Bonne Dégustation – oder die vergessene Kunst des Nichtstuns

In Anbetracht der Tatsache, dass sich in den Wintermonaten im Raum Wien oft wochenlang keine Sonne zeigt und aufgrund der persönlichen Disposition, die Abwesenheit eines Meeres im eigenen Land nur schwer ertragen zu können, war es mir vor kurzem de facto unmöglich eine Reise in den Süden noch länger aufzuschieben.

Die Meeres- und Sonnensehnsuchtssymptomatik war mir natürlich bekannt, gleichermaßen wusste ich, dass das Surfen auf diversen Destinations- und Airlinewebseiten absolut nichts zur Linderung beiträgt, im Gegenteil der Finger auf der Maus saß bereits locker, als ich mit einem Blick auf die Wetterkarte von Südfrankreich jede Hemmung verlor und kurzerhand einen Flug nach Nizza buchte, zwei Minuten später ein Hotelzimmer im angrenzenden Villefranche Sur Mer auf meinen Namen reservierte.

Der kleine Ort, der nur wenige Kilometer östlich von Nizza liegt, hatte bereits vergangenen Sommer meine Aufmerksamkeit geweckt, herrliches Wetter und ausgezeichnetes Service am Strand haben es mir damals jedoch verunmöglicht die kurze Distanz dorthin zurückzulegen, um mir ein Bild davon zu machen.

Da ich es aber generell so halte, dass ich neben der Grundregel einmal im Jahr wohin zu fahren, wo ich noch niemals zuvor im Leben war (Copyright Dalai Lama), gerne auch sehr spontan aufbreche, um dem alltäglichen Trott zu entkommen, selbst wenn es sich bloß um ein paar Tage handelt, hatte ich vergangenes Jahr kein Problem damit, Villefranche einfach links liegen zu lassen, denn ich wusste, es würde auch beim nächsten Besuch noch da sein.

Da es mir die südfranzösische Küste nun besonders angetan hat und nachdem man dort vor einigen Wochen bereits Sonnenschein und 15 Grad Celsius meldete, die Flugpreise akzeptabel und Hotelzimmer aufgrund der Jahreszeit mit Sonderpreisen ausgestattet waren, traf sich die Entscheidung wieder dorthin zu fahren quasi von selbst. Diesmal eben direkt nach Villefranche.

In Nizza gelandet – die Wahl des Frühfluges war in dem Fall die Richtige – stellte sich beim Warten auf den Bus sogleich die übliche, durch den Anblick der palmengesäumten Küste und das einzigartige salzigfeuchte Klima ausgelöste, innere Ruhe ein, die in nahezu ekstatische Freude umschlug, als ich sogleich einen Bus ins Stadtzentrum vorfand, und nicht wie letztes Mal aufgrund der französischen Streikfreude stundenlang warten musste.

Die Verbindung nach Villefranche ist übrigens hervorragend, beim Busbahnhof im Stadtzentrum steigt man einmal um – die freundliche Buschauffeurin brachte den Anschlussbus durch Hupen dazu, auf mich zu warten (ein Wunder?!), knappe 15 Minuten später stieg ich in Villefranche aus, rollte meinen Koffer den recht steilen Abhang durch die hübsche Altstadt zum Hafen und stand wieder einige Minuten später vor dem schönsten Hotel in Villefranche, wo sich durch meine hervorragende Planung für die nächsten Tage mein Hotelzimmer befand.

Schwer war die Wahl nicht gewesen, schließlich ist es das einzige Hotel am Hafen, direkt am Meer und es genießt auch einen entsprechenden Ruf. Seit Jahrzehnten geben sich dort diverse Berühmtheiten die Türklinke in die Hand, Jean Cocteau hat immer wieder dort gewohnt, die üblichen Verdächtigen aus der Kunstszene Mitte des 20. Jahrhunderts (Picasso, Chagall und Co.) trieben sich ebenfalls gern in der Gegend herum. Warum, versteht man spätestens, wenn man am Zimmerbalkon steht, auf den kleinen alten Hafen, die dort schaukelnden Boote und die dahinter liegende Bucht blickt.

