You alone have brought me to Bath

Traveling Sandworm - artwork zoer

Dieses Zitat stammt aus Jane Austens „Persuasion“ und sowohl der Roman, als auch die Autorin, sind der Grund, warum es auch auf mich zutrifft. Gäbe es Persuasion, das von mir meistgeschätzte Werk der Autorin nicht, wäre ich nie nach Bath gekommen. Hätte Jane Austen (1775 – 1817), die zu meinen Lieblingsautorinnen zählt, nicht einige Zeit hier verbracht, ebensowenig. Und ich hätte eine der vermutlich schönsten Städte Südenglands verpasst.

Bath, Somerset

Bath liegt im Südwesten des Landes in der Grafschaft Somerset. Sofort nach dem ersten kleinen Rundgang und einem Blick auf die, einem Gemälde von J.M.W.Turner würdige, Schönheit der Stadt verlängerte ich meinen Aufenthalt um einen weiteren Tag, insgesamt blieben mir somit 3 volle Tage, um Bath ausführlich zu erkunden.

Was also macht man, wenn man sich einen ersten Überblick über eine nicht ganz so kleine Stadt verschaffen will? Man geht, so wie ich zur örtlichen Touristen-Information, welche sehr zentral im Gebäude neben der Abtei untergebracht ist. Wer meine Abneigung gegenüber diversen Hop-on Hop-Off Bus-Städtetouren teilt und nicht gezwungen ist, sich dessen bedienen zu müssen, der fragt dann auch etwas hartnäckiger nach möglichen Alternativen. Ich bin eindeutig der Typ „schlendernde Touristin“ und ich musste auch nur einmal nachfragen, bis mir die freundliche Dame am Schalter offenbarte, dass es zwei Mal täglich geführte Spaziergänge durch Bath gäbe und diese, zu meiner noch größeren Freude, auch noch gratis wären – mein allerherzlicher Dank geht diesbezüglich an das Bürgermeisteramt von Bath, das diese Touren seit 1930 organisiert. Es handelt sich dabei um ein ähnliches System, wie ich es schon in meinem Eintrag zu Salisbury geschildert habe. Freiwillige „Guides“, meist Senioren oder Seniorinnen, führen interessierte Touristen fast zwei Stunden lang kostenfrei durch die Stadt.

Ich hatte Glück und musste nur eine Stunde auf die nächste Führung, welche um 14 Uhr beginnen sollte, warten, die Wartezeit vertrieb ich mir passenderweise in einem kleinen Pub, in dem ich nicht nur das mir mittlerweile ans Herz gewachsene Ale, sondern auch hervorragendes, preislich sehr günstiges, Essen vorfand.

Bath, Coeur de Lion Pub, house specialty

Um 14 Uhr schließlich schloss ich mich einigen anderen Interessierten an und begann, geführt von einem äußerst sachkundigen und humorvollen älteren Herrn, meine erste Erkundung von Bath. Da ging es zur herrlichen Pulteney Bridge, welche von Robert Adam (1728 – 1792) Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde – inspirieren, wenn auch nicht sofort erkennbar, ließ sich der Architekt übrigens von der Ponte Vecchio in Florenz.

Bath, Pulteney Bridge

Man erwanderte verschiedenste Straßenzüge und bekam detailreich erklärt, was man unter palladianischer Architektur zu verstehen habe. Bestes Beispiel dafür – es handelt sich um eine klassizistische Bauweise, die besonderes Merkmal auf größtmögliche Harmonie legt und danach trachtet, zwischen den aneinander gereihten Bauwerken wenig individuelle Auffälligkeiten erkennen zu lassen – der so genannte Circus. Dabei handelt es sich um einen Häuserkomplex von drei im Kreis angeordneten leicht gekrümmten Häusersegmenten, die jeweils gleich lang und gleich hoch sind und in bestechender Einheitlichkeit gestaltet wurden. Die drei Stockwerke werden im untersten von dorischen, im mittleren von ionischen und im obersten von korinthischen Säulendekorationen verschönt und tragen den klassischen Vorbildern Rechnung.

