Unterwegs in Slowenien – Piran

Traveling Sandworm - artwork zoer

Ich bin süchtig nach Meer. Das gebe ich gerne zu und es mag ironisch scheinen, dass gerade ich in einem Binnenland lebe, aber so etwas betrachte ich nicht als Nachteil, sondern eher als Herausforderung, gilt es doch mehrmals im Jahr Mittel und Wege zu finden, um an irgendeine Küste zu gelangen. Diesmal ist mir das Glück in den Schoß gefallen, denn gerade als ich die Reisesaison für abgeschlossen hielt, begonnen hatte mich vom Sommer zu verabschieden, meldete sich eine Freundin und meinte, sie würde wohl noch ein paar Tage in den Süden fahren, eine Reisebegleitung wäre nicht unwillkommen. Ich habe mich höflich angeboten, diese Rolle zu übernehmen. Einen Tag später ging es los. Das Ziel – Piran, Slowenien.

Piran, Slovenia

Wir hatten ausgemacht, mich in Wr. Neustadt vom Bahnhof abzuholen und von dort mit dem Auto weiterzufahren. Das inkludierte zwar den Wermutstropfen einer, wenn auch kurzen, Bahnfahrt, aber knappe 30 Minuten Österreichische Bundesbahnen waren tolerabel. Ja, es schien fast, als hätte unser Zugbegleiter geahnt, dass ich guter Dinge war, denn die Passagiere wurden per Lautsprecher von einem gewissen „Wolfgang“ begrüßt, der nicht nur bekannt gab, dass er unser Steward auf dieser Bahnfahrt wäre, sondern uns überdies noch einen „wunderschönen guten Tag“ wünschte. Eine für österreichische Verhältnisse überschäumende Begrüßung, welche den Verdacht nach sich zog, dass sich die kleineren Angestellten dieser horrend überteuerten, miserabel verwalteten Staatsbahn bloß aus Trotz gegenüber ihren exorbitant überbezahlten und unfähigen Bossen entschlossen hatten, ihre Passagiere mit ausnehmender Höflichkeit zu behandeln. Oder es lag an einer allgemein guten Laune an diesem sonnigen Dienstag, denn als ich gegen 10 Uhr vormittags mein 6 Personen-Abteil betrat, genehmigte sich Mitreisende Nr. 1 bereits einen kräftigen Schluck aus einer Dose mit der Aufschrift „Gordon’s Dry Gin“, während Mitreisende Nr. 2 einen derart gigantischen Halbedelstein am, um ihren Hals gelegten, Silberdraht, trug und so eingefroren-trist vor sich hinstarrte, dass meine erste Assoziation jene war, sie führe vielleicht auch an die Adria, aber nicht, um dort zu urlauben, sondern um sich im Meer zu ertränken.

PIran, Slovenia (Hotel Piran)

Lange musste ich mich derlei Spekulationen nicht aussetzen, die kurze Fahrt nach Wr. Neustadt lag schnell hinter mir, Freundin S. stand bereits in der Bahnhofshalle und gut gelaunt traten wir die Fahrt ins etwa 450 km entfernte Piran an. Über Graz ging es nach Maribor, von dort nach Ljubljana und weiter in Richtung Koper. Erstaunlicherweise begann sich die Landschaft erst sehr spät dem anzupassen was man unter südlicher Vegetation versteht, begannen sich Pinien, Kiefern und Zypressen abseits der Straße auszubreiten und viel zu lange schien es uns, bis die hügelige Landschaft, die noch bis weit nach Ljubljana viel zu alpin anmutete, endlich den heiß ersehnten Blick aufs Meer freigab. Dann aber ging es bei herrlichstem Wetter die Küste entlang, vorbei an Koper und Izola in Richtung Portorož, bis uns endlich ein Straßenschild die Abzweigung nach Piran verriet.

Piran, Slovenia

Schließlich parkten wir vor dem gewählten Hotel, dem Hotel Piran, nahmen unseren Schlüssel in Empfang, trugen unser Gepäck aufs Zimmer, öffneten die Fensterbalken und sogen überglücklich den herrlichen Blick auf die Adria, welche sich direkt vor unserem Hotel im schönsten Marineblau ausbreitete, auf.