Womit ich zum auch zum angekündigten Thema dieses Eintrages komme, nämlich der vergessenen Kunst des Nichtstuns. Ich bin seit Kindheitstagen geübte Meisterin in dieser Disziplin, die in Zeiten von Smartphones und Co., Dauerverbundenheit mit dem Web und Ähnlichem von einer scheinbar immer kleiner werdenden Zahl von Menschen beherrscht wird.

Wer sich darin üben möchte, der ist am besten beraten ans Meer zu fahren. Dort nämlich ist auch mir wieder klar geworden, warum ich eine unheilbare innere Sucht danach in mir trage, weshalb ich einige Monate des Wegseins kaum aushalte und wieso ich beim ersten Anblick des Wassers in eine fast meditationsgleiche Ruhe verfalle. Es ist wie ein Wunder, aber das Sitzen am Meer, das rhythmische Rauschen oder Plätschern, Brausen oder Tosen, je nachdem, wo man sich befindet, das Glitzern und die Reflexionen der Sonne auf der Wasseroberfläche, bewirken ein sofortiges sich Leeren des Kopfes.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen stellt sich eine Freiheit von Gedanken, eine Gedankenlosigkeit im besten Sinne ein, was einen noch vor kurzem nicht losließ, oder ständig wiederkehrte, wird im wahrsten Sinne des Wortes weggespült. Einzelne Gedankenfetzen bleiben zwar präsent, aber sie werden leicht und ziehen dahin, wie die Wolken am Himmel.

So lassen sich Stunden damit verbringen, irgendwo in einem Café mit einem Glas Rosé zu sitze, am Hotelbalkon, oder wenn man so wie ich das große Glück hat, Mitte Februar auf frühlingshaftes Wetter zu treffen, mit den Füßen im feinen Kieselstrand vergraben, vor sich hindösend am Strand.

Für alle die keine großen Prokrastinationsexperten sind, bietet Villefranche natürlich auch Geschichte, samt einer wunderschönen Altstadt, die sich an die südfranzösische Steilküste schmiegt, so kann man bei schönem Wetter auch spazierend seinen Gedanken freien Lauf lassen. Kann die von Jean Cocteau bemalte Chapelle Saint-Pierre (direkt gegenüber vom Hotel) besuchen, die im Ort befindliche Église Saint-Michel, oder durch die Rue Obscure (dunkle Gasse) wandeln.

Eine Zitadelle gibt es, die eine herrliche Gartenanlage und ein Gratismuseum, mit sehr an die Skulpturen Modiglianis erinnernden Arbeiten eines Künstlers Namens Antoniucci Volti beherbergt.

Auf einem befestigten Steinpfad entlang der Küste kann man unterhalb der Zitadelle bis zum neuen Hafen spazieren, die Möglichkeiten die Wege durch den Ort zu variieren sind nahezu unendlich, so lässt sich auch in einer Kleinstadt wie Villefranche herrlich die Zeit vertreiben.

All jene, die mit dem im Februar spärlich besuchten Ort und dem Überangebot an Ruhe nicht zurechtkommen – mit dem Bus ist man zum wohlfeilen Preis von 1 Euro in weniger als einer Viertelstunde in Nizza.

Am dortigen Marché aux Fleurs herrscht auch in den Wintermonaten reges Treiben, ja, als ich dort vorbeischaute – ich hatte seit dem letzten Aufenthalt besuchstechnisch sozusagen noch eine Rechnung namens „Nietzsche Terrasse“ offen, welche mit einem ausgedehnten Spaziergang am Colline de Cheateau, auf dem sich diese vom deutschen Philosophen frequentierte Aussichtsplattform befindet, endlich beglichen wurde – waren sämtliche Restaurants am Platz so vollgestopft mit Leuten, dass ich nach einem kleinen Imbiss, sofort wieder nach Villefranche zurückkehrte und froh war wieder meine Ruhe zu haben.

