unless it is flooded – you can admire the Anthony Gormley sculpture „Sound II“. Another well informed guide explained the crypt and its function to a small group of about ten people, who, due to the chilly temperatures, were alltogether glad to surface after 30 minutes of cryptic exposure. I then chose to take a short walk through the library of the cathedral, which holds a beautiful medieval Bible, hand-painted by one monk, who would turn in his grave, if he knew that it was a Victorian bishop’s children who cut out some of the ornamental letters, of which only one could be retrieved. A well-founded argument for celibacy, some might venture, maybe it’s just an anecdote. A good one though.

Finally after more than 3 hours of continuous admiration I decided that I had dedicated enough time to Winchester Cathedral. I chose to cancel the pre-planned excursion to the fake „real round table of king Arthur“ in the Great Hall, because outside the sun was shining and all the gloomy medieval tales of bishops and holy holes had left me longing for a leisurely stroll along the water meadows, following in John Keats‘ footsteps.

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Before I ventured on my poetic promenade – Keats was inspired to his „Ode to Autumn“ when he walked the trails of the river Itchen to St. Cross Hospital – I made another short stop at the Wykeham Arms in order to give their food a try. Well worth it!

Finally I headed out, left the cathedral behind and followed the foot-path to St. Cross. On the way I passed some of Winchester’s schools and colleges, which are renowned in the entire country. Winchester college, for example, is one of the oldest continous running colleges in England, and when walking through the city you constantly seem to bump into the well-groomed boys and girls, prettily dressed in their school uniforms, carrying books or sports equipment. Not surprisingly, I found myself reminded of Harry Potter. I walked on and left the city behind, the day was bright and sunny, and the country presented itself from its most beautiful side.

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Weeping willows along the path, which meanders at the side of the calmly flowing Itchen, here a field with a lone archer perfecting his technique, there a leisurely practice game of Cricket, with the players of both teams shining in their bright white uniforms on top of a perfectly manicured lawn, a melancholic swan drifting on the river, horses grazing on a meadow, a row of little ducklings paddeling swiftly after their mother, smells of fresh cut grass in the sun, cool river water in the shade and damp earthy scents along the tree-lined trail towards St. Cross. Not hard to imagine what John Keats must have been thinking when he walked here almost 200 years ago, easy to understand when you read what he wrote:

Season of mists and mellow fruitfulness, 
Close bosom-friend of the maturing sun,
Conspiring with him how to load and bless 
With fruit the vines that round the thatch-eves run…..(From John Keats‘ „Ode to Autum“)

Winchester, Water Meadows (Keats' Walk)

Finally my last day in Winchester was nearing its end, and I chose to visit one more of the many pleasant pubs in the city. This one was called Black Boy and was recommended to me by my host. The Black Boy is a quirky pub off Chesil Street, which boasts a seemingly endless collection of bizarre artifacts and decorations, as well as a charming garden and a good selection of locally brewed ales. Behind counters of bars and pubs, so my experience, you can often find not only most charming bartkeepers, but on some occasions great artistic talent too. In case of the Black Boy, the girl, who was tapping my ale, turned out to be the singer of a terrific band called „Polly and the Billets Doux“.

Winchester, The Black Boy Pub

Happy about having made an interesting musical discovery, I finished my final ale and headed back to my B&B, realizing that the next morning I would have to leave England. Leave a country, which I had only started to discover and which had still so many places I would have wanted to see. But I didn’t leave sad, because I knew I would take a lot back home with me. Memories of places I had visited, which had left me with the knowledge that everything I had expected, had been surpassed far beyond my expectations. Most importantly, I had learned and lived a great deal on my trip, I had been incredibly lucky to have met the most delightful people on the road and so I finally left England, convinced that I would have no choice but to return to continue my journey. Some day. Hopefully soon.

Useful Information:

Getting to Winchester from London: The train takes about an hour, the bus takes a little longer, but is considerably cheaper (round-trip from 10 Pounds).

Most important information on Winchester can be found on the city’s official homepage, where you’ll find links to accomodation as well. I stayed at the Wolvesey View B&B, which I can highly recommend. The rooms are pleasant, it is centrally located, but in a quiet neighborhood. From the yellow room, you have a beautiful view of Wolvesey Castle, I stayed in the blue room, which was just as nice. More information on Winchester can be found on Wikipedia.

There are many restaurants in Winchester, I can personally recommend the Wykeham Arms, which has a more upscale cuisine in the evenings, but still serves the pub classics for lunch – try the Wyk Pie! It is also a hotel. Nice pubs to visit are The Eclipse Inn, which is a very traditional pub that is frequented by the locals, or the above mentioned Black Boy Pub. All three places have a nice selection of locally brewed ales.