Bath, The Circus

Ein weiteres beeindruckendes Exempel der Architektur Baths, die übrigens fast zur Gänze von John Wood (the Elder, 1704 – 1754) und dessen Sohn (John Wood the Younger, 1728 – 1782)) gestaltet wurde, ist das ein paar Schritte weiter westlich gelegene Royal Crescent – ein grandioses, ebenfalls leicht gekrümmtes, Ensemble, welches neben dem Circus nicht nur zu einer der teuersten Adressen Baths zählt, sondern auch noch einen herrlichen Blick auf die Stadt bietet. Der leicht abfallende parkartige Rasen, der vom Royal Crescent aus in die Stadt zu fließen scheint, ist in der Mitte durch einen leichten Vorsprung abgegrenzt, ein Vorsprung, der tückischerweise nur von unten zu sehen ist, und der, wenn man den Rasen in Richtung Stadt begeht, leicht zu unangenehmen Stürzen führen kann. Dem dabei getätigten Ausruf verdankt diese landschaftsgärtnerische Besonderheit wohl auch ihren hochamüsanten Namen – sie nennt sich nämlich „Ha-Ha“. Grund für die heimtückische Konstruktion liegt einzig und allein darin, den Blick vom Haus aus (also dort wo die Leute, die es sich leisten können, leben) nicht durch unschöne Zäune oder dergleichen zu verunstalten. Dass ein gedankenlos vor sich hin wandelnder Bonvivant dann hin und wieder unangenehm aus seiner Welt gerissen wird, ist wohl der Preis, der dafür zu zahlen ist – man könnte auch sagen: Reichtum muss leiden.

Bath, Royal Crescent

Weiter ging es wieder in Richtung Stadt, über den sogenannten Gravel-Walk, der allein deshalb von Bedeutung ist, weil sich dort entscheidende Szenen aus „Persuasion“ ereignen, auf die ich aber nicht näher eingehen will, es empfiehlt sich viel mehr dieses Buch einfach zu lesen. Nach der ersten Stadttour ließ ich den Abend mit einer weiteren Führung ausklingen. Ich nahm an den sogenannten Comedy-Walks „Bizarre Bath“ teil – eine wirklich lustige, unkonventionelle Art und Weise, zwischendurch für etwas Abwechslung zum herkömmlichen Touristenprogramm zu sorgen.

Der nächste Tag stand im Zeichen von gemächlichen Spaziergängen durch die Stadt, die, auch wenn ich Gefahr laufe mich zu wiederholen, wirklich ausnehmend schön ist. Seit 1987 ist sie auch als Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt. Mein erster Weg an diesem Tag führte mich in das so genannte Jane Austen Center. Ich gebe zu, ich hatte mir nicht viel erwartet, aber da die von mir bewunderte Autorin nun mal der Grund für mein Kommen nach Bath war, wollte ich dieses Zentrum natürlich auch inspizieren. Bereits vor dem Eingang stand ein kostümierter Herr, der die Besucher offenbar in die Zeit Austens zurückführen sollte – zu dem Zeitpunkt schmunzelte ich noch. Dies ist mir jedoch spätestens nach dem Eintritt in die Jane Austen Anbetungsstätte vergangen. Willkommen in der Kitschhölle! Ein lavendel- und zartrosafarbiges Inferno, dekoriert mit allem was der schmachtenden Frau fehlt, wie z.B. Ratgeber für die erfolgreiche Suche nach dem eigenen Mr. Darcy, Benimmregeln für junge Mädchen (bzw. solche, die sich immer noch dafür halten), david-hamiltonesk weichgezeichnete Fotos eines verträumt vor sich hinblickenden Colin Firth (sieht er gar mich an?!) usw. usf. Nach weniger als 10 Minuten, in denen ich noch eruieren konnte, dass das einzige Angebot, welches mich interessiert hätte (eine Jane Austen Walking Tour durch Bath), für mich nicht in Frage kam, da ich zu dem Zeitpunkt schon abgereist war, floh ich von diesem Ort des Romantik-Kitsch-Grauens, der eine brillante Schriftstellerin, zu nichts weiter als einer Rosamunde Pilcher des 18. Jahrhunderts degradierte. Schande über Bath!

Bath, Thermae Bath Spa (Abbey view)

Es dauerte ein paar Minuten, bis sich die lavendel- und rosafarbenen Schleier vor meinem Auge lichteten, dann beschloss nicht mehr an diesen Jane Austen Wahnsinn zu denken und ließ mich von der Wirkung des honigfarbenen Kalksteins, der in Bath den Großteil der verwendeten Bausubstanz darstellt, besänftigen. Es folgte ein Rundgang durch die Abtei (Bath Abbey), die ein weiteres schönes Beispiel gotischer Baukunst ist, den frühen Abend hielt ich mir für einen Besuch in Baths jüngstem Spa frei. Das der Name Bath nicht von ungefähr kommt, kann man sich leicht ausrechnen, bereits seit Römerzeit wurde und wird in der Stadt immer wieder, mal mehr, mal weniger, Nutzen von den warmen Quellen gemacht. Das so genannte Thermae Bath Spa wurde 2006 eröffnet und fügt sich trotz modernster Architektur, angenehm unauffällig ins traditionelle Stadtbild. Dass man am Dach des Gebäudes, mit Blick auf die Altstadt dem Thermalbadevergnügen frönen kann, war nur ein Grund, warum ich mir diesen, wenn auch etwas kostspieligen Luxus leistete (der zweite war eine hartnäckige Verkühlung, der ich endlich den Garaus machen wollte). Fazit eines knapp dreistündigen Badevergnügens – herrlicher Blick, angenehmes Thermalwasserschwimmen (Becken am Dach und im Souterrain), schönes Dampfbad, wunderschöne Terrasse zum Ausruhen, einziger Minuspunkt – es gibt keine Ruheräume (!), außer Liegestühlen auf der Terrasse und beim Pool im Souterrain hat man darauf schlicht und einfach vergessen. Wer sich ein paar Stunden Erholung gönnen und einen fantastischen Blick auf die Altstadt werfen möchte, sollte sich dieses Vergnügen trotzdem nicht entgehen lassen.

Bath, Roman baths (background: Bath Abbey)

Der letzte Tag in Bath war wieder verstärkt historischem Sightseeing gewidmet, am Programm stand die Besichtigung der Römerbäder. Diese Bäder sind der Grund warum Bath das wurde, was es heute ist. Zur Zeit der römischen Besatzung in England, wurden die warmen Quellen entdeckt, um etwa 70 v. Chr. begann man mit dem Bau eines Römerbades samt Tempelanlage. Diese Strukturen sind noch heute erhalten, auch wenn nach dem Abzug der Römer die Anlage verfiel. Im 18. Jahrhundert hat man die Badekultur und die heilsame Wirkung der Thermalquellen wiederentdeckt, hat damals auch die römischen Anlagen restauriert und für die wohlhabende Gesellschaft, die sich zur Kur in Bath herumtrieb, adaptiert. Der sog. Pump-Room, der neben dem Römerbad liegt, diente als Treffpunkt für die High-Society, auch heute kann man dort, wenn man will, fein Tee trinken, ein Glas Thermalwasser kostet 0,50 Pfund und schmeckt stark eisenhältig (nicht jedermanns Sache), wer die Römerbäder besucht, der bekommt sein Glas Thermalwasser gratis. Die römischen Bäder selbst sind allemal einen Besuch wert, das einzige worauf ich auch diesmal hinweisen möchte: Sparen Sie sich den Audioguide! Wieder einmal eine Ansammlung von äußerst bizarren „Soundsamples“, so erklangen, wenn darauf hingewiesen wurde, dass die Römer etwas erbaut hatten, aus dem Hintergrund Hammergeräusche… Ein weltberühmter Autor, dessen Namen ich noch nie zu vor gehört habe (Bill Bryson), wurde dafür bezahlt, an denkwürdigen Stellen seine Kommentare abzugeben, die z.B. die sonderbare Feststellung enthielten, dass er die Römer zwar wegen ihrer vielen Leistungen bewunderte, aber nicht verstehen könne, warum sie einem derart naiven und bisweilen brutalen Glauben anhingen (er bezog sich auf die Tieropfer auf den Altären), bzw. hat sich der Autor nicht entblödet, die Statue der Schutzgöttin Sulis Minerva für „nicht besonders attraktiv“ zu befinden, während er der Meinung war, dass all die römischen Männerstatuen viel sympathischer wirkten, so als hätte man jederzeit mit einem davon auf ein Bier gehen können…in diesem Sinne, ich kann es nicht oft genug sagen: Halten Sie sich von den Audioguides fern!

Sulis Minerva, Roman baths

Der letzte Tag in Bath ging gemütlich zu Ende, ein Pint Ale noch in einem sehr netten Pub namens The Raven, in dem sich auch hervorragend essen lässt, die Spezialität des Hauses sind hausgemachte Pies. Nicht allzu spät ging es dann ins Hotel, am nächsten Morgen brach ich auf, um endlich das Landesinnere Englands zu verlassen und dorthin zu fahren, wo ich ursprünglich vorgehabt hatte, einen Großteil meines Urlaubs zu verbringen: Ans Meer!

Nächster Stopp: Lyme Regis

Hilfreiche Informationen:

Die Anreise von London mit Zug oder Bus, der Zug benötigt knappe einenhalb Stunden (im Vorverkauf bereits um die 20 Pfund hin und retour), der Bus braucht doppelt so lange, ein Ticket (hin und retour) ist aber bereits um 10 Pfund zu haben.

Sämtliche nützliche Informationen zu Bath, seiner Geschichte und wo man übernachten kann, finden sich auf der offiziellen Webseite von Bath, weitere Informationen auch auf Wikipedia. Ich selbst habe in einem Guesthouse namens Annabelle’s übernachtet. Dieses ist sehr zentral gelegen und das Frühstück ist im Preis inbegriffen, es mag zwar nicht so charmant sein, wie ein B&B, dafür ist es aber für Bath preisgünstig. Vorsicht ist vor allem an Wochenenden geboten, Bath ist eine sehr beliebte Stadt, man sollte sich rechtzeitig um ein Quartier kümmern.

Bizarre Bath: die Comedy Walks finden ausschließlich in Englischer Sprache statt, ausreichende Sprachkenntnisse sind Voraussetzung, um den Humor zu verstehen. Wer darüber verfügt, sollte sich das Vergnügen nicht entgehen lassen.

Roman Baths: Der Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 11 Pfund.

Thermae Bath Spa: Ist die modernste Therme in Bath, daneben gibt es noch andere, die weniger spektakulär, dafür günstiger sind (z.B. das Cross Bath). Es gibt immer wieder besondere Packages, wobei ich persönlich empfehle sich entweder gleich für ein Paket mit Behandlungen zu entscheiden, Spezialangebote mit Restaurantbesuch hingegen sind die Zeit nicht wert, da die Essensdauer in die Badezeit eingerechnet wird. Das Restaurant ist überdies nicht weiter empfehlenswert.

Essen: Besonders gutes Pub-Essen (bodenständige Hausmannskost) gibt es im Coeur de Lion, sowie im The Raven. Beide sind darüber hinaus sehr nette Lokalitäten, in denen sich die Zeit zwischen den Besichtigungen gut vertreiben lässt.

Mayor’s Guides: Zusatzinformation (in englischer Sprache) über das Service des Bürgermeisteramtes. Der Service verfügt auch über eine eigene Webseite, die Touren finden Sonntag bis Freitag um 10.30 und 14 Uhr statt, am Samstag ausschließlich um 10.30 Uhr.

Jane Austen Centre: Wer sich unbedingt dem Kitsch-Wahnsinn ausliefern will, der findet hier alles was das Herz des Romantikers begehrt, sollten Sie nachhaltigen Schaden nehmen, sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt! Die Jane Austen Walking Tours, die vermutlich recht interessant sind, finden abseits der Hochsaison nur an Wochenenden statt, im Sommer gibt es Freitag und Samstag Zusatztouren.

Susanne, 26. Juli 2009

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