Trotz des Trubels ist man aber auch in Nizza zu Touristen freundlich, eine für den Hotelbalkon angedachte flüssige Kontemplationsunterstützung namens Côtes de Provence wurde mir mit den freundlichen Worten: „Bonne Dégustation“ (Gute Verkostung) überreicht, bei der Rückkreise zum Flughafen bot mir ein im Bus stehender zweiter Chauffeur scherzhaft an, er würde dem eben abfahrenden Flughafenbus nachlaufen, wenn ich es eilig hätte.

So rinnen bei einer derartigen Reise die wenigen Tage dahin und ehe man sich versieht, sitzt man wieder im Flugzeug und befindet sich auf der Heimreise. Trotz allem aber kommt man verändert nach Hause, der graue Himmel ist weniger bedrückend, die Wintertemperaturen leichter erträglich, nicht weil man das eben verlassene Meer nicht bereits wieder ganz schmerzlich vermisst, sondern weil die Freiheit von den, an der Küste zurückgelassenen, aus dem Kopf gespülten schwermütigen Gedanken, das Dasein so sehr erleichtern, dass es sich bis zur nächsten Reise spielend aushalten lässt.

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Austrian Airlines fliegen direkt von Wien nach Nizza und bieten immer wieder günstige Aktionspreise an. Vom Flughafen fährt man mit dem Bus Nr. 98 bis zum Busbahnhof (Gare routière), dort steigt man um auf die Nr. 81, die Haltestelle in Villefranche heißt „Octroi“. Tagestickets für das Bussystem kosten 4 Euro, zwischen Villefranche und Nizza hat man mit den Linien 81 und 100 eine regelmäßige Verbindung. Eine einfache Fahrt kostet 1 Euro.

Unterkunft: Kein anderes Hotel in Villefranche ist besser gelegen als das Hotel Welcome. In den Nebensaisonen lassen sich bei kurzfristiger Buchung Rabatte bis zu -30% finden. Buchung am besten direkt über das Hotel, welches, für alle Fälle, über gratis WLan verfügt. Das Hotel ist absolut empfehlenswert, große Zimmer mit Balkonen, sehr sauber, das schönste Bad, das ich je in einem Hotel gesehen habe, samt ausnehmend höflichem und hilfsbereitem Personal.

Essen: Bei der Hotelbuchung sollte man darauf verzichten das Frühstück mitzubestellen, man sollte sich je nach Wetter vor Ort entscheiden. Am Platz hinter dem Hotel bietet sich mit LesPalmiers z.B. eine nette und sehr gute Essgelegenheit für alle Tageszeiten, mit Blick auf die Cocteau-Kapelle und das Meer dahinter. Auch an der Strandpromenade kann man bei gutem Wetter sehr gut frühstücken, das Hotel selbst hat einen für kühlere Temperaturen bestens geeigneten Wintergarten, der ebenfalls einen Blick aufs Meer, allerdings in geschützter Atmosphäre erlaubt. Das Hotelfrühstück ist zumindest in der einfachen Variante á 7 Euro empfehlenswert. Herausragende Küche habe ich bei meinem Aufenthalt keine vorgefunden, habe jedoch in allen gewählten Restaurants gut gegessen. Persönlicher Favorit war das LesPalmiers, weil es am wohl schönsten Platz in Villefranche liegt und bestens geeignet ist zum Leutebeobachten oder Nichtstun. Die Restaurants an der Strandpromenade haben teilweise unnötig hohe Preise, ein Blick in die Karte empfiehlt sich bevor man z.B. unachtsam ein Glas Wein für 7 Euro bestellt…

Mehr Informationen über Villefranche finden sich auf der offiziellen Tourismusseite (engl.) oder z.B. auf Wikipedia.

Susanne, 12. März 2011

Avec plaisir!

Sage und schreibe fünf Jahre sind vergangen, seit ich das letzte (und in dem Fall das erste) Mal in Nizza war. Höchste Zeit also die südfranzösische Küste wieder einmal aufzusuchen. Die Sehnsucht hatte mich schon im April gepackt und kollidierte erfreulicherweise mit einer Preissenkung beim sog. Red Ticket der Austrian Airlines. Da wurde dann auch nicht lange gezögert, in Freundin S. fand sich eine ebenfalls unter Fernweh leidende Reiseverbündete, es wurde sofort gebucht.