Die Wahl des Reiseziels war deshalb auf Piran gefallen, weil es einerseits ein paar Empfehlungen von Freunden gab, die schon dort gewesen waren, andererseits auch die im Internet aufgerufenen Bilder sofort davon überzeugt hatten, dass dieser Ort eine Reise wert war. Eine bildschöne kleine Stadt, am westlichsten Zipfel des slowenischen Teils von Istrien, mit venezianischer Geschichte und einem ersten Eindruck, der bei mir Erinnerungen an Korčula weckte. Der Wetterbericht schließlich hatte prophezeit, dass wir vermutlich die wirklich letzten Tage des heurigen Sommers genießen würden können. Drei Tage hatten wir uns zur Seite gelegt, eine Zeitspanne, die für die Gegend und das, was Piran zu bieten hat, perfekt war.

Piran, Slovenia

Der Ort liegt, wie bereits erwähnt, auf slowenischem Staatsgebiet und scheint am westlichen Ende fast ins Meer zu fallen, so dicht drängen die winzigen Häuser auf die Landzunge hinaus, so als wolle jedes einzelne von ihnen, einen Blick auf die glitzernde Adria erhaschen. Ganz an der Spitze schließlich kleben sie an der kleinen burgartigen Kirche St. Klement (bzw. Maria Gesundheit), die das Bollwerk gegen die Häuschen zu bilden und diese letztlich davor zu bewahren scheint, aus Neugier ins Meer zu fallen. Am nördlichen Rand erhebt sich stolz auf einer Anhöhe über der Küste der Dom des hl. Georg, Stadtpatron von Piran, samt Campanile und Baptisterium.

Piran, Slovenia

Spaziert man von dort aus weiter nach Osten, so gelangt man zum vermutlich höchstgelegenen Punkt des Ortes, wo man auf die Reste der alten Stadtmauer stößt. Um einen Euro kann man diese Mauern schließlich auch besteigen und erhält als Belohnung für die Mühe den unbezahlbaren Ausblick über ganz Piran und weiter aufs Meer. Hat man schließlich noch einen weiteren Euro zur Verfügung, kann man am Rückweg zur Spitze der Landzunge auch noch den Campanile des Georgsdoms erklimmen und von dort aus erneut auf die Stadt und das Meer schauen.

Piran, Slovenia

Schlendert man durch die kleinen Gässchen Pirans und lässt sich, so wie es sich für einen Stadtbummel gehört, einfach treiben, ohne darauf zu achten, wohin genau man wandelt, so landet man in den meisten Fällen früher oder später auf dem beachtlichen Tartini-Platz, dessen in zahnpastaweißen Stein gefasste Mitte ehemals der alte Hafen von Piran und wie man liest gleichzeitig auch Müllhalde, war. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat man den Schandfleck zugeschüttet, heute bildet er das soziale Zentrum des Ortes. Verschiedenste Cafés und Bars reihen sich rundherum, gemütliche Lounge-Sesseln im Freien zum sogenannten „Chillen“, des Abends scheint sich schließlich ganz Piran dort einzufinden – Rollerskater profitieren von der glatt polierten Oberfläche der elliptisch angelegten Steinfläche in seiner Mitte, rings herum hat man Steinbänke aufgestellt, auf denen Kinder turnen oder sich hier und dort kleine Grüppchen bilden, in denen man sich möglicherweise darüber unterhält, was sich im Laufe des Tages so getan hat in Piran, hin und wieder saust ein Mopedfahrer über den Platz, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Piran, Slovenia

Gegen Süden hin öffnet sich der Platz – der übrigens nach dem berühmten Sohn der Stadt, Geiger und Komponist Giuseppe Tartini benannt wurde – zum nunmehrigen Hafen, in dem die vielen Boote gemütlich vor sich hinschaukeln.

Piran ist winzig und man braucht nicht lange, um sich einen Überblick zu schaffen, trotzdem finden sich in den verwinkelten Gassen immer wieder neue, noch nicht begangene, Wege und man entdeckt da und dort wunderschöne Beispiele venezianischer Architektur, denen Piran seinen Charakter verdankt.

