Skizzen aus Wien – Nr. 36

Rocking Sandworm - artwork zoer

Gestern Abend gab es zwei Ereignisse, die ganz zufällig, aber nicht ungünstig, zeitlich zusammenfielen. Im Wuk traten Magnolia Electric Co. auf und der Winter schickte einen ersten kalten Gruß nach Wien. Die warmen Zeiten sind also für heuer vorbei und so fand ich mich auf dem Weg in den 9. Bezirk wieder, mit der großen Hoffnung, die Kälte würde sich mit einer ordentlichen Dosis wärmespendendem Alt-Country vertreiben lassen.

Magnolia Electric Co. at Wuk Vienna, Austria. Photo by: Martin Vogelhuber

Das war dann auch tatsächlich der Fall und die Band rund um Frontman Jason Molina legte einen ausgezeichneten Auftritt hin, der rockiger vonstatten ging als vermutet. Wer „Josephine“, das jüngste Album der Truppe kennt, der hätte wohl eher einen schwermütigen Abend erwartet, ganz wie vor etwas mehr als zwei Jahren, als ich die Band zum ersten mal in der Wiener Szene erlebt habe. Und so hatte ich fast ein Déjà-vu-Erlebnis, als Molina mit seinem streckenweise sehr an Neil Young erinnernden Tenor zum Eingangslied „Josephine“ anstimmte. Eine Ballade, die er aber nach den ersten Takten dankenswerterweise zu Gunsten einer flotteren Gangart aufgab. Das schloss zwar dazwischen eingestreute melancholische Töne, wie z.B. das wunderschöne „Shenandoah“ nicht aus, legte das Hauptgewicht des Abends jedoch auf eine rockige Variante des Alt-Country. Und dafür war nicht nur ich, sondern auch das übrige Publikum, sehr dankbar.

Überhaupt war der Abend genau das richtige Gegengift zum aktuellen Wetter, denn die Musik führte den Zuhörer thematisch in südlichere Gefilde und man vergaß schlicht und einfach auf den nass-kalten Herbst der draußen lauerte. Mehr noch, nach den ersten Songs legte Molina seine Jacke ab und gab den Blick auf ein T-Shirt frei, dessen Bedruckung mich den ganzen restlichen Abend beschäftigte. Vorderseite: „Gus’s world famous fried chicken“. Rückseite: „You haven’t eaten chicken until you’ve eaten Gus’s fried chicken. Downtown Memphis.“ Dazu sei erwähnt, dass ich Memphis (Tennessee) kenne und bei meinem damaligen Aufenthalt dort die besten Barbeque Spareribs meines bisherigen Lebens gegessen habe, dass ich also den Anspruch von diesem Gus, er würde das weltbeste Fried Chicken zustande bringen, durchaus ernst nahm. Und so verging der Abend mit großartiger Musik, mit Erinnerungen an eine schöne und vor allem warme Gegend in den USA und mit dazwischen gestreuten Träumen von herzhaftem Essen.

Der Funke ist auf jeden Fall aufs Publikum übergesprungen und ich hatte auch den Eindruck, dass die Band einen vergnüglichen Abend hatte, denn nach dem Ende des Konzerts und auf dem Weg nach draußen, fanden sich gleich drei Mitglieder der Partie, die dort gemütlich ihre Zigaretten rauchten und uns mit einem überaus freundlichen „Good Night!“ persönlich verabschiedeten. Dass wir uns für ein tolles Konzert bedankt und sie zum baldigen Wiederkommen eingeladen haben, versteht sich von selbst.

Fazit: Besser konnte man den alljährlichen Kälteeinbruch kaum begehen.

Susanne, 13. Oktober 2009

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