Das Konzertjahr 2008 (Teil II)

 

Zu Susannes Konzerthöhepunkten des abgelaufenen Jahres (Skizzen aus Wien – Nr.8 ) möchte ich mir an dieser Stelle noch einige Ergänzungen gestatten. Zu Beginn zensuriere ich mich gleich vorauseilend selbst und verliere über das Konzert von Herrn Dylan im Juni aus Rücksicht auf meine liebe Mit-Bloggerin kein einziges Wort. Vorausschicken möchte ich außerdem, dass von vielen großartigen Konzerten, die 2008 noch folgten, keines den unglaublichen, fantastischen, mitreißenden Auftritt von Neil Young im Februar erreicht oder gar überboten hat. Soweit zur damit auch gleich aus dem Weg geräumten „Konzert des Jahres“-Frage.

Derselben Altersklasse wie Dylan und Young gehört John Fogerty an. Ein weiterer senior citizen, der im Juni in der glücklicherweise einmal nicht bestuhlten Wiener Stadthalle alles andere als eine Pensionistenshow ablieferte. Mit einer fünfköpfigen, auffallend jungen Band, lieferte Fogerty eine souveräne und beherzte Show, die etwa zur Hälfte eine Best of Creedence Clearwater Revival-Show und zum Anderen ein Querschnitt seiner wenigen post-CCR-Soloarbeiten mit Schwerpunktsetzung auf dem aktuellen Album Revival (2007) war. Dass dabei in einer über zweistündigen Show auch in längeren CCR-Hit-freien Songblöcken keinerlei Fadesse aufkam, war für mich dann doch auch ein kleines bisschen überraschend. Ich kannte wohl einige Soloarbeiten Fogertys, hätte aber nicht erwartet, dass die Qualität des Materials bis hin zu seiner jüngsten Veröffentlichung derart hoch ist. Als dann noch jeder einzelne Song mit offensichtlich größter Spielfreude aller Beteiligten serviert wurde und Fogerty mit hervorragendem Gesang und ebensolcher Lead-Gitarrenarbeit glänzte, wußte ich, dass ich meine 45 Euro richtig angelegt hatte.

Für einen weiteren guten Tag zeichnete Anfang Juli ein ziemlich dicker, in einem Glitzeranzug auf einem Thron sitzender Mann verantwortlich. Solomon Burke bespielte mit großer Band den Arkadenhof des Rathauses. Groß ist nicht nur der Mann selbst, sondern auch sein Talent als Sänger und Entertainer, dementsprechend beeindruckend war seine gesangliche Darbietung. Burke begann den Abend überzeugend mit dem Titelsong seines aktuellen Albums Like a Fire und ließ Tom Waits‘ Diamond in Your Mind von seinem grandiosen, von Joe Henry produzierten Comeback-Album Don’t Give up on Me (2002) folgen. Damit hatte King Solomon an sich bereits gewonnen. Zwei verzichtbare Medleys – eines Otis Redding gewidmet und eines ein Rock & Roll-Medley – konnten der Konzertfreude keinen Abbruch tun (Medleys sind immer und ausnahmslos böse und vollkommen überflüssig!). Als weitere Höhepunkte erwiesen sich neben dem einen oder anderen Klassiker aus der ersten Karriere von Burke in den 60er Jahren (Cry to Me) zwei Country-Nummern aus seinem vorletzten, einfach und eindeutig betitelten Album Nashville. Im letzten Konzertdrittel lud Burke die Menschen auf die Bühne, schüttelte Hände und ließ Rosen an die Besucherinnen verteilen, bevor er sich schließlich mit Everybody Needs Somebody to Love verabschiedete. Ein Pop/Soul/Country/Jazz-Konzert als full-service in jeder Hinsicht.

 

 

 

Für einen herbstlichen Konzerthöhepunkt war schließlich noch Go-Between Robert Forster verantwortlich. Einige Zeit lang wußte wohl niemand nach dem viel zu frühen Tod Grant McLennans, ob Forster überhaupt weiter Musik machen würde – er dürfte sich wohl selbst nicht wirklich im Klaren darüber gewesen sein. Nachdem dann zu Jahresbeginn sein formidables Soloalbum The Evangelist erschien, war zumindest diese Frage zur Freude vieler eindeutig mit Ja beantwortet und diese Freude resultiert nicht nur aus der Tatsache, dass Forster uns überhaupt als Sänger und Songwriter erhalten bleibt, sondern dass er das gleich mit einer restlos überzeugenden Veröffentlichung klarmacht. Sein Konzert im Oktober im WUK hatte sodann auch den Charakter eines Treffen vieler alter Go-Betweens-Freunde, die glücklich und dankbar Forsters ausgewogener Darbietung von Solonummern und Go-Betweens-Stücken lauschten. 2005 war er auf derselben Bühne noch mit Grant McLennan gestanden. Auch wenn dieser naturgemäß fehlte, so war dieses Fehlen wohl vor allem eines in der Erinnerung des Publikums. Robert Forsters Darbietung war alles andere als eine „halbe“ Sache.

Das Konzertjahr 2008 war also zweifelsohne ein gutes, gar keine Frage. Und wenn ich mir für 2009 was wünschen darf, dann hätte ich gerne endlich wieder einmal ein Konzert von Ron Sexsmith, der im übrigen mit Exit Strategy for the Soul eine Platte des Jahres veröffentlicht hat.

(Martin)

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