Winchester Cathedral currently charges 6 Pounds entry fee for adults, which includes tours through the cathedral and the crypt as well as the entrance to the library, the tower tour requires a small extra charge. More information can be found here as well as on Wikipedia.

If you like to check out „Polly and the Billets Doux“ – which I would recommend you do – you can do so here.

Susanne, 28 August 2009

Welcome to the Holy Hole!

Traveling Sandworm - artwork zoer

Lyme lag hinter mir, eine Fahrt noch durchs Märchenland bis nach Dorchester, während das immer mehr mit dem Horizont verschwimmende blassblaue Meer langsam und unweigerlich aus meinem Blickfeld verschwand und sich das satte Grün Südenglands wieder in den Vordergrund drängte. Meine Reise neigte sich langsam dem Ende zu, mein letzter Halt würde Winchester sein. Die Wahl des Ortes hat wieder einmal Jane Austen beeinflusst, die Autorin hat die letzten Tage ihres Lebens in der Stadt verbracht und ist nach langer Krankheit erst 41-jährig 1817 dort verstorben. Aber nicht nur Austen war verantwortlich dafür, dass ich mich für Winchester als letzten Tourstopp entschieden habe, auch Poet John Keats war dort gewesen und hat sich von der Schönheit der Landschaft inspirieren lassen. Nicht zuletzt musste der gewählte Ort eine gewissen Nähe zum Flughafen Gatwick aufweisen, denn es blieben mir nur noch 2 Tage bis zur geplanten Abreise.

Winchester, Hampshire

Von Dorchester aus gelangt man mit dem Zug in etwas mehr als eineinhalb Stunden nach Winchester, welches in der Grafschaft Hampshire liegt. Selbst wenn es banal anmuten mag, aber nein, es handelt sich nicht um die Stadt, in der die gleichnamige Flinte erfunden wurde – ich erwähne das sicherheitshalber, da ich mir selbst darüber Gedanken gemacht habe und auch jedes mal, wenn ich anmerkte, dass ich nach Winchester fahren würde, gefragt wurde, ob denn das berühmte Gewehr von dort stamme (zur Information: es kommt, wie kann es anders sein, aus den USA, die Firma, die es produziert nennt sich Winchester Repeating Arms Company). Ich hatte mir ein wunderschönes B&B im Süden der Stadt gesichert, der überaus nette Gastgeber lud mich sofort auf die obligate Tasse Tee ein und kurze Zeit später machte ich mich auf die erste Erkundungstour. Winchester, das sich bei strahlendem Sonnenschein und warmem Frühsommerwetter von seiner besten Seite präsentierte, beeindruckte wie die anderen Städte, die ich bisher besucht hatte, mit grandioser Schönheit, herrlich restaurierten mittelalterlichen Häusern und vermittelte darüber hinaus eine auffällig gediegene Stimmung, die der Stadt eine eigene Noblesse verlieh. Nicht zu unrecht, zählt Winchester doch zu den ältesten Städten Englands.

Winchester, King Alfred the Great

Spaziergänge lassen sich viele durch Winchester und seine schöne Umgebung unternehmen, besonders die High Street, die wie in den meisten englischen Städten mit historischem Stadtkern, das Zentrum bildet, lädt zum Flanieren und Einkaufen ein, sie ist jedoch fast zu belebt und so driftet man unweigerlich in eine der Seitenstraßen ab und findet sich früher oder später rund um die Kathedrale von Winchester wieder. Diese zählt zu den beeindruckendsten gotischen Bauwerken Englands, mit einem Kirchenschiff, welches als das längste in ganz Europa gilt. Diese mächtige Kathedrale dominiert Winchester und es schien mir fast, als würde sie eine magische Anziehungskraft ausüben, nicht nur durch ihre imponierende Größe, sondern auch durch die, eine besondere Ruhe ausstrahlenden, Anlagen, die sie umgaben. Selbst wenn sie geografisch gesehen nicht das Zentrum der Stadt bildete, immer wieder führten meine Wege zu ihr zurück, sei es über den großzügig angelegten Park, der sich vor ihrer gewaltigen Front ausbreitet und zu dem es sichtlich auch die Bürger Winchesters zog, waren seine Wiesen doch übersät mit Leuten, die dort im Gras ruhten, lasen oder ihren Lunch einnahmen, sei es durch die hübschen Wege, welche um die Kirche und zu ihren Verwaltungsgebäuden führten, wo man über Plätze wandeln konnte, in deren Mitte gigantische Libanonzedern thronten. Weiter zu jenem Haus in dem 1817 Jane Austen verstarb, von dort zu den Ruinen von Wolvesey Castle, das im 12. Jahrundert Bischofssitz war, wieder nordwärts, entlang am River Walk, einem beschaulichen Spazierweg am Fluss Itchen bis zum Denkmal von König Alfred dem Großen, der im 9. Jahrhundert das angelsächsische Königreich Wessex regierte. Irgendwann bemerkt man schließlich, dass man einen großen Kreis beschritten hatte und sich, wie von unsichtbarer Hand geführt, wieder vor der Kathedrale befand.