Kurze Zeit später fand sich auch ein passendes Hotel, die Wahl fiel auf das Beau Rivage, welches mehr oder weniger direkt an der Promenade des Anglais liegt, die Entscheidung hat sich, mit kleineren Einschränkungen (siehe hilfreiche Informationen) als sehr gute erwiesen, schließlich war die Lage des Hotels optimal, der dazugehörige Privatstrand in bestem Zustand und die frühe Buchung, wegen des am selben Wochenende abgehaltenen Iron-Man-Wettbewerbs geradezu hellsichtig (für Menschen wie mich, die sich bei Hotelbuchungen bis dato nicht an Massensportereignissen orientiert haben…).

Vorletzten Donnerstag schließlich war es soweit, Abflug Wien kurz nach 20 Uhr, pünktliche Landung in Nizza um kurz nach 22 Uhr. Gepäck abgeholt, raus zum Bus ins Stadtzentrum, kurz am Schalter nachgefragt, ja, ja, kommt in 25 Minuten, der Bus.

Wenn man schließlich wartet und wartet und so wie ich über ausreichend Frankreicherfahrung verfügt, dann bleibt man entspannt und beginnt intensiv über das Wort „Streik“ nachzudenken. So lange, bis nach mehr als einer Stunde der Bus dann doch noch auftaucht und man behält als frankophile Revolutionssympathisantin auch dann noch die Nerven, wenn man mit gefühlten 200 anderen Leuten wie Sardinen in den Bus geschichtet, ins Stadtzentrum gebracht wird. „Was? Ein Streik? Jawohl! Die haben schon recht! Bon Manif!“ So oder ähnlich begegnet man in Frankreich Leuten, die für ihre Rechte eintreten.

Wie dem auch sei, die Nerven wurden schließlich auch durch eine herrlich lauwarme Sommernacht beruhigt, feucht-salzige Meeresluft als mediterrane Aromatherapie. Schließlich checkt man im Hotel ein, die aus Finnland früher angereiste S. hat sich tagsüber bereits in Sachen Strandbesuch schlau gemacht, ein später Drink noch in einem der vielen Straßencafés am Marché aux Fleurs im historischen Viertel (Vieux Nice) von Nizza. Côtes de Provence, Rosé, ist Teil des Pflichtprogramms.

Die folgenden Tage schließlich wurden, auch und insbesondere aufgrund des hervorragenden Wetters, mehr zu einer Art Alternativtriathlon, der sich aus den Diziplinen „am Strand liegen“ „Essen&Trinken“ sowie „durch die Altstadt wandeln“ zusammensetzte. Daran werden sich auch die nachfolgenden Empfehlungen orientieren. Zumal es in erster Linie ohnehin darum geht, das Reisen um des Reisens willen zu betreiben und sich hauptsächlich danach zu richten, was einem vor Ort spontan in den Sinn kommt, als einem irgendwie gestalteten Reiseführer zu folgen.

Wer also nach Südfrankreich fährt, der kann dort ausgezeichnet essen, hervorragenden Wein trinken und wenn das Wetter mitspielt die Seele am Strand baumeln lassen.

Frühstückstechnisch haben S. und ich das sündteure nichtinkludierte Hotelbuffet links liegen gelassen und fanden im „Le Pain Quotidien“ ein hervorragendes Lokal, wo man aus verschiedensten Petit-Dejeuner-Variationen auswählen konnte, im Standardprogramm dabei, ein Korb voll mit verschiedensten frischen Brotköstlichkeiten, die vom Baguette bis zum Vollkornbrot reichten. Mein persönlicher Favorit: die Frühstücksvariante mit Müsli. Frankreichtypisch bekommt man den dazubestellten Milchkaffee (nennt sich dort „café crème“) in einer hübschen, adäquat dimensionierten Schale.

