Skizzen aus Wien – Nr. 5

Wer in tristen Zeiten wie diesen zwischenzeitliche Ablenkung und Erheiterung sucht, dem sei ein Blick auf die Stelleninserate in den diversen Print- und Onlinemedien empfohlen. Da findet man einerseits immer wieder lustige Kolumnen verschiedenster Personalberater – z.B. wie gehe ich mit einem cholerischen Chef um (…am besten nie direkt in die Augen schauen…), auch der eine oder andere Top-Manager menschelt im Interview vor sich hin und gibt preis, dass es zu allererst wichtig ist authentisch zu bleiben, besonders amüsant aber ist das Angebot an Weiterbildung und Persönlichkeitstrainings für erfolgreiche Führungskräfte (…Pferdeflüsterer meets Abteilungsleiter…).  Andererseits sind Stelleninserate aber auch eine äußerst ergiebige Inspirationsquelle für findige (wahlweise auch windige) Unternehmer.  Lässt sich doch aus den dort gesuchten Qualifikationen für Jobwerber ein umfassender Businessplan für das nächste lukrative Coaching-Institut maßschneidern.

Ein besonderer Fund in dieser Hinsicht war eine Suchanzeige für Englisch-TrainerInnen vom vergangenen Samstag. Pflichtvoraussetzung für die erfolgreiche Bewerbung war nicht bloß ein lächerliches Universitätsstudium, sondern – und hier begann sich meine lebhafte Fantasie dann endlich zu überschlagen – ein sogenanntes Gender-Mainstreaming Zertifikat! Aha? Was lernt man wenn man ein Gender-Mainstreaming Zertifikat erwirbt? Wie schaut die Kursgestaltung aus und viel mehr, wie wird man auf erfolgreiches Gender-Mainstreaming geprüft? Wie kommt man bloß in den Besitz des begehrten Zertifikats! Ich stellte mir einen Kursleiter vor, der die Teilnehmer mit einem herzlichen -Innen begrüßt und ihnen dann verspricht, dass er sie im Rahmen des 6 wöchigen Intensivtrainings ordentlich durch-gender-mainstreamen wird. Herrlich! Vielleicht wird der Kurs sogar im Tandem von einem Leiter und einer Leiterin unterrichtet, eine Trainings-Doppelconference? Das alles könnte man endlos weiterspinnen, doch meine Aufmerksamkeit wurde bereits von der nächsten, gnadenhalber bloß als wünschenswert ausgewiesenen Qualifikation, abgelenkt: dem Diversity-Management Zertifikat…grandios! Ein unerschöpflicher Fundus für die Abkassierer am Bildungsmarkt. Mein Vorschlag für die Stufe zwei im diesbezüglichen Zertifikatswettbewerb: der Master of Gender-Management and Diversity-Mainstreaming. Unabdingbare Voraussetzung für Führungskräfte, High-Potentials und solche die das noch werden wollen. Eine 2-jährige Spezialausbildung samt Abschlusszeremonie im Schloss Schönbrunn. Kostenpunkt: lächerliche 50.000 Euro (kostengünstige Kreditfinanzierung kein Problem!)

 

Susanne, 19. Oktober 2008

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