Winchester, River Walk (Itchen River)

Am ersten Nachmittag verzichtete ich darauf einzutreten, ich widmete mich den Spaziergängen durch Winchester. Dabei verstärkte sich der Eindruck, dass ich mich in einer überaus gepflegten, wohlhabenden Stadt befand. Einer Stadt, die auch für ihre Schulen bekannt ist, die pädagogischen Einrichtungen genießen im ganzen Land einen hervorragenden Ruf. Winchester College zum Beispiel zählt zu den ältesten, ohne Unterbrechung betriebenen, Buben-Internaten des Landes, man läuft den wohlfrisierten, schuluniformierten Knaben auch immer wieder über den Weg, Bücher oder Sportgeräte halten sie in Händen, Harry Potter lässt grüßen.

Winchester, Wykeham Arms

Der Abend in Winchester klang so beschaulich aus wie der Nachmittag begonnen hatte, ich fand mich in einem der bekanntesten Pubs der Stadt ein, dem Wykeham Arms. Da zeigte sich auch wieder die Herzlichkeit der Engländer und vor allem deren Sorge um das Wohlbefinden des Gastes. Ich hatte mich bereits am frühen Nachmittag dort eingefunden und mich erkundigt, ob noch warmes Essen serviert würde, der Bartender musste mich leider enttäuschen – es ist in englischen Pubs gang und gäbe, dass die Küche über die Mittagsstunden zusperrt – ich drehte also sozusagen am Absatz um und musste anderswo nach Essbarem suchen. Das Interieur des Lokals hatte mich aber beeindruckt und ich beschloss mich später, zum, zu diesem Zeitpunkt meiner Reise, bereits gewohnten Abend-Ale, wieder dort einzufinden. Als ich wie geplant zurückkehrte, erkannte mich derselbe Barman zu meinem eigene Erstaunen sofort wieder und erkundigte sich fürsorglich, ob ich denn am Nachmittag noch etwas Anständiges zu Essen gefunden hätte! Paul hieß der gute Mann, ich verbrachte schließlich einen überaus unterhaltsamen Abend im Pub und weil wenig los war, erfuhr ich von ihm und seinem netten Kollegen Luke so einiges Interessantes über Winchester und seine Einwohner.

Winchester Cathedral

Der nächste Vormittag war dem Besuch der Kathedrale gewidmet und ich gestehe, ich habe kaum jemals längere Zeit in einer Kirche zugebracht. Die Tatsache jedoch, dass Winchester Cathedral mit Sicherheit zu den schönsten englischen Kathedralen zählt und dass auch dort das Tourguide-System, welches mich schon in Salisbury und Bath beeindruckt hatte, hervorragend funktionierte, war ausschlaggebend, dass ich mich mehr als drei Stunden dort herumtrieb. Ein älterer Herr, wie gewohnt ausgesprochen nett, überaus gebildet und mit einem beeindruckenden historischen Spezialwissen beschlagen, führte mich und ein australisches Ehepaar geschlagene zwei Stunden durch die Kirche.

Winchester Cathedral, Memorial Brass to Jane Austen

Vorbei am Grab von Jane Austen, die, wie wir erfuhren in der preisgünstigeren nord-westliche Ecke beerdigt wurde – Höchstpreise werden für östliche Lagen gezahlt – und die erst später, zu ihren Ehren, eine Gedenktafel gewidmet bekam, in der auch ihre schriftstellerischen Leistungen erwähnt werden. Unser Tourguide erklärte, dass es damals für Frauen nicht schicklich gewesen wäre zu schreiben, deren Romane wären stets ohne Namen publiziert worden, lediglich mit dem Hinweis „von einer Lady“ versehen. Es freut einen dann nachträglich, dass Jane Austen heute zu den bekanntesten Schriftstellern weltweit zählt und ihr zumindest posthum jene Aufmerksamkeit zukommt, die sie sich auch zu Lebzeiten verdient hätte.