Piran, Slovenia

Im Meer schwimmen kann man natürlich auch sehr gut. Piran hat zwar keine Sandstrände, die gibt es angeblich im nicht weit entfernten Portorož, aber für diejenigen, die so wie ich das Baden im Meer dem Sonnenbaden vorziehen, finden sich ausreichend Kiesel- und Betonstrände, letzteres zum Beispiel direkt vor unserem Hotel, oder man überwindet sich und springt gleich von den entlang der Strandpromenade aufgehäuften Felsblöcken in die Adria. Das übrigens kostete die drei Tage, die ich in Piran verbracht habe, keinerlei Überwindung, war das Meer doch noch immer so angenehm temperiert, dass man sich nicht zentimeterweise an kühle Temperaturen anpassen musste, sondern auch ein mutiger Kopfsprung keinerlei Kälteschock auslöste. Und wer so wie ich, das letzte mal vor Jahren im Meer geschwommen war, verbringt dann auch die meiste Zeit im Wasser und nicht auf irgendeinem Strand liegend.

Piran, Slovenia (Restaurant Ivo)

Irgendwann schließlich muss sich jede, die entweder in der Stadt herumspaziert oder sich die Zeit damit vertreibt, nach Steinen zu tauchen, auf die Suche nach einem passenden Restaurant machen. Davon gibt es entlang der Strandpromenade einige, alle scheinen sich auf Fisch spezialisiert zu haben, empfehlenswert ist das Restaurant Ivo, wo sich in den Abendstunden nicht nur gemütlich speisen, sondern auch ein atemberaubender Sonnenuntergang mit passender Weinbegleitung genießen lässt. Wer danach noch nicht nach Hause will, sollte sich zum Tartini Platz begeben, die Kantina Žižola zum Beispiel ist ein lustiges Lokal, das auch etwas länger offen hält, wenn die Stimmung gut ist.

Piran, Slovenia

Schneller als gedacht ging der Kurzurlaub zu Ende und über einen kleinen Umweg nach Triest ging es am vergangenen Freitag zurück in Richtung Heimat. Es hatte sich offenbar im drückend schwülen Triest schon angekündigt, dass es mit dem schönen Wetter bald vorbei sein würde, denn bereits auf Höhe Ljubljana tauchten wir in ein Unwetter ein, welches uns bis nach Österreich erhalten blieb. Es schien uns übrigens, als würden nicht nur wir uns gegen eine Rückreise streben, auch Slowenien versucht seine Besucher offenbar mit allen Tricks im Lande zu halten. Interessanterweise nämlich kündigt man Graz kurz vor der slowenisch-österreichischen Grenze das erste Mal in 90 km Entfernung an, um ca. 2 km später einen drohenden Sprung auf 67 km zu machen, fast um uns zu warnen, dass wir schneller als gewünscht wieder in das Land ohne Meer fahren würden, etwas später weist man 59 km Entfernung aus, danach macht man einen Sprung zurück auf 63 km. Aber es half nichts, wir mussten Slowenien verlassen, auch wenn man uns dort demonstriert hatte, dass es offenbar das geringste Problem sei, zweisprachige Ortstafeln aufzustellen, wir passierten die Grenze und waren wieder in jenem Land, welches ich in den besten Momenten als „Daheim“ bezeichne, wenn ich davon spreche.

Piran, Slovenia

Drei Tage habe ich gemeinsam mit Schulfreundin S. also das große Glück genossen, Sonne zu tanken, im Meer zu schwimmen, frischen Fisch zu essen, im Bett meines Zimmers liegend ein gutes Buch zu lesen, während das Glucksen und Rauschen der Adria sozusagen als Hintergrundmusik wie Balsam auf die Seele tropfte, im Strandcafe zu sitzen und einfach aufs Meer zu schauen, um mich vorzubreiten und zu impfen gegen die trüben Wochen, die im herbstlichen Wien bereits auf mich zu lauern scheinen.

Sollen sie kommen. Ich mache dann einfach die Augen zu und stelle mir vor ich wäre in Piran.

Hilfreiche Informationen

Anreise: Piran ist fast exakt 500 km von Wien entfernt. In Slowenien ist man verpflichtet auf Autobahnen eine Vignette zu kleben, es gibt 7-Tagesversionen, die kosten 15 Euro. Innerhalb Pirans sollte man nur kurzfristig parken, es gilt dafür Gebühren zu entrichten, die erste Stunde ist gratis und reicht gewöhnlich, um im Hotel einzuchecken. Kurz vor dem Ortskern gibt es einen öffentlichen Dauerparkplatz, die Gebühren betragen pro 24 h 11 Euro.

