Skizzen aus Wien – Nr. 41

Mittlerweile schreiben wir den 6. Dezember, das Jahr geht unzweifelhaft zu Ende und nachdem ich mir kaum erwarte, dass heuer noch weitere der von mir angebeteten Musikgötter in Wien Halt machen werden, lasse ich das Musikjahr 2009 schon heute Revue passieren und werfe noch einmal einen kurzen Blick auf die Konzerte, die ich besucht habe.

Es war kein besonders intensives Konzertjahr, alles in allem habe ich sechs besucht, wobei ich zwei davon gleich von vorneherein links liegen lassen muss, da ich es über das Foyer des WUK nicht mal in den Konzertsaal geschafft habe. (Falls es jemanden interessiert, am Programm standen Mark Lanegan & Greg Dulli zu Beginn des Jahres und Portugal. The Man Mitte November.) Somit verbleibt die relativ magere Ausbeute von 4 Konzerten, bei denen ich nicht nur physisch anwesend war. Hier also noch einmal ein kurzer Abriss:

Der erste Termin stand im März am Programm und war für mich rückblickend betrachtet das Konzerthighlight des Jahres 2009. Es handelt sich um den Auftritt von Candi Staton, der alles bot, was man sich von einem fantastischen Konzert erwartet. Großartige Stimmung, eine gut gelaunte Staton, die mit hervorragender Stimme, toller Band und ausgezeichneten Backing Vocalists überzeugte. Und trotz des relativ melancholischen Songwriting-Schwerpunktes der beiden jüngsten Alben, hat es die Frau geschafft, das ganze im Porgy&Bess anwesende Publikum mitzureißen. Partystimmung, Rat und Trost für unter der Krise und sonstigem Lebensschmerz leidende Zuhörer (…everything’s gonna be alright…), die eine oder andere nachdenkliche Nummer (Elvis’ „In the Ghetto“) und jede Menge mitreißende, tanzbare Songs aus den verschiedensten Schaffensperioden der Künstlerin. Facit: Einfach genial.

Bis zum nächsten Konzert musste ich dann doch einige Zeit warten und zwar bis Juli, als dann Lambchop im WUK auftraten. Nicht mein erster Lambchop-Abend und somit keine musikalischen Überraschungen, aber für ein relativ langweiliges Monat im Jahr eine willkommene Abwechslung. Frontman Kurt Wagner und Band boten gewohnt gediegenen, entspannten Alt-Country.

Wieder musste ich mich bis zum nächsten Termin etwas gedulden, die Sommermonate sind da eher eine Qual, weil ich mich für Festivals absolut nicht interessiere und sofern es sich gar nicht vermeiden lässt, lieber Solo-Shows der Artists, die ich sehen möchte, ins Auge fasse. Diesbezüglich hat es dann doch bis Oktober gedauert, bis die jeweilige Konzertsaison auch für mich wieder interessant wurde. Magnolia Electric Co., die ich bereits zwei Jahre zuvor in der Wiener Szene erlebt habe, schafften es schließlich mit einer mitreißenden Show, den ersten Kälteeinbruch vergessen zu machen. Jason Molina, der vor kurzem aus Krankheitsgründen Shows absagen musste, befand sich in Hochform, möge er bald gesund werden, denn ich würde mir einen neuerlichen Wien Besuch der Truppe nicht entgehen lassen.

Kurz darauf stand für mich die musikalische (und in Bezug auf Frontman Willy Vlautin, auch literarische) Neuentdeckung des Jahres am Terminkalender: Richmond Fontaine traten im Gasthaus Vorstadt, das sich als sehr nette Konzert-Location entpuppte, auf und lieferten eine großartige Show, die sich in Bezug auf die mir bekannten CD-Veröffentlichungen der Truppe und dem was an diesem Abend live gespielt wurde, als Mischung aus ruhig-entspanntem bis traurig-nachdenklichem Alt-Country beschreiben lässt. Daraus resultierte die große Freude meinerseits, endlich wieder Neues entdeckt zu haben und zwar in gleich zweifacher Weise, da die Personalunion aus hervorragendem Singer-Songwriter UND großartigem Schriftsteller ja nicht gerade häufig vorkommt und sich, wenn man weiß, wie viele gute Leute immer wieder einen Bogen um Wien machen, hierorts noch seltener live erleben lässt.

Das Abschlusskonzert des Jahres 2009 schließlich bestritt Kris Kristofferson, dessen musikalisches Oeuvre ich erst heuer so richtig kennen und schätzen gelernt habe. Diesbezüglich war es auch ein passender Konzertjahresausklang, der mit Anfang November die meist doch eher melancholisch eingefärbte Jahreszeit eröffnet hat. Kristofferson ließ an jenem Abend auch keine Wünsche offen und spielte sich kreuz und quer durch seinen Songkalender, ganz allein auf der Bühne der neuen Halle F der Wiener Stadthalle, lediglich mit Gitarre und Mundharmonika ausgerüstet. Seine warme tiefe Stimme und die als ehrlich empfundene Herzlichkeit dem Publikum gegenüber waren wohl diejenigen Faktoren, mit denen vermutlich auch die hargesottensten Konzertgeher des Abends weichgekocht wurden, die weiblichen Gäste lagen ihm ohnehin zu Füßen. Ein mit dem Song „Don’t Tell Me How the Story Ends“ sehr bewegender Ausklang, gefolgt von einer mehr als 20-minütigen Signierstunde am Bühnenrand, beschlossen für mich ein Konzertjahr, in dem es zwar quantitativ keine Exzesse gab, welches mich dafür aber qualitativ mehr als zufrieden gestellt hat und somit in bester Erinnerung bleiben wird.

Ein Ausblick? Schwer zu sagen, was 2010 bringen wird. Ich hatte bereits heuer auf einen Abstecher von Conor Oberst und seiner Mystic Valley Band gehofft, vielleicht schaut er im neuen Jahr nach Wien, dann wäre die 2010-er Konzertsaison auf jeden Fall gerettet, auch wenn sich sonst niemand mehr hierher verirren sollte. Natürlich würde es mich auch sehr freuen Okkervil River wieder zu sehen. Die Partie rund um den genialen Songwriter Will Sheff wird vermutlich bald ein neues Album herausbringen, dann wäre auch eine größere Tour wieder angesagt. Als besonderen Weihnachtswunsch, welchen ich als ceterum censeo eigentlich ans Ende aller meiner Einträge anfügen könnte, wäre dann noch die Hoffung darauf zu erwähnen, dass Bob Dylan bald wieder nach Wien kommen möge. Dessen erst vor kurzem veröffentlichtes Weihnachtsalbum „Christmas in the Heart“ kann ich übrigens allerwärmstens empfehlen. Man sollte sich durch von einander abschreibende Rezensenten (national wie international) nicht beirren lassen, das Album ist weder seltsam, noch skurril oder absurd, sondern eben ein Weihnachtsalbum und wer zu Weihnachten Weihnachtsmusik hören möchte, der liegt damit absolut richtig.

Susanne, 6. Dezember 2009

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