Skizzen aus Wien – Nr. 23

Karlsplatz Wien

 

Der Frühling ist ausgebrochen. Gottseidank! Und nachdem das derzeit herrschende Wetter alle innenpolitischen Ärgernisse der vergangenen Woche vergessen machte, begab ich mich allerbester Laune auf einen kleinen sonntäglichen Ausflug. Dieser führte mich zunächst ins Wien Museum am Karlsplatz, wo ich mir nicht nur die Dauerausstellung, sondern gleich auch die aktuell laufende Schau „New York – Big City (Street Photography)“ ansah, das alles völlig kostenlos dank einer lobenswerten Sponsoring Aktion des Standard. Die Fotoausstellung läuft übrigens noch bis 24. Mai und sei hiermit wärmstens empfohlen.

 

Wien Museum am Karlsplatz

 

Das Wien Museum am Karlsplatz ist ein äußerst charmantes, übersichtliches kleines Museum. Architektonisch hochinteressant untergebracht, bietet die Dauerausstellung einen Überblick über die kunst- und kulturgeschichtliche Entwicklung Wiens, mit wenigen wohlsortierten Ausstellungsstücken, die im Gegensatz zu manch anderem mit Kunstwerken überladenen Museum auch Raum zum Flanieren und Gustieren läßt. Der Grundsatz „Weniger ist Mehr“ wurde vom Kuratorium des Museums dankenswerterweise berücksichtigt. Daneben bietet das Museum dann auch kleinere zeitlich befristete Sonderausstellungen, wie eben im aktuellen Fall die Schau zum Thema Streetphotograpy in New York.

Nach einer gemütlichen Wanderung durchs Museum drängten mich die warmen Temperaturen wieder nach draußen und ich hatte kurz angedacht mich in Richtung Museumsquartier zwecks Frischluftgenuss und Draußensitzvergnügens zu bewegen, als ich bereits beim Café der Kunsthalle durch eine Massenansammlung von sogenannten Bobos abgeschreckt wurde. Nachdem mir aktuell der Sinn gerade nicht danach stand, mich mit Aperol-Spritzer bei ziemlich lauter Musikbeschallung (aus der Sparte „Elektronik“ – was sonst?) unter eine repräsentative Stichprobe aus Vertretern der gehobenen, jung-urbanen, gut gekleideten Spaßgesellschaft zu mischen (obwohl ich das zugegebenermaßen doch hin und wieder tue – in Wien bleibt einem als Alternative sonst leider wenig anderes übrig…), drehte ich kurzerhand am Absatz um und schlenderte wieder in Richtung Karlsplatz, wo ich mich schließlich dafür entschied, den wohltuend leeren Gastgarten des Otto Wagner Pavillons zu frequentieren.

 

Otto Wagner Pavillon am Karlsplatz

 

Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen, denn es dauerte bloß, für Wiener Kellnerverhältnisse weltrekordverdächtige, 20 Sekunden nachdem ich Platz genommen hatte, da stand auch schon eine, für Wiener Kellnerverhältnisse ebenfalls erstaunlich, ausnehmend freundliche junge Kellnerin vor mir und fragte höflich nach meinen Wünschen. Die Speisekarte wies ausnahmsweise keine asiatische Fusionsküche auf, sondern herzhafte Klassiker à la Schinken-Käse-Toast oder Sacherwürstel. Ich entschied mich, um keinen milieubedingten Stilbruch zu begehen, für eine Gulaschsuppe samt Radler. Die nächsten eineinhalb Stunden schließlich verbrachte ich mit in die Sonne schauen, Touristen betrachten, essen, trinken oder hochinteressiert der bestechenden Musikbeschallung durch Ausnahmekünstler wie Phil Collins oder Status Quo zu lauschen.

Wien kann hin und wieder richtig charmant sein.

 

Nützliche Links:

Wien Museum am Karlsplatz

Otto Wagner Pavillon

 

Susanne, 5. April 2009

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