Unterbringung: Das Hotel Piran liegt idealerweise direkt am Strand und bietet Zimmer mit Meerblick an, ein Aufpreis, den man sich unbedingt leisten sollte. Es gibt jedoch einige Vorbehalte, die hier kurz erwähnt seien. Zum Einen preist sich das Hotel als 4-Sterne Haus an, diesen Standard erreicht es jedoch nicht. Wie auf der Webseite angepriesen, haben nicht alle Zimmer mit Meerblick auch Balkon und nicht zuletzt funktioniert auch das beworbene Wifi im Zimmer nicht. Zu meinem großen Unmut wird dafür, würde man es nutzen wollen, auch noch eine Gebühr verlangt, es scheint als würden große und sich als der gehobenen Kategorie zugehörig fühlende Hotels noch immer versuchen aus drahtlosem Internet Profit zu schlagen, eine Praxis, die ich hoffentlich nicht mehr lange auf meinen Reisen erleben muss. Erstaunlicherweise sind in dieser Hinsicht die kleinen Privatherbergen, den professionellen Herbergsbetrieben meilenweit voraus. Nebenbei sei auch noch erwähnenswert, dass das Frühstück im Hotel Piran zum Vergessen ist. Automatenkaffee etc. entsprechen ebenfalls nicht dem angepriesenen Standard. Dazu ein Tipp: Gegenüber vom Eingang gibt es am Platz ein nettes Cafe namens Cakola, das zu günstigen Preisen hervorragenden Kaffee anbietet und auch den einen oder anderen Frühstücks-Snack (Muffins, Brioche…). Trotz allem, auch wenn das Zimmer schon etwas abgewohnt war, hat sich der Aufenthalt im Hotel ausgezahlt, weil der Blick aufs Meer einfach herrlich ist. Bestenfalls ein privates Appartement könnte als Alternative dienen, dazu verfüge ich aber leider über keine adäquaten Adressen, die ich empfehlen könnte.

Essen kann man in Piran in verschiedensten Lokalen, an der Strandpromenade reiht sich ein Fischlokal ans nächste, das Restaurant Ivo hat sich als sehr gute Wahl herausgestellt. Das in der Stadt liegende Restaurant Verdi sollte man meiden, mehr möchte ich dazu nicht erwähnen.

Von Piran aus und auch vom Hotel gibt es verschiedenste Ausflugsmöglichkeiten, sogar Tagestrips nach Venedig werden angeboten, derartiges würde auch einen längeren Aufenthalt in Piran rechtfertigen. Räder kann man um 5 Euro pro Tag mieten, damit lässt sich z.B. nach Portorož radeln, sofern man Sand- oder Wiesenstrand sucht.

Weitere Informationen über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten finden sich auf der offiziellen Homepage von Piran, sowie auf Wikipedia.

Susanne, 6. September 2009

4 Kommentare zu “Unterwegs in Slowenien – Piran

  1. Hübscher Bericht!
    Ich war letztes Jahr in Piran und konnte mich gar nicht an diesem wunderschönen kleinen Städtchen sattsehen.
    Kritik an Hotel Piran stimmt – aber so ist das generell mit Hotelkategorien in Exjugo. Restaurant Ivo waren wir auch und haben sehr gut gegessen.

    Zu empfehlen sind noch die Salinen von Secovlje bei Portoroz und die historische Bahntrasse Parenzana, die man schön abradeln kann.

    Geschichtlich gesehen, hast du dich als Binnenländer auf ehemaligem k.u.k. Gebiet bewegt. Also kommt deine Wehmut nach Meer nicht von ungefähr. ;-)

    • thesandworm sagt:

      Danke für die zusätzlichen Tipps! Meeressehnsucht kann gut und gerne kakanische Wurzeln haben, aber darauf wollte ich an dieser Stelle und in Bezug auf Slowenien, das uns in Bezug auf völkerverbindende Signale so weit voraus scheint, gar nicht hinweisen. Piran ist in jedem Fall eine ganz besonders schöne Stadt!

  2. myPics sagt:

    Hallo,

    Schöner ausführlicher Bericht über Piran. Besonders das Foto mit dem direkten Meerblick gefällt mir.

    Christian

    • thesandworm sagt:

      Freut mich, dass dir der Bericht gefallen hat, wenn du das Foto aus dem Fenster meinst, das ist auch eines meiner Lieblingsfotos aus Piran, lg Susanne

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