Nach dem Bummel durch die Altstadt, die mit dem Markt, der sich über den Cours Saleya – gemeinhin bekannt als Marché aux Fleurs – zieht und den dahinter liegenden Gässchen, über ausreichende Möglichkeiten sich mit touristischem Klimbim einzudecken bzw. herrliches Obst, Gemüse oder Gewürze zu kaufen, bot, ging es kurz nach Mittag direkt an den Privatstrand des Hotels. Privat heißt in dieser Hinsicht leider nicht gratis, auch nicht als Hotelgast, aber wer nicht auf einem unbequemen Kieselstrand leiden will, und wer darüber hinaus sein Geld nicht in den teuren Boutiquen hinter dem Place Masséna (Rue Paradis, Avenue de Suède…) ausgibt, der kann und sollte sich an einem der Privatstrände einquartieren und dort austesten, was es heißt wie Gott in Frankreich zu leben.

Man verfügt dort über eine bequeme gepolsterte Liege, zumindest einen Sonnenschirm, einen eigenen Rettungsschwimmer und vor allem über eine überaus aufmerksame Mannschaft an Servierpersonal, die wahlweise Essen oder Getränke auf die zwischen den Liegen optimal platzierten Abstelltischchen liefert. Auf diese Weise lässt sich bis zum Schließen des Gastrobereiches (meist gegen 17.30) herrlich die Zeit vertrödeln. Man liest, schläft oder geht drei Schritte und erfrischt sich im perfekt temperierten Mittelmeer. Am frühen Nachmittag liefert man dann die Bestellung für das erste Glas Roséwein ab, wartet ein wenig – kann manchmal auch länger dauern, aber man hat ja schließlich Zeit – und bekommt sein Getränk schließlich von einem lächelnden Kellner mit den Worten „Avec plaisir“ vor die Nase gestellt. Das Leben kann so schön sein.

Am Abend schließlich stand die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, schließlich ist so ein Tag am Strand verdammt anstrengend, vor allem wenn man den Athleten und Athletinnen des parallel stattfindenden Iron-Man-Bewerbs zusehen muss. Naja, selber schuld, kann man da nur sagen, oder um es mit den Worten des Taxifahrers, der uns zum Hafen brachte und die für den Bewerb aufgebauten Sperren kommentierte, zu sagen: „L’Ironman? C’est le bordel!“

Essenstechnisch jedenfalls bietet sich die Altstadt von Nizza an und selbst wenn die dort sehr touristischen Restaurants den Verdacht aufkommen lassen, dass man da oder dort möglicherweise alles andere als Qualitätsware serviert bekommt, kann ich persönlich, auch vom vorigen Aufenthalt in der Stadt, von keinem einzigen Fall eines uninspirierten Touristennepps berichten.

Direkt am Marché aux Fleurs gelegen, kann ich das Lokal „La Cambuse“ empfehlen, dort ist man pizza- und salattechnisch bestens versorgt, die Speisekarte weist aber auch regionale Gerichte wie z.B. das von Innereienspezialisten geschätzte „Tripes à la provençale“ auf, wobei ich letzteres nicht bestellt habe und somit über dessen Qualität leider keine Auskunft geben kann. Ein zweites Restaurant am Platz, welches sich in Sachen Meeresfrüchte verdient macht, ist das „Chez Freddy“, wo man ausgezeichnete Paellas zubereitet.

Wer schließlich etwas weiter vom Zentrum weg will und daneben das subjektiv beste Restaurant in der Stadt aufsuchen möchte, der muss zum Hafen. Den erreicht man auch zu Fuß, wenn man auf der Promenade des Anglais einfach in Richtung Osten wandert. Besagtes Lokal nennt sich „L’Ane Rouge“ und hat sich ebenfalls auf Meeresfrüchte spezialisiert. Das dort angebotene Abendmenü kann ich ohne Einschränkungen empfehlen und wenn man sich keine sündteuren Aperitifs aufschwatzen lässt, dann verbringt man mit Sicherheit einen perfekten Abend. Gut, selbst wenn man sich den sündteuren Aperó aufschwatzen lässt, verbringt man einen perfekten Abend. Vorausgesetzt das Wetter passt, dann sitzt man nämlich draußen und schaut auf den Hafen von Nizza, genießt hervorragendes Essen, großartigen Wein, aufmerksames Service und verlässt erst dreieinhalb Stunden später glücklich lächelnd das Lokal.

