Demokratie für Anfänger – Teil II

mad sandworm - artwork zoer

 

Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass jetzt alles einigermaßen ruhig anlaufen würde. Ich spreche von den Grünen Vorwahlen, über die ich vergangene Woche einen ersten Text verfasst habe. Nun, ruhig laufen tut es im Moment nicht, man kann eigentlich davon sprechen, dass die Dinge sich seit gestern einigermaßen beschleunigt haben und eine ganze Reihe von Blog-Einträgen begleiten, kritisieren, kommentieren diese, ja man kann sagen seismische, Aktivität, die sich da rund um das Epizentrum Wiener Grüne langsam ausbreitet.

Es scheint als wären nicht alle Wiener Grünen bedingungslos begeistert vom Engagement der Vorwähler, offenbar herrscht hinter verschlossenen Türen sogar dicke Luft und meine mit soviel Bedacht gewählte Analogie zum Fuchs und kleinen Prinzen, hat in der Realität eine so gar nicht der literarischen Vorlage entsprechende Eigendynamik entwickelt. Der Fuchs (die Wiener Grünen) hat sich nach dem ersten vorsichtigen Annäherungsprozess des kleinen Prinzen (die grünen Vorwähler) erschreckt in seinen Fuchsbau zurückgezogen und sich dort verbarrikadiert. Bis auf ein paar einzelgängerisch veranlagte, vermutlich schon vorgezähmten Füchse, die nun versuchen ihre ängstlich im Bau vergrabenen Artgenossen mit gutem Zureden hervorzulocken, steht man sozusagen vor scheinbar verhärteten Fronten. Da gibt es dann Spekulationen, ob die Wiener Grünen alle Grünen Vorwähler und Vorwählerinnen pauschal ablehnen werden, um endlich wieder unter zu sich sein, bzw. was denn nun genau einen geeigneten Unterstützer der Wiener Grünen ausmacht, wie muss sich dieser bedrohliche Prinz kleiden, welche Etikette muss er einhalten, um sich voll und ganz würdig zu erweisen in den Fuchsbau eingelassen zu werden.

Ich will weder über mögliche Einlasskriterien spekulieren, das tun meine Mitblogger sehr eloquent und wer der Debatte folgen möchte, findet untenstehend eine Linkliste zu den diversen Blogs und Homepages, ich will aber auch nicht sprachlos vor der zugeschlagenen Tür stehen und darauf hoffen, dass man sich dahinter irgendwann doch noch dazu durchringt, diese wenigstens einen Spalt breit zu öffnen und sich direkt mit uns auseinander zusetzen.

 

Grüne Vorwahlen

 

Ich finde mich, nach den gestrigen Ereignissen und den diversen Meinungen, die ich dazu gelesen habe, interessanterweise von einer regelrechten Bilderflut, die sich vor meinem geistigen Auge auftut, überwältigt und auch wenn ich mich nicht darauf spezialisieren möchte dieses hochinteressante politische Experiment ausschließlich mit blumigen Gleichnissen zu kommentieren, so ist das Gleichnis doch immer wieder ein ungemein praktisches Instrument. Lassen sich doch damit auch hochkomplexe Inhalte spielerisch einfach erklären, sodass selbst ein Kind sie verstehen kann und sich die Parabel oft ein Leben lang merkt. In diesem Sinne und weil ich in den Reihen der Wiener Grünen manch archaische Ängste, die mitunter einem kindlich-magischen Denken ähneln, wahrnehme, will ich nun doch auch im zweiten Eintrag zum Thema Grüne Vorwahlen noch einmal zu einem Gleichnis greifen. Diesmal gibt es keine Tiere, oder Prinzen, deshalb ist es vermutlich auch weniger charmant, etwas direkter, aber nachdem sich da Manches zuzuspitzen scheint, halte ich auch von meiner Seite eine etwas spitzere Formulierung für angebracht:

Was mir gestern Abend spontan zu den vielen Meinungen eingefallen ist, ist jenes: ich stelle mir vor die Wiener Grünen sitzen in übertragenem Sinne in einem Raum, draußen befinden sich die potentiellen Grünen Vorwähler. Beide trennt eine Tür, die sich nach innen öffnen lässt. Nun, das charakteristische an derlei Türen ist das Faktum, dass man, will man von Innen nach Außen, sich die Tür durch Drücken nur mit größter Gewaltanstrengung öffnen lässt. Derartiges lässt sich vermutlich nur bewerkstelligen, wenn man die Tür zerbricht, oder aus den Angeln hebt. Will man jedoch von draußen nach drinnen, genügt oft schon ein leichtes Antippen und die Tür geht auf. Das setzt natürlich voraus, dass sie nicht versperrt ist, trotzdem würde vermutlich auch dann die Bewegung von Außen nach Innen schneller zum Erfolg führen. Ich habe also das Gefühl, dass sich die Wiener Grünen nun gewaltsam gegen diese Tür stemmen, damit nur ja niemand hereinkäme, der die bis dato gemütliche Atmosphäre drinnen aufwühlen oder gar zerstören könnte. 