Winchester Cathedral...welcome to the Holy Hole!

Weiter ging es durch die gewaltige Kirche, bis unser Führer vor einem Loch halt machte und uns mit dem im Titel zitierten Ausspruch darauf aufmerksam machte, dass es sich dabei um ein heiliges handle. Ich gebe zu, dass sofort nach seinem Ausspruch eine ganze Bilderflut von Monty Python Sketches vor meinem geistigen Auge abliefen, eine derartige Bezeichnung konnte man sich auch wirklich nur in England einfallen lassen. Weiterführende Assoziationsketten zum besagten „heiligen Loch“ werde ich an dieser Stelle anständigerweise nicht ausführen. Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Art Kriechgang, in den angereiste Pilger klettern konnten und der sie schließlich nahe an die Gebeine des Heiligen Swithun führte, dem Schutzheiligen der Kathedrale von Winchester. Das alles hatte, wie man vermuten wird, rein wirtschaftliche Gründe, ohne Anreiz der Reliquien eines verehrten Heiligen wenn schon nicht angesichtig zu werden, dann zumindest ihnen physisch nahe zukommen, waren keine Pilger in die Stadt zu locken und wurden ohne selbige auch keine kostbaren Gaben zurückgelassen. Ein großes Geschäft im Mittelalter. Bautechnisch war es jedoch nicht möglich, diesen Zugang anders zu bewerkstelligen, als den besagten Kriechgang rund um die eingemauerten Gebeine des Hl. Swithun anzulegen.

Winchester Cathedral, Crypt

Es gibt noch jede Menge hochinteressante Geschichten zur Kathedrale von Winchester. Zum Beispiel jene von William Walker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlagene 6 Jahre damit zubrachte unter den Grundfesten der Kirche herumzutauchen (die Grundfeste wurden bereits Jahrhunderte davor vom angrenzenden Fluss unterspült und ausgehöhlt – schiefe Wände und abgesunkene Böden zeugen noch heute davon), auf diese Weise die Fundamente sicherte und das Bauwerk somit ganz alleine vor dem Einsturz rettete. Oder die Anekdote von der über achthundert Jahre alten handgemalten Bibel, aus deren Seiten Bischofskinder im 19. Jahrhundert nicht wenige prachtvoll gemalte Anfangsbuchstaben ausgeschnitten hatten, lediglich einer davon konnte wieder gefunden werden – ein überzeugendes Plädoyer für den Zölibat, wenn man so will…oder man besucht die gespenstisch schöne Krypta, wo man eine Skulptur des bekannten englischen Künstlers Anthony Gormley („Sound II“) bewundern kann. Alles in Allem Grund genug für eine Kunstliebhaberin und Freundin skurriler Geschichten, sich stundenlang in der Kirche aufzuhalten und sich dabei keine einzige Minute zu langweilen.

Winchester, Keats' Walk

Schließlich nahm die letzte der angebotenen Touren ihr Ende und ich beschloss die verbleibenden Stunden in Winchester mit Aktivitäten an der frischen Luft zu verbringen. Dass ich dadurch den Blick auf die gefälschte „historischen Tafel“ Artus’ versäumte, bereitete mir gar kein Kopfzerbrechen, ich zog einen realen Dichter dem mythologischen König vor und machte mich nach einem ausgiebigen Mahl im Wykeham Arms (ich musste mich schließlich irgendwann von dessen Küche überzeugen) auf, um denselben Weg entlang zu schlendern, welcher den Poeten John Keats zu seinem Gedicht „To Autumn“ inspiriert hat. Es handelt sich dabei um einen fast kitschig beschaulichen Pfad, der entlang dem Flüsschen Itchen und den Water Meadows zu einer weiteren Sehenswürdigkeit, einem historischen Armenspital namens St. Cross, führt.

Winchester, Keats' Walk

Es schien fast, als hätte die örtliche Tourismusbehörde den Auftrag gegeben, mir den Weg von seiner allerbesten Seite zu präsentieren. So passierte ich auf dem einen Feld einen Bogenschützen, der seine Kunst übte, auf dem nächsten zwei in strahlendes Weiß gekleidete Kricketteams, die sich einem gemächlichen Übungsspiel hingaben, auf dem beschaulich vor sich hinfließenden Gewässer thronte irgendwann ein melancholisch vor sich hintreibender Schwan, auf der Wiese zum Spital weideten zwei Pferde, überbordende landschaftliche Schönheit, die leicht nachvollziehen lässt, wie es einem romantischen Poeten fast 200 Jahre zuvor gegangen sein mag:

Season of mists and mellow fruitfulness,
Close bosom-friend of the maturing sun
Conspiring with him how to load and bless
With fruit the vines that round the thatch-eves run…
(aus John Keats „To Autumn“)

Winchester, Keats' Walk

Den letzten Abend schließlich verbrachte ich in einem kuriosen Pub namens Black Boy, welches nicht nur mit allerlei skurriler Möblierung und sonstigem bizarrem Tand voll gestopft ist und eine beeindruckende Selektion lokal gebrauter Ales vorweisen kann, sondern auch einen äußerst gemütlichen Gastgarten besitzt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich es nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dass sich hinter der Theke diverser Lokale nicht selten auch talentierte Künstler verdient machen. Im Black Boy zum Beispiel werkt eine junge Dame, auf dessen Arbeit ich vom Gastgeber meines B&B aufmerksam gemacht wurde. Sie heißt Polly und ist Sängerin in einer Band, die ich sehr gerne auch mal in Wien auftreten sehen würde. „Polly and the Billets Doux“ nennt sich die Formation und produziert einen ausnehmend gefälligen Mix aus Rock, Jazz, Country und Folk, die junge Sängerin erinnert entfernt an Norah Jones. Diese Mischung scheint auch in England zu gefallen, Polly und ihre Band wurden bisher bereits zweimal beim wohl bekanntesten Musikfestival des Landes in Glastonbury engagiert, sie haben vor kurzem ihr erstes Album veröffentlicht.

Winchester, The Black Boy Pub

Irgendwann neigte sich auch der letzte Abend dem Ende zu, ich kehrte zurück in meine Herberge, am nächsten Morgen ging es nach 10 Tagen Aufenthalt in England wieder heimwärts. Ich hatte bei weitem nicht alles gesehen was zu Beginn der Reise am Plan gestanden war, gleichzeitig jedoch habe ich aber viel mehr erlebt, als ich es je erhofft hätte. Während meiner Reise durchs südliche England habe ich fast überirdisch schöne Landstriche zu sehen bekommen, unzählige unvergessliche Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt und nicht zuletzt fast ausschließlich liebenswerte Leute kennen gelernt. Dass ich zurückkehren werde steht so gut wie fest, nur das Wann muss noch geklärt werden, bald, hoffe ich.

Hilfreiche Informationen

Anreise von London: mit dem Zug erreicht man Winchester in einer guten Stunden, mit dem Bus ist man zwar um einiges länger unterwegs, das Ticket ist dafür aber wesentlich günstiger (Hin und Retour bereits ab 10 Pfund).

Die wichtigsten Informationen über Winchester finden sich auf der offiziellen Homepage der Stadt, auf der Seite kann man sich auch über diverse Übernachtungsmöglichkeiten schlau machen. Ich persönlich kann das von mir gewählte B&B Wolvesey View wärmstens empfehlen, es liegt immer noch zentral, aber in der ruhigeren Umgebung südöstlich der Kathedrale, das gelbe Zimmer bietet einen schönen Blick auf die Ruine Wolvesey Castle, der Hausherr persönlich liefert die Times an den reich gedeckten Frühstückstisch. Zusätzliche Informationen über Winchester finden sich auch auf Wikipedia.

Es gibt in Winchester unzählige Restaurants, das Wykeham Arms ist nebenbei auch Hotel und bietet abends gehobene Gastronomie, über Mittag bekommt man herzhaftes, exzellentes, Pub-Food – empfehlenswert der „Wyk Pie“! Das Lokal ist wegen seiner Ausstattung in jedem Fall einen Besuch wert. Daneben sind noch das oben erwähnte Black Boy zu empfehlen sowie das Eclipse Inn, welches ein traditionelleres Pub ist.

Die Kathedrale von Winchester verlangt derzeit pro Erwachsenem 6 Pfund Eintritt. Die geführten Touren in der Kirche sind gratis, Touren auf den Turm kosten 3 Pfund extra. Es lohnt sich in jedem Fall die Kathedrale zu besuchen, weitere Informationen (auf Englisch) finden sich hier, spärliche deutschsprachige Infos auch auf Wikipedia.

Zur Webseite der Band „Polly and the Billets Doux“ gelangt man hier.

Ich konnte keine deutsche Übersetzung von Keats‘ Gedicht finden, hier eine versuchte Eigenübersetzung der zitierten Verse: Zeit der Nebel und zarter Frucht, Busenfreund der reifen Sonne, mit ihr verbündet, um mit Trauben zu beladen und zu segnen, den Wein, der sich um strohbedeckte Dächer rankt,…

Susanne, 16. August 2009