Über das niçois’sche Nachtleben weiß ich leider nicht allzuviel zu berichten. Zwar war der erste Abend noch dem Fortgehen gewidmet und als selbsternannte Trendsetter hatten wir uns bei den allercoolsten, exklusivsten Quellen schlau gemacht, der dort gepriesene Club, der den bezeichnenden Namen „Le Klub“ (von den Franzosen gerne „Lö Klöb“ ausgesprochen…) trug, stellte sich aber schließlich als derartiger Geheimtipp heraus, dass außer uns zweien nur noch ein dritter Avant-Avantgardist davon wusste. Der Rest waren Drinks im Plastik-to-go-Becher, ein von seiner Auflegerei sehr begeisterter DJ und eine im oberen Raucherabteil beim letzten Durchgang noch zufällig entdeckte Gruppe von am Boden sitzenden, gelangweilt vor sich hinstarrenden Leuten, von denen man den Eindruck hatte, sie gehörten zum Inventar. Die restlichen Abende wurde auf die Trendsetterei gepfiffen, schließlich gab es immer noch eine Fußball WM.

Und was steht am Ende eines derartigen Urlaubs? Mit Sicherheit nicht das Gefühl irgendwelche kulturellen Highlights, Museen oder noch nicht gesehene Orte versäumt zu haben. Das Ziel einer Reise sollte sich immer und in erster Linie daran orientieren, was man vor Ort als das identifiziert, was man im Augenblick am dringendsten braucht. Selbst wenn es darin besteht, die gesamte Zeit im Kaffeehaus zu verbringen, oder einen großen Bogen um Must-See Sehenswürdigkeiten zu machen, weil die Besteigung eines x-beliebigen Hügels am Stadtrand um ein Vielfaches interessanter scheint. An diese simplen, sagen wir taoistischen, Reiseregeln, halte ich mich nunmehr seit Jahren und ich habe es bis jetzt noch nie bereut. Au contraire!

Hilfreiche Informationen:

Anreise: Austrian Airlines haben vor kurzem die Preise für das Red Ticket gesenkt, wenn man frühzeitig (!) bucht, kann man zu günstigen Tarifen direkt von Wien nach Nizza fliegen. Die AUA scheint sich derzeit auch verstärkt um soetwas wie Kundenzufriedenheit zu kümmern. 2 Tage vor dem Abflug erhielt ich ein kurzes Email mit den wichtigsten Informationen zu meinem Flug (z.B. Web check-in) und dem Reiseziel. Nicht überlebensnotwendig, aber nett.

Unterbringung: Das Hotel Beau Rivage liegt optimal direkt hinter der Promenade des Anglais und ca. 2  Gehminuten vom Marché aux Fleurs entfernt am Rande der Altstadt von Nizza. Wer früh (!) bucht, kommt in den Genuss von leistbaren Zimmerpreisen. Die hoteleigenen Frühbuchertarife haben in meinem Fall alle auf diversen Hotelbuchmaschinen ausgeworfenen Preise unterboten. Das Hotel selbst ist neu renoviert, die Zimmer sind aber nicht besonders groß und weil man sich sosehr auf ein stylisches Design konzentriert hat, hat man z.B. im Badezimmer mancherorts auf die Funktionalität vergessen (klitzekleine Ablageflächen, zu wenige Handtuchhalter, etc.). Im Großen und Ganzen aber empfehlenswert, vor allem wegen der Lage und unter der Voraussetzung, dass man nicht den vollen Zimmerpreis zahlt!

Essen: Le Pain Quotidien, 1 Rue Saint-François de Paule. Ausgezeichnetes Brot, zum langen Frühstücken bzw. zum Brunch bestens geeignet. L’Ane Rouge , 7 Quai des Deux Emmanuel, liegt direkt am Hafen, spezialisiert auf Fischgerichte, kulinarisches Highlight von Nizza. La Cambuse, 5 Cours Saleya, Pizza, Salate und regionale Spezialitäten. Chez Freddy: 20 Cours Saleya, spezialisiert auf Meeresfrüchte und Fisch, sehr gute Paellas.

Susanne, 4. Juli 2010