Und selbst wenn der Vergleich hinkt, die Grünen Vorwähler haben sich bis jetzt allen Fragen offen gestellt und ihre Motivation detailliert dargelegt. Sie suchen das Gespräch und haben nichts zu verbergen. Ich traue mich zu sagen, dass keiner der grünen Vorwähler die Partei unterwandern will. Im Gegenteil, mal will sich beteiligen und aktiver am demokratischen Prozess mitwirken. Dass diese Beteiligung und Mitwirkung nun klar definierten Regeln unterliegen soll, lässt sich nicht nachvollziehen, da ja der erklärte Wunsch aller Beteiligten jener ist, wieder guten Gewissens grün wählen zu können und Prozesse, welche die Partei für sie unattraktiv gemacht haben, zu reversieren oder zumindest ein Nachdenken darüber in Gang zu setzen. Darüber sollte jede Partei glücklich sein, wenn sie sich grundsätzlich als demokratisch definieren will. Darüber sollten auch die Wiener Grünen froh sein, denn es haben sich fast aus dem Nichts heraus plötzlich bereits über 100 Leute gefunden, die mehr tun möchten als bloß zu diskutieren. Das Ziel aber ist, und ich spreche hier für mich, nicht in diesen Raum hineinzuwollen, um den vorhandenen Platz zu verringern oder jemandem wegzunehmen, sondern sich mal dort umzusehen und mit jenen, die sich dort zu verstecken scheinen, darüber zu reden, was denn nun genau ihre Aufgabe sein mag und wie sie mich als mögliche Wählerin bestmöglich vertreten können. Nicht mehr und nicht weniger.

Um sich nun wieder dem Gleichnis zuzuwenden. Wenn sich also eine ganze Menge gegen eine nach innen zu öffnende Tür stemmt, dann muss sie, damit sich diese Tür problemlos öffnen lässt, einen Schritt zurücktreten und Platz machen. Von außen wird sie in unserem Fall nicht eingedrückt werden, wir stehen bloß davor und klopfen höflich. Bleibt sie aber zu, dann gehen wir weiter, vielleicht zur nächsten Tür und probieren es dort.

 

Linkliste zu den diversen Einträgen über die Grünen Vorwahlen:

BäckBlog schreibt über die Grünen Vorwahlen und den Typ KIWI,

Gerhard Ladstätter Grüner Bezirksrat stellt den Grünen Vorwählern einige Gewissensfragen,

Martin Schimak  fragt sich, ob die Grünen bereits soetwas wie eine Kirche darstellen,

Helge Fahrnberger fragt sich, ob es bereits soetwas wie einen Ideologietest bei den Grünen gibt,

Digiom stellt sich auch die Frage, ob es einen Grünen Eignungstest gibt,

Christoph Chorherr bloggt über den Unterschied zwischen einer Partei und einer Kirche,

Zwischenruf meint, die Grünen Vorwähler stellen die Partei vor Probleme,

Max Kossatz bloggt unter dem Titel „Grüne Vorwahlen – Angst essen Seele auf“.

 

Alle, die sich für den Diskurs zu diesem Thema interessieren, können sich über den Twitter Stream auf der Webseite der Grünen Vorwahlen einen Überblick über die Chronologie der Ereignisse machen, man findet dort auch die wichtigsten Links. Wer sich noch beteiligen möchte am Politexperiment – am Freitag den 8. Mai findet eine Unterschriftenparty bei Nicky und Gerald Bäck statt – genauere Infos auf der Webseite der Grünen Vorwahlen (link hinter dem Logo), am 12. Mai findet im Café Ritter um 20.00 Uhr eine weitere Infoveranstaltung statt. 

 

Susanne, 7. Mai 2009

 

P.S.: Ich bemühe mich eine halbwegs vollständige und ausgewogene Linkliste anzuführen, und werde diese, so ich in den Kommentaren oder auf sonstige Weise darauf aufmerksam gemacht werde, auch soweit möglich ergänzen!

Ein Kommentar zu “Demokratie für Anfänger – Teil II

  1. In deiner Aulistung kommen nur unterstützende Blogs vor. Es gibt aber auch Kritik an der Vorwahl-Initiative: http://www.zwischenruf.at/?p=2929

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