Die Euro 08 fordert erste Opfer

 

 

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(c) APA/Fohringer

 

 

Es wird also im kommenden Sommer weder ein Kino unter Sternen im Augarten, noch ein Open Air-Filmfestival im Prater geben. Das Burgtheater schließt im Juni und auch das österreichische Filmmuseum in der Albertina sieht sich gezwungen, drei Wochen früher als geplant in die Sommerpause zu gehen. Welche kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen in den nächsten Monaten noch vor der Fußball-Europameisterschaft kapitulieren werden, bleibt abzuwarten.

Nicht jeder, der es sich wünscht, hat die Möglichkeit, Stadt oder Land zu verlassen, um im Juni zum Beispiel die langersehnte Trekking-Tour durch den Himalaya in Angriff zu nehmen. Die Möglichkeit, sich auch in Wien weithehend vor der EM zu verschließen, sich zuhause zu verkriechen oder sonstwie auszuklinken, erscheint zunehmend schwieriger, obwohl viele erklären, genau das zu planen. Wenn sich der Fußball auf derartig aggressive Weise der eigenen, unmittelbaren Lebenssphäre nähert – sei es nun räumlich oder dadurch, dass liebgewonnene und gerne besuchte Veranstaltungen und Einrichtungen vorübergehend von der Bildfläche verschwinden müssen – ist ein bisher nicht dagewesenes Ausmaß an Fußball-Bedrohung erreicht.

Dass einander Fußball und Kultur ausschließen, dürfte Ansicht vieler dem Fußball desinteressiert bis ablehnend gegenüberstehenden Menschen sein. Was sich bisher in der Vorbereitungsphase dieser EM in Wien tut, bestätigt dieses Vorurteil (zum Abschluss der Euro 08 ein Konzert des erklärten Fußballfreundes Elton John im Stadion auf der Hohen Warte anzusetzen ist nicht zur Entkräftung des Vorurteils geeignet, auch wenn die Stadt Wien diese und andere Veranstaltungen als großartiges und besonderes Kultur-Rahmenprogramm verkaufen wird. Dass darüberhinaus 100 Johann Krankl-Skulpturen Innenstadt und Mariahilfer Straße schmücken sollen, lassen wir auch nicht gelten).

Der dem Fußball und der Euro 08 weniger freundlich gesinnte Mensch bemüht sich nun also schon seit längerer Zeit, seine Abneigung gegen die Veranstaltung nicht ins Pathologische kippen zu lassen. Bisher hat das vor allem durch Verdrängung einigermaßen funktioniert. Die Absagenwelle vor allem von Veranstaltungen im filmischen Bereich bring diese ohnehin schon prekäre Situation nun aber zum Kippen. Film liegt uns sehr am Herzen und wird ein wichtiges Thema auf The Sandworm sein. Wenn der Euro 08-Ball nun gleich über mehrere einschlägige Veranstaltungen und Einrichtungen drüberrollt, dann kann er nur ein wirklich böser Ball sein und bestätigt damit gleich alle über Jahre und Jahrzente gehegten Vorurteile mit einem Schlag. Nicht wirklich erfolgreich versuche ich hier also mit einigermaßen säuerlichem Humor noch die Kurve zu kratzen. Angesichts dessen, was uns im Wien bis Ende Juni noch bevorzustehen scheint, könnte an dieser Stelle noch der eine oder andere Eintrag zum Thema auftauchen.

